Fed Cup Österreich - Schweiz

zurück zur Hauptseite         Last updated: 01.07.2009

Fed Cup 2005 - Weltgruppe II - Schweiz-Slowakei

Fed Cup 2005 - Weltgruppe I/II - Schweiz-Österreich

Fed Cup 2007 - Weltgruppe II - Österreich-Australien

Fed Cup 2008 - Europa/Afrika-Zone I - Budapest

Play-Off der Weltgruppe II im Fed Cup 2008 vom 26./27. April 2008 in Dornbirn (AUT)

 

Vor drei Jahren kämpften die Schweiz und Österreich gegeneinander um die Zugehörigkeit in der Weltgruppe I oder II. Nun, mit stärken besetzten Teams und umgekehrtem Heimrecht, geht es "nur" noch um die Weltgruppe II oder Europa/Afrika-Zone I. Von dort kommt die Schweiz gerade her und möchte keinesfalls dorthin zurück.
Die Wahl für einen Hartplatz-Belag macht aus Österreichischer Sicht Sinn. Bammer und Paszek liegt dieser Belag, während alle anderen 6 Spielerinnen noch lieber auf Sandplätzen spielen.
Die Österreicherinnen möchten mit Bammer und Paszek drei Punkte aus den vier Einzelpartien holen.
Der Plan der Schweizerinnen lautet zwei Punkte im Einzel durch Patty Schnyder und den entscheidenden Sieg im Doppel dank Schnyder/Gagliardi einzufahren.

Im Vorfeld dieser Begegnung kann sich allerdings keine der Leistungsträgerinnen mit dem Prädikat "in Topform" schmücken:

  • Eine enttäuschende 9:10-Bilanz - aber auch ein Sieg über Kuznetsova - prägen Sybille Bammers bisherige Saison.
  • Tamira Paszeks Feuer lodert seit der 7:9-Niederlage in der ersten Runde der Australian Open gegen die spätere Halbfinalistin Jankovic auf Sparflamme. Auch durch körperliche Probleme gehandicapt, steht sie in diesem Jahr erst bei je 5 Siegen und Niederlagen.
  • Als Vielspielerin steht Yvonne Meusburger zwar unter den Top 100, hat aber nie die Klasse ihrer beiden Teamkolleginnen.
  • Die 17-jährige Melanie Klaffner ist die Nummer 4 der Mannschaft. Sie ist zwar die beste Doppelspielerin. Aber ob man im Doppel auf 250 oder 500 klassiert ist, spielt dann auch keine Rolle mehr. Bammer und Paszek setzen ihre Prioritäten anders.
Österreich:
Sybille Bammer
Tamira Paszek
Yvonne Meusburger
Melanie Klaffner
Einzel
24
46
85
310
Doppel
483
853
341
250
  • Patty Schnyder steht seit Februar 2007 nicht mehr in den Top 10. Mit Rang 12 in der Weltrangliste wie auch in der Jahreswertung sieht es trotz des frühen Ausscheidens an den Australian Open aber wieder versöhnlicher aus. Die bisherige Saison brache eine Finalteilnahme in Bangalore, ein Halbfinale in Gold Coast, aber unter anderem auch Niederlagen gegen die Nummern 42, 45, 47, 61 und 78 der Welt.
  • Die 31-jährige Emmanuelle Gagliardi möchte nach Syndey 2000 noch einmal an die Olympischen Spiele und darf dank der Rückkehr ins Fed Cup-Team wohl an der Seite von Schnyder im Doppel in Peking antreten. Ihr bestes Einzelresultat in 2008 ist der Sieg über die Nummer 97 des Rankings.
  • Der Blick in die Zukunft heisst unter Abwesenheit von Timea Bacsinszky (WTA 64) ganz klar Stefanie Vögele. Die 18-jährige macht ihren Weg auf der ITF-Tour mit ansprechenden Resultaten und einer 12:9-Bilanz. Mehr als ein Sieg gegen die Nummer 141 der Welt lag bisher in diesem Jahr aber nicht drin.
Schweiz:
Patty Schnyder
Emmanuelle Gagliardi
Stefanie Vögele
Einzel
12
140
200
Doppel
90
92
251

 

Fed Cup Österreich - Schweiz
 Spieltag  Spielstand  Spiel 1  Spiel 2  Spiel 3
 Samstag
 .
 1:1
 .
 Bammer - Gagliardi
 7:5 6:3
 Paszek - Schnyder
 7:6 2:6 1:6
 
 Sonntag
 .
 2:3
 .
 Bammer - Schnyder
 6:4 6:0
 Paszek - Vögele
 6:4 1:6 5:7
 Klaffner/Meusburger - Schnyder/Gagliardi
 0:6 1:6

 


1:0   Sybille Bammer - Emmanuelle Gagliardi
Ich war positiv überrascht vom Auftritt der schweizerischen Aussenseiterin. Die 31-jährige Genferin hielt das Match vom Start weg lange Zeit offen. Bei der 18-jährigen Vögele hätte zu Beginn wohl ein Schuss Nervosität mitgespielt, was die Wahl von Gagliardi rechtfertigt. Sie antizipierte die Schläge von Bammer sehr gut. Ob es dabei aber an der Erfahrung Gagliardis oder am eintönigen Spiel Bammers lag, sei dahingestellt. Der Spielstil der 27-jährigen Oberösterreicherin ist, so hart wie möglich zu spielen und dafür immer die einfachste Variante zu wählen. Das ist dann meistens der Crossball. Klar hat Bammer auch einen harten Aufschlag. Dass man es damit aber bis auf ein Karrierehoch von Rang 19 schaffen kann, will ich nicht verstehen. Gagliardis Aufgabe war es, nicht auf die Crossduelle einzugehen, sondern das Spiel mit Longlinebällen zu verteilen. Das gelang ihr sehr gut.
Erst mit dem Tie-Break in Griffnähe kassierte Gagliardi das erste Break zum 5:7-Satzverlust. Eine verpasst Chance. Schon fast klassisch zog Favoritin Bammer nach gewonnenem Startsatz im zweiten Durchgang dann mit 3:0 und später mit 5:1 davon. Überraschend hatte Gagliardi zum Ende aber nochmals die Moral und die Klasse, zurückzukommen. Zu mehr gereicht hat es für die Westschweizerin aber nicht, da sie 1 Meter vor dem Netz stehend zwei Schmetterbälle kläglich verschlagen hatte. Je einen in der Endphase jedes Satzes.
Einen Tipp hätte ich vielleicht noch, wie man Österreichs Nummer 1 bezwingen könnte: Bei tiefen Bällen bekundete sie mehr Mühe als bei mit Spin gespielten, hoch abspringenden Bällen. Zumindest heute. Eigentlich überraschend bei ihrer Spielanlage.


1:1   Tamira Paszek - Patty Schnyder
Für dieses Spiel würde ich um die halbe Welt reisen! Schade, dass nicht einmal die 2'700 Plätze in der Dornbirner Messhalle ausverkauft waren. Die Stimmung allerdings war sehr gut. Im direkten Duell steht es 1:1. Paszek gewann an den US Open im Tie-Break des Entscheidungssatzes. Schnyder in Dubai gegen eine mit Magenproblemen kämpfende Paszek.
Nach Bammers Arbeitstennis im Match zuvor folgte nun also Paszeks Talenttennis. Ich könnte jedes Mal Luftsprünge machen, wenn ich ihr zusehe. Ich bin entzückt! Und Schnyder ist natürlich auch nicht gerade das, was man als talentfrei bezeichnen würde. ;-)
Wie in der ersten Partie hielten beide Spielerinnen damentennisuntypisch ihre Aufschlagspiele. Ohne Breaks ging es in den Tie-Break. Waren zuvor leichte Vorteile auf Seiten Schnyders gelegen, zog Paszek nun in der Kurzentscheidung davon. War es der Heimvorteil? War es der Aussenseitervorteil bzw. der Nicht-die-Favoritenrolle-haben-Vorteil? Vielleicht etwas von beidem. Frech und überzeugend war jedenfalls, wie Tamira den Satzball gegen die Stoppball-Königin verwandelte. Mit mit einem Stoppball holte sie die Schweizerin ans Netz und passierte sie danach der Linie entlang.
Ende erster, anfangs zweiter Satz überzeugte Tamira mit einer unglaublichen Definsivleistung. Patty Schnyder fehlte der Schlüssel. Gegen andere Gegnerinnen hätte sie mit ihren Schlägen schon dreimal den Punkt erzielt gehabt... Ein erfolgreiches Mittel war dann aber, einen langen Ball in die eine Ecke und den nächsten nur auf Höhe der T-Linie in die andere Ecke zu spielen. Somit musste sich Paszek nicht nur quer, sondern von hinter der Grundlinie auch noch nach vorne bewegen.
Im zweiten Satz gab es zu Beginn gleich drei Breaks zum 1:2 für Schnyder. Nachdem Tamira bereits bei 1:1 eine Entscheidung monierte hatte, stellte sie sich bei 1:3 quer. Sie setzte sich auf den Boden und schrie den Schiedsrichter an. Das ist nicht die feine englische Art. Aber zu Hause erlaubt man sich wohl mehr als auswärts (ganz à la Alize Cornet). Der Grund dafür lag nicht ausschliesslich in den vermeintlichen Fehlentscheidungen. Schuld daran waren eine stärker werdende Gegnerin und die fehlende physische Stärke. Tamira konnte im Jahr 2008 erst 5 Turniere bestreiten und ist deshalb wohl auch noch nicht auf dem nötigen Fitnesslevel. Gegen aussen hin waren es leichte Probleme mit dem linken Oberschenkel. Insgesamt verlor sie aber mehr und mehr an "Kampfkraft". Erst nahm die Konzentration ab, danach wurden die Beine langsamer und zum Schluss schwand auch noch ihre Schlaghärte. Solche Schwächen lässt eine Weltranglisten-12. natürlich nicht ungenutzt.
Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine starke Teamleaderin für eine Mannschaft ist. Dank Patty Schnyder ist die Schweiz zurück auf der Erfolgspur und kann zuversichtlich auf den Sonntag blicken.


2:1   Sybille Bammer - Patty Schnyder
Nach dem Papierform-Samstag folgte der Überraschungs-Sonntag. Sensations-Sonntag muss man eigentlich sagen! Schnyder legte gegen eine fehleranfällige Bammer souverän zum 4:0 vor. Doch dann gewann das 28-jährige österreichische Geburtstagskind im Duell der Linkshänderinnen alle 12 Games in Folge!? Schnyders erster Aufschlag wurde zu einer Hypothek. Bammer unterliefen keine Fehler mehr, Schnyder konnte nicht mehr punkten... Sensationell. Und die vermeintliche Vorentscheidung in der gesamten Begegnung zu Gunsten der Gastgeberinnen.

Stefanie Vögele
2:2   Tamira Paszek - Stefanie Vögele
Der Plan wäre gewesen, Vögele bei einer 2:1-Führung gegen Paszek antreten zu lassen, um Schnyder/Gagliardi anschliessend für den Showdown im Doppel einzusetzen. Nun lag die Schweiz aber zurück, ein Sieg wurde zur Pflicht. Dennoch hielt man an der Entscheidung fest. Zwar startete die 18-jährige Aargauerin mit einem Doppelfehler ins Match, doch blieb dies der einzige Tribut, den Vögele der grossen Aufgabe zollen musste. Im ersten Satz spielte sie erstaunlich gut mit, lag aber mit 2:5 hinten und konnte nur noch auf 4:5 verkürzen. Eine Ehrenmeldung zwar, aber ohne die Sensation ist der Abstieg besiegelt.
Von der Spielanlage her kommt Stefanie Vögele zu gut, dass sie in ihre durchaus harten, offensiven Schläge einiges an Top Spin einbaut. Durch den Drall konnte Paszek nicht einfach den Druck des aufspringenden Balles in eigene Energie umwandeln. Ausserdem spielt die Nummer 200 der Weltrangliste die Bälle mit einer sehr guten Länge. Ohne diese würde nämlich auch der Top Spin nichts bringen. Sehr wertvoll waren Vögele's konsquente, aggressive Returns auf die zweiten Aufschläge der 17-jährigen Lokalmatadorin. Sie erzielte Returngewinnschläge am Laufband und Paszek unterliefen unter diesem Druck zunehmend Doppelfehler. Dem eigenen Aufschlag konnte die Schweizerin vertrauen. Mindestens fünf Asse haben wir gezählt! Aus dem Spiel heraus war es ebenfalls die Schweizerin, die Druck machen konnte und ihre Gegnerin über den Platz hetzte. Vögele ist absolut fit und austrainiert, wodurch bezüglich Ausdauer nie ein Fragezeichen aufkam. Das klingt ja alles durchaus positiv. Aber erst wenn man sich vor Augen hält, dass sie den zweiten Satz gegen die Weltranglisten-46. mit 6:1 bestimmte, sieht man, wie sensationell Stefi's Darbietung war!
Im Entscheidungssatz war Mut und Nervenstärke gefragt. 0:2 15:40 geriet Stefi ins Hintertreffen, konnte aber auf 2:2 ausgleichen. Vom Ergebnis her blieb es nun eng. In den Ballwechseln dominierte weiterhin die Schweizerin. Sie machte die Punkte oder die Fehler und verdammte Tamira Paszek zur Statistin. Bei 4:4 folgte das nächste Break zu Gunsten der Schweizerin, die nun zum Matchgewinn servieren konnte. Zwei Matchbälle bei 40:15 reichten nicht aus. Aber das Re-Break zu Null zum 6:5 gab neuen Mut. Wiederum 40:15 und der 5. Matchball war dann der Punkt ins Glück für Stefi und die Schweiz!
Verliererin des Wochenendes ist somit natürlich Tamira, die ihre beiden Einzelpartien verlor. Das tut mir leid für sie. Man kann im Moment schon von einer kleineren oder mittleren Durststrecke reden. Schuld daran ist die Physis. Darauf baut das ganze Spiel auf. Und das Selbstvertauen natürlich. Darauf bauen ihre Gewinnschläge auf. Fehlentscheide gab es zu Hauf an diesem Wochenende. Aber dass die 17-jährige so vehement darüber lamentiert, ist befremdend und eigentlich nur ein Ventil für die schlechte Eigenleistung.


2:3   Melanie Klaffner/Yvonne Meusburger - Patty Schnyder/Emmanuelle Gagliardi
Mit dem Momentum auf Seiten der Schweizerinnen verkam der Showdown zum Einbahntennis. Zu gross war der Unterschied im Leistungspotential. Ich verstehe nicht, warum man im österreichischen Doppel auf Sybille Bammer verzichtete. Aber auch das hätte den den Abstieg Österreichs nicht verhindern können.
Emmanuelle Gagliardi nahm wie bereits in Budapest die Rolle als Kopf des Doppels inne und zeigte eine starke Leistung. Alle drei Spielerinnen hatten somit ihren grossen Anteil an der Rückkehr der Schweiz in die Weltgruppe. Patty Schnyder ebnete als Teamleaderin den steinigen Weg durch alle Partien hindurch. Brach sozusagen die Spitze. Und wenn es nötig wurde (und es wurde nötig!), konnte sie auf ihre Teamkolleginnen zählen. Am Schönsten ist natürlich, dass die Jüngste zur Heldin wird. Sie bekam dieses Jahr leider nur wenig Spielzeit, schaffte es dabei zwar zu Ehrenmeldungen, aber nicht zum Sieg. Und nun schlug sie ein wie eine Bombe!
Einzige Verliererin aus Schweizer Sicht ist Timea Bacsinszky. Sie spielt nicht für die Schweiz im Fed Cup, weil sie ihr Einzelranking verbessern möchte, um im Sommer an den Olympischen Spielen in Peking für die Schweiz starten zu können. Klingt paradox, ist es auch.

 

Stefanie Vögele

Unsere Fed Cup-Heldin Stefanie Vögele zusammen mit meinem Kumpel Roland und mir. Die diesjährigen Fed Cup-Abenteuer haben sich gelohnt. Auch für mich als Fan. Nach dem sensationellen Doppelthriller in Budapest folgte die Sensation wie Phönix aus der Asche in Dornbirn. Die Unterschriften des ganzen Teams sind ein schönes Andenken daran. Hopp Schwiiz!

 

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