Fed Cup Schweiz - Belgien

zurück zur Hauptseite         Last updated: 02.03.2013

Fed Cup 2005 - Weltgruppe II - Schweiz-Slowakei

Fed Cup 2005 - Weltgruppe I/II - Schweiz-Österreich

Fed Cup 2008 - Europa/Afrika-Zone I - Budapest

Fed Cup 2008 - Weltgruppe II/EA - Österreich-Schweiz

Fed Cup 2009 - Weltgruppe II - Schweiz-Deutschland

Fed Cup 2010 - Europa/Afrika-Zone I - Lissabon

Fed Cup 2011 - Weltgruppe II/EA - Schweiz-Schweden

1. Runde der Weltgruppe II im Fed Cup vom 9./10. Februar 2013 in Bern (SUI)

In den letzten sechs Jahren habe ich nur einen einzigen der jährlichen zwei Fed Cup-Termine im Februar oder April verpasst. Mit den Schwedinnen in Buenos Aires fiel dieses Fed Cup-Abenteuer aufgrund der langen Reise diesmal aus. Aber da durfte die Schweiz mal wieder ran und das ist schon auch ein cooles Team. Zusammen mit den Britinnen sind das meine drei Lieblingsmannschaften. Die Ausgangslage zu Hause gegen Belgien stellte für die Schweiz als ungesetztes Team in der Weltgruppe II eine gute Auslosung dar. Das Team münzte die Gelegenheit beim Publikum und für einmal gar bei den Medien erfolgreich in Sympathien und sportliche Anerkennung um!

 

Mit Heinz Günthardt hat Swiss Tennis einen Captain auf der Bank, der die nötige Abgeklärtheit mitbringt und den Spielerinnen technisch und taktisch weiterhelfen kann.

  • Romina Oprandi gibt mit 26 Jahren ihr Debüt für die Schweiz und daher war es naheliegend die Begegnung in der Heimat der bestklassierten Spielerin auszutragen. Nämlich in Bern.
  • Stefanie Vögele ist zurück in den Top 100 und hat die Saison stark begonnen. Sieben Siege, davon drei über Top 100-Spielerinnen und nur knappe Niederlagen gegen Kvitova, Bartoli und Paszek gab es bislang in dieser Saison.
  • Für die Stimmung sorgen Timea Bacsinszky und Amra Sadikovic. Sie sind nicht nur als Anheizerinnen der Fans gut für das Team, sondern haben bewiesen, dass sie im Fed Cup auch auf dem Platz über sich hinauswachsen können. Doch Bacsinszky hat seit April 2011 und ihrer Verletzungsserie (noch) nicht mehr in die Top 100 zurückgefunden. Sadikovic war noch nie besser als auf Rang 179 klassiert. Sie wird im Fed Cup wohl zur Doppelspezialistin getrimmt, denn dort weist sie ein gutes Spielverständnis auf.

 

Schweiz:
Romina Oprandi
Stefanie Vögele
Timea Bacsinszky
Amra Sadikovic
Einzel
67
89
187
237
Doppel
187
150
128
156
Stefanie Vögele, Amra Sadikovic, Romina Oprandi, Timea Bacsinszky

 

Die Zeiten von Henin und Clisjters sind passé für die Fed Cup-Siegerinnen von 2001, die seit 1996 ununterbrochen in der Weltgruppe I oder II spielen.

  • Yanina Wickmayer ist die bestklassierte Spielerin und daher gehen die Belgierinnen als leichte Favoritinnen ins das Wochenende.
  • Denn überraschenderweise stellt Belgien auch die am zweitbesten klassierte Spielerin des Wochenendes. Kirsten Flipkens hat sich innert einem halben Jahr von einem Dasein innerhalb der besten 200 der Welt auf ein Karrierehoch von Platz 32 gespielt. Ihr erster WTA-Turniersieg in Québec City, die Halbfinals in Linz und Hobart und die vierte Runde an den Australian Open verhalfen ihr zu diesem überraschenden Aufstieg mit 27 Jahren.
  • Von den nominellen Ersatzspielerinnen hat Alison Van Uytvanck in den letzten beiden Jahren beim Sandplatzturnier in Brüssel in der Woche vor Roland Garros ihre besten Matchgewinne erzielt. 2011 gegen Patty Schnyder. 2012 gegen zwei Top 50-Spielerinnen. Von Ysaline Bonaventure hingegen erwarte ich abgesehen vom wohlklingenden Namen keine Überraschungen.

 

Belgien:
Yanina Wickmayer
Kirsten Flipkens
Alison Van Uytvanck
Ysaline Bonaventure
Einzel
22
34
195
397
Doppel
329
1082
309
608
Fed Cup Schweiz - Belgien
 Spieltag  Spielstand  Spiel 1  Spiel 2  Spiel 3
 Samstag
 .
 1:1
 .
 Vögele - Wickmayer
 1:6 6:4 6:8
 Oprandi - Flipkens
 6:3 6:3
 
 Sonntag
 .
 4:1
 .
 Oprandi - Wickmayer
 6:2 6:2
 Vögele - Van Uytvanck
 6:2 7:6
 Bacsinszky/Sadikovic - Van Uytvanck/Bonaventure
 6:4 6:4


Sporthalle Wankdorf, Bern
Da hatte ich wahrlich ein Déjà-vu als ich Stefan in Winterthur abholte (Bild 2). Denn schon vor einem Jahr und einer Woche beim Davis Cup hatte ich die schneebedeckte Allee geknipst.


Schweiz - Belgien
Bwin gab der Schweiz eine 4.75-Aussenseiterquote auf einen Heimsieg gegen Belgien. Ich fand das zwar viel zu hoch, aber traute mich nicht zum Wettabschluss.

Stefanie VögeleYanina Wickmayer, Ann Devries
0:1   Stefanie Vögele (WTA 89) - Yanina Wickmayer (WTA 22)
Im ersten Satz blieb Vögele absolut chancenlos, da Wickmayer klar über die härteren Schläge verfügte. Im zweiten Satz wurde ich aber von der starken Leistung der Schweizerin aus meiner Lethargie gerissen und der Funke sprang über. Es war meinerseits eine gewisse Unsicherheit im Raum gelegen. In Portoroz im Juli 2010 hätte Stefi bei ihrer Aufholjagd im zweiten Satz gegen die Einheimische Hercog aufgrund meiner Einflussnahme von der Schiedsrichterin beinahe eine Verwarnung erhalten. In Lugano im April 2011 waren Roland und ich prominent auf der Seite der Schwedinnen im Einsatz. Seither hatte ich Stefi nie mehr gesehen, da sie nur an drei der letzten neun Grand Slam-Turniere im Hauptfeld stand. Der Auftritt in Bern stellte aber alles wieder auf eine solide Basis und hinterliess ein gutes Gefühl.
Abgesehen von der etwas gewöhnungsbedürftigen Beinstellung beim Aufschlag gefiel mir vieles an Vögele's Spiel. Denn selbst mit ihrem Aufschlag servierte sie am Samstag wie am Sonntag jeweils fünf Asse. Am wichtigsten in dieser Partie waren sicherlich ihre überraschenden Longline-Gewinnschläge mit der Rückhand. Wie immer kann sie dank ihrer aggressiven Position bei den Returns Druck auf ihre Gegnerin ausüben. Die 22-jährige ist für mich ein Beispiel für eine harte Arbeiterin, die ohne diese Tugend keine Chance auf eine Top 100-Karriere hätte. Sie erinnerte mich an diesem Wochenende etwas an Heather Watson.
Bei Wickmayer ist alles pink. Sie wird sich ärgern, dass in der belgischen Flagge kein pink drin ist. Doch ihr übliches pink/schwarzes Dress in ihren Lieblingsfarben geht auch für den Fed Cup noch gerade so unbemerkt durch. Die 23-jährige belgische Favoritin sicherte ihrem Team mit einem hauchdünnen 8:6-Sieg im dritten Satz den ersten Punkt.

Kirsten FlipkensStefanie Vögele, Amra Sadikovic, Dmitri Bretting, Sandra Perez, Mirela Borovac, Christoph Knöri, Heinz GünthardtTimea Bacsinszky, Heinz Günthardt
1:1   Romina Oprandi (WTA 67) - Kirsten Flipkens (WTA 34)
Technisch gesehen ist Oprandi wohl bereits eine Fed Cup-Siegerin. Sie wurde einmal im italienischen Team aufgeboten. Das war im Halbfinale 2006, wo sie allerdings nicht zu Einsatz kam. In diesem Jahr gewannen die Italienerinnen den Fed Cup. Der Wechsel der Doppelbürgerin zurück zur Schweiz kostete Swiss Tennis neben Überzeugungsarbeit wohl auch einiges an Geld. Ob das jetzt in bar oder in Leistungen wie Trainingsgelegenheiten und -personal erbracht wird, sei dahingestellt. Es kann aber festgehalten werden, dass mittlerweile Oprandi, Vögele und Bacsinszky durch langjährige Verträge mit Swiss Tennis unter anderem zur Teilnahme am Fed Cup verpflichtet sind. Das gibt dem Verband Planungssicherheit und scheint leider der einzig wasserdichte Weg zu sein. Zukünftig wird diese Diskussion wohl nur noch mit der 15-jährigen Belinda Bencic im Raum stehen, die im letzten Jahr ihr Debüt für das Schweizer Fed Cup-Team gab.
Oprandi ist eine talentierte, aber launische Spielerin. Die Motivation der 26-jährigen an diesem Wochenende war unbestritten. In ihrer Karriere war sie oft verletzt, aber sie ist körperlich auch nicht voll austrainiert. Obwohl sie zu Fuss noch etwas schneller sein könnte, spielt sie aus der Defensive bereits sehr starke und intelligente Bälle. Ihre Verteidigungsschläge aus vergleichbaren Positionen mit anderen Spielerinnen sind um einiges effektiver.
Sowohl die Schweizerin als auch die Belgierin agierten von der Spielanlage her mit ihrem Rückhandslice so, wie es viele Gegnerinnen im heutigen Damentennis nicht mögen. Die Bernerin hatte mit ihrer Vorhand mehr Power und wurde trotz schlechterer Ranglistenposition als ihre Gegnerin ihrer Nummer 1-Rolle im Schweizer Team gerecht.


Minustemperaturen
Draussen herrschten für Mittellandverhältnisse ungewöhnlich tiefe Minustemperaturen, doch die Schweizerinnen wärmten die Hoffnungen auf einen Erfolg in dieser Weltgruppe II-Begegnung. Bwin handelte die Eidgenossinnen am Sonntagmorgen aber immer noch mit einer ungewöhnlich hohen Aussenseiterquote von 3.20. Wiederum fand ich das viel zu hoch, aber traute mich erneut nicht zum Wettabschluss.

Stefanie Vögele
Aufstellungen
Aus dem Training kurz vor der ersten Partie am Sonntag war herauszulesen, dass Vögele ihre Nummer 2-Position im vierten Einzel wahrnehmen wird und Bacsinszky im Doppel zum Einsatz kommen würde. Wobei ein entscheidendes Doppel beim Stand von 2:2 immer noch kurzfristige Wechsel nötig machen könnte. Aus dem Training war zudem zu erkennen, dass Trainer Heinz Günthardt der beste Volleyspieler im Schweizerischen Fed Cup-Team ist. Schliesslich ist er auch zweifacher Grand Slam-Sieger im Herren Doppel (Roland Garros 1981 und Wimbledon 1985 jeweils mit Taroczy Balazs). Als Trainer schätze ich ihn mehr als wenn er als TV-Kommentator analysiert, von welcher Seite der Wind auf den Platz einfällt.
Die unterschriebene schwedische
Flagge ist Rolands und mein grosser Stolz. Verglichen mit der belgischen Flagge (Bilder 8 und 9) können wir da aber in keinster Weise mithalten. Als einziger Trost bleibt, dass diese Unterschriftsammler wohl keine Zweimannshow wie wir darstellen und sich nicht nur auf den Fed Cup reduzieren.

Ysaline Bonaventure, Yanina Wickmayer, Alison Van UytvanckRomina Oprandi
2:1   Romina Oprandi (WTA 67) - Yanina Wickmayer (WTA 22)
Im Duell der Nummern 1 der jeweiligen Teams war Oprandi die überlegene Spielerin. Damit ebnete sie der Schweiz den Weg zum Erfolg. Auf Bild 9 habe ich den Fed Cup-Leitsatz "It takes more than skill to play for your country" so gut es ging zusammengeflickt.


3:1   Stefanie Vögele (WTA 89) - Alison Van Uytvanck (WTA 195)
Der Wechsel bei Belgien von Flipkens zu Van Uytvanck war aus dem Bild 1 vor Wickmayers Match für mich nun wirklich nicht zu erahnen gewesen. Flipkens war aber wohl nicht zu 100% einsatzfähig, da sie danach auch im Doppel nicht eingesetzt wurde.
Nach dem chancenlosen 2:6 im ersten Satz ging die 18-jährige Van Uytvanck nach dem ersten Satzende in eine Toiletten- oder Umkleidepause, um sich einen neuen Schlachtplan zurechtzulegen. Um die Begegnung für Belgien noch drehen zu können, legte sie ihr Glück in ihre Vorhand und versuchte viel Druck zu machen. Gleich mit 3:0 konnte die Belgierin damit wegziehen und Vögele tat ihr den Gefallen und spielte ihr die Bälle in die Vorhand, ohne dass sich die Belgierin gross bewegen musste. Aber Van Uytvanck servierte auch stark und holte sich so die zweiten Bälle auf ihre Vorhand. Glücklicherweise hat das auch Günthardt bemerkt und wies Vögele beim Seitenwechsel an, ab sofort die Rückhand der Belgierin anzuspielen. Sogleich drehte die Schweizerin den Spielstand mit vier Games in Folge zum 4:3. Auf der Rückhand hat Van Uytvanck nur eine Waffe: Den Stoppball spielt sie sehr stark, kann ihn aber natürlich nicht unlimitiert einsetzen. Im weiteren Spielverlauf wurde es beim Spielstand von 4:5, 5:6 und 0:3 im Tie-Break nochmals heiss für die Schweizerin. Doch die Aargauerin sicherte der Schweiz den Sieg im Tie-Break. Ihr Interview nach dem Match ist allerdings noch stark verbesserungswürdig.

 

Amra Sadikovic, Timea BacsinszkyYsaline BonaventureYsaline BonaventureTimea Bacsinszky, Amra Sadikovic
4:1   Timea Bacsinszky/Amra Sadikovic (WTA Doppel 128/156) - Alison Van Uytvanck/Ysaline Bonaventure (WTA Doppel 309/608)
Viele Zuschauer und Hopp Schwiiz-Rufe im bedeutungslosen Doppel zeigen, dass es den Zuschauern gefallen hat. So eine Resonanz ist für Fed Cup-Verhältnisse doch eher selten. Die erste Servicerunde war noch etwas verhalten. Die 18-jährige Bonaventure hat zwar einen rechten Bums beim Aufschlag, ist aber sonst zu fehlerhaft. Bacsinszky spielte Einwürfe statt erste Aufschläge mit Geschwindigkeiten unter 130 km/h. Sowohl Bonaventure und Bacsinszky mussten sich daher breaken lassen.
Das nächste Break folgte mit dem 5:4 gegen Van Uytvanck, was zum Highlight des Spiels führte. Denn beim Seitenwechsel verlangte die Gebreakte nach dem Physiotherapeuten. Timea schaute schon genervt und enervierte sich (Bild 6), weil eine lange Unterbrechung bevor die Gegnerinnen zum Satzgewinn servieren werden doch unfair ist. Denn die Unterbrechung könnte Van Uytvanck eigentlich auch nach dem Satzende nehmen. Nach einer kurzen Konsultation war klar, dass die Behandlung ausserhalb des Platzes stattfinden würde. Timea ergriff nochmals die Initiative (Bild 8) und wollte mit Amra zum Überbrücken Bälle schlagen gehen. Coach und Schiedsrichter willigten ein und die beiden spielten eine Exhibition mit Volleys, Lobs und Tweener-Versuchen. Die Schweizerinnen zelebrierten ihr erfolgreiches Wochenende mit dieser sehr unterhaltsamen Einlage während auf der belgischen Bank warten angesagt war. Als es endlich wieder weiterging, servierte Sadikovic den ersten Satz zum 6:4 aus.


Heimreise
Während Oprandi noch mit Gegnerin Flipkens plauderte, machte ich mich nach dem Ende des ersten Satzes des Doppels auf den Heimweg.


Argentinien - Schweden
So sah ich mir zu Hause im Internet noch den zweiten Satz des vierten Einzels und das abschliessende Doppel der Schwedinnen in Argentinien an. Im übergrossen Stadion Parque Roca in Buenos Aires drehten Arvidsson und Larsson erstmals in der schwedischen Fed Cup-Geschichte einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Sieg.

Die Auslosung für die Runde vom 20./21. April verlief gar nicht nach meinem Gusto:
- unser Stammteam Schweden muss im Kampf um den Aufstieg in die Weltgruppe I in die USA
- die Schweiz muss im Kampf um den Aufstieg in die Weltgruppe I nach Australien
- Grossbritannien muss im Kampf um den Aufstieg in die Weltgruppe II nach Argentinien
Das passt nun wahrlich nicht in die Sparte "kurzer Wochenendausflug".

 

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