ATP World Tour Finals 2016, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 27.11.2016
Einzel Vorschau - ATP Race 2016

Da stelle ich die grosse Jahresübersicht zusammen und dann taucht Olympiagold in der ATP Statistik nicht einmal auf... Selbst ohne Punkte für den Sieg in Rio de Janeiro hat in der zweiten Jahreshälfte ein kaum für möglich gehaltener Wechsel an der Weltranglistenspitze stattgefunden. Bis und mit dem erstmaligen Turniersieg in Roland Garros und der Komplettierung des Karriere-Grand Slams war Novak Djokovic der unantastbare Dominator im Herrentennis. Als erst dritter Spieler nach Don Budge (1937/1938) und Rod Laver (1961 und 1969) hielt er alle vier Grand Slam-Titel gleichzeitig. In Wimbledon drehte der Wind aber gegen Djokovic und für Murray. Zum Jahresende hin ging es dann überraschend schnell mit der Punkteaufholjagd, obwohl Djokovic durchaus vernünftige Resultate zu Stande brachte, allerdings nicht mehr unbesiegbar war. Vor den ATP World Tour Finals übernahm Andy Murray alleine aus dem Grund die erstmalige Führung in der Weltrangliste, weil die Punkte aus London aus dem Vorjahr jeweils bereits zwei Wochen früher gestrichen werden als es mit der normalen 52-Wochen-Regel der Fall wäre. Wie es sei, Murray geht mit einem kleinen Vorsprung nach London, wo die Spitzenposition zum Jahresende definitiv ausgespielt werden wird.

Wimbledon war auch für Roger Federer ein Wendepunkt. Den Ausfall nach den Australian Open aufgrund des Knies hätte er verschmerzen können, da seine Saisonplanung vor allem auf den Sommer mit Wimbledon und den Olympischen Spielen ausgerichtet war. Dass er nach seiner Halbfinalniederlage in Wimbledon aufgrund der Knieverletzung aber den kompletten Rest der Saison absagen musste, waren grosse Nachrichten für das Tennis. Sein langjähriger Rivale Rafael Nadal hatte erneut und wie so oft mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Diesmal war es die Hand, welche ihn in der ersten Woche von Roland Garros zur Aufgabe zwang und letztendlich auch zum verfrühten Ende der Saison im Herbst bewegte. Dazwischen gewann er immerhin Olympiagold im Herren Doppel.

Neben den Wirren um die ganz grossen Namen im Herrentennis der letzten Jahre sind in diesem Jahr beim Finale der besten Acht dafür neue Gesichter mit dabei: Monfils und Thiem geben ihr Debüt, Raonic und Cilic sind erst zum zweiten Mal mit dabei.

 ATP Einzel Race 2016
  Andy Murray (GBR) Novak Djokovic (SRB) Stanislas Wawrinka (SUI) Milos Raonic (CAN) Kei Nishikori (JPN) Gael Monfils (FRA) Marin Cilic (CRO) Rafael Nadal (ESP)
-> Hand
Dominic Thiem (AUT) Tomas Berdych (CZE)
-> Absage
David Goffin (CZE)
-> Ersatzspieler
GRAND SLAM
2000
Sieg: Wimbledon
Final: AusOpen, French Open
Sieg: AusOpen, French Open
Final: US Open
Sieg: US Open
Halbfinal: French Open
Final: Wimbledon
Halbfinal: AusOpen
Halbfinal: US Open Halbfinal: US Open     Halbfinal: French Open Halbfinal: Wimbledon  
Anz. Turniere
(beste 4 zählen)
4 4 4 4 4 3 4 3 4 3 4
Punktemaximum:
8000
4760 5290 2945 2145 1440 1090 550 280 1035 1440 730
MASTERS SERIES
1000
Sieg: Rom, Schanghai, Paris
Final: Madrid, Cincinnati
Sieg: Indian Wells, Miami, Madrid, Toronto
Final: Rom
  Final: Indian Wells Final: Miami, Toronto Final: Monte Carlo Sieg: Cincinnati Sieg: Monte Carlo      
Anz. Turniere
(beste 8 zählen)
8 8 9 9 7 8 6 7 8 9 9
Punktemaximum:
8000
3650 5150 930 2175 2280 1555 1605 2010 570 1010 1405
ATP 500 Sieg: London Queen's, Peking, Wien   Sieg: Dubai     Sieg: Washington Sieg: Basel Sieg: Barcelona Sieg: Acapulco    
Anz. Turniere
(beste 3-5 zählen)
3 1 3 3 5 3 5 3 4 4 5
Punktemaximum:
1500
1775 90 590 480 735 980 950 770 860 90 465
ATP 250   Sieg: Doha Sieg: Chennai, Genf Sieg: Brisbane Sieg: Memphis       Sieg: Buenos Aires, Nizza, Stuttgart Sieg: Shenzhen  
Anz. Turniere
(beste 0-2 zählen)
0 1 4 2 2 2 5 2 10 5 6
Punktemaximum:
500
0 250 650 250 250 0 345 240 750 520 180
Anz. Turniere
Total
15 14 20 18 18 16 20 15 26 21 24
Anz. Turniersiege
Total
7 7 4 1 2 1 2 2 4 1 0
Punkte Total 11185 10780 5115 5050 4705 3625 3450 3300 3215 3060 2780
Anz. Teilnahmen
"Finals"
7
2008-2013, 2015
9
2007-2015
3
2013-2015
1
2014
2
2014-2015
0
-
1
2014
7
06-07, 09-11, 13, 15
0
-
6
2010-2015
0
-
Alter 29 29 31 25 26 30 28 30 23 31 25

Tom DaleyTom DaleyMatthew Lewis
O2 Arena
An Tennisveranstaltungen zu gehen heisst auch Freunde zu treffen wie Bob und Michael (Bild 4). Von den Promis gaben sich beim Murray-Match am Montag Turmspringer Tom Daley (Bilder 6 und 7) und Schauspieler Matthew Lewis (Bild 8) die Ehre.

 

 

ATP World Tour Finals 2016, London

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Einzel Gruppe John McEnroe - Formstarke Gruppe

 

 Einzel Gruppe John McEnroe
 Spieltag  Andy Murray
 (GBR, 1)
 Stanislas Wawrinka
 (SUI, 3)
 Kei Nishikori
 (JPN, 5) 
 Marin Cilic
 (CRO, 7)
 Montag  Cilic
 6:3 6:2
 Nishikori
 2:6 3:6
 Wawrinka
 6:2 6:3
 Murray
 3:6 2:6
 Mittwoch  Nishikori
 6:7 6:4 6:4
 Cilic
 7:6 7:6
 Murray
 7:6 4:6 4:6
 Wawrinka
 6:7 6:7
 Freitag  Wawrinka
 6:4 6:2
 Murray
 4:6 2:6
 Cilic
 6:3 2:6 3:6
 Nishikori
 3:6 6:2 6:3
 Siegesbilanz
 Satzbilanz
 3:0
 6:1
 1:2
 2:4
 1:2
 4:4
 1:2
 2:5
 Gruppenrang  1.  3.  2.  4.

Kei NishikoriStan Wawrinka
Kei Nishikori (ATP 5) - Stan Wawrinka (ATP 3)   6:2 6:3
Die Begrüssung und Einführung durch den Schiedsrichter inklusive Münzwurf hat die beiden Spieler so überhaupt nicht interessiert. Nishikori wirkte sehr fokussiert und abgeschottet, fast schon unfreundlich, was für einen Japaner sehr ungewöhnlich ist. Wawrinka machte seine üblichen Aufwärmübungen und registrierte die Prozedur im Vorbeigehen. Im Spiel zog sich die Fokussiertheit des Japaners durch, während Wawrinka nie ins Spiel fand. Ich wunderte mich, dass der Westschweizer kein Racket zertrümmerte bei dieser verkorksten Vorstellung.
Für das Interview nach dem Spiel stand Wawrinka dann gar nicht erst zur Verfügung. In der ersten Runde der World Tour Finals wurden nach dem Match jeweils zuerst der Verlierer und danach der Sieger befragt. Wobei mir diese Interviews mittlerweile ein grosser Dorn im Auge sind. Es handelt sich um so viel Standardfragerei und -antworterei, dass es uninteressanter nicht sein könnte. Annabel Croft konnte mit ihrer platten Fragerei beim glitzerenden Saisonfinale ohnehin keine Akzente setzen. Genauso immerwährend gleich sind auch die Reden an den Siegerehrungen. Das muss der Tenniszirkus unbedingt neue Wege finden in einer informationsüberfluteten Welt.
Der Vertrag der ATP World Tour Finals mit London läuft in zwei Jahren definitiv aus. Ich könnte mir Tokio als valablen Nachfolger vorstellen. Es wäre eine Rückkehr auf den asiatischen Markt, wo das Turnier zuvor in Schanghai stattgefunden hatte. Nishikori ist in Sachen Wirtschaftlichkeit und Publikumsinteresse ein unglaubliches Zugpferd in seiner Heimat. Bereits in Basel und noch mehr in London waren japanische Flaggen im Publikum zu sehen. Tokio kann eine Grossveranstaltung wie diese austragen. Auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2020 könnte das in den nächsten Jahren einen Aufgalopp und/oder ein Vermächtnis darstellen. Soweit ich weiss hatte Rio de Janeiro ebenfalls solche Ambitionen, aber dort war wohl die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben.

Marin CilicAndy Murray
Andy Murray (ATP 1) - Marin Cilic (ATP 7)   6:3 6:2
Murray könnte mit seiner Spielkleidung am Sonntag auch gleich mit mir an den Frauenfelder Waffenlauf kommen, falls er vor dem Final ausscheiden sollte in London. Cilic seinerseits hatte dafür wohl bereits die Badehosen für den Urlaub nach der langen Saison eingepackt. So witzelte jedenfalls Murrays Bruder Jamie via Twitter. Das Unverständnis über die Tennishosen des Kroaten war wohl allgemein zu gross. Denn in den weiteren Partien in London trat er mit unifarbenen Hosen an.
Einen Oscar wird er nie gewinnen, der Andy Murray. Er ist einer der fittesten Spieler auf der ATP Tour und wankte zwischen den Punkten sehr ausgepumpt über den Platz. Zum ersten Mal beim Spielstand vom 15:15 im allerersten Game! :-) Vermutlich war da bereits Selbstprophezeiung mit dabei, dann die Ballwechsel wurden äusserst lang. Für einen Spielertypen wie Cilic sogar sehr lang, wobei sich dieser in den Grundlinienduellen anscheinend stark verbessert hat. Für die ersten zwei Games benötigten die Kontrahenten elf Minuten. Für acht Games waren es dann vierundvierzig Minuten. Doch mit dem Break zum 5:3 für Murray bog die Partie in die erwartete Fahrbahn ein. Die Statistik war vernichtend, da am Ende der langen Ballwechsel praktisch keine Gewinnschläge geschlagen wurden sondern fast nur Fehler resultierten.

 

 

ATP World Tour Finals 2016, London

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Einzel Gruppe Ivan Lendl - Veränderungen

 

 Einzel Gruppe Ivan Lendl
 Spieltag  Novak Djokovic
 (SRB, 2)
 Milos Raonic
 (CAN, 4)
 Gael Monfils
 (FRA, 6)
 Dominic Thiem
 (AUT, 8)
 David Goffin
 (BEL, 9)
 Sonntag  Thiem
 6:7 6:2 6:0
 Monfils
 6:3 6:4
 Raonic
 4:6 3:6
 Djokovic
 7:6 0:6 2:6
 -
 Dienstag  Raonic
 7:6 7:6
 Djokovic
 6:7 6:7
 Thiem
 3:6 6:1 4:6
 Monfils
 6:3 1:6 6:4
 -
 Donnerstag  Goffin
 6:1 6:2
 Thiem
 7:6 6:3
 -  Raonic
 6:7 3:6
 Djokovic
 1:6 2:6
 Siegesbilanz  3:0  2:1  0:2  1:2  0:1
 Gruppenrang  1.  2.  -  3.  4.

Dominic ThiemNovak Djokovic
Novak Djokovic (ATP 2) - Dominic Thiem (ATP 8)   6:7 6:0 6:2
Im ersten Satz hat es diese Partie aufgezeigt: Wenn Djokovic unter Druck ist, dann unterlaufen ihm momentan ungewohnt viele Fehler. So verlor er gar den ersten Satz im Tie-Break, obwohl Thiem das grosse Zittern bekam und in der Kurzentscheidung seine einzigen drei Doppelfehler der ganze Partie servierte. Mit 12:10 war der Gewinn des ersten Satzes aber doch noch der Lohn für den österreichischen Debütanten. Physisch aber auch mental hatte der umkämpfte erste Satz viel Energie gekostet und Thiem war in der Folge platt. Bereits in den letzten Wochen spürte der 23-jährige in der Saison seines Durchbruchs die vorangegangenen Belastungen und die Resultate blieben aus. Seine Leistung in London ist aber ein erneutes Aufbäumen. Im dritten Satz begann alles nochmals bei Null, doch auch hier hatte ihn der Serbe nach kurzer Zeit wieder abgehängt.
Was mir bei Thiem nicht gefällt, ist dass er auf der Vorhand durchwegs mit viel Spin spielt. Wenn er zum Gewinnschlag ansetzt, dann müsste er flacher über den Ball gehen. Ansonsten fehlt es ihm immer an Geschwindigkeit und die Gegner können den Ball erlaufen. Die Möglichkeit schnelle Punkte zu gewinnen ist ein wichtiger Baustein der besten Tennisspieler der Welt.
Nicht nur Thiem unterliefen Doppelfehler zu Unzeit. Gerade zu Turnierbeginn zeigten viele Akteure ungewohnte Schwächen. Im zweiten Gruppenspiel schenkte Monfils gegen Thiem das Match mit drei Doppelfehlern im letzten Aufschlag gar richtiggehend weg.

Milos RaonicGael MonfilsMilos RaonicMilos RaonicMilos Raonic
Milos Raonic (ATP 4) - Gael Monfils (ATP 6)   6:3 6:4
Monfils zeigte einen guten Einstand in London und das Publikum liebte ihn. Für dieses Debüt hatte er sogar auf das Turnier in Paris verzichtet. Ich frage mich allerdings, ob es wirklich nötig ist auf dem Tennisplatz so oft herumzuspringen und teilweise hart zu fallen. Die Verletzungsgefahr durch z.B. Zerrungen erscheint mir dadurch einfach zu hoch bei dem langen und intensiven Tenniskalender auf der ATP Tour. Der Franzose ist immerhin der einzige Tennisspieler der wirklich einen Grund hat um seine Schnürsenkel immer und immer wieder zu binden, auch wenn er die Macke recht übertreibt.
An den ersten Turniertagen war ich zuvor noch nie an den ATP World Tour Finals gewesen, doch die Anzahl leerer Sitze war in diesem Jahr ungewöhnlich gross. Speziell bei dieser Partie am Sonntagabend. Die Tickets über die Wiederverkaufsplattform Viagogo wurden unter dem offiziellen Ticketpreis angeboten. Mitunter blieb auch Sektor 117 vornehmlich leer. Das ist der Sektor, wo die Mitglieder des fans4roger-Fanclubs jährlich jeweils ihre Dauerkarten haben, welche sie bereits zu Jahresbeginn bestellen müssen.

 

 

ATP World Tour Finals 2016, London

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Einzel Halbfinal & Final - Kampf und die Nummer 1

 

 Einzel Halbfinal & Final
 Vorrunde  Halbfinale   Finale
 Gruppensieger J.M.:
 Andy Murray (1)
 Andy Murray (1) -
 Milos Raonic (4)
 5:7 7:6 7:6
 Andy Murray (1) -
 Novak Djokovic (2)
 6:3 6:4
 Gruppenzweiter I.L.:
 Milos Raonic (4)
 Gruppenzweiter J.M.:
 Kei Nishikori (5)
 Novak Djokovic (2) -
 Kei Nishikori (5)
 6:1 6:1
 Gruppensieger I.L.:
 Novak Djokovic (2)

Vor zwei Jahren hatte ich das Finalwochenende ebenfalls verpasst. Dort war es das tolle Duell zwischen Federer und Wawrinka im Halbfinal gewesen. Diesmal entwickelte sich Murray-Raonic zu einem nicht enden wollenden Halbfinalspiel. Vor zwei Jahren konnte Federer aufgrund von Rückenproblemen nicht mehr zu Endspiel gegen Djokovic antreten. Auch diesmal war Djokovic der Favorit, da er Nishikori in beeindruckender Weise vom Platz gefegt hatte. Murray hingegen hatte die 3 Stunden 38 Minuten vom Samstag zu verkraften. Diese Ausgangslage schien Djokovic allerdings zu hemmen und Murray bearbeitete dessen Rückhand, auf der der Serbe ungewohnte Schwächen zeigte. Im Spiel der Spiele sicherte sich Murray die Weltranglistenspitze zum Jahresende vor Djokovic.

 

 

ATP World Tour Finals 2016, London

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Tennisvorhersage 2017 - So wird das nächste Jahr

 


Vorhersage des Tennisjahres 2017
Michael hat mich 2016 um nur einen Punkt besiegt und sich somit ein Nachtessen gesichert (Bild 1). In den Top 10 der Herren hatte ich ihn um sechs Punkte abgehängt, doch er hat mich bei den weiblichen Rising Stars tatsächlich um sieben Punkte geschlagen. Verkehrte Welt. Wenigstens waren wir in diesem Jahr beide sowohl bei den Top 10 der ATP als auch der WTA deutlich besser, als wenn wir einfach die Top 10 des letzten Jahres 1:1 übernommen hätten. Nach sieben Jahren steht es 5:2 für mich und das Tippen geht für 2017 weiter (Bild 2).

 

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