Fed Cup Schweden - Thailand

zurück zur Übersicht         Last updated: 18.10.2015

Fed Cup 2008 - Europa/Afrika-Zone I - Budapest,

Fed Cup 2010 - Europa/Afrika-Zone I - Lissabon, Fed Cup 2011 - Weltgruppe II - Schweden-Ukraine

Fed Cup 2011 - Weltgruppe II/EA - Schweiz-Schweden,

Fed Cup 2012 - Europa/Afrika-Zone I - Eilat, Fed Cup 2012 - Weltgruppe II/EA - Schweden-Grossbritannien

Fed Cup 2013 - Weltgruppe I/II - USA-Schweden,

Fed Cup 2014 - Weltgruppe II - Schweden-Polen  
18.-21. April 2014

Play-Off der Weltgruppe II im Fed Cup 2014 vom 19./20. April 2014 in Lidköping (SWE)

 

Diesmal lässt sich der Vorbericht kurz halten: Thailand ist eine gute Auslosung für Schweden und man darf erwarten, dass zu Hause in Lidköping der Verbleib in der Weltgruppe II der besten 16 Nationen der Welt gesichert wird.

  • Zu Hause schafft man sich wie gewohnt die bevorzugten Bedingungen. Im Fall der Skandinavierinnen bedeutet das einen langsamen Hartplatz in der Halle. Mehr noch als den Belag erwähnten die Thailänderinnen während der Vorbereitungswoche vor der Begegnung die schweren beziehungsweise langsamen Bälle.
  • Bei dieser Ausgangslage sollten es die Schwedinnen nicht auf ein entscheidendes Doppel ankommen lassen müssen. Beide Niederlagen in den Heimspielen in Helsingborg 2011 und in Boras 2014 während der Ära Arvidsson/Larsson sind noch sehr präsent und die Thailänderinnen verfügen im Doppel mindestens über so gute Qualitäten wie im Einzel.
  • Die ernüchternde Bilanz nach den ersten dreieinhalb Monaten der Saison lautet Larsson 2:6, Arvidsson 0:0 und Peterson 1:1 (Aufgabe-Sieg) in Hauptfeldern auf der WTA-Tour.

 

Schweden:
Johanna Larsson
Sofia Arvidsson
Rebecca Peterson
Hilda Melander
Einzel
88
146
231
407
Doppel
140
496
617
377
Rebecca Peterson, Hilda Melander, Sofia Arvidsson, Johanna Larsson

Etwas überraschend aber verdient hat sich Thailand in der Asien-Zone I in Kasachstan unter anderem gegen das favorisierte Heimteam durchgesetzt. Weil auch China strauchelte, kämpfen nun die Thailänderinnen um den Aufstieg in die Weltgruppe II.

  • In den Jahren 2005 und 2006 war Thailand bereits einmal in der Weltgruppe II vertreten. Damals angeführt von der diesen Mai 37 Jahre alt werdenden Tanasugarn, die ihr Fed Cup-Debüt 1993 gab. Sie wurde in diesem Februar in Astana nur noch im Doppel eingesetzt, war dort zusammen mit Kumkhum aber für zwei entscheidende Siege verantwortlich. Ausser den Doppelkonkurrenzen an den Australian Open, dem Fed Cup sowie in Pattaya City hat sie in diesem Jahr aber keine weiteren Resultate auf ihrem Matchblatt aufzuweisen.
  • Kumkhums beste Resultate stammen von den Australian Open. Erst einmal hat die 20-jährige eine Qualifikation zu einem Grand Slam-Hauptfeld überstanden. Das war 2013 in Melbourne und dort besiegte sie in der ersten Runde Arvidsson. Einmal schaffte sie zudem direkt über die Weltranglistenklassierung die Aufnahme in ein Grand Slam-Hauptfeld. Das war 2014 in Melbourne, wo sie in der ersten Runde die Weltranglistensechste Kvitova schlug. Nach diesem Sieg betonte Kumkhum, dass sie die mit ihrer Heimat vergleichbaren, fordernden Bedingungen in der Hitze Australiens liebe und sie dabei ihre besten Leistungen abrufen könne.
  • Die 22-jährige Lertcheewakarn war bei den Juniorinnen erfolgreich. Im Einzel gewann sie Wimbledon 2009. Im Doppel siegte sie mit Schwedens Sandra Roma an den US Open 2008 und gewann zusammen mit anderen Partnerinnen Roland Garros und Wimbledon 2009.
  • Die Bilanz in WTA-Hauptfeldern 2014 ist auch bei den Thailänderinnen kaum Weltgruppen II-tauglich mit Kumkhum 2:3, Lertcheewakarn 0:0, Lertpitaksinchai 1:1 und Plipuech 0:1.

 

Thailand:
Luksika Kumkhum
Noppawan Lertcheewakarn
Tamarine Tanasugarn
Varatchaya Wongteanchai
Einzel
106
214
434
464
Doppel
173
150
99
231
Luksika Kumkhum, Noppawan Lertcheewakarn, Tamarine Tanasugarn, Varatchaya Wongteanchai
 Fed Cup Schweden - Polen
 Spieltag  Spielstand  Spiel 1  Spiel 2  Spiel 3
 Samstag
 .
 2:0
 .
 Larsson - Lertcheewakarn
 6:1 6:3
 Arvidsson - Kumkhum
 6:2 6:4
 
 Sonntag
 .
 4:0
 .
 Larsson - Kumkhum
 6:2 6:4
 4. Einzel nicht gespielt  Melander/Peterson - Tanasugarn/Wongteanchai
 6:2 6:4

 


Lidköping
Lidköping ist ein neuer Austragungsort für uns. Mit dem Mietwagen ab den umliegenden Flughäfen sind verschiedene Anreisen denkbar (2h ab Göteborg, 4h ab Stockholm oder Oslo sowie 5h ab Kopenhagen). Da es für uns keinen Direktflug nach Göteborg gibt, haben wir uns für die Variante Oslo entschieden. Das 25'000 Einwohner zählende Lidköping (nicht zu verwechseln mit dem viermal grösseren Linköping) ist ein nettes Provinzstädtchen, das uns gut gefiel.


Sparbanken Lidköping Arena
Es handelt sich beim Stadion um eine Bandy-Arena. Da diese Sportart mit Schlittschuhen, Stock und Ball auf Eisfeldern so gross wie Fussballfeldern ausgetragen wird, hätte die Arena das aufgebaute Tennisstadion gleich viermal fassen können (siehe Bild 4). Auf Bild 3 sieht man das Davis Cup-Logo. Das hat damit zu tun, dass der schwedische Tennisverband für beide Veranstaltungen die gleiche Tafel einsetzt, welche auf einer Seite mit Davis Cup und auf der anderen mit Fed Cup beschriftet ist.

Der Veranstaltungsort hatte Ende Februar das Melodifestivalen beherbergt (Bild 5), wo die Sendung "Andra Chansen" ausgetragen wurde. Hier schaffen es neben den acht direkt qualifizierten Beiträgen der vorangegangenen Sendungen noch zwei weitere ins Final. Der Gewinner des vom schwedischen Fernsehen SVT veranstalteten Melodifestivalen wird jeweils zum Vertreter Schwedens am Eurovision Song Contest. Für das schwedische Fed Cup-Team handelte es sich im übertragenen Sinn auch um eine "Andra Chansen", da sie im Relegationsspiel die Zugehörigkeit zur Weltgruppe II doch noch bewerkstelligen können.

Das erste schöne Frühlingswochenende in Schweden hielt die Lidköpingerinnen und Lidköpinger trotz massenhaft angebrachter Fed Cup-Plakate im Stadtzentrum leider von einem Besuch in der Halle fern. Bei der Eröffnungszeremonie mussten die Spielerinnen gegen einen leeren Zuschauersektor blicken (Bild 6-8). Was für eine trostlose Szenerie! Dort müssten zumindest die Präsidenten beider Tennisverbände sitzen. Taten sie aber nicht. Beim geringen Zuschaueraufmarsch fernab von Helsingborg - wo Johanna uns Sofia im Tennisklub spielen - und fernab vom mittlerweile Fed Cup erprobten Boras gehörten Roland und ich unterdessen bereits bei einem Heimspiel in Schweden zu den taktangebenden Fans, ohne die es in der Halle recht ruhig geblieben wäre. Bei der Eröffnungszeremonie werden jeweils Geschenke ausgetauscht. Normalerweise handelt es sich dabei um Wimpel des Landesverbandes mit einer Widmung zur aktuellen Begegnung. Thailand schenkte Stofftiere, was den Schwedinnen ein Lächeln aufs Gesicht zauberte (Bild 9).


1:0   Johanna Larsson (WTA 88) - Noppawan Lertcheewakarn (WTA 214)   6:1 6:3
Wie in der Europa/Afrika-Zone II unter der Woche beobachtet, zeigte sich auch in der Begegnung in Lidköping der Unterschied zwischen einer Top 200-Spielerin und einer Top 100-Spielerin. Lertcheewakarn war zu fehlerhaft. Sie verteilte die Bälle gut, doch ihr gelangen bei den vom Heimteam geschaffenen langsamen Konditionen aufgrund von Belag und Bällen keine Gewinnschläge.
Alle Thailänderinnen im aktuellen Aufgebot spielen mit beidhändigen Schlägen sowohl auf der Vorhand wie auf der Rückhand. Bei Lertcheewakarn wirkt die Vorhand gelenkbelastend, weil sie ihren Ellbogen immer leicht angewinkelt hat. Vom Spielstil her sind die Asiatinnen mit ihren flachen Schlägen unter schnellen Bedingungen gefährlich und immer dann wenn man ihnen Tempo gibt. Das versuchte Larsson zu verhindern und servierte ab Spielhälfte auch ihren ersten Aufschlag nur noch mit Kick. Lertcheewakarn bekundete grosse Mühe damit. Für meinen Geschmack hätte Larsson trotz des zumeist erfolgreichen Kickaufschlags etwas mehr variieren sollen, um nicht durchschaubar zu werden.


2:0   Sofia Arvidsson (WTA 146) - Luksika Kumkhum (WTA 106)   6:4 6:2
Es war bislang eine Saison mit weiteren Enttäuschungen für Arvidsson. Doch im Fed Cup unter bevorzugten Bedingungen gelang ihr wieder eine starke Leistung. Der Baustein zum Sieg war das solide Halten der eigenen Aufschlagspiele gegen Ende des ersten Satzes und damit das Konsolidieren des Breaks, um Thailand nicht die Chance zu geben ins Spiel zurückkehren.


Lidköping
In Lidköping existierte früher eine Rörstrand-Fabrik und heutzutage noch ein Rörstrand-Fabrikladen ohne Fabrik. Der Name sagte mir persönlich nichts. Roland erklärte mir aber, dass so ziemlich jeder schwedische Haushalt über Porzellangeschirr von Rörstrand verfüge. Mich überraschte die grosse Anzahl an Oldtimer, mit denen durch Lidköping gecruist wurde. Unser eigentlicher Höhepunkt war aber der storsta Nattklub i Lidköping - die grösste Diskothek in Lidköping, die sich in unserem Hotel "Stadshotellet" (Bild 8) befand. So ging es wohl auch dem Medienschaffenden von fedcup.com, der dies am nächsten Tag nicht unerwähnt lassen konnte, wie auf Bild 9 amüsanterweise nachzulesen ist.


3:0   Johanna Larsson (WTA 88) - Luksika Kumkhum (WTA 106)   6:4 6:2
Der Auftritt gegen Thailand verkam zu einer einfachen Angelegenheit. So einfach wie auch der Davis Cup-Auftritt der Schweiz gegen Kasachstan erwartet worden war. Man darf sich also nie zu sicher wähnen. Aber die Schwedinnen machten ihre Sache sehr gut.
Wie bei uns Hobbyspielern auf regionaler Stufe im Interclub kam es uns vor als Kumkum während ihrer Partie zweimal vor dem Ballwechsel ihr Mitteilungsbedürfnis stillte und laut etwas zu ihren Fans auf die Tribüne hinauf sagte.


4:0   Hilda Melander/Rebecca Peterson (WTA Doppel 377/617) - Tamarine Tanasugarn/Varatchaya Wongteanchai (WTA Doppel 99/231)   6:4 6:2
Seit 2013 gilt im Fed Cup die Regel dass bei einem 3:0 das vierte Einzel nicht mehr gespielt und direkt zum Doppel übergegangen wird. Jedes nicht mehr entscheidende Doppel (Spielstand 3:0 oder 3:1) wird mit einem Match-Tie-Break anstelle eines dritten Satzes entschieden.
Bei der 18-jährigen Peterson darf man zu recht einige Hoffnungen hegen. Sie trat mit einer angemessenen Portion Selbstvertrauen auf, stellte sich der Aufgabe ohne Angst und beging keine Experimente. Sie weiss was sie kann und baut solide auf dem auf. Am zuversichtlichsten stimmt ihre Aussage im Interview nach dem Match zur Frage, was ihr die Fed Cup-Woche gebracht habe. Sie meinte, dass sie gut trainieren konnte und gesehen habe, dass sie im Training mit Larsson und Arvidsson mithalten könne. „Mithalten“ kann hier natürlich weit ausgelegt werden, aber das klingt doch positiv.
Thailand konnte sich trotz seiner Favoritenrolle auf dem Papier im abschliessenden Doppel mit ihren Einwürfen beim Aufschlag der schwedischen Erfolgswelle nicht entziehen.

Rebecca Peterson, Hilda Melander, Sofia Arvidsson, Johanna Larsson
Schweden - Thailand
Für die in Schweden ansässigen thailändischen Fans war es trotzdem ein fröhliches Wochenende und sie hatten der Stimmung in der Arena gut getan. Ihre Erwartungen auf tennistische Grosstaten dürften sich in Grenzen gehalten haben und die Spielerinnen zeigten sich trotz Niederlagen sehr ausdauernd beim Erfüllen der Autogramm- und Fotowünsche.
Am schönsten für die Stimmung im schwedischen Team war natürlich, dass alle Mitglieder an diesem Wochenende einen Matchgewinn feiern konnten. So konnten wir die Unterschriftensammlung auf unserer Flagge mit Fed Cup-Debütantin Peterson komplettieren. Wir holen uns die Unterschrift eines neuen Teammitglieds jeweils nach deren erstem Einsatz ab und bis jetzt hat es immer geklappt, dass alle Spielerinnen auch bereits einen Matchgewinn aufweisen konnten, wenn sie auf der Flaggan unterschrieben haben. Rebeccas Unterschrift mit Smily und Herzchen zeigt bereits eine gute Portion an gegenseitiger Wertschätzung.


Lidköping
Der Lidan fliesst bei Lidköping in den Vänern.

 

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