Fed Cup Schweiz - Schweden

zurück zur Hauptseite         Last updated: 23.04.2011

Fed Cup 2005 - Weltgruppe II - Schweiz-Slowakei

Fed Cup 2005 - Weltgruppe I/II - Schweiz-Österreich

Fed Cup 2008 - Europa/Afrika-Zone I - Budapest

Fed Cup 2008 - Weltgruppe II/EA - Österreich-Schweiz

Fed Cup 2009 - Weltgruppe II - Schweiz-Deutschland

Fed Cup 2010 - Europa/Afrika-Zone I - Lissabon

Fed Cup 2011 - Weltgruppe II - Schweden-Ukraine

Play-Off der Weltgruppe II im Fed Cup 2011 vom 16./17. April 2011 in Lugano (SUI)

In den Pressemitteilungen direkt nach der Auslosung nahmen sowohl der Schweizerische als auch der Schwedische Tennisverband sofort Bezug auf die letzte Fed Cup-Partie zwischen den beiden Teams, welche in Budapest 2008 stattfand. Die Schweiz hatte damals im entscheidenden Doppel (Schnyder/Gagliardi-Arvidsson/Larsson) fünf Matchbälle abgewehrt und Peter aus der Slowakei und ich hatten als Einzige wie die Irren für die Schweiz gefant. Swiss Tennis schrieb in der Pressemitteilung vom 9. Februar 2011: "Jene Partie hinterliess derart Spuren, dass Schnyder sie als einen der Höhepunkte ihrer langen Fedcup-Karriere bezeichnet." Der Svenska Tennisförbundet titelte in seiner Pressemitteilung gleichentags: "Chans till revansch i Fed Cup".
Die vorletzte Partie zwischen Schweden und der Schweiz fand 2002 in Malmö statt. Damals unterlag das schweizerische Doppel Schnyder/Casanova in der entscheidenden Partie mit 5:7 im dritten Satz gegen
Svensson/Arvidsson und stieg in die Europa/Afrika-Zone I ab. Nach dieser Partie erstattete Schnyder auf eigenen Wunsch ihre Gage an den Schweizerischen Tennisverband zurück, weil ihre Leistung nicht den Ansprüchen genügt habe.

 

Keine der Spielerinnen beider Teams ist wirklich in Topform:
Schnyder:         Rang Ende 2010: 44       WTA-Matchbilanz 2011: 3 Siege, 5 Niederlagen.
Bacsinszky:       
Rang Ende 2010: 51       WTA-Matchbilanz 2011: 3 Siege, 6 Niederlagen.

  • Sowohl im Fed Cup 2002 als auch 2008 war Schnyder im Einzel Arvidsson unterlegen. Die Angstgegnerinnen der schweizerischen Linkshänderin sind meistens Linkshänderinnen oder Spielerinnen wie Arvidsson, die über eine starke Rückhand verfügen.
  • Sand ist sowohl die Lieblingsunterlage von Schnyder als auch von Bacsinszky. Bei den Schwedinnen scheint Arvidssons Spiel eher ungeeignet für den langsamen Belag. Larsson fühlt sich auf Sand durchaus wohl, was sie mit dem Halbfinale in Acapulco im Februar unterstrichen hat.

 

Schweiz:
Patty Schnyder
Timea Bacsinszky
Stefanie Vögele
Amra Sadikovic
Einzel
40
48
153
587
Doppel
103
39
157
575

 

Einzig die beiden Topspielerinnen beider Teams haben dieses Jahr Spiele in WTA-Hauptfeldern bestritten:
Larsson:          
Rang Ende 2010: 68       WTA-Matchbilanz 2011: 5 Siege, 8 Niederlagen.

Arvidsson:         Rang Ende 2010: 52       WTA-Matchbilanz 2011: 4 Siege, 8 Niederlagen.

  • Nach einem Jahr in der Weltgruppe könnte die Herrlichkeit für die Skandinavierinnen bereits wieder vorüber sein. Für die aktuelle Partie sind die Schweizerinnen stärker einzuschätzen. In naher Zukunft (bei einem Rücktritt von Schnyder und Verbandsquerelen von Bacsinszky sobald die Olympischen Spiele wieder vorüber sind) aber stufe ich die Schweiz nicht mehr stärker ein als Schweden.

 

Schweden:
Johanna Larsson
Sofia Arvidsson
Anna Brazhnikova
Sandra Roma
Einzel
79
83
575
1033
Doppel
80
98
355
-
Fed Cup Schweiz - Schweden
 Spieltag  Spielstand  Spiel 1  Spiel 2  Spiel 3
 Samstag
 .
 2:0
 .
 Bacsinszky - Larsson
 7:6 6:1
 Schnyder - Arvidsson
 6:1 6:0
 
 Sonntag
 .
 4:1
 .
 Schnyder - Larsson
 3:6 7:5 6:2
 Bacsinszky - Arvidsson
 6:3 6:1
 Vögele/Sadikovic - Brazhnikova/Roma
 5:7 4:6


San Bernadino
Nach meinen letzten Prüfungen am Freitag mit einem anschliessenden OFFA-Ausgang in St. Gallen machten sich Roland und ich am Samstagmorgen auf den sehenswerten Weg nach Lugano.

Timea Bacsinszky
1:0   Timea Bacsinszky - Johanna Larsson
Das waren wohl etwa 12 Punktgewinne bei 15 Stoppballversuchen von Timea. Meistens direkte, da es Johanna von ihrer Position weit hinter der Grundlinie nicht zeitig bis ans Netz vor schaffte. Und wenn sie den Ball erreichte, dann hatte sie keine passende Antwort parat. Diese Tatsache war für Timea ein Pluspunkt in Sachen Selbstvertrauen und Wohlfühlfaktor.
Einen Knackpunkt hätte die Partie fast erlebt. Nach der 5:3-Führung der Schweizerin im ersten Satz rettete sich Johanna nach Abwehr einiger Satzbälle in den Tie-Break. Doch da zeigten sich die Auswirkungen der bislang nicht zufriedenstellenden Saisonresultate. Nach drei verlorenen Kurzenscheidungen gegen die Ukraine zog sie auch in diesem Tie-Break relativ klar den Kürzeren. Da fehlte die letzte Abgeklärtheit, um einen kühlen Kopf zu behalten. In diesem Fall war sie zu ungeduldig gewesen.
Mit mondhohen Topspin-Bällen hatten sich die Konkurrentinnen teilweise bekämpft. Es war wirklich zu befürchten, dass eine der Spielerinnen früher oder später über die kleine Abschrankung bei den Linienrichterstühlen fallen und sich irgendwie einen Fuss vertreten würde. Das geschah aber glücklicherweise nicht und das Spiel war trotz oder wegen all seiner Facetten interessant anzuschauen und auf einem guten Niveau. Das ist für mich auf Sandplatz Top 50-Niveau.
Ich hatte mich auf ein langes Spiel eingestellt, dass die Dreistundengrenze knacken könnte. Doch nach dem umkämpften ersten Satz ging alles ganz schnell und bis zum Ende des ersten Spieltages wurden die Schwedinnen nur noch überrollt. Positiv aufgefallen ist mir bei Johanna immerhin ihre stark verbesserte Rückhand, wie ich fand.


2:0   Patty Schnyder - Sofia Arvidsson
Völlig unter Kontrolle hatte Patty die Partie gegen Sofia. Die mangelnde Beinarbeit, die für eine gute Defensive fehlte, brachte die Schwedin auf Sand durchwegs in Bedrängnis. Zwar kann sie mit ihren Schlägen selbst auf dem langsamen Belag direkte Punktgewinne erzielen, aber sie kam kaum in die Position dazu. Nach den Boulevard-Schlagzeilen der letzten Wochen (eventuelle Geldprobleme) und einigen Niederlagen war ich gespannt auf Patty's Auftritt. Sie erwischte einen starken Tag und konnte ihre Rolle als Teamleaderin eindrücklich einnehmen.


Morcote
Einen Abstecher nach Morcote inklusive einer Tessiner Fleischplatte benötigten wir zum Verdauen des Ausgangs vom Vortag und vor allem des abrupten und klaren Endes des ersten Spieltages. In den letzten drei Sätzen des Tages hatten die Schwedinnen gerade einmal zwei Games gewinnen können.


Lugano
Unser Hotelzimmer lag genau neben der Bahn (Ausblick aus dem Hotelzimmer auf Bild 4), die nachts bis kurz nach 1 Uhr fährt und morgens kurz nach 5 Uhr wieder loslegt. Dafür war es halb so teuer wie alle anderen Hotels in der Stadt.

Patty SchnyderJohanna Larsson
3:0   Patty Schnyder - Johanna Larsson
Mit einem guten Start in den zweiten Tag und dem ersten Satzgewinn für das Auswärtsteam hielt Johanna das Fünkchen Hoffnung für ihr Team am Leben. Doch bereits gegen Ende des ersten Satzes hatte sich abgezeichnet, dass Patty das Zepter so langsam übernehmen würde. Die 32-jährige Baslerin spielte die Bälle mit einiger Marge und zeigte cleveres Sandplatztennis. Nach der Partie - ihrer wohl letzten im Fed Cup - wurde sie für ihren 50. Matchgewinn im Fed Cup gebührend gefeiert. Im Einzel hat sie 33 Siege bei 16 Niederlagen vorzuweisen. Im Doppel sind es 17 Siege bei 6 Niederlagen.
In Sachen Stoppbällen punktete auch Patty beinahe so oft wie tags zuvor Timea. Wobei Patty den Stoppball im Gegensatz zu Timi lediglich als Vorbereitungsschlag spielt, um anschliessend aus dem Halbfeld den Punkt abzuschliessen, wo sie jeweils eine gute Spielübersicht beweist. Allerdings ist bei Patty der Stoppball in manchen Situationen ein Notschlag. In solchen Fällen schafft es der Ball dann vielfach nicht bis zur Netzkante. Sie leidet bei diesem Spezialschlag an einer höheren Fehlerquote als ihre Teamkollegin.
Für Johanna blieb die "gut gespielt aber trotzdem verloren"-Erkenntnis, die ihr in der aktuellen Situation wohl ziemlich zum Hals raushängen wird.

Timea Bacsinszky
4:0   Timea Bacsinszky - Sofia Arvidsson
Die Einzelpartien wurden auf einem ansprechenden Niveau geführt, was Sandplatztennis anbelangt. Einzig Sofia fiel ab. Gegen Timea konnte die 27-jährige in der bedeutungslosen Partie nur bis zum 3:3 mithalten. Danach setzte die Lausannerin zur Kür an und überliess der Schwedin bis Spielende nur noch ein Game.
Wenn ich mir ansehe, mit wieviel Leidenschaft Timi für das Fed Cup-Team auf und neben dem Platz steht, dann frage ich mich, warum sie in den vergangenen drei Jahren so viele Absenzen zu verzeichnen hatte. Von fünf möglichen Fed Cup-Auftritten zwischen 2008 und 2010 war sie nur einmal mit dabei. Jetzt geht es auf die Olympischen Spiele zu und sie stiess wieder zum Team. Nach den Eindrücken aus Lugano gehe ich aber davon aus, dass sie in Zukunft gerne die Leaderrolle im Schweizer Team übernehmen möchte.

Sandra RomaAmra Sadikovic, Stefanie VögeleAnna Brazhnikova, Sandra RomaSandra Roma, Anna Brazhnikova
4:1   Stefanie Vögele/Amra Sadikovic - Anna Brazhnikova/Sandra Roma
Bei der Partie zwischen Bacsinszky und Arvidsson hatte ich die Schweiz im Vorfeld etwas favorisiert. Alle anderen Begegnungen schienen aber völlig offen. Für das abschliessende Doppel der Reservistinnen lag die Favoritenrolle nun aber klar auf Seiten der Schweizerinnen. Und ausgerechnet dieses Match endete mit einzigen Punktgewinn des Wochenendes für die Schwedinnen!
Die Schweizerinnen bauten mit einem Serve and Volley-Aufschlagspiel von Amra gleich viel Druck auf. Im nächsten Game entkamen die Schwedinnen bei Aufschlag von Anna nur knapp dem Break. Bis dahin hatten die Schweizerinnen ihren Gegnerinnen kaum eine Verschnaufpause gelassen und am Netz viele Bälle abgefangen und verwertet.
Doch beim ersten Aufschlagspiel von Stefi kam Unsicherheit in das Heimteam. Sie hatte im Jahr 2009 den Durchbruch in die Top 100 geschafft und stand 2010 vor der schweren Aufgabe der Bestätigung, vor der nun zum Beispiel in 2011 auch Johanna Larsson steht. Da spielt man dann an höher dotierten und stärker besetzten Turnieren, was automatisch zu mehr Niederlagen führt. Da kassiert man die eine oder andere Niederlage zu viel und dann kommen noch kleine Verletzungen hinzu und schon hat man sich nach einem Jahr aus den Plätzen verabschiedet, die eine direkte Aufnahme in Grand Slam-Felder garantieren. Etwa so sieht es momentan bei Stefi aus. Ihre Leistung in diesem Doppel hat mich leider negativ überrascht und ich hatte mich für dieses Fed Cup-Wochenende auch noch auf die "falsche" Seite geschlagen. Alles in allem also etwas unglücklich. Gerade beim Aufschlag bemerkte man das auf und ab. Der Aufschlag ist ein Schlag, den man mit Trainingsfleiss stark verbessern kann. Diesen Fleiss hat sie und teilweise kamen die Aufschläge wirklich stark. Andererseits ist eine gewisse Unsicherheit vorhanden und das sieht man in anderen Momenten den Aufschlägen dann auch sofort wieder an.
Die beiden kleinen Schwedinnen spielten mit der nötigen Gelassenheit und vor allem Anna hatte mit teilweise glücklichen, aber beherzten Aktionen Erfolg. Das hob sofort die Stimmung und riss auch Sandra mit, die bei ihrem ersten Aufschlagspiel noch recht wacklig gewesen war. Bei beiden Schweizerinnen hingegen schlichen sich immer mehr gravierende Fehler ein. Dieser überraschende Sieg bescherte sowohl der 19-jährigen Anna als auch der 21-jährigen Sandra den zweiten Sieg im Fed Cup im zweiten Spiel. Er verhinderte auch den völligen Absturz unserer Flaggan-Bilanz. Die war nach Helsingborg bei 12:4 gestanden und hat sich in Lugano nun auf 13:8 verschlechtert. Immerhin sind auf Flaggan neu fünf Unterschriften drauf.


Fed Cup 2012
An meinem Geburtstag etwas in der Hospitality Zone des Fed Cup rumhängen (Bild 1) ist auch nicht schlecht. Wobei dort ja auch nicht gerade der Bär tanzt. Nach der Partie stand noch eine kleine "Versöhnung" mit dem Schweizer Team an und der neue Timi-Fan Roland holte sich noch ein schwedisch-schweizerisches Foto ab (Bild 3). Ich bemerkte neben Amra (Bild 4) stehend, dass ich auch nicht gerade der Grösste bin... :-)
Was den Fed Cup anbelangt sieht es für 2012 wie folgt aus:
- mit der Schweiz hat an diesem Wochenende das bessere Team verdient gewonnen und den Aufstieg in die Weltgruppe II geschafft. Dort werden sie dann wohl in Bestbesetzung, aber ohne Patty antreten.
- Gegnerinnen in der Weltgruppe II könnten sogar die USA oder Frankreich sein, welche zum ersten Mal seit Bestehen des Fed Cups (1963) aus der höchsten Spielklasse abgestiegen sind. Die USA unterlagen in Deutschland. Frankreich verlor in Spanien.
- dafür hat die Ukraine ohne die Bondarenko-Schwestern einen überraschenden Erfolg in Australien gelandet und steigt in die Weltgruppe I auf. Noch im Februar hatten sie sich hauchdünn gegen Schweden durchgesetzt.
- für die Schwedinnen geht es nach einem Jahr zurück in die Europa/Afrika-Zone I. Oder wie es Johanna bezeichnen würde in den "crazy Jungle".

 

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