Miami 2013

zurück zur Übersicht         Last updated: 25.12.2013
Ultra Music Festival - Bayfront Park, Miami Downtown

 

Ich bin kein Experte in elektronischer Musik und an einer Streetparade in Zürich war ich auch noch nie. Doch bei der Gelegenheit auf das Ultra Music Festival in Miami und dem letzten Auftritt der Swedish House Mafia vor deren Auflösung griff ich zu. In Sachen Charts gefällt mir die aktuelle Dekade sehr viel besser als die beiden vorangegangenen. Früher war alles entweder R'n'B oder House oder Rap oder Pop und heute haben sich die Musikstile gefunden und es ist alles auf Dance gemixt. Man kann sagen das sei Einheitsbrei, aber mir gefällts. Das UMF war dann von der Stilrichtung her aber schon eine Stufe härter als nur "Dance".


Zürich - London - Miami
Alle Wetterklischees wurden erfüllt am 15. März 2013: Schneebedeckt beim Abflug in Zürich. Regnerisch bei der Zwischenlandung in London. Sonnenschein bei der Ankunft in Miami.
Dort wurde bei der Zollkontrolle mit Schildern darauf hingewiesen, dass die seit anfangs März durch die Schuldenbremse automatisch angewendeten pauschalen Ausgabenkürzungen auch die Zahl der Grenzbeamten betrifft und leider längere Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen. Für die Einreise in die USA erachte ich jeweils alles unter einer Stunde Wartezeit als in Ordnung und das konnte auch in Miami gerade noch so eingehalten werden.


Swedish House Mafia @ Main Stage
Das grosse Highlight folgte gleich am ersten Abend mit zweitletzten Auftritt der Swedish House Mafia. Sie eröffneten damit das erste Wochenende des UMF als Headliner am Freitagabend. Eine Woche darauf würden sie das zweite Festivalwochenende mit ihrem letzten Karriereauftritt am Sonntagabend beschliessen. Da fühlte ich mich doch recht privilegiert bei diesem Ereignis dabei zu sein. Auch wenn die Auflösung wohl irgendwann in einer Wiedervereinigung enden wird... Bei DJ's liegt der Fall im Gegensatz zu einer "richtigen" Band ja etwas anders. Da kann jeder von ihnen die alten Songs immer noch auflegen und sie werden immer noch genau so klingen wie vorher.
Vor der SHM legte der Niederländer Afrojack auf und machte seine Sache gut. Da auf mehreren Bühnen gleichzeitig Auftritte stattfanden, verpasste ich den Auftritt des Briten Fat Boy Slim. Ich hörte seinen Auftritt des zweiten Wochenendes aber am Radio und war nicht überwältigt. Beim Auftritt der Swedish House Mafia galt es festhalten, dass sie momentan die Standards setzen. Es gelang meiner Einschätzung nach neben der SHM nur noch Avicii sich auf dieser Stufe zu präsentieren. Sehr irritiert war ich nach dem Konzertende. Sowohl nach dem ersten Schluss als auch nach der Zugabe applaudierten die Fans etwa zehn Sekunden lang und dann waren alle ruhig und drehten sich um und gingen. Das passierte auch bei anderen Auftritten an diesem Wochenende. Ich weiss nicht ob das eine "amerikanische" Unsitte ist oder eine der "elektronischen Welt".


Miami Beach
Den Samstag verbrachte ich Strand und hatte das Gefühl dass sich dort wie am UMF viele jüngere Leute als ich tummeln. Am Ultra Music Festival war ich am Freitag und Samstag jeweils nur die letzten drei Stunden bis zum Programmende um Mitternacht anwesend. Das ist vergleichbar wie wenn ich beim Tennis nur zu den Hauptmatches des Tages auftauchen würde.


Faithless @ Live Stage
Es ist
irgendwie schon ungerecht dass beim Namen Faithless jeder nur den Rapper, Sänger und Frontmann Maxi Jazz kennt. Doch das gibt der Gruppe den nötigen Wiedererkennungswert. Die DJane dahinter ist Sister Bliss, die gemäss Aussage von Maxi Jazz jeden einzelnen Ton komponierte, den es von Faithless je zu hören gab. Produzent Rollo gehörte auch noch zur Band. Doch die britische Band Faithless gibt es seit der Auflösung vor zwei Jahren offiziell gar nicht mehr. Was für einen Zweierauftritt am UMF aber anscheinend keinen Hinderungsgrund darstellte.
Nach dem Ende des vorangegangenen Konzerts hatten sich die Ränge vor der Live Stage fast komplett geleert und deshalb rückte ich für den Auftritt von Faithless gleich in die erste Reihe vor. Dort erlebte ich hautnah wie Sister Bliss die Schleusen für die Druckluft- und Feuershow ohne wenn und aber öffnete und ihr Kontingent schon nach gut einem Drittel des Konzerts ausgebrannt war. Ihren Überhit "Insomnia" aus dem Jahr 1996 spielten sie bereits recht früh während des Sets. Ansonsten würden die Fans wohl das ganze Konzert hindurch danach verlangen. Maxi Jazz stand nur etwa die Hälfte der Zeit auf der Bühne, da seine Stimme bei vielen Liedern nicht benötigt wurde. Nach dem Konzert gab es fünf Sekunden Applaus und dann war alles vorbei. Ich war schockiert und applaudierte noch etwas weiter.


Martin Solveig @ Ultra Worldwide
Nach dem Faithless-Konzert erlebte ich nur noch die letzte Viertelstunde von Martin Solveigs Auftritt. Aber der hat ja so richtig Party gemacht! Er steht wie sein französischer Landsmann David Guetta oft in den Charts und scheint mir für einen Abend in der Disco der ideale Kandidat auf der DJ-Position zu sein. Er und sein ebenfalls französischer DJ-Kollege Bob Sinclair sind beides grosse Tennisfans. Sinclair hatte unter anderem an der Players Night in Madrid 2011 aufgelegt und war auch bei Roger Federers dreissigstem Geburtstag eingeladen.
Nach Solveig folgte der Auftritt des Italieners Benny Benassi. Doch dessen Musik war mir irgendwie zu hart und ich trat dann den Heimweg an.


Rudimental @ Live Stage
Der Auftritt der Briten Rudimental war mein Highlight des Festivalwochenendes was "richtige" Musik anbelangt. Auf der Live Stage gab es echte Stimmen zu hören und Rudimental trat als musikalisch hochwertige Liveband auf. Das Quartett besteht eigentlich nur aus DJ's: Auf Bild 5 sind es die beiden Herren im Hintergrund an den Knöpfen, derjenige an der Gitarre und DJ Lockhead mit dem schwarzen Shirt am Mikrofon. Bei diesem Liveauftritt war unter anderem auch Ella Eyre (Bild 7) mit dabei, die auf der Single "Waiting all night" mitsingt. Mit "Feel the love" landete die Band 2012 unter Mithilfe von John Newman ihren ersten Nummer 1-Hit.
Am Sonntag war ich wegen Rudimental bereits vor 14 Uhr auf dem Festivalgelände, das man nach Eintritt nicht mehr verlassen kann. Doch das frühe Eintreffen hat sich definitiv gelohnt.


Alesso @ Mega Structure
Alesso punktete bei seinem Auftritt vor allem mit Songs der Swedish House Mafia. Das darf er aber, da er mit den Jungs auch schon gemixt hat (z.B. die Single "Calling (lose my mind)" mit Sebastian Ingrosso). Das wusste ich zum Zeitpunkt des Konzerts aber noch nicht. Und der Name Alesso klingt auch nicht unbedingt nach einem schwedischen DJ. Wie gesagt bin ich kein Experte der elektronischen Musik. Aufgefallen war mir aber, dass es mehr schwedische Flaggen hatte als bei einer Fed Cup-Partie. Da war an diesem 17. März nur noch das irische grün aufgrund des St. Patrick's Day verbreiteter. Am hellichten Tag sahen auch viele der weiblichen Gäste irgendwie wie Indianerköniginnen aus. Zurückzuführen auf den grossen lateinamerikanischen Einfluss in Miami.

 


Krewella @ Live Stage, Ultra Worldwide, Main Stage
Krewella war der einzige US-amerikanische bzw. nicht-europäische Act, den ich an diesem Wochenende länger mitverfolgte. Diesen Auftritt sah ich mir an, weil die Live Stage der einzige Ort mit Sitzplätzen war und mir die Atmosphäre dort gefiel und auch der Auftritt und die Musik von Krewella ansprechend war. Die beiden Schwestern und ihr DJ-Kollege aus Chicago hatten bei ihrem ersten Karriereauftritt am Ultra Music Festival in Miami sichtlich Spass.
Nach dem Konzert machte ich einen kleinen Spaziergang durch den Bayfront Park vorbei an der Ultra Worldwide-Bühne und sah mir die Konstruktion der Main Stage bei Tageslicht an. Es legte gerade der Russe Arty auf.


Avicii @ Mega Structure
Auch Avicii ist ein Schwede. Unglaublich. Ich hätte schwören können, dass das italienisch klingt... Die "I love Avicii"-Buttons sind eine gelungene Marketingstrategie. Statt "love" hat es ein rotes Herz und in Kombination mit der Schrift und dem klangvollen Namen wirkt das alles sehr stylish. So macht man sich einen Namen! Aber auch ohne Button war der Auftritt von Avicii sehr am Plus der Zeit und die Menge kochte.


Calvin Harris @ Mega Structure
Die folgenden Auftritte des Schweden Eric Prydz und des Niederländers Tiesto hauten mich nicht vom Hocker. Vielmehr liess der Schotte Calvin Harris meinen Plus wieder höher schlagen. Er amtete zwei Tage später an der Players Party der Sony Tennis Open ebenfalls als DJ.


David Guetta @ Mega Structure
Ein Grund warum ich nur wenige Auftritte von US-amerikanischen DJ's oder Bands mitverfolgte, war dieser mühsame Wwwwummm-Hip Hop-Beat, der so gangstermässig daherkommt und über die Lieder hereingebrettert wird. Für diesen habe ich überhaupt nichts übrig. Nun kann man sagen dass der Franzose David Guetta als Star-DJ den Nerv des amerikanischen Publikums getroffen und seinen Mix entsprechend ausgelegt hat. Für mich persönlich aber hat er seinen Auftritt völlig verhauen, obwohl ich grosse Erwartungen in diesen gesetzt hatte.
Guetta sprach zum Publikum dass er am zweiten Festivalwochenende auf der Main Stage auflegen werde. Bereits die letzten Jahre sei er jeweils auf der Main Stage gewesen. Für das neu stattfindende erste Wochenende habe er sich aber gewünscht in der kleineren und überdachten Mega Structure zu spielen. Das sei das, was er am meisten liebe.


Main Stage
Ich hätte nie gedacht, dass ich das David Guetta-Konzert vorzeitig verlassen würde. Aber ich hatte es etwa bei Halbzeit getan. Nach einem kurzen Blick auf das grosse Flammenspiel an der Main Stage beim Auftritt des Niederländers Armin Van Buren hatte das grossartige Erlebnis "Ultra Music Festival" für mich ein Ende gefunden.

 

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