Swiss Indoors 2016, Basel

zurück zur Hauptseite         Last updated: 11.12.2016

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29. Oktober 2016

Die Terminplanung gleicht sich Jahr für Jahr. Das letzte Wochenende im Oktober heisst für mich in den letzten Jahren daher, dass ich am Freitag Budgetabgabetermin habe, am Samstag mit Esther in Basel am Halbfinal bin und am Sonntag ein Lauf auf dem Programm steht. In den vergangenen Jahren jeweils der Halbmarathon in Luzern. Dieses Jahr die bequemere Variante vor der Haustür mit dem Ostschweizer Lauf-Cup. Bei diesem vollen Programm hilft jeweils immer die Zeitverschiebung von Samstag auf Sonntag, bei der wir eine Stunde dazugewinnen. Aber in Basel treffe ich meistens mit Schlafmanko ein. Letztes Jahr habe ich Basel wohlweislich ausgelassen. Dieses Jahr lag das arbeitstechnisch wieder im Bereich des möglichen. Aber Basel wird immer zum Kampf. Beim ersten Doppel ist es kalt. Danach füllt sich die Halle und beim ersten Einzel wird es heiss und schläfrig. Zum Schluss beim letzten Doppel ist die Frage wie lange wir dem Tennis frönen. Da frage ich mich erst warum ich mir das antue und zum Schluss - wie auch in diesem Jahr - bin ich froh dabei gewesen zu sein.

Gefallen haben mir alle vier Begegnungen des Tages. Im Einzel waren mit Muller und Zverev zwei interessante Aussenseiter mit dabei, welche den Weg ans Netz suchen. Ihre Gegner waren die Weltklassespieler Nishikori und Cilic. Während Muller der stärkere Aufschläger als Nishikori ist, ist Cilic der bessere Aufschläger als Zverev. Eine sehr interessante Ausgangslage, welche ich während der Begegnungen sehr genoss, da sich die Spiele auch vom Resultat her sehr offen gestalteten.
Kein Federer also, der in den letzten zehn Jahren Dauergast im Final von Basel war und dabei sieben Mal gewann. Neben dem seit Wimbledon am Knie verletzten Basler Publikumsliebling mussten die Organisatoren auch kurzfristig die Absage von Nadal hinnehmen. Mit US Open-Sieger Wawrinka, Wimbledon-Finalist Raonic und Olympia-Bronzemedallist Nishikori waren drei Top 5-Spieler am Start.

Marin CilicMischa ZverevMarin Cilic
Marin Cilic (ATP 12) - Mischa Zverev (ATP 72)   4:6 7:5 6:3
Diese Partie hat mir gefallen, weil sie einfach zu interpretieren war und es nur richtig oder falsch beziehungsweise nur gut oder schlecht gab. Denn Cilic ist keiner, der einen Plan B hätte und sein Spiel technisch oder taktisch umstellt, wenn er auf neue Herausforderungen trifft. So werden seine Stärken und Schwächen gegen jemanden wie Zverev - der nicht über ein 0815-Spiel verfügt - deutlich aufgezeigt. Auf dem Return war der Kroate schwach und ich als Returnliebhaber will ich nicht kapieren, dass es so zur Top 10 reicht. Doch als sich der 28-jährge bei Satzrückstand und 4:4 bei eigenem Aufschlag aus einem 0:40 befreien konnte, steigerte er in der Folge auch sein Spiel und spielte mit grösserem Selbstvertrauen. Mit dem Turniersieg in Basel scheint sich Cilic rechtzeitig zum Davis Cup-Final in Zagreb gegen Argentinien in Form gespielt zu haben.
Sowohl Zverev als auch Muller spielten heute mit einer hohen Konstanz und hatten echte Siegeschancen. Gerade bei Spielern ausserhalb der Top 50 ist oft eine zu hohe Fehlerquote der Grund, warum sie nicht mehr Siege feiern können und nicht weiter oben in der Rangliste stehen. Wawrinka-Bezwinger Zverev scheint von seinem um zehn Jahre jüngeren Bruder zu profitieren. Seit der 19-jährige Alexander die Tennisszene aufmischt, hat auch Mischa mindestens einen Gang höher geschaltet. Er ist um einiges fitter geworden. In seiner Karriere war der Deutsche mit russischen Wurzeln oft verletzt. Wobei sich hier jeweils die Frage stellt, ob erst die Verletzung war und danach die fehlende Fitness oder ob es anders herum begründet war.

Kei NishikoriGilles MullerGilles MullerKei Nishikori
Kei Nishikori (ATP 5) - Gilles Muller (ATP 37)   4:6 7:6 6:3
Praktisch identische Resultate und Spielverläufe gab es in beiden Einzel-Halbfinals zu erleben. Der 33-jährige Luxemburger Muller hatte gegen Nishikori sogar einen Matchball! Ich hätte Muller den Finaleinzug gegönnt, aber für das Turnier ist ein Finalist Nishikori sicherlich eine gute Sache. Schaut man sich die Siegerliste der Swiss Indoors an, so hat sich das who is who des Tennis in die Siegerliste eingetragen. Seit dem Jahr 1976 hat kein Spieler gewonnen, welcher in seiner Karriere nicht in den Top 10 der Einzelweltrangliste stand! Einige japanische Flaggen im Publikum und die Medienpräsenz von Nishikori in seiner Heimat Japan stellen für die Stadt Basel sicherlich eine willkommene Werbeplattform dar.

Marcel Granollers, Jack SockEdouard Roger-VasselinJack SockNicolas MahutJack Sock, Marcel Granollers
Jack Sock/Marcel Granollers (ATP Doppel 13/26) - Nicolas Mahut/Edouard Roger-Vasselin (ATP Doppel 1/19)   6:3 6:4
Granollers gefällt mir beim Return, wo er mit der weiten - aber schnörkellosen - Ausholbewegung auf der Rückhand früh den gegnerischen Aufschlag attackiert. Sock hingegen verändert seine eigene Position beim Return sowohl in der Länge als auch in der Breite. In der Länge variiert er seine Position, um den Ball im Aufsteigen, im Herunterfallen oder auf dem höchsten Punkt nehmen zu können. In der Breite verändert er seine Position, um vermehrt mit der eigenen Vorhand zu agieren. Generell scheint er einfach gerne das Bild für seine Gegner zu verändern. Auch bei eigenem Aufschlag variiert Sock seine Position extrem. Vor allem auf der Vorteilseite steht er einmal in der Mitte des Feldes, ein anderes Mal an der Seitenlinie draussen. Ein Unterschied von gut und gerne vier Metern.
Mahut wurde seiner Spitzenposition in der Doppelweltrangliste nicht gerecht. Obwohl der Kampf um die Spitzenposition in der Jahresendrangliste noch nicht entschieden ist, spielte er nicht mit Herbert in Basel. Dieser trat unter der Woche im Einzel bei einem Challengerturnier und am Wochenende in der Qualifikation zum 1000er-Turnier in Paris an. Mit Roger-Vasselin waren die Abläufe im Doppel nicht automatisiert, worunter das Spiel der Franzosen etwas litt. Auch Sock und Granollers sind keine Standard-Doppelpartner. Mit ihrer Durchschlagkraft aufgrund ihrer Fähigkeiten als starke Einzelspieler konnten sie das aber besser kompensieren.

Robert Lindstedt, Michael VenusRobert Lindstedt, Michael VenusJean-Julien RojerRobert LindstedtMichael Venus, Robert Lindstedt
Robert Lindstedt/Michael Venus (ATP Doppel 37/39) - Horia Tecau/Jean-Julien Rojer (ATP Doppel 9/10)   1:6 6:3 10-8
Der 39-jährige Lindstedt hatte die Saison mit Inglot gestartet, wobei diese Liaison nicht lange anhielt. In Stockholm in der letzten Woche zeigte er sich unzufrieden über seinen Doppelpartner Qureshi, mit dem er im Verlauf des Jahres einige Turniere bestritten hatte. Während seine schwedischen Landsleute den ungewohnten Davis Cup-Termin Ende Oktober wahrnahmen um in Israel gegen den Abstieg aus der Europa/Afrika-Zone I zu kämpfen, trat Lindstedt in Basel an. Am Rheinknie tat er sich mit dem Neuseeländer Venus zusammen, der sich in Stockholm mit dem Kroaten Pavic ins Finale gespielt hatte. Diese Verbindung trug in Basel Früchte, wobei Lindstedt/Venus den 7:1-Vorsprung im Match-Tie-Break fast noch hergegeben hätten.
Tecau/Rojer waren das einzige Doppel im Halbfinal von Basel, welches bereits die ganze Saison über zusammengespielt hat. Für sie ging es noch um die Qualifikation für die ATP World Tour Finals in London. Mit Mirnyi/Huey hatten sie in der zweiten Runde einen direkten Konkurrenten ausgeschaltet. Ihre heutigen Gegner halfen mit dem Sieg über Klaasen/Ram mit. Kontinen/Peers hatten in der ersten Runde gegen Mahut/Roger-Vasselin verloren. Trotzdem Tecau/Rojer in Basel an Nummer 1 gesetzt sind, liegen sie im Race to London nur auf Rang 9 und die vorhin genannten drei Teams befinden sich unmittelbar vor ihnen. In der Weltrangliste stehen Rojer/Tecau so hoch, weil sie im Vorjahr in London gewinnen konnten und dort viele Punkte sammelten. Der Rumäne und der Niederländer legten im ersten Satz sehr konzentriert los. Doch mit der etwas unerwarteten Niederlage im Halbfinal reduzieren sich ihre Chancen in London dabei zu sein.
Ein Doppel findet am Halbfinaltag in Basel jeweils vor den Einzeln statt und das zweite jeweils im Anschluss an die Einzel. Auch aufgrund der langen Spielzeit der Einzel waren die Doppel nicht mehr stark besucht. Wir nutzen wie immer die Gelegenheit und sassen bei beiden Partien so weit hinunter wie es im Sektor möglich war.

 

 Einzel
 1. Runde  2. Runde  Viertelfinale  Halbfinale  Finale
 Mischa Zverev (Q) -
 Taylor Fritz
 7:6 6:0
 Mischa Zverev (Q) -
 Guido Pella
 6:4 6:2
 Mischa Zverev (Q) -
 Stan Wawrinka (1)
 6:2 5:7 6:1
 Marin Cilic (4) -
 Mischa Zverev (Q)
 4:6 7:5 6:3
 Marin Cilic (4) -
 Kei Nishikori (3)
 6:1 7:6
 Marin Cilic (4) -
 Mikhail Youzhny
 6:4 6:2
 Marin Cilic (4) -
 Pablo Carreno Busta
 6:0 7:6
 Marin Cilic (4) -
 Marcel Granollers
 6:3 6:3
 Kei Nishikori (3) -
 Dusan Lajovic
 7:5 6:1
 Kei Nishikori (3) -
 Paolo Lorenzi
 7:6 6:2
 Kei Nishikori (3) -
 Juan Martin Del Potro (W)
 7:5 6:4
 Kei Nishikori (3) -
 Gilles Muller
 4:6 7:6 6:3
 Gilles Muller -
 Grigor Dimitrov (6)
 6:7 6:4 6:4
 Gilles Muller -
 Florian Mayer
 6:3 6:2
 Gilles Muller -
 Federico Delbonis
 6:7 7:6 6:3

 

 Doppel
 1. Runde  Viertelfinale  Halbfinale  Finale
 Tecau/Rojer (1) -
 Delbonis/Pella (Q)
 6:3 3:6 10-3
 Tecau/Rojer (1) -
 Mirnyi/Huey
 6:7 6:4 10-4
 Lindstedt/Venus -
 Tecau/Rojer (1)
 1:6 6:3 10-8
 Zimonjic/Pospisil (2) -
 Sock/Granollers (4)
 6:3 6:4
 Lindstedt/Venus -
 Dodig/Zimonjic
 7:6 6:3
 Lindstedt/Venus -
 Klaasen/Ram (3)
 6:4 7:5
 Sock/Granollers (4) -
 Cabal/Farah
 6:3 5:7 10-5
 Sock/Granollers (4) -
 Mergea/Inglot
 7:5 2:2 ret.
 Sock/Granollers (4) -
 Mahut/Roger-Vasselin (2)
 6:3 6:4
 Mahut/Roger-Vasselin (2) -
 Kontinen/Peers
 6:4 7:6
 Mahut/Roger-Vasselin (2) -
 Matkowski/Marrero
 6:1 6:4

 

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