Fed Cup Schweden - Schweiz

zurück zur Hauptseite         Last updated: 23.07.2016

Fed Cup 2005 - Weltgruppe II - Schweiz-Slowakei,

Fed Cup 2005 - Weltgruppe I/II - Schweiz-Österreich, Fed Cup 2008 - Europa/Afrika-Zone I - Budapest

Fed Cup 2008 - Weltgruppe II/EA - Österreich-Schweiz,

Fed Cup 2009 - Weltgruppe II - Schweiz-Deutschland, Fed Cup 2010 - Europa/Afrika-Zone I - Lissabon

Fed Cup 2011 - Weltgruppe II - Schweden-Ukraine,

Fed Cup 2011 - Weltgruppe II/EA - Schweiz-Schweden, Fed Cup 2012 - Europa/Afrika-Zone I - Eilat

Fed Cup 2012 - Weltgruppe II/EA - Schweden-Grossbritannien,

Fed Cup 2013 - Weltgruppe II - Schweiz-Belgien, Fed Cup 2013 - Weltgruppe I/II - USA-Schweden

Fed Cup 2014 - Weltgruppe II - Schweden-Polen,

Fed Cup 2014 - Weltgruppe II/EA - Schweden-Thailand  
6.-8. Februar 2015

1. Runde der Weltgruppe II im Fed Cup vom 7./8. Februar 2015 in Helsingborg (SWE)

Wir fahren zum Heimspiel gegen die Schweiz nach Schweden. Eine sehr kuriose Situation. Nach Budapest 2008 und Lugano 2011 ist es bereits das dritte Fed Cup-Duell für mich. Wie oben zu sehen ist, wird es das 15. Fed Cup-Wochenende für mich sein mit Beteiligung einer der beiden Mannschaften. Die letzten vier Jahre davon ohne Unterbrechung. Ein echtes Heimspiel wird es für Johanna Larsson, Sofia Arvidsson und auch den Schweizer Captain Heinz Günthardt geben, die alle drei in Helsingborg und Umgebung wohnhaft sind!

Die Klassierungen der Spielerinnen hinter den Galionsfiguren Larsson und Arvidsson sind verheissungsvoller als viele Jahre zuvor. Es fehlt momentan aber eine Nummer 2, die in den vergangenen Jahren immer einen grossen Baustein der schwedischen Fed Cup-Erfolge darstellte. Gegen die besser klassierten Schweizerinnen versuchen die Schwedinnen mit Heimvorteil zwei Punkte im Einzel zu stehlen.

  • Normalerweise zieht Larsson einen sehr verhaltenen Saisonstart auf dem fünften Kontinent ein. Mit einer 5:3-Bilanz (inklusive Qualifikation) im Einzel ist sie aber gut im Rhythmus. Im Doppel überraschte sie mit der Niederländerin Bertens mit dem Turniersieg in Hobart und dem Viertelfinal an den Australian Open. Die Gefühlslage für das Fed Cup-Heimspiel stimmt somit.
  • Hinter Larsson hat Captain Wahlgren die Qual der Wahl zwischen der 19-jährigen ranglistentechnisch neuen Nummer 2 Peterson oder einem Lucky Punch der weiter besseren Resultaten herbeisehnenden Arvidsson. Zuletzt hat sich etwas im Hintergrund auch die 20-jährige Debütantin Celik gut entwickelt.

 

Schweden:
Johanna Larsson
Rebecca Peterson
Susanne Celik
Sofia Arvidsson
Einzel
71
222
225
253
Doppel
66
212
559
-
Sofia Arvidsson, Susanne Celik, Rebecca Peterson, Johanna Larsson, Lars-Anders Wahlgren 

Die Schweiz ist in der Breite gut aufgestellt, was mittlerweile gar ein Liebäugeln mit der Weltgruppe I zulässt. Bei den aufgebotenen Spielerinnen hat man sich auf die beiden Leistungsträgerinnen beschränkt, welche in den letzten Monaten herausstachen.

  • Die märchenhafte Tennisauferstehung der 25-jährigen Timea Bacsinszky setzt sich fort. In der noch jungen Saison schlug sie die Weltranglistenvierte Kvitova auf dem Weg in den Final von Shenzhen und besiegte die Top 20-Spielerin Jankovic an den Australian Open, was ihr zum Karrierehöchst von Rang 36 verhalf.
  • Die 17-jährige Belinda Bencic wurde unter anderem dank dem US Open-Viertelfinal zur WTA Newcomerin 2014 ausgezeichnet. Die Saison 2015 hat mit zwei glatten Niederlagen allerdings schlecht begonnen.
  • Nicht im Aufgebot stehen Stefanie Vögele (WTA 94) und die sich nach langwierigen Verletzungen ausser Form befindliche 28-jährige Romina Oprandi (WTA 112). In der Teamgestaltung spielt die 34-jährige Martina Hingis (WTA Doppel 7) keine Rolle, auch wenn sie im Doppel gerade ihren dritten Frühling erlebt.

 

Schweiz:
Timea Bacsinszky
Belinda Bencic
Viktorija Golubic

Xenia Knoll
Einzel
36
37
241
261
Doppel
149
226
209
155
Heinz Günthardt, Timea Bacsinszky, Belinda Bencic, Viktorija Golubic, Xenia Knoll 
 Fed Cup Schweden - Schweiz
 Spieltag  Spielstand  Spiel 1  Spiel 2  Spiel 3
 Samstag
 .
 0:2
 .
 Peterson - Bacsinszky
 6:7 0:6
 Larsson - Bencic
 1:6 2:6
 
 Sonntag
 .
 1:3
 .
 Larsson - Bacsinszky
 3:6 6:7
 4. Einzel nicht gespielt  Larsson/Peterson - Knoll/Golubic
 5:7 6:2 10-5

 


Helsingborg

Der Sonnenschein, der uns durch das Fenster am Frühstücksbuffet grüsste, täuschte über den starken und kalten Wind hinweg, der uns draussen erwartete. Einmal mehr beinhalten meine Fotos von schwedischen Plätzen und Brunnen die Überbleibsel wie leere Flaschen und Büchsen vom Treiben der Nacht zuvor.


Helsingborg

Der markanteste Punkt in Helsingborg ist sicherlich der Ausblick von oberhalb der Treppenanlage über den Stortorget (Bild 1-2). Ohne grosse Mühe sieht man gar bis nach Dänemark (Bild 4) und den Hafen von Helsingör.


Helsingborg Arena

Direkt neben dem vor vier Jahren letztmals für den Fed Cup genutzten Idrottens Hus (Bild 2) befindet sich die Helsingborg Arena. Wie es sich für eine moderne Multifunktionsarena gehört, ist sie mit VIP-Zonen für Catering geplant worden (Bild 6). Der Schweiz war allgemein die Favoritenrolle zugewiesen worden. Das ist aber kein Grund um gleich übergrosse Flaggen der Schweiz gegenüber den Schwedischen anzubringen (Bilder 3 und 4).

Timea Bacsinszky, Heinz Günthardt, Belinda Bencic, Viktorija GolubicSofia Arvidsson, Susanne Celik, Rebecca Peterson, Johanna Larsson, Lars-Anders Wahlgren
Schweden - Schweiz
Das Mannschaftsgefühl der helvetischen Equipe scheint zu stimmen und ist prallgefüllt mit Vorfreude auf höhere Aufgaben. Bacsinszky erklärte an der Pressekonferenz, dass sie Björn Borg Unterwäsche trage, um sich auf die Aufgabe in Schweden einzustellen. Als Einlaufmusik wählten die Schweizerinnen Cotton Eye Joe von Rednex und hatten gar ein kleines Tänzchen auf Lager. Heinz Günthardt stand nicht zurück und hatte sich sogar den Fingernagel am kleinen Finger rot lackieren lassen, wie es die Schweizerinnen an allen Fingernägeln gemacht hatten. Vor der ersten Partie versammelte sich das Team im Kreis zur finalen Einschwörung. Eine kleine Delegation an Schweizer Supportern fand gar den Weg nach Schweden. Es schien mir ein Bencic-Fanclub zu sein, wobei die Damen eventuell auch von der Euphorie des Titelgewinns des Davis Cups bei den Herren profitieren. Die Fans sangen Heinz Günthardt am Sonntag zum 56. Geburtstag sogar ein Ständchen. Der in Viken nur zehn Kilometer von Helsingborg lebende Schweizer überzeugte an der Pressekonferenz am Donnerstag mit seinen Antworten auf Schwedisch, äusserte dann aber in Englisch die Erkenntnis "well, the pressure is immer on winning", die Roland und mich das ganze Wochenende begleiten und erheitern sollte.
Hinter dem versammelten Schweizer Team ist übrigens der ehemalige schwedische Fed Cup-Captain Maria Strandlund-Tomsvik mit der ehemaligen Hochspringerin Kajsa Bergqvist zu sehen (Bild 8), die als Rednerin bei einer Veranstaltung des schwedischen Tennisverbands einen Auftritt hatte. Der Zuschaueraufmarsch in der Helsingborg Arena war passabel und die Stimmung angenehm.

Timea BacsinszkyRebecca Peterson
0
:1  
Rebecca Peterson
(WTA 222) - Timea Bacsinszky (WTA 36)   6:7 0:6
Sofort ab ihrer Ersteinberufung ins Fed Cup-Team im Jahr 2000 gehörte Sofia Arvidsson durchwegs zur eingesetzten Startformation. Nach fünfzehn Jahren hingebungsvollem Einsatz musste die nächste Woche 31 Jahre alt werdende Arvidsson nun erstmals auf der Ersatzbank Platz nehmen, was nach eineinhalb Dekaden einen bedeutenden Umbruch für die kleine Equipe mit nur zwei Leistungsträgerinnen darstellt. Für volle zehn Jahre trat Schweden durchwegs in der Kombination Arvidsson/Larsson zu den Partien an, denn auch viereinhalb Jahre jüngere Larsson wurde seit ihrem Debüt 2005 immer eingesetzt und stand auch immer zur Verfügung.
Die Zukunft scheint der 19-jährigen Peterson zu gehören, die im Idealfall die zu besetzende Lücke zeitnah füllen könnte. Momentan verfügt Schweden mit Larsson allerdings nur über eine WTA-Spielerin, was für die Weltgruppenzugehörigkeit nicht ausreichen dürfte.
Von der Auslosung her war es sicherlich vorteilhaft, dass Peterson das Auftaktmatch bestreiten konnte. Denn bei einem allfälligen Einsatz im zweiten Einzel mit einem möglichen 0:1-Matchrückstand als Hypothek hätte dies zu einer Belastung werden können. Das allererste Game bei Aufschlag Peterson war für mich das Wichtigste in der Partie. Hätte sie das nicht halten können, so hätte die Partie an ihr Vorbeigehen können. Sie hielt zum 1:0 und profitierte danach vom langsamen Start Bacsinszkys. Schwedens Neuling überzeugte mit langen und mit Top Spin versehenen Returns und verfügt über einen kräftigen Aufschlag bis 180 km/h Spitzengeschwindigkeit. Das sind zwei verheissungsvolle Grundpfeiler in ihrem Spiel. Das couragierte und genaue Spiel sowie das Anvisieren von Bacsinszkys Vorhand führte zur überraschenden 4:0-Führung. Danach wurde sie mehr und mehr abgefangen inklusive vergebenem Satzball beim Stand von 5:4 und verlor den ersten Satz im Tie-Break. Selbst bei einem Gewinn des ersten Satzes wäre es noch ein langer Weg gewesen für die Schwedin, da der erste Satz mental doch viel Energie entzogen hatte und ihre Gegnerin das Zepter übernommen hatte.

Belinda BencicJohanna Larsson
0
:2  
Johanna Larsson
(WTA 71) - Belinda Bencic (WTA 37)   1:6 2:6
Den oben beschriebenen Vorteil für Peterson als erste Spielerin auf dem Platz wähnte ich für Larsson nicht als Nachteil. Sie wusste ohnehin, dass von ihr Punkte gefragt werden. Ob es in der Begegnung nun 0:0 oder bereits 0:1 steht. Ich hatte allerdings unterschätzt, dass der Druck auf Bencic dadurch natürlich stark abgefallen war. Mit einer Führung im Rücken konnte die 17-jährige bereits befreit aufspielen. Ihre Klasse besteht darin, dass sie kaum von der Grundlinie zurückweicht und die Bälle wenn nötig früh im Aufsteigen spielt. Ausserdem ist die Spielübersicht und die Antizipation der Schweizerin vorbildlich. Dreimal schaffte es Larsson, einen Angriffsball oder zu versenkenden Ball direkt in Bencic's Schläger zu spielen, die sich an den richtige Ort verschoben hatte. Der Schweizerin hingegen passierte dieses Malheur nie. Mit genügend Übersicht und peripherem Sehen spielte sie den Ball scheinbar ganz einfach in den freien Raum.
Der gut schweizerische Kompromiss scheint im Fed Cup-Team zu einer sportlich vorteilhaften Lösung geführt zu haben. In vielen anderen Nation gab es immer wieder Streitigkeiten weil Tennisväter bei der Fed Cup-Woche nicht erwünscht waren. Bartoli war ein bekanntes Beispiel dafür, wo dies der starke französische Verband nicht duldete. Früh genug hat Swiss Tennis Bencic finanziell unterstützt, auch wenn sie die Verbandsstrukturen nicht nutzte. Dafür verpflichtete sie sich unter anderem zur Teilnahme am Fed Cup. Bei diesem darf sogar ihr Vater teilnehmen. Zwar nicht auf der Bank, aber im Publikum (Bild 1), wo er ebenfalls Einfluss aufs Spiel zu nehmen versuchte. Captain Günthardt scheint hier über das diplomatische Rüstzeug und die Erfahrung zu verfügen, um die Situation gut auszugestalten. Soll liess er Bencic nach der 3:0-Sieg Entscheidung am Sonntagnachmittag bereits "springen" und die Mannschaft blieb am Sonntagabend zu Dritt in Helsingborg zurück. Bencic machte sich bereits auf an das Turnier im belgischen Antwerpen, wo sie im Hauptfeld antreten wird.


Chandelier
"1, 2, 3 1, 2, 3 drink. Throw 'em back, 'til I lose count. I'm gonna swing from the chandelier, from the chandelier. I'm gonna live like tomorrow doesn't exist. Like it doesn't exist. I'm gonna fly like a bird through the night, feel my tears as they dry. I'm gonna swing from the chandelier, from the chandelier. But I'm holding on for dear life, won't look down won't open my eyes. Keep my glass full until morning light, 'cos I'm just holding on for tonight." Der Fall von der Kronleuchterklasse in die Jungleklasse könnte dem schwedischen Damenteam bevorstehen. Als ungesetzte Nation stehen in der Auslosung zur Relegation im April nur gewichtige Gegnerinnen zur Auswahl.

Hilda MelanderJohanna Larsson, Anne Weibull, Lars-Anders Wahlgren, Susanne Celik, Sofia Arvidsson, Rebecca Peterson
0
:3  
Johanna Larsson
(WTA 71) - Timea Bacsinszky (WTA 36)   3:6 6:7
Erst im vierten Satz des Wochenendes konnte sich Larsson endlich aus der Umklammerung der schweizerischen Übermacht losreissen und befreit aufspielen. Sofort war das Fünkchen Hoffnung zurück bei uns und wir hofften auf den Gewinn das zweiten Satzes und einen positiven weiteren Verlauf. So auch Hilda Melander (Bild 3), die in den letzten drei Jahren zum schwedischen Viererteam gehört hatte. Die stimmungsvolle Aufholjagd fand mit der Niederlage im Tie-Break aber ihr abruptes Ende, denn der Sieg für die Schweiz war nun besiegelt.

Xenia Knoll, Viktorija GolubicRebecca Peterson, Johanna Larsson
1
:3  
Johanna Larsson/Rebecca Peterson
(WTA Doppel 66/212) - Xenia Knoll/Viktorija Golubic (WTA Doppel 155/209)   5:7 6:2 10-5
Entgegen der bisherigen Vorgehensweise stellten die Schwedinnen nicht die beiden Reservespielerinnen im Doppel auf. Mit dieser Taktik hatten die Nordländerinnen bei der letzten deftigen Niederlage, ebenfalls gegen die Schweiz, in Lugano 2011 sogar den Ehrenpunkt geholt. Die Nummern eins und zwei Larsson/Peterson sollten den Ehrenpunkt einfahren und sich womöglich bereits für das Abstiegsspiel April in Schuss bringen.
Es wurde zu einem zähen Unterfangen für die Einheimischen bei diesem ohnehin schon schwierigen Wochenende. Peterson wurde am Netz vorne von den Schweizerinnen regelmässig abgeschossen. Ihre Reaktion war mal für mal zu schwach und so fiel ihre gesamte Leistung mit Fortdauer des Spiels immer mehr ab. Da wird es sofort auch für eine Larsson schwierig, die in diesem Jahr mit dem WTA-Titel in Hobart und dem Viertelfinal an den Australian Open überraschende Höhen erreicht hatte. Ihre niederländische Partnerin Bertens räumte bei Aufschlag Larsson am Netz vorne aber alles ab. Das war in der Partie heute aber natürlich genau anders herum. So bleibt der Eindruck von Peterson wechselhaft wie es für ein junge Spielerin knapp ausserhalb der besten 200 nun mal der Fall ist. Hoffnungsvoll ist sicherlich, dass sie über starke Grundlagen verfügt.
Die Schwedinnen verfügten über die besseren Spielerinnen, die Schweizerinnen hingegen über das bessere Doppel. Die 22-jährigen Knoll und Golubic waren sehr präsent am Netz, boten ein immer wechselndes Bild an und setzten das Heimteam damit unter Zugzwang. Die grossgewachsene Knoll servierte gar mit über 190 km/h, wackelte in engen Situationen aber auch am meisten. Den Platz im Fed Cup-Team haben beide Schweizerinnen nicht auf sicher. Falls Vögele und Oprandi in Form kommen, haben sie das höhere Spielniveau inne. Und von hinten könnte bald die 17-jährige Jil Belen Teichmann lauern.


Öresundbrücke
Ich frage mich, ob es bald eine längere Schweden-Pause für mich geben wird. Im Abstiegsspiel im April muss das schwedische Fed Cup-Team bei den mit einem breiten Kader abgestützten Slowakinnen antreten. Bei einer Niederlage ginge es zukünftig wieder in die Europa/Afrika-Zone I und schwedische Heimspiele schienen plötzlich in weiter Ferne. Für die Schweiz geht es nach Polen zur Mission Aufstieg in die Weltgruppe I.

Nachtrag April 2015: Trotz der ersten fatalen Fehlaufstellung des Schweizer Captains Heinz Günthardt schaffte die Schweiz in Polen den Aufstieg. Wäre uns das mit Schweden passiert, so würden wir noch jahrelang von einer legendären Begegnung sprechen. Im Aufgebot verzichtete Günthardt auf Bencic, die sich in der aktuellen Entwicklung auf ihre Einzelkarriere konzentrieren soll. Ihre Saison verlief bislang durchzogen, sie wäre aber klar die Nummer 2 im Schweizer Team gewesen. Eine clevere Art des Teamchefs, um die unpopuläre Massnahme wenigstens gut zu begründen. Statt dessen rückten Vögele und Hingis nach. Vögele schied leider verletzungsbedingt aus und Oprandi wurde nachnominiert. Wie die Trainings zeigten waren weder Oprandi noch Golubic im Stande im Einzel aufzutrumpfen. Das veranlasste Günthardt dazu Hingis für das Einzel am Samstag gegen Agnieszka Radwanska aufzustellen. Für mich ein guter Schachzug. Die Swiss Miss hat seit 17 Jahren keinen Fed Cup mehr gespielt und seit 7 Jahren kein Einzel mehr bestritten. Aber in der Aussenseiterrolle gegen Radwanska könnte vieles geschehen und sie ist so sicherlich für das Doppel am Sonntag eingespielt. Denn im Doppel ist sie die aktuelle Nummer 4 der Welt. Um an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen zu können, muss sie in dieser und in der nächsten Fed Cup-Partie mit dabei sein. Ihre Teilnahme machte die Partie Polen-Schweiz neben den beiden Weltgruppen-Halbfinals zur meistbeachteten Begegnung des Wochenende.
Hingis verlor 4:6 0:6. Bacsinszky gewann anschliessend gegen Urszula Radwanska. Das 1:1 nach dem ersten Tag baute Bacsinszky zur Führung aus, in dem sie im Match der Nummern Eins Agnieszka Radwanska mit 6:1 6:1 vom Platz schoss. Ein Doppelsieg von Hingis/Bacsinszky über Rosolska/Radwanska würden nun genügen. Oprandi oder Golubic im Einzel gegen Urszula Radwanska hätten einen ersten Matchball, danach kämen Hingis/Bacsinszky. Doch die Schweizer wollten nun zu viel und Günthardt stellte Hingis nochmals im Einzel auf. Fast hätte es geklappt: 6:4 5:2 stand es für Hingis, doch dann ging ihr die Puste aus. Sie verlor 6:4 5:7 1:6 und war nicht mehr in der Lage im anschliessenden Doppel anzutreten. Die Schweiz musste Bacsinszky/Golubic ins entscheidende Doppel schicken und sogleich war der erste Satz mit 2:6 weg. Glück und viel Kampfgeist führten zum 2:6 6:4 9:7-Sieg des Schweizer Doppels und damit zum grössten Triumph in der Karriere von Viktorija Golubic. Gelegenheit macht Sieger dürfen wir zum Schluss attestieren. Bacsinszky war mit drei Punkten an diesem Wochenende ohnehin die prägende Figur. Das war auch Hingis, allerdings ging sie mit einer 0:2-Bilanz vom Platz.

 

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