Davis Cup Grossbritannien - Frankreich

zurück zur Hauptseite         Last updated: 22.07.2016

Davis Cup 2012 - Weltgruppe Viertelfinal - Frankreich-USA,

Miami 2013 - Ultra Music Festival, New York City 2013 - SummerStage Festival.
17.-20. Juli 2015

Halbfinal der Weltgruppe im Davis Cup vom 17.-19. Juli 2015 in London (GBR)

Nach vier Jahren wird endlich wieder eine Davis Cup-Runde im Juli ausgetragen, was für mich ein ideales Reisedatum darstellt. Das Heimspiel auf Rasen ist eine sinnvolle Wahl der Briten und für mich eine willkommene Gelegenheit zum ersten Mal den Queen's Club in London zu besuchen. Die Karten waren schwieriger zu erhalten (da nur Tageskarten für einen Tag pro Postadresse) und erst noch teurer als bei den hochpreisigen Davis Cup-Heimspielen der Schweizer im letzten Jahr, wo nur Dauerkarten verkauft wurden. Der erneute Abstecher nach London nur zwei Wochen nach dem Besuch in Wimbledon bot sich trotzdem an, da ich den Davis Cup mit dem Lovebox Festival kombinierte. Mich überzeugten die nur unweit des Victoria Parks in Hackney aufgewachsen Rudimental und die ebenfalls in London aufgewachsene Ella Eyre zum Besuch des Festivals am Freitag anstelle des Tennisturniers.

 Davis Cup 2015
 1. Runde (6.-8. März)  Viertelfinal (17.-19. Juli)  Halbfinal (18.-20. September)  Final (27.-29. November)
 Deutschland - Frankreich (1)   2:3  Grossbritannien - Frankreich (1)   3:1  Grossbritannien - Australien   3:2  Belgien - Grossbritannien   1:3
 Grossbritannien - USA (7)   3:2
 Tschechien (3) - Australien   2:3  Australien - Kasachstan   3:2
 Kasachstan - Italien (6)   3:2
 Argentinien (5) - Brasilien   3:2  Argentinien (5) - Serbien (4)   4:1  Belgien - Argentinien (5)   3:2
 Serbien (4) - Kroatien   5:0
 Kanada (8) - Japan   3:2  Belgien - Kanada (8)   5:0
 Belgien - Schweiz (2)   3:2

 

Im letzten Jahr feierten die Briten überraschend ihren ersten Sieg in der Weltgruppe seit dem Jahr 1986. Überraschend siegten sie in der Woche nach den Australian Open in San Diego auf Sand gegen die USA. Ward legte den Grundstein mit seinem Fünfsatzsieg über Querrey und Murray steuerte die weiteren Punkte bei. In diesem Jahr im März wiederholten die Briten das Kunststück auf Hartplatz in Glasgow. Ward schlug Isner mit 15:13 im Entscheidungssatz und Murray sicherte erneut die beiden restlichen Punkte. Es waren die ersten Erfolge gegen die USA seit dem Jahr 1935.

  • Die britischen Hoffnungen bauen auf den Wimbledon-Halbfinalisten Andy Murray plus einen weiteren Punkt vom zweiten Einzelspieler Ward oder dem Doppel. Beeindruckend ist für mich der Findungsprozess des Schotten Murray und des britischen Publikums. Im Wimbledonfinal 2012 unterstütze das Publikum Federer. Murray verlor. Einen Monat später standen die Fans im Olympiafinal in Wimbledon hinter Murray und er schlug Federer. Am Sonntagabend vor dem Wimbledonturnier 2013 strahlte die BBC eine wundervolle Dokumentation über Murray aus und er gewann unterstützt vom Publikum 2013 das Turnier im Final gegen Djokovic. 2015 im Halbfinal gegen Federer hatte Murray endlich auch gegen den Schweizer in Wimbledon das Publikum hinter sich. Diesmal verlor er allerdings gegen einen exzellent spielenden Federer. In diese Zeitschiene lässt sich auf der hingebungsvolle Einsatz von Murray für das britische Davis Cup-Team fassen. Zuvor war es eine On- und Off-Beziehung und Grossbritannien fiel mit sporadischen von Murray bis ins Jahr XX bis in den Keller der Europa/Afrika-Zone II.
  • James Ward hat bereits gezeigt, dass er in der Davis Cup-Atmosphäre zu Hochform aufläuft. Er unterstrich dies mit dem Erreichen der dritten Runde in Wimbledon. Die Franzosen sind allerdings deutlich besser klassiert als er.
  • Mit dem Wimbledon-Finalisten Jamie Murray sowie dem Londoner Dominic Inglot sind zwei Doppelspieler in der Mannschaft. Die Belastung auf Rasen dürfte für Andy Murray trotz Best-of-Five aber nicht so hoch sein, dass er im Doppel am Samstag nicht doch eingesetzt werden könnte.

 

Grossbritannien:
Andy Murray
James Ward
Jamie Murray
Dominic Inglot
Einzel
3
89
-
-
Doppel
358
-
20
40
Leon Smith, Jamie Murray, Andy Murray, James Ward, Dominic Inglot

 

Die Finalisten vom letzten Jahr warten seit dem Jahr 2001 auf einen Davis Cup-Triumph. Die französische Equipe ist in der Breite im Einzel wie im Doppel auf allen Belägen seit Jahren sehr gut aufgestellt. Es fehlt höchstens ein Grand Slam-Sieger im Einzel, der es mit einem Federer oder Wawrinka (Finalniederlage 2014) oder einem Djokovic (Finalniederlage 2010) aufnehmen könnte.

  •  Der Weltranglisten-11. Gilles Simon hat sich in Wimbledon in der letzten Woche erstmalig bis ins das Viertelfinal vorgespielt und dabei seinen Landsmann geschlagen, den nicht nominierten Weltranglisten-17. Gael Monfils.
  • Der Weltranglisten-12. Jo-Wilfried Tsonga scheiterte in der dritten Runde am Aufschlagriesen Karlovic. In Wimbledon hat er aus früheren Jahren aber bereits zwei Halbfinalteilnahmen vorzuweisen.
  • Der Weltranglisten-13. Richard Gasquet spielte sich in Wimbledon vor einer Woche dank dem Sieg über Wawrinka erstmals in das Halbfinal.
  • Nicolas Mahut gewann das Rasenturnier von 's-Hertogenbosch vor einem Monat bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere. Er gewann alle seine drei ATP-Titel der Karriere auf Rasen, den Dritten in Newport. Seine beiden weiteren Finalqualifikationen erzielte er mit Newport und dem Queen's Club ebenfalls ausschliesslich auf Rasen. Er war ein Akteur im längsten Tennismatch aller Zeiten gegen Isner in Wimbledon - selbstverständlich auf Rasen - und ist einer starker Doppelspieler.

 

Frankreich:
Gilles Simon
Jo-Wilfried Tsonga
Richard Gasquet
Nicolas Mahut
Einzel
11
12
13
64
Doppel
-
202
260
22
Arnaud Clement, Nicolas Mahut, Richard Gasquet, Jo-Wilfried Tsonga, Gilles Simon
 Davis Cup Grossbritannien - Frankreich
 Spieltag  Spielstand  Spiel 1  Spiel 2
 Freitag
 .
 1:1
 .
 Ward - Simon
 4:6 4:6 1:6
 A. Murray - Tsonga
 7:5 7:6 6:2
 Samstag
 .
 2:1
 .
 J. Murray/A. Murray - Mahut/Tsonga
 4:6 6:3 7:6 6:1
 
 Sonntag
 
.
 3:1
 .
 A. Murray - Simon
 4:6 7:6 6:3 6:0
 nicht gespielt


Lovebox Festival
Ein Open Air auf dem Land und ein Open Air in der Hauptstadt dürfte doch gewisse Unterschiede aufweisen. Im Victoria Park kann nicht campiert werden, was das Lovebox Festival gewissermassen auf zwei Tagesfestivals reduziert. Sehr irritiert war ich bereits in Miami, aber es scheint die angelsächsische Kultur zu sein, dass nicht übermässig applaudiert und nicht nach einer Zugabe geschrien wird. Vielleicht ist es aber auch der Unterschied zwischen einem eher elektronisch orientierten Festival wie dem Lovebox im Gegensatz zu einem Rockfestival. Oder es sind die verwöhnten Hauptstädter, die einfach konsumieren was ihnen vorgesetzt wird.
Das war nun eine doch sehr negative Einleitung zu einem grandiosen Tag. Vom Rollerskaten bis zum Karussellfahren wurde alles geboten. In der Tennissprache ausgedrückt sah ich mir Ella Eyre und Rudimental auf dem Centre Court (also der Hauptbühne) an und verbrachte die Stunden dazwischen auf den Aussenplätzen (also dem Festgelände und den kleineren Bühnen). Alles in allem war das Dargebotene sehr gelungen.

Ella EyreElla EyreElla Eyre
Ella Eyre
Ella trifft es momentan auf den Punkt und ihren Hits und ihrem Auftritt. Zumindest meinem Geschmack nach zu urteilen. Das wichtigste in der Musikbranche ist es immer voll im Trend zu liegen bzw. diesen sogar zu prägen.


Drum Along Disco
Das ausgiebigste Abfeiern - da unverhofft - fand für mich an einem kleinen Bandstand statt. Der DJ mixte die Beats Hip Hop-Klassiker zum E-Dance. Bei solcher Musik wird mir jeweils klar wie früh und gut Fat Boy Slim Ende der 90er Jahre war. Denn mit seinem Praise You tanzt man sich in so einer Atmosphäre nun wirklich frei. Zur Darbietung gehörten verkleidete Tänzer auf der Bühne oder im Publikum. Diese verteilten Rasseln an die Besucher und versprühten Lust um mitzumachen.


Little Gay Vegas Bar, Elrow
Das Little Gay Vegas war irritierend, da es mehr wie eine üble Zirkusnummer daher kam.


Blonde, Lazy Habits
Gleich nach der Ankunft im Victoria Park gönnte ich mir die Fondue Fries (Bild 3). Das musste ich einfach probieren.

RudimentalRudimentalRudimental
Rudimental
Im Gegensatz zu Ella Eyre hat Rudimental die bisherige Spitze vor ein bis eineinhalb Jahren erreicht. Das zweite Album ist immer eine schwierige Aufgabe. Die DJ's haben sich in Neuem gewagt und ihren Stil etwas mehr auf House ausgerichtet. Das ist natürlich nicht schlecht, aber die absoluten Emotionen fehlen mir. Es ist dann auch die Frage inwiefern ein Quartett sich neu erfinden kann und alle immer am selben Strick ziehen werden.


Queen's Club
Gegenüber dem ATP-Turnier im Queen's Club wurde die Nordtribüne auf einer Seite leicht ausgebaut, da keine Rücksicht auf den Schattenwurf und die Zugänglichkeit des angrenzenden Nebenplatzes genommen werden musste. Die Luftbilder stammen vom 23. Juni von meinem Flug von Oslo nach London nur zwei Tage nach dem Ende ATP-Turniers.

Arnaud Clement, Nicolas Mahut, Richard Gasquet, Jo-Wilfried Tsonga, Gilles SimonLeon Smith, Jamie Murray, Andy Murray, James Ward, Dominic InglotPierre-Hugues Herbert
Davis Cup Grossbritannien - Frankreich
Pierre-Hugues Herbert (ATP 139)
Seit diesem Jahr scheint der langjährige Sponsor BNP Parisbas mit seiner "We are Tennis Fan Academy" nun auch die Fanaktivitäten zu orchestrieren. Es ist schön mitanzusehen, wenn vor Beginn der Begegnung eine grosse Flagge auf den Zuschauerrängen hochgezogen wird. Es es törnt mich aber ab, wenn beide Flaggen identisch gemacht sind und der Werbebanner der BNP Academy gross angebracht ist. Viele Nation haben eine wunderbare Davis Cup-Fankultur. Die ASEFT in Frankreich ist sehr gut organisiert und auch die LTA unterstützt jeweils eigene Supporter. Bei dieser Begegnung fanden sich nun zwei Fanlager pro Nation. Jeweils dasjenige via Verband und dasjenige via BNP Parisbas. Sie funktionierten gut zusammen, aber als eingefleischter bisheriger Supporter würde ich neue mit viel Geld unterlegte Unterstützung kritisch beäugen. Aus britischer Sicht frage ich mich, ob ich mich in der Davis Cup-Begegnung gegen Frankreich wirklich von einer französischen Bank unterstützen lassen will...
Der fünfte Mann in der französischen Equipe war Mahuts Doppelpartner Herbert. Er hatte sich in Wimbledon auch im Einzel für das Hauptfeld qualifiziert und seine Qualitäten auf Rasen unterstrichen. Da sich in der Davis Cup-Vorbereitung niemand verletzte, rückte er nicht auf das Matchblatt nach.

Nicolas Mahut, Jamie Murray, Jo-Wilfried Tsonga, Andy MurrayAndy Murray, Jamie MurrayJo-Wilfried Tsonga, Nicolas MahutNicolas MahutJo-Wilfried Tsonga, Nicolas MahutDominic Inglot, James WardNicolas MahutAndy MurrayAndy Murray, Jamie MurrayJames WardArnaud Clement, Jo-Wilfried Tsonga, Nicolas MahutJamie Murray, Andy MurrayJamie Murray
2:1   Jamie Murray/Andy Murray (ATP Doppel 20/358) - Nicolas Mahut/Jo-Wilfried Tsonga (ATP Doppel 22/202)   4:6 6:3 7:6 6:1
Die Frage ob Andy Murray im Doppel eingesetzt werden soll oder nicht bleibt für mich unschlüssig. Ich bevorzuge die Lösung ohne Andy im Doppel. Er wird sich länger dem Davis Cup verschreiben können, wenn er jeweils nicht an drei Tagen die ganze emotionale und physische Last tragen muss. Die Mannschaftskollegen können über sich hinauswachsen, wenn ihnen das Vertrauen ausgesprochen wird. So tat es Ward in der Vergangenheit im Einzel und so können es Jamie Murray oder Inglot im Doppel. Ihre Mutter Judy Murray wendet diese Vorgehensweise für klare Fronten in Einzel und Doppel seit ihrer Ernennung zum Fed Cup-Captain seit einigen Jahren erfolgreich an. Erst mit Watson/Robson, nun mit Rae/Smith. Andererseits ist es eine Verschwendung, wenn man Andy Murray mit seinem Leistungsvermögen nicht auch im Doppel einsetzt. Ich begnüge mich mit dem Fazit, dass die beste Wahl für die britische Mannschaft wohl diejenige ist, dass man die Wahl zwischen beiden Optionen hat und sich situationsbedingt entscheiden kann. Nach seinem Dreisatzsieg über Tsonga am Freitag schien die Möglichkeit gegeben, um Andy im Doppel einzusetzen.
Die Anführer ihres Doppel waren die Doppelspezialisten Jamie Murray und Nicolas Mahut. Vor allem Wimbledonfinalist Jamie beeindruckte mit seiner Präsenz, mit seinen blitzschnellen Reaktionen und dem Lesen des Spiels. Andy zeigte zu Beginn zwei Schwächen. Im allerersten Aufschlagspiel der Partie servierte er mit unter 100 km/h und wurde sofort gebreakt. Es war das einzige Break der Partie gegen die Brüder. Der Wimbledonhalbfinalist im Einzel wurde seinem Ruf als einer der besten Returnspieler der Welt bis zu Beginn des zweiten Satzes überhaupt nicht gerecht. Mit dem Break zum 3:1 steigerte er sich aber massiv und ergänzte ab diesem Zeitpunkt die Doppelklasse seines Bruder. Andy hat in diesem Jahr erst an drei Turnieren Doppel gespielt und benötigte wohl erst etwas Eingewöhnungszeit. Dies ist ebenfalls ein Grund der gegen Einsätze von Andy im Doppel spricht, da er auf der ATP nie genügend Einsätze im Doppel sammeln wird, um für einen Davis Cup-Doppeleinsatz eingespielt zu sein
Die Franzosen hatten für den Doppelpartner an der Seite von Mahut die Wahl zwischen dem Silbermedaillengewinner von London 2012 Tsonga (an der Seite von Llodra) und dem Bronzemedaillengewinner von London 2012 Gasquet (an der Seite von Benneteau). Beides sind allerdings keine Doppelspieler. Tsonga hat in diesem Jahr erst drei Turniere gespielt. An den 1000er-Turnieren in Miami, Monte Carlo und Madrid hat er insgesamt nur einen Matchgewinn erzielt. Diesen aber an der Seite von Monfils gegen seinen heutigen Gegner Jamie Murray und dessen Standardpartner John Peers. Die Wahl von Mannschaftskapitän
Arnaud Clement fiel mitunter aufgrund der grösseren Durchschlagskraft beim Aufschlag auf Tsonga. Während sich Andy Murray im Spielverlauf in die Doppelwelt hineinbegab, war Tsonga nicht in der Lage dies zu tun. Dennoch hielten die Franzosen die Partie lange Zeit völlig offen und der dritte Satz steuerte auf einen Tie-Break hin. Bei 5:5 30:15 strauchelte Andy und stiess einen Schrei aus. Nach einer Auszeit für die Behandlung an der Leiste kehrte er zurück und musste bei 5:6 zum eigenen Aufschlag antreten. Für mich war dies das wichtigste Aufschlagspiel des Matches. Die Briten hielten und setzten sich im Tie-Break durch, der zur Vorentscheidung avancierte.

Heather WatsonFulhamFulhamChelseaClapham Junction
Queen's Club
Heather Watson (WTA 51)
Am Freitag war Grossbritanniens Fed Cup Spielerin Watson im Queen's Club. Die Bilder 2 und 3 hat sie in den sozialen Medien veröffentlicht. Am Freitag war ich ja am Openair und nicht beim Tennis. Die Tribüne auf der ich auf den Bilder 4 und 5 stand wurde gegenüber dem ATP Turnier, welches jeweils im Juni stattfindet, erhöht.

Arnaud Clement, Gilles SimonGilles SimonAndy MurrayGilles SimonAndy MurrayAndy Murray
3:1   Andy Murray (ATP 3) - Gilles Simon (ATP 11)   4:6 7:6 6:3 6:0
Simon hat eine 2:12-Bilanz im direkten Duell gegen Murray und trotzdem erhielt er den Vorzug gegenüber Gasquet. Der nicht für eine ausgeprägte Standfestigkeit bekannte Gasquet schien nach seinem Wimbledonhalbfinal in der letzten Woche tatsächlich nicht bereit zu sein. Simon hingegen zeigte sich stark und Murray tat sich schwer gegen den Counterpuncher, der ein ähnliches Spiel anwendet wie er selbst. Im zweiten Satz wankte der Schotte nachdem er erneut zu Beginn des Satzes das frühe Break kassierte hatte. Er kam mir mental und körperlich wie an der Kilometermarke 35 des Davis Cup-Marathons vor. Erneut sahen wir Ausrutscher beider Spieler auf dem Rasenbelag, was für Schreckmomente sorgte. Der 28-jährige Brite biss sich durch und wie hart das heute war sah man seinen Emotionen nach dem Match an (Bild 18). So entscheidend wie der Tie-Break am Vortrag im dritten Satz war, so war er dies im zweiten Satz der heutigen Partie. Denn nach Kilometer 35 ist man entweder entkräftet oder man sieht die Ziellinie und kann zusätzliche Energie mobilisieren. Murray tat wie von ihm erwartet Letzteres.

James Ward, Andy Murray, Jo-Wilfried Tsonga, Lionel RouxNicolas Mahut, Jo-Wilfried Tsonga, Lionel Roux, Pierre-Hugues Herbert
Halbfinal gegen Australien
Lobenswert zu erwähnen ist sicherlich die sportmännische Verabschiedung der Franzosen, die keinen französischen Abgang hinlegten, sondern den Gegner mit Glückwünschen verabschiedeten und ihren eigenen Fans für die Unterstützung dankten.
Die letzten grossen Erfolge Grossbritanniens im Davis Cup datieren um das Jahr 1980 herum. 1981 erreichte man letztmals ein Halbfinal. 1979 stand man zuletzt im Final. In diesem Jahr hatte man auch zuletzt die Franzosen und die Australier besiegt. Den letzten Davis Cup-Triumph feierte man 1978. Für die Briten ist es gar möglich das ganze laufende Jahr mit Heimspielen zu absolvieren, was im Mannschaftswettbewerb einen immensen Vorteil darstellt. Als nächstes kommen die Australier auf die Insel für das Halbfinal im September. Im anderen Halbfinal duellieren sich die Belgier zu Hause gegen die Argentinier. Gegner wie die Schweiz (ohne Federer/Wawrinka in Belgien), Serbien (ohne Djokovic in Argentinien) oder das abgestiegenen Spanien (ohne Nadal & Co. gegen Brasilien) müssen nicht mehr gefürchtet werden. Die starken Franzosen und Amerikaner hat man aus eigener Kraft eliminiert. Ein Endspiel würde zu Hause gegen Argentinien oder auswärts in Belgien ausgetragen werden. Das lässt grosse Hoffnungen aufkommen, wobei zuerst die grosse Sportrivalität zwischen den Briten und den Aussies die Schlagzeilen beherrschen wird. Von der Platzwahl her liegen keine Vorteile auf der Hand, da sich die Australier wie auch die Briten sowohl auf Rasen (ob in Queen's oder Wimbledon) als auch in der Halle auf Hartplatz (gegen die USA im März wurde in Glasgow gespielt) wohlfühlen.

Nachtrag August 2015: Leider hat sich die ATP mit dem Turnierkalender 2016 ganz und gar nicht mit Ruhm bekleckert. Vielleicht ist es auch die seit Jahren verbesserungswürdige Zusammenarbeit zwischen der ITF und der ATP. Denn die ITF hat den Davis Cup Termin im Juli 2016 bereits vor zwei Jahren fixiert. Dieser aus meiner Sicht attraktive Juli-Termin findet in 2015 und 2016 statt. In den drei Jahren davor und bereits festgelegt in den zwei Jahren danach kommt man aber wieder davon ab. Warum man nun gerade in 2016 daran festhielt, ist für mich unverständlich. Denn mit den Olympischen Spielen und dem Davis Cup-Termin fehlen der ATP in 2016 zwei ganze Turnierwochen. Das macht den Davis Cup im nächsten Jahr auch für die meisten Spieler unattraktiv. Olympiasieger Murray hat bereits verkündet, dass er 2016 keinen Davis Cup spielen wird. Die ATP ihrerseits benötigte bis in den August 2015, um den ATP-Kalender 2016 zu veröffentlichen. Ein Novum dass dies so spät geschieht.

Nachtrag Dezember 2015: Andy Murray tritt 2016 nun doch in der ersten Runde an. Hilft er im Heimspiel in Birmingham gegen Japan mit zum Sieg, ist der Klassenerhalt bereits gesichert.

 

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