Davis Cup Belgien - Grossbritannien

zurück zur Hauptseite         Last updated: 22.07.2016

Davis Cup 2015 - Weltgruppe Viertelfinal - Grossbritannien-Frankreich

28.-29. Juli 2015

Final der Weltgruppe im Davis Cup vom 27.-29. November 2015 in Gent (BEL)

Wir haben es tatsächlich geschafft und Karten für das Davis Cup-Finalspiel ergattert! Dies erst zwei Wochen respektive eine Woche vor der Veranstaltung als Resttickets jeweils um Mitternacht nochmals in den Onlineverkauf gestellt wurden. So sicherten wir uns Tag für Tag. Den Freitag musste ich aufgrund der fortgeschrittenen Terminplanung allerdings auslassen. Die Terrorwarnungen in Belgien konnten uns nach reiflicher Überlegung und cleverer Wochenendplanung nicht abhalten. Zum zweiten Mal in Folge steht "mein" Team im Davis Cup-Final. Im letzten Jahr waren es die erstmals erfolgreichen Schweizer in Lille. Diesmal sind es die seit 79 Jahren auf einen Titel wartenden Briten in Gent. Die beiden Städte sind Luftlinie übrigens nur 66 Kilometer voneinander entfernt.

 Davis Cup 2015
 1. Runde (6.-8. März)  Viertelfinal (17.-19. Juli)  Halbfinal (18.-20. September)  Final (27.-29. November)
 Deutschland - Frankreich (1)   2:3  Grossbritannien - Frankreich (1)   3:1  Grossbritannien - Australien   3:2  Belgien - Grossbritannien   1:3
 Grossbritannien - USA (7)   3:2
 Tschechien (3) - Australien   2:3  Australien - Kasachstan   3:2
 Kasachstan - Italien (6)   3:2
 Argentinien (5) - Brasilien   3:2  Argentinien (5) - Serbien (4)   4:1  Belgien - Argentinien (5)   3:2
 Serbien (4) - Kroatien   5:0
 Kanada (8) - Japan   3:2  Belgien - Kanada (8)   5:0
 Belgien - Schweiz (2)   3:2

 

Die Belgier haben in drei Heimspielen die Schweiz ohne Federer und Wawrinka geschlagen, Kanada ohne Raonic und Pospisil auf Sand und im Halbfinal die Argentinier in Bestbesetzung auf Hartplatz, wobei deren bestplatzierter Spieler Mayer auf Rang 35 war. Man hat also die Chance gepackt, geht aber trotz Heimvorteil als Aussenseiter in das zweite Final der Verbandsgeschichte nach dem Jahr 1904, wo man den Briten auswärts mit 0:5 unterlag. Um die Briten der Ausgabe 2015 zu bezwingen, müssen zwei Punkte gegen deren Nummer zwei her sowie ein Punkt aus dem Doppel oder aus dem Spiel Goffin gegen Andy Murray. Leider verfügen die Belgier aber nur über einen einzigen Doppelspieler mit einer Klassierung innerhalb der besten 300 Spieler der Welt.

  • David Goffin hat eine starke Saison gespielt und in diesem Sommer mit Rang 14 seine beste Klassierung erreicht. Der 24-jährige fühlt sich auf Sand wohl und ist der klare Teamleader.

 

Belgien:
David Goffin
Steve Darcis
Ruben Bemelmans
Kimmer Coppejans
Einzel
16
84
108
128
Doppel
378
596
160
501
Kimmer Coppejans, Ruben Bemelmans, Steve Darcis, David Goffin, Johan Van Herck

 

Grossbritannien hat im Halbfinal James Ward gegen Daniel Evans ausgetauscht, der auf der Nummer 2-Position aber nicht überzeugen konnte. In Gent macht Kyle Edmund den Auftakt als Nummer 2. Nicht in der Mannschaft ist diesmal Doppelspezialist Inglot, da im Doppel Murray/Murray antreten werden und kein Backup aufgestellt wurde.

  • Andy Murray konnte aufgrund des Turnierkalenders den Formaufbau auf dieses Davis Cup-Finalwochenende so fokussiert vorbereiten wie auf kein anderes Davis Cup-Wochenende in diesem Jahr. Natürlich hat er die letzten Wochen auf Hartplatz Turniere bestritten und trat letzte Woche in London an. Doch sein Ziel ist der Davis Cup-Sieg und er wirkte in den vergangenen Wochen sehr fit und wettbewerbsfähig.
  • Jamie Murray durfte dank dem besten Jahr seiner Karriere in der vergangenen Woche ebenfalls in London antreten.
  • Kyle Edmund hat in den letzten beiden Wochen in Südamerika auf Sand gespielt und dort vorletzte Woche das mit 50'000$ dotierte Challengerturnier in Buenos Aires gewonnen. In einem entscheidenden fünften Spiel könnte ich mir allerdings gut vorstellen, dass dem Davis Cup erprobten James Ward die verantwortungsvolle Aufgabe übertragen würde und nicht dem 20-jährigen Debütanten Edmund.
  • Über die Klinge springen musste diesmal Doppelspezialist Inglot, der in den bisherigen drei Partien jeweils aufgeboten war. Für Coach Smith war es aber offensichtlich, dass Murray/Murray im Doppel spielen würde. Ausserdem benötigte er für die Entscheidung mit Edmund als Backup einen weiteren Einzelspieler. Dort fiel die Wahl auf Ward, den Helden von 2014 in San Diego und 2015 in Glasgow jeweils gegen die USA. Evans kam nur im Halbfinal zum Einsatz.

 

 

Grossbritannien:
Andy Murray
Kyle Edmund
James Ward
Jamie Murray


Daniel Evans
Dominic Inglot
Einzel
2
100
156
-

(183)
(-)
Doppel
180
-
-
7

(1030)
(23)
Cathie Sabin, Kyle Edmund, Andy Murray, Leon Smith, James Ward, Jamie Murray, Daniel Evans, Dominic Inglot
 Davis Cup Belgien - Grossbritannien
 Spieltag  Spielstand  Spiel 1  Spiel 2
 Freitag
 .
 1:1
 .
 Goffin - Edmund
 3:6 1:6 6:2 6:1 6:0
 Bemelmans - A. Murray
 3:6 2:6 5:7
 Samstag
 .
 1:2
 .
 Goffin/Darcis - J. Murray/A. Murray
 4:6 6:4 3:6 2:6
 
 Sonntag
 .
 1:3
 .
 Goffin - A. Murray
 3:6 5:7 3:6
 nicht gespielt


Berg - Leverkusen - Flanders Expo in Gent
Durch die Kurzfristigkeit, den Spielort und die Sicherheitsbedenken schien mir das Auto als Reisemittel angemessen. Michael flog von London nach Frankfurt und ich lud ihn am Bahnhof in Leverkusen auf und am Sonntagabend wieder ab. Der "deinbus.de"-Bus ist mir übrigens zweimal auf die Überholspur vor die Nase gefahren. Acht Stunden dauerte eine Fahrt. Am Sonntagabend wegen hohem Verkehrsaufkommen um Brüssel (Bild 4) leider eine halbe Stunde länger.

Bevor das Spiel auch nur schon begann war ich begeistert von der Stimmung in der Halle. Es ist der Final!! Hier mit dabei zu sein, bestätigt mich umso mehr in meiner Wertehaltung: Ich verstehe nicht wie ein Spieler auch nur auf eine einzige Davis Cup-Partie verzichten kann.

Andy Murray, Jamie MurrayJamie MurrayKim ClijstersMichael Llodra
1:2   David Goffin/Steve Darcis (ATP Doppel 378/596) - Jamie Murray/Andy Murray (ATP Doppel 20/358)   4:6 6:4 3:6 2:6
Im Juli gegen Frankreich hatte Jamie brilliert und war die treibende Kraft gewesen im Doppel. In Gent tat er sich schwerer, aber der mit Erfahrung in grossen Finals ausgestattete Andy führte diesmal das Doppel. Von der Konstellation her war es für den Doppelspezialisten gegen drei Einzelspezialisten auf Sand eine Herausforderung. Denn die Belgier blieben hinten und erschwerten mit ihren guten Grundlinienschlägen den Weg ans Netz für Jamie.
Die Heimmannschaft bekam Unterstützung aus den Zuschauerrängen von
Kim Clijsters - die 2001 mit Henin den bisher einzigen Titel für Belgien in Fed Cup oder Davis Cup gewinnen konnte - und von der Mannschaftsbank aus vom Franzosen Michael Llodra. Der Silbermedaillengewinner im Doppel in London 2012 war als zusätzlicher Coach für das Final engagiert worden. In der gesamten Partie blieb Andy ungebreakt, Goffin kassierte ein Break, Jamie drei und Darcis vier. Die ungemütlichste Situation hatten die Briten zu Beginn des dritten Satzes zu überstehen. Sie hatten gerade den zweiten Satz verloren und wurden schon wieder gebreakt. Doch sie konnten gleich zurückschlagen.


Flandern
Mit Terrorgefahr zwei Wochen nach den Attentaten von Paris und deren Ursprung in Brüssel musste bei unserer Übernachtung in Horebeke nun wirklich nicht gerechnet werden. Jedermann bestätigte uns vor Ort, dass in Horebeke nie auch nur irgendetwas passiert...
Wobei die Region mit den Frühjahresklassikern im Radsport im Mittelpunkt steht. Wir schafften es am Sonntagmorgen den Oude Kwaaremont (Bilder 2-5) ausfindig zu machen und holperten diesen mit dem Auto hinab. Er ist zusammen mit dem Paterberg das Aushängeschild der Flandernrundfahrt. Meiner Einschätzung nach ist dieser bei nasser Fahrbahn für normale Radfahrer aufwärts nur äusserst schwer zu bezwingen.

Colin Fleming, Henri LeconteHenri LeconteJamie MurrayJamie MurrayJamie Murray
1:3   Andy Murray (ATP 3) - David Goffin (ATP 16)   3:6 5:7 3:6
Bereits am Samstag sassen wir in einem Bereich mit vielen britischen Fans. Die Zuschauer von der Insel konnten sich deutlich mehr Karten sichern als die 10%ige Anteil vom zugeteilten Kontingent. Am Sonntag waren unsere Tickets in der vierten Reihe gleich neben dem Fanblock des britischen Teams. Da waren nicht einmal mehr Colin Fleming oder Henri Leconte (Bilder 1 und 11) viel näher am Geschehen dran. Ich liess mich anstecken und schwenkte den Union Jack im dritten Satz fast pausenlos. Was für ein tolles Erlebnis!

Jamie MurrayAndy MurrayLeon Smith, Andy MurrayJames WardJamie MurrayKyle EdmundDaniel Evans, Dominic InglotCathie Sabin, Kyle Edmund, Andy Murray, Leon Smith, James Ward, Jamie Murray, Daniel Evans, Dominic InglotAndy MurrayJamie MurrayDominic InglotAndy MurrayDaniel EvansLeon Smith
Davis Cup-Sieger
Von ersten Davis Cup im Jahr 1900 bis ins Jahr 1973 gewannen ausschliesslich die Länder mit blau, weiss und rot in ihrer Nationalflagge USA (24 Titel), Australien (23), Grossbritannien (9) und Frankreich (6) den Davis Cup. Don Budge hat 1938 als erster Tennisspieler den "Grand Slam" gewonnen und dessen Bedeutung mit der Erklärung unterstrichen, dass er innert eines Jahres das bedeutendste Turnier in jedem der vier Länder gewonnen hatte, die je den Davis Cup gewinnen konnten. Die Briten konnten in diesem Jahr mit den Siegen über die USA, Frankreich und Australien ein weiteres Kapitel in dieser Historie schreiben. Das erste Auswärtsspiel des Jahres gegen die bisher noch nie im Davis Cup erfolgreichen Belgier nutzte Grossbritannien zum ersten Triumph seit 79 Jahren, damals angeführt vom legendären Fred Perry. Eine sehr schöne Regel finde ich, dass alle eingesetzten Spieler der Saison zur Siegerehrung durften und eine kleine Ausgabe des Pokals erhielten. So feierten die Briten gleich zu sechst und inklusive Captain gar zu siebt.

 

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