Fed Cup Schweiz - Deutschland

zurück zur Hauptseite         Last updated: 11.06.2016

Fed Cup 2005 - Weltgruppe II - Schweiz-Slowakei

Fed Cup 2005 - Weltgruppe I/II - Schweiz-Österreich

Fed Cup 2008 - Europa/Afrika-Zone I - Budapest

Fed Cup 2008 - Weltgruppe II/EA - Österreich-Schweiz

1. Runde der Weltgruppe II im Fed Cup 2009 vom 7./8. Februar 2009 in Zürich (SUI)

 

Zwischen den Nachbarländern kündigt sich ein ausgeglichenes Kräftemessen an. Beide Teams in Bestbesetzung antretend sind die Gastgeberinnen um Patty Schnyder wohl leicht zu favorisieren. Allerdings würde ein entscheidendes Doppel zum Abschluss sicherlich nicht mehr zum Spaziergang verkommen wie im letzten Jahr gegen die Österreicherinnen. Die erfahrende Doppelspielerin Gagliardi ist nicht mehr dabei und müsste durch die junge Bacsinszky oder Vögele ersetzt werden. Ausserdem steht sich das derzeit erfolgreiche schweizerisch-deutsche Doppel Schnyder/Grönefeld auf je einer Seite des Netzes gegenüber. Aus Sicht des deutschen Teams hätte ich eine Doppelspezialistin wie Jasmin Wöhr mitgenommen, um diese an Grönefelds Seite zu stellen. Vier Einzelspielerinnen braucht es ohnehin nicht.

  • Von Patty Schnyder werden einmal mehr zwei Punkte im Einzel erwartet. Ihre Fed Cup-Bilanz von 26:13 im Einzel könnte zwar besser sein, aber sie ist fraglos die wichtigste Teamstütze des letzten Jahrzehnts. Auch im Doppel muss sie punkten.
  • Nach einem Jahr Absenz könnte gerade die Rückkehr von Timea Bacsinszky als starke Nummer zwei des Teams ausschlaggebend sein. Sie hatte die Australian Open allerdings verpasst. Offiziell hiess die Begründung Trainingsrückstand aufgrund einer Knieverletzung. Inoffiziell heisst sie Liebeskummer.
  • Stefanie Vögele muss sich wiederum mit der Position der Nummer drei abfinden. Wir sähen nur allzu gerne einen erneuten Exploit unserer Fed Cup-Heldin vom vergangenen Jahr.
  • Für Nicole Riner bleibt wohl nur die Aufgabe als Sparringpartnerin und die Chance, Erfahrungen zu sammeln.
Schweiz:
Patty Schnyder
Timea Bacsinszky
Stefanie Vögele
Nicole Riner
Einzel
16
60
124
405
Doppel
42
215
134
692
  • Nur einen Matchgewinn aus drei Fed Cup-Einzeln hat Sabine Lisicki vorzuweisen. Diesen holte sie sich aber gegen Lindsay Davenport. Das sollte reichen, um vor der Gefährlichkeit der 19-jährigen gewarnt zu sein.
  • Nach einer Durststrecke von über einem Jahr, bedingt durch grosse psychische und physische Probleme, ist Anna-Lena Grönefeld seit letztem Sommer wieder konkurrenzfähig. Sie stand 2006 in der Weltrangliste bereits einmal auf Platz 14 im Einzel und 7 im Doppel.
  • Kristina Barrois ist in der Form ihres Lebens und deshalb unter den Top 100 der Weltrangliste zu finden. Ihr Potential ist aber beschränkt.
  • Nach einem halben Jahr Zwangspause in 2008 ist Tatjana Malek nun wieder zurück. Der Grund für ihre Abwesenheit war wahrlich kein alltäglicher. So schrieb "Die Welt":
    "Deutsche Tennisspielerin war in Lebensgefahr. Eine scheinbar harmlose Beinverletztung hätte Tatjana Malek beinahe das Leben gekostet. Ärzte diagnostizierten bei der 20-Jährigen eine Blutgefäßverstopfung, die zum Herzstillstand führen kann und bereits eine Lungenembolie verursacht hatte. Schuld soll das viele Fliegen gewesen sein."
Deutschland:
Sabine Lisicki
Anna-Lena Grönefeld
Kristina Barrois
Tatjana Malek
Einzel
62
64
92
188
Doppel
142
35
192
280

 

Fed Cup Schweiz - Deutschland
 Spieltag  Spielstand  Spiel 1  Spiel 2  Spiel 3
 Samstag
 .
 1:1
 .
 Schnyder - Grönefeld
 7:6 6:3
 Bacsinszky - Lisicki
 0:6 4:6
 
 Sonntag
 .
 2:3
 .
 Schnyder - Lisicki
 6:7 7:5 6:1
 Bacsinszky - Grönefeld
 3:6 1:6
 Schnyder/Vögele - Grönefeld/Malek
 4:6 3:6

 


1:0   Patty Schnyder - Anna-Lena Grönefeld
Jubiläum: Patty Schnyder bestreitet ihre 30. Fed Cup-Begegnung! Das hat sie unter anderem auch der Europa/Afrika-Zone I "zu verdanken", wo aufgrund des unterschiedlichen Modus mehr Länderkämpfe ausgetragen werden, die dafür nur drei anstatt fünf Partien umfassen. Dennoch ein dickes Kompliment an die Adresse der 30-jährigen Baslerin. "Dank" der Europa/Afrika-Zone I reitet die Schweizer Damenmannschaft im Moment auf einer Siegeswelle von sieben gewonnen Länderwettkämpfen in Serie.
Gegen Grönefeld gelang Schnyder das Auftaktbreak, dass sie allerdings umgehend wieder einbüsste. Danach waren Breaks Mangelware und die Deutsche konnte jeweils vorlegen. Die Nordhornerin punktete wie erwartet mit einem starken Aufschlag und harten Grundlinienschlägen. Sie überzeugte aber vor allem mit einer tiefen Fehlerquote. Das bereitete Schnyder einige Probleme, da sie gerne längere Ballwechsel gespielt hätte. Diesen Wunsch zerstörte Grönefeld mit ihrem Powertennis allerdings.
Der Knackpunkt war der Tie-Break im ersten Satz, als die vermeintliche Aussenseiterin Grönefeld dem Druck, gewinnen zu können, nicht gewachsen war. Gleich mit 7:0 gewann die erfahrene und abgeklärte Schnyder die Kurzentscheidung. Gleich zu Beginn des zweiten Satzes konnte die Schweizerin dank einem Break auf 3:0 vorlegen und verwaltete diesen Vorsprung anschliessend souverän.


1:1   Timea Bacsinszky - Sabine Lisicki
Die Schweizerin möchte lange Ballwechsel spielen. Die Deutsche serviert stark und drescht so hart wie möglich auf die Bälle. Auch im zweiten Match galten diese taktischen Vorraussetzungen. Nur spielte Lisicki beeindruckender als Grönefeld zuvor. Zehn Asse gelangen der Berlinerin. Ihre präzis-harten Grundschläge waren nicht zu erreichen. Jedenfalls nicht für eine Bacsinszky, die gerade ihren ersten Ernstkampf des Jahres bestritt. Wie Grönefeld im ersten Match baute im zweiten Satz wiederum die Spielerin der Gäste ab. Doch da stand es bereits 6:0 2:0 für Lisicki. Dank ihrem starken Aufschlag hielt sie das Break in der nun ausgeglicheneren Partie bis zum Ende. Lisicki gewann 29 von 32 Punkten, wenn ihr erster Aufschlag im Feld war. Bacsinszky steigerte sich an der Gegnerin und servierte im zweiten Satz ebenfalls konzentriert und stark.
Die Lausannerin hatte zuletzt unter einer Knieverletzung gelitten. Aber ehrlich gesagt sieht ihr rechter Knöchel (Bild 2) auch nicht gerade gesund aus. Der ist wohl auch schon einige Male in Mitleidenschaft gezogen worden.


Aufstellung
Patty Schnyder war für Einzel und Doppel gesetzt. Timea Bacsinszky zeigte am Samstag keine so schlechte Leistung, dass man sie für das Einzel am Sonntag hätte austauschen müssen. An beiden Tagen waren wir früh im Stadion und konnten das Training beobachten und Schlüsse über die Aufstellung ziehen. So war Schnyder nie anzutreffen, da sie jeweils bereits das erste Match bestritt. Am Samstag spielten Bacsinszky und Vögele ein, wobei Vögele dann noch eine Extraeinheit mit Coach Ivo Werner absolvierte. Sie hatte an diesem Tag ja auch keinen Einsatz. Am Sonntag waren wiederum Bacsinszky und Vögele am Einspielen. Aufgrund des Eindrucks aus diesem Training hätte ich es riskiert und Vögele für das Einzel gegen Grönefeld aufgestellt. Timea hat zwar mehr Talent, aber Stefi verfolgt ihren Weg konsequent. Sie ist austrainiert und in Form, während Timea wohl wieder ein Jahr ihrer Karriere verstreichen lässt, ohne ihr Potential auszuschöpfen. Während Vögele eine gewisse Sicherheit ausstrahlte, verzog Timea viele Bälle, sobald sie ausser Position geriet. Das Training liess die Aufstellung aber erahnen: Timea im Einzel, Stefi im Doppel. Denn die Aargauerin erhielt danach noch eine Extraeinheit Volleytraining. Kurz darauf erschienen Verwandte und Bekannte, würde ich sagen (Bild 3). Die wussten natürlich, dass es heute zu einem Einsatz kommen würde. Und auch psychologisch passte alles: Das Training im NYC 08-Shirt (Bild 2), um die positiven Erinnerungen von der bisher einzigen Grand Slam-Qualifikation an den letztjährigen US Open abzurufen.

Sabine Lisicki
2:1   Patty Schnyder - Sabine Lisicki
Überraschung: Heute kriegten wir lange Ballwechsel zu sehen! Sogar in beiden Einzelpartien. Das war nach den gestrigen Auftritten nicht zu erwarten gewesen. Aber Patty Schnyder konnte Lisicki mit langen und mit Spin versetzten Bällen zurückbinden. So konnte die Deutsche nur selten zu direkten Gewinnschlägen ansetzen. Sie kann allerdings nicht nur draufhauen, sondern auch gefühlvolle Rückhandstoppbälle spielen. Aber das kann Patty natürlich schon lange. So entwickelte sich eine interessante Partie. Die 19-jährige aus Berlin hätte die Partie zu ihren Gunsten entscheiden können. Dann nämlich, wenn sie ihre Nerven im Griff gehabt hätte. In wichtigen Momenten versagte ihr Aufschlag. So gab sie sowohl im ersten als auch im zweiten Satz eine Führung mit drei Doppelfehlern in einem Game preis. Um so überraschender war dafür ihre Leistung im Tie-Break des ersten Satzes. Dort packte sie auf einmal ihre Asse und Gewinnschläge wieder aus und gewann diesen. Schnyder musste das Gleichgewicht zwischen Aggressivität und Mitspielen finden, wobei ersteres grundsätzlich die richtige Variante war. Je mehr Fehler Lisicki unterliefen, desto passiver spielte Schnyder. Sobald Lisicki wieder aufdrehte, brauchte Schnyder dann einige Momente, um auch wieder in Gang zu kommen. Wie Grönefeld tags zuvor hatte auch Lisicki hohe Bälle auf Schnyders Rückhand als deren vermeintliche Schwäche ausgemacht. Die Schweizerin meisterte diese Situationen allerdings sovuerän.


2:2   Timea Bacsinszky - Anna-Lena Grönefeld
Beim gestrigen Match konnte man Bacsinszkys Niederlage noch mit einer starken Gegnerin erklären. Nachdem nun aber der Quervergleich aus den Partien von Schnyder und Bacsinszky da ist, relativiert sich dieses Bild. Ohne Zweifel haben Lisicki und Grönefeld weitaus mehr Potential, als ihre Weltranglistenposition von Rang 60 zeigt. Doch auch Timea ist dort klassiert und auch sie hat einiges Potential nach oben. Nur spielte sie heute noch einen Tick schwächer als gestern und war nach ihrer Niederlage bitter enttäuscht (Bild 4). Grönefeld hatte es auf die schwache Vorhand der 19-jährigen abgesehen, die sich in die Defensive drängen liess. Bacsinszky hätte beim Return aggressiver werden müssen. Zwei Meter hinter der Grundlinie zu warten, kann auf Dauer nicht funktionieren. Vor allem dann nicht, wenn man innert zwei Tagen vier Sätze am Stück klar verliert und etwas an der Taktik ändern sollte.


2:3  Patty Schnyder/Stefanie Vögele - Anna-Lena Grönefeld/Tatjana Malek
Was haben die kroatische Davis Cup-Mannschaft und das deutsche Fed Cup-Team gemeinsam? - Alle ihre Spieler schlagen Asse am Laufband! Selbst die nur 172cm grosse Tatjana Malek. Ich revidiere meine Meinung aus der Vorschau oben auf dieser Seite. Für das Doppel hatte das deutsche Team neben Grönefeld mit der 21-jährigen aus Bad Saulgau eine valable zweite Spielerin am Start. Die Jokerfunktion bei den Schweizerinnen übernahm Stefanie Vögele.
Das Deutsche Doppel hat diese spannende Partie verdient gewonnen. Die Gäste spielten druckvoller und gingen vor allem am Netz vorne konsequenter in die Bälle hinein. Das war bislang auch der Schlüssel bei den letzten Erfolgen des schweizerischen Doppels gewesen. In Sachen Entscheidungsspielen im Doppel war die Schweiz im Fed Cup zuletzt seit 2004 fünfmal in Folge ungeschlagen geblieben. Emmanuelle Gagliardi hatte dies an der Seite von Patty Schnyder jeweils sehr gut umgesetzt. Die 32-jährige Genferin ist allerdings nicht mehr dabei und ihre Nachfolgerin war noch nicht so weit, dies erfolgreich zu praktizieren. Auch bei Schnyder haperte es. So konnten die Schweizerinnen kaum Druck auf ihre Gegnerinnen ausüben. Bauchnabel ans Netz und reingehen, heisst meine taktische Anweisung für die Zukunft.

Die Niederlage gegen Deutschland ist eine verpasste Chance, aber kein Weltuntergang. Im Nachhinein gesehen waren die Gäste wohl sogar näher am vierten Punkt dran als die Schweizerinnen am Dritten. Allerdings steht nun im April ein Relegationsspiel gegen den Abstieg in die Europa/Afrika-Zone I an. Das wird leider kein Spaziergang werden. Doch das Team hätte in dieser Besetzung die Klasse, ihren Platz in der Weltgruppe zu verteidigen.

 

Nachtrag März 2009: In der Smash-Ausgabe vom März stand, dass an beiden Tagen zusammen etwas über 1000 Zuschauer in der Zürcher Saalsporthalle waren. 700 davon Offizielle, Eingeladene und Sponsoren. Ernüchternde Zahlen leider. Selbstredend, dass ich dies nicht ganz verstehen kann.


Des einen Leid, des anderen Freud'. Dieses Bild habe ich mir von tatjana-malek.com "ausgeliehen" .

 

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