Wimbledon 2010, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 01.08.2010

alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank zu: John Isner, Nicolas Mahut, Thiemo De Bakker
Längstes Tennismatch der Welt - John Isner-Nicolas Mahut

 

Was ermöglichte das längste Tennismatch der Welt?

Herren Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde
 Thiemo De Bakker -
 Santiago Giraldo
 6:7 6:4 6:3 5:7 16:14
 Thiemo De Bakker -
 John Isner (23)
 6:0 6:3 6:2
 Paul-Henri Mathieu -
 Thiemo De Bakker
 7:6 7:6 6:7 6:4
 John Isner (23) -
 Nicolas Mahut (Q)
 6:4 3:6 6:7 7:6 70:68

Nicolas MahutNicolas MahutJohn IsnerJohn IsnerJohn IsnerNicolas MahutJohn IsnerNicolas MahutNicolas Mahut
John Isner - Nicolas Mahut
Bei 25:24 suchte auch ich mir einen Stehplatz hoch über Court 18. Nach zwanzig Minuten versteckt hinter vielen Köpfen konnte ich in die erste Reihe mit guter Sicht vorrücken. Bei 47:47 musste ich leider wieder los. Während Mahut so fit aussah wie zu Spielbeginn, machte Isner schon bei 25:24 einen ausgelaugten Eindruck. Bemerkenswert: Keiner der Spieler nahm während dieser Zeit eine Verletzungspause.
Etwas kurios ist, dass Mahut im fünften Satz 365 Punkte gewann, Isner nur 346. Trotzdem brachte es der 28-jährige Franzose nur auf zwei Breakbälle (bei 50:50). Isner hingegen hatte deren 5 (einen bei 16:15, zwei bei 33:32, einen bei 59:58 und einen bei 69:68). Noch kurioser ist, dass es Mahut war, der bei 59:59 einen Unterbruch der Partie aufgrund der Dämmerung forderte und erhielt. Er war derjenige gewesen, der einen frischen Eindruck gemacht hatte. Isner hingegen war beinahe stehend K.O., hätte aber gerne noch weitergespielt.
An den beiden Spielern und an diesem Match kommt man beim Rückblick auf Wimbledon 2010 nicht vorbei. Sinnbildlich hatte ich dass Gefühl, dass Mahut und Isner überall zugegen waren: Mahut (Bild 18) am Donnerstagmorgen vor der Wiederaufnahme bei 59:59 gut gelaunt und fit. Isner (Bild 19) am Samstagmorgen nach seinem Ausscheiden in den Strassen Wimbledons.
Die Rekordbücher müssen wie folgt angepasst werden:
- Längstes Match: 11 Stunden, 5 Minuten   (alt: Santoro-Clement 6h 33min, Roland Garros 2004)
- Längster Satz: 8 Stunden, 11 Minuten   (alt: Roddick-El Aynaoui 2h 13min, Australian Open 2003)
- Meiste Games in einem Match: 183 Games   (alt: Gonzalez-Passarell 122 Games, Wimbledon 1969, damals wurde in allen fünf Sätzen ohne Tie-Break gespielt)
- Meiste Asse eines Spieler in einem Match: Isner 112 Asse, Mahut 103 Asse   (alt: Karlovic 78 Asse, Davis Cup 2009 gegen Stepanek)
- Meiste aufeinanderfolgende Games ohne Break: 168 Games   (alt: ?)
Für mich persönlich heisst das, dass ich nie mehr wegen eines überlangen Spiels auf einen Platz eilen muss, um Geschichte mitzuerleben beziehungsweise diese ja nicht zu verpassen. Denn dieser Rekord wird wohl nie mehr fallen. Die Aussage, dass sich gerade zwei Spieler im Entscheidungssatz zum Beispiel bei 9:9 befinden, wird kein grosses Aha-Erlebnis mehr auslösen... Allerdings bleiben meine beiden bisherigen Rekordhalter in guter Erinnerung: Roddick-Tursunov und Melo/Sa-Hanley/Ullyett.

John IsnerThiemo De BakkerThiemo De Bakker
Thiemo De Bakker - John Isner
Isners Gegner De Bakker hatte
in der ersten Runde erst mit 16:14 im Entscheidungssatz gewonnen. Seine am Dienstag begonnene Partie endete aber am Mittwoch nach der vergleichsweise kleinen Zusatzschlaufe. Isner hingegen hatte sein Match erst am Donnerstag beendet. Am Freitag trafen De Bakker und Isner aufeinander.
Mit einer Serie von 85 erfolgreichen Aufschlagspielen in Folge startete Isner in das Match gegen den 21-jährigen Niederländer. Isner entschied sich für Aufschlag und wurde prompt gebreakt! Nicht genug: Isner verlor seine ersten vier Aufschlagspiele und lag schnell mit 0:6 0:2 zurück, bevor er das erste Mal seinen Service halten konnte. Wann hatte der 25-jährige US-Amerikaner wohl zum letzten Mal vier Breaks in Folge kassiert?... Ende des ersten Satzes hatte er sich am Rücken behandeln und massieren lassen. Danach bewegte er sich etwas besser.

 

Herren Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde
 Ratiwatana/Ratiwatana (L) -
 Kowalczyk/Bednarek (L)
 6:1 6:4 7:6
 Ratiwatana/Ratiwatana (L) -
 De Bakker/Haase
 6:4 7:6 4:6 6:2
 Chela/Schwank (L) -
 Ratiwatana/Ratiwatana (L)
 6:3 6:2 7:6
 De Bakker/Haase -
 Kas/Troicki
 6:7 6:4 7:6 6:3

Sonchat RatiwatanaSanchai Ratiwatana
Sonchat Ratiwatana/Sanchai Ratiwatana - Thiemo De Bakker/Robin Haase
Da war Feuer in der Partie. Ich war erstaunt über das Temperament der Ratiwatana-Zwillinge, da die asiatische Mentalität ja eher zurückhaltend ist. Doch die Thailänder fühlten sich vielleicht auch durch Haase angestachelt. Der Niederländer wirkte mit einigen Gesten zeitweise abschätzig und es sah so aus, als wollte er seine Gegner hochnehmen. Die Niederländer schossen voll auf den Mann, wenn die Ratiwatanas am Netz standen. Dort vorne zu sein war das Ziel der Thailänder. Dank einer schnellen Reaktionsfähigkeit konnten die Lucky Looser am Netz vorne bestehen. Die eigentlich exzellenten Aufschläger De Bakker und Haase gewannen nur selten einfache Punkte direkt mit ihrem Aufschlag.

 

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