Wimbledon 2016, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 14.07.2016

Vernieselter Mittwoch - Federer-Willis, Djokovic-Mannarino, Thiem-Mayer, Bencic-Pironkova

Mehr als eine absolvierte Partie auf den Aussenplätzen lag an diesem stürmischen Mittwoch nicht drin. Der starke Wind drückte die Fieseln regelrecht aus den Wolken und wenige feine Minitropfen flogen durch die Luft. Eine enttäuschende Situation für die Zuschauer, die meistens nicht einmal ihren Regenschirm benötigten. So wurde es zu einem Tennistag der sich mehrheitlich nur auf dem Centre Court abspielte.

Kateryna Kozlova
Agnieszka Radwanska (WTA 3) - Kateryna Kozlova (WTA 97)   6:2 6:1
Bei ihrem zweiten Grand Slam-Turnier zeigte sich die Ukrainerin Kozlova mit teils harten und teils variablen Schlägen, allerdings viel zu fehlerhaft gegen Radwanska, die eine Konterspielerin ist sowie die Finalistin von 2012. Dank dem Regen draussen und dem Centre Court mit Dach war das erste Spiel am Mittwoch gut besucht.

Novak Djokovic
Novak Djokovic (ATP 1) - Adrian Mannarino (ATP 55)   6:4 6:3 7:6
Der 28-jährige Linkshänder Mannarino zeigte gute Gegenwehr gegen den um einen Jahr älteren Djokovic. Der Serbe hatte in Roland Garros seinen Karriere-Grand Slam komplettiert und kam als aktueller Titelhalter aller vier Grand Slams nach Wimbledon. Doch in der dritten Runde gegen Querrey geschah das Unerwartete. Djokovic war am Freitag "nur" auf dem nicht überdachten Court 1 angesetzt, weil die Affichen Wawrinka gegen Del Potro und Federer gegen den Einheimischen Evans sicherlich zurecht auf dem Centre Court angesetzt worden waren. Somit musste der Weltranglistenerste lange auf seinen Einsatz warten. Als es dann los ging, feuerte sich Querrey zu einer 2:0-Satzführung bevor der Regen erneut einsetzte. Am Samstag vollendete der Kalifornier die Sensation in vier Sätzen. Djokovic wirkte in der Pressekonferenz nach der Niederlage ausgebrannt nachdem er sein grosses Ziel mit dem Gewinn des Titels bei den French Open vor einem Monat endlich erreicht hatte.

Roger Federer, Marcus WillisRoger Federer
Roger Federer (ATP 3) - Marcus Willis (ATP 772)   6:0 6:3 6:4
Das
Match des Tages bot eine wunderbare Geschichte. Der 25-jährige Brite Willis war als letzter Spieler in ein Vorqualifikationsturnier gerutscht. Dank seinem Erfolg erhielt er eine Wild Card für das Qualifikationsturnier für Wimbledon. Dort gewann er drei Matches und stand somit im Hauptfeld von Wimbledon. Mit einem Erstrundensieg über Berankis verdiente er sich den grossen Auftritt auf dem Centre Court gegen den siebenmaligen Wimbledonsieger Federer. Deswegen musste der Halbprofi am Mittwoch gar seine Tennislektionen als Coach bei seinem lokalen Club ausfallen lassen. Nie zuvor hatte Willis ein Spiel auf ATP- oder Grand Slam-Niveau bestritten. Willis verfügt über ein sehr unterhaltsames Spiel mit Angriffen, Slices, Lobs und allem was dazugehört. Er ist allerdings nicht voll austrainiert und das gehört auch zu einem Tennisprofi dazu. Wer den unbedingten Willen hart an sich zu arbeiten nicht besitzt, der schafft es mit Talent alleine und dem Renommee eines starken Juniors nicht auf die ATP Tour. Womöglich ist dieser grosse Moment ein Ansporn für den 25-jährigen sich mit absolutem Fokus auf seine Tenniskarriere zu konzentrieren.
Federers Eltern durften während dieser Partie erstmals in der Royal Box Platz nehmen. Tags zuvor kam diese Ehre Oracene Price zu teil, der Mutter von Serena und Venus Williams. Federers Saison ist bisher überschattet von Knie- und Rückenproblemen und so bestritt der 34-jährige Schweizer in Wimbledon erst sein siebtes Turnier des Jahres. Wie an den Australian Open erreichte er das Halbfinal, wobei er damals an Djokovic scheiterte, der ihm nach der frühen Niederlage in Wimbledon nun nicht mehr im Weg stehen konnte. Der Finalist der letzten beiden Jahre hatte sich im Viertelfinal in fünf Sätzen gegen Cilic durchsetzen können, unterlag aber im Halbfinal in fünf Sätzen gegen Raonic.

Dominic ThiemDominic ThiemFlorian MayerDominic Thiem, Florian MayerDominic Thiem
Dominic Thiem (ATP 8) - Florian Mayer (ATP 80)   7:5 6:4 6:4
Im ersten Satz musste die Partie aufgrund der Wetterbedingungen für Stunden unterbrochen werden. Nach viel Tennis auf dem Centre Court ging ich nach dem zweiten Satz von Federer-Willis zurück zu diesem Match. Im dritten Satz wurde die Partie in sehr leichtem Nieselregen zu Ende gespielt. Das sind Bedingungen, in den in Wimbledon normalerweise kein Ball mehr über das Netz fliegt. An diesem Mittwoch war der Spielplan aber bereits gut einen Tag im Rückstand und so lange die Spieler keine Bedenken äusserten, wurde weitergespielt. Das Erstrundenmatch blieb ohne die ganz grossen Emotionen, weil Mayer im Verlauf der Partie zu keinem einzigen Breakpoint kam. Ihm fehlte der Rhythmus bei den Returns auf die starken Aufschläge des Österreichers. Thiem hingegen gelang je ein Break pro Satz, was ausreichte. Ihm unterliefen einige Misshits auf der Vorhand, insgesamt legte er aber einen starken und inspirierten Auftritt auf den teils feuchten Rasen von Court 3.
Die Rasenturniere in Stuttgart und Halle waren Glücksfälle für beide Spieler. Thiem hat seit letztem Sommer bereits einen tollen Lauf mit seinen ersten ATP-Turniersiegen in Umag, Gstaad, Buenos Aires inklusive Sieg über Nadal, Acapulco und Nizza. Vier dieser fünf Titel kamen auf Sand und dieser Fortschritt gipfelte im Erreichen des Halbfinals in Roland Garros. Sein Spiel ist nicht prädestiniert für Rasen, doch mit dem Selbstvertrauen und der Klasse eines Top 10-Spielers hat der 22-jährige Österreicher überrascht. In Stuttgart gewann er den Titel inklusive Sieg über Federer. In Halle scheiterte er erst im Halbfinal an: Florian Mayer. Der 32-jährige Bayreuther ist rechtzeitig für die Rasensaison fit geworden. Über die Qualifikation scheiterte er in Stuttgart erst im Viertelfinal an Federer. In Halle bezwang er Thiem und gewann seinen erst zweiten Turniersieg nach Bukarest vor fünf Jahren.

Belinda Bencic
Belinda Bencic
(WTA 13) - Tsvetana Pironkova (WTA 71)   6:2 6:3
Kurzfristig war diese Begegnung wegen der Wetterbedingungen auf dem Centre Court hinzugefügt worden. Bencic hatte während des Federer-Willis-Matches vom Spielereingang aus einen kurzen Augenschein vom Centre Court nehmen dürfen, da sie zuvor noch nie in diesem Stadion gespielt hatte. Inspiriert zeigte sie bei ihrem Centre Court-Debüt eine starke Leistung und überzeugte mit einem stärkeren Aufschlag, härteren Grundschlägen und sehr wenigen Fehlern verglichen mit ihrer Gegnerin Pironkova, gegen die sie bereits im letzten Jahr in der ersten Runde antreten musste. Die Laufleistung von beiden war beeindruckend. Anders als im letzten Jahr auf Court 18 trat diesmal keine müde Spielerin gegen eine verletzte Spielerin an. Zudem wurde in der Halle gespielt. Das Spiel ging nur über zwei und nicht mehr über drei Sätze. Doch mit Bencic setzte sich die gleiche Spielerin durch und mit vier Matchbällen benötigte sie erneut viele Versuche um das Match zu beenden. Immerhin etwas weniger als die sechs Matchbälle im Vorjahr.
Doch bereits am nächsten Tag gab Rechtshänderin Bencic nach verlorenem ersten Satz in ihrer Zweitrundenpartie gegen die Qualifikantin Boserup wegen Schmerzen im linken Handgelenk auf. Dies nachdem die erst 19-jährige bereits im März und April wegen Rückenproblemen hatte pausieren musste.

 

 Herren Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde  Viertelfinal  Halbfinal
 Novak Djokovic (1) -
 James Ward (W)
 6:0 7:6 6:4
 Novak Djokovic (1) -
 Adrian Mannarino
 6:4 6:3 7:6
 Sam Querrey (28) -
 Novak Djokovic (1)
 7:6 6:1 3:6 7:6
 
 Adrian Mannarino -
 Kyle Edmund
 6:2 7:5 6:4
 Roger Federer (3) -
 Guido Pella
 7:6 7:6 6:3
 Roger Federer (3) -
 Marcus Willis (Q)
 6:0 6:3 6:4
 Roger Federer (3) -
 Daniel Evans
 6:4 6:2 6:2
 Roger Federer (3) -
 Steve Johnson
 6:2 6:3 7:5
 Roger Federer (3) -
 Marin Cilic (9)
 6:7 4:6 6:3 7:6 6:3
 Milos Raonic (6) -
 Roger Federer (3)
 6:3 6:7 4:6 7:5 6:3
 Marcus Willis (Q) -
 Ricardas Berankis
 6:3 6:3 6:4
 Dominic Thiem (8) -
 Florian Mayer
 7:5 6:4 6:4
 Jiri Vesely -
 Dominic Thiem (8)
 7:6 7:6 7:6
 

 

 Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde
 Agnieszka Radwanska (3) -
 Kateryna Kozlova
 6:2 6:1
 Agnieszka Radwanska (3) -
 Ana Konjuh
 6:2 4:6 9:7
 Agnieszka Radwanska (3) -
 Katerina Siniakova
 6:3 6:1
 Dominika Cibulkova (19) -
 Agnieszka Radwanska (3)
 6:3 5:7 9:7
 Belinda Bencic (7) -
 Tsvetana Pironkova
 6:2 6:3
 Julia Boserup (Q) -
 Belinda Bencic (7)
 6:4 1:0 ret.
 

 

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