Zurich Open 2006

zurück zur Übersicht         Last updated: 07.12.2006

alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank zu: Cara Black, Rennae Stubbs, Katarina Srebotnik, Liezel Huber, Lisa Raymond, Samantha Stosur, Meghann Shaughnessy, Maria Kirilenko, Anna-Lena Grönefeld
Cara Black/Rennae Stubbs - Zurich Open 2005
Katarina Srebotnik - French Open 2006
Liezel Huber - French Open 2006
Lisa Raymond - US Open 2005
Samantha Stosur - Australian Open 2005
Meghann Shaughnessy - French Open 2006
Maria Kirilenko - French Open 2006
Die Doppelkonkurrenz - Black/Stubbs und Srebotnik/Huber

 

Doppel Finale:   Cara Black / Rennae Stubbs (3) - Katarina Srebotnik / Liezel Huber   7:5 7:5

Zum dritten Mal in Folge gewannen Black/Stubbs den Titel in Zürich. Das ist um so bemerkenswerter, als in diesem Jahr 16 der besten 20 Doppelspielerinnen der Weltrangliste an den Zurich Open angetreten waren.

Ich mag es, wenn dasjenige Team gewinnt, bei welchem die Spielerinnen den Weg ans Netz suchen. Das waren in diesem Fall Black/Stubbs. Im ersten Satz reichte ein einziges Break gegen Huber. Im zweiten Satz gaben Black und Huber ihre Aufschlagspiele früh ab. Brenzlig wurde es für die Titelverteidigerinnen, als Stubbs das Break zum 4:5 kassierte. Das sofortige Re-Break gegen die Halbfinalistin im Einzel, Katarina Srebotnik, brachte aber den Ausgleich und ein erneutes Break gegen Huber die anschliessende Entscheidung.

Rennae Stubbs wirkte mit ihren 35 Jahren sehr gelassen und routiniert, manchmal auch ziemlich unzufrieden und genervt. Sie war wohl auch etwas angesäuert, da sie von Liezel Huber zweimal vorne am Netz abgeschossen worden war. Das zweite Mal mit einem Treffer ans Knie, der schmerzhaft war. Die Australierin ist aber auch kein Kind von Traurigkeit und schoss Liezel Huber in der Folge ebenfalls zweimal ab.

Vielleicht gab es zwischen den beiden Knatsch, da Stubbs Huber Mitte 2005 eventuell die Doppelpartnerin Black ausgespannt hatte. Und trug sich das wie folgt zu:

Rennae Stubbs spielte zwischen 1996 und 2002 sieben Jahre lang zusammen mit Lisa Raymond und gewann dabei 30 ihrer 55 Doppelturniersiege. Die US-Amerikanerin Raymond suchte sich im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Athen 2004 eine Landsfrau als Partnerin. Raymond spielte die Saison 2003 mit Davenport und wechselte für das Jahr 2004 zu Navratilova.
Die Australierin Stubbs spielte das Jahr 2003 mangels fester Partnerin in wechselnden Zusammensetzungen. Auf das Jahr 2004 tat sie sich mit ihrer aktuellen Doppelpartnerin Cara Black zusammen. Die Simbabwerin Black hatte zuvor drei Jahre mit Likhovtseva gespielt. Im Jahr 2004 gewannen Black/Stubbs 6 Titel.

Nach dem Olympia-Jahr von Athen tat sich auf das Jahr 2005 die alte Erfolgspaarung Raymond/Stubbs wieder zusammen, während Cara Black nun zusammen mit der Südafrikanerin Liezel Huber ein Team bildete.
Nach dem Wimbledon-Sieg im Juli 2005 von Black/Huber verletzte sich Liezel Huber und fiel lange Zeit aus. Daraufhin formierte sich das Team Black/Stubbs erneut. Lisa Raymond spielte ab nun mit Samantha Stosur zusammen.
Nun kam Huber im Januar 2006 zurück und hatte ihre Doppelpartnerin Cara Black an Rennae Stubbs verloren. Mangels Alternativen spielte Huber die aktuelle Saison mit wechselnden Partnerinnen wie Navratilova, Mirza oder Grönefeld. Das Turnier in Zürich war das erste, in dem Huber mit Srebotnik zusammen spielte. Huber steht nur noch auf dem 18. Weltranglistenplatz, während Black und Stubbs die Positionen 5 und 6 belegen.

 

 

Doppel Halbfinale:   Katarina Srebotnik / Liezel Huber - Lisa Raymond / Samantha Stosur (1)   6:3 6:4

Es war eine Überraschung, dass die Weltranglisten-18. (Huber) und die Nr. 8 (Srebotnik) bei ihrem ersten gemeinsamen Turnier gleich die Co-Weltranglistenersten Lisa Raymond und Samantha Stosur besiegten. Die amerikanisch-australische Paarung ist zur Zeit das Mass aller Dinge im Damen Doppel.

 

 

Qualifikation Einzel 2. Runde:   Lisa Raymond - Timea Bacsinszky   3:6 5:7
(M
ehr Infos zu dieser Partie gibt es im Bericht zu Timea Bacsinszky.)

Die 33-jährige Lisa Raymond ist auch im Einzel immer noch aktiv. In den Jahren 1994 bis 2004 konnte die 165cm grosse US-Amerikanerin aus Pennsylvania das Jahr jeweils immer unter den besten 50 der Welt beenden. Durchschnittlich stand sie auf Position 30 der Weltrangliste. Ihre beste Klassierung war der 15. Platz im Oktober 1997. Mittlerweile ist sie aber auf den 110. Rang abgerutscht.

Interessant war vor allem das Coaching am Ende Satzes. Während sich Timea Bacsinszky von ihrem langjährigen Coach Erfan Djanghiri beraten liess, rief Lisa Raymond ihre ehemalige Doppelpartnerin Rennae Stubbs auf den Platz. Stubbs beste Klassierung im Einzel war Rang 64 vor genau zehn Jahren. Ebenfalls auf der Tribüne wäre Raymonds aktuelle Doppelpartnerin Sam Stosur gesessen. Und die belegt aktuell immerhin den 30. Rang im Ranking. Wir platzierten uns gleich hinter Stubbs und Stosur auf der Tribüne. Die beiden Australierinnen plauderten locker miteinander. Obwohl sie auf der WTA-Tour gegeneinander um die Doppeltitel spielen, kennen sie sich natürlich auch vom Fed Cup her, wo sie auch schon gemeinsam angetreten sind.

 

Einzel 1. Runde:   Samantha Stosur - Maria Elena Camerin (Q)   6:1 6:3
(M
ehr Infos gibt es im Bericht zu Maria Elena Camerin.)

Samantha Stosur macht einen kontinuierlichen Aufstieg im Einzel-Ranking durch, der sie bereits auf Position 30 geführt hat. Im Gegensatz zu ihren 14 Turniersiegen im Doppel ist der erste Erfolg im Einzel allerdings noch ausstehend für die 22-jährige aus Brisbane.

Mir gefällt ihr Tennisstil, da sie viele der Powertennis-Spielerinnen in Bedrängnis bringen kann. Dank Top Spin-Bällen, Slice und Netzangriffen stellt sie ihre Gegnerin vor ungewohnte Situationen. Sie ist nicht gerade der Fabrice Santoro des Damentennis, aber es geht etwas in diese Richtung von der Wirkung her.

Auffallend ist, dass überraschend viele Doppelspielerinnen ein Racket der Marke Prince spielen. Das kann einerseits am Alter liegen. Prince hatte früher mehr Marktanteile als heute und es gibt einige ältere Doppelspielerinnen auf der Tour. Andererseits liegt es vielleicht am Spielstil. Womöglich hat dieses Racket Vorzüge bei Serve & Volley und Chip & Charge. Bei der 22-jährigen Stosur können wir die Markenwahl jedenfalls sicherlich nicht mit dem Alter begründen.

Mit Camerin bekundete Stosur wenig Mühe. Allerdings war für Stosur in der 2. Runde mit dem 6:7 3:6 gegen die an Position 1 gesetzte Mauresmo Endstation.

 

Doppel Viertelfinale:   Katarina Srebotnik / Liezel Huber - Anna-Lena Grönefeld / Meghann Shaughnessy   6:7 6:2 6:2

Abgesehen von den stark gespielten Rückhand-Lobs war Anna-Lena Grönefeld die schwächste Spielerin auf dem Platz. Die 21-jährige French Open-Viertelfinalistin befindet sich seit Wimbledon in einem Tief. Die Erstrundenniederlage im Einzel gegen Martina Hingis war die 11. Niederlage in den letzten 15 Partien.

Man merkte der Deutschen die Verunsicherung an. Ihr Spielstil ist eher vom Typ "Hau drauf" und da wirkt es sich natürlich umso mehr aus, wenn man sein Spiel nicht auf die Reihe kriegt.

Im ersten Satz gaben Huber und Grönefeld je einmal ihr Aufschlagspiel ab. Der hartumkämpfte Satz wurde Tie-Break zu Gunsten Grönefeld/Shaughnessy entschieden. Im zweiten Satz gab Grönefeld beide Servicegames ab. So nahm die Partie ihren Lauf.

"Tuschel Tuschel". Wie auf den Bildern zwei bis vier zu sehen ist, ist nichts zu sehen! Denn die Spielerinnen wollen unbedingt verhindern, dass man taktische Anweisungen von ihren Lippen ablesen könnte.

Wie Meghann Shaughnessy lebt auch Anna-Lena Grönefeld in Scottsdale (Arizona). Denn dort befindet sich die itUSA Akademie von Rafael Font de Mora (Bild 6 hinten). Allerdings wird Shaughnessy im Gegensatz zu ihrer Doppelpartnerin nach 13 Jahren Zusammenarbeit nicht mehr vom Spanier betreut. Im Doppel allerdings steht er aufgrund der Betreuung von Grönefeld immer noch zur Stelle. Font de Mora hat übrigens den Ruf, ein ziemlich "harter Hund" zu sein.

 

 

Qualifikation Einzel 1. Runde:   Meghann Shaughnessy (6) - Timea Bacsinszky   7:6 5:7 0:1 ret.
(M
ehr Infos und Bilder zu dieser Partie gibt es im Bericht zu Timea Bacsinszky.)

Wie kann man in Zürich die Qualifikation spielen, wenn man gleichentags in Bangkok im Halbfinale steht? Vor diesem Problem standen Meghann Shaughnessy und die Organisatoren der Zurich Open. Da die Matches am Samstag aber sehr lange dauerten und die 27-jährige US-Amerikanerin ihr Halbfinale gegen Vania King verloren hatte, wurde ihre Partie von Samstag auf Sonntagmorgen angesetzt.
Trotz dem langen Flug war Shaughnessy mit ihrem Spiel am Sonntag um 12 Uhr eigentlich immer noch im normalen Rhythmus drin. Denn sie hatte ihr letztes Spiel am Samstag um 18 Uhr in Bangkok gespielt. Thailand ist unserer Zeit um sechs Stunden voraus, was gerade passt.

Für einmal standen sich zwei Spielerinnen gegenüber, welche eine im Damentennis seltene Stärke besitzen. Sie verfügen beide über einen starken zweiten Aufschlag. Meghann Shaughnessy zeigt für mich darüber hinaus die richtige Mischung zwischen Motivation und Konzentration. Ihr sportlicher Stil und spielgewandtes Tennis sind schön anzusehen.
Bei der 17-jährigen Bacsinszky weiss man hingegen nie so genau, was einen erwartet. Sie ist mit einer starken Rückhand und einem feinen Händchen ausgestattet. Oft besteht aber bei ihr der Eindruck, dass sie ihr Talent vergeudet. Nach einer kleineren Pause setzt die Lausannerin mal wieder vermehrt auf die Karte Tennis.

Bei dem gedrängten Plan und der hohen Belastung war es für die 27-jährige US-Amerikanerin wichtig, den knappen ersten Satz für sich zu entscheiden. Die Partie blieb weiterhin eng und Bacsinszky konnte nach Sätzen ausgleichen.

Die 174. der Weltrangliste fand in den Pausen eine gemütliche Möglichkeit, es sich auf den roten Sesseln bequem zu machen. Auf Bild 2 sieht man zudem, wie ihre Gegnerin am Fuss behandelt wurde. Nachdem sie das Match nicht nach zwei Sätzen hatte für sich entscheiden können, gab Shaughnessy die Partie auf. Sicherlich auch im Hinblick darauf, dass sie bei einem allfälligen Sieg bereits gleichentags am Abend ihre zweite Runde hätte spielen müssen.

Wenn man wie Timea Bacsinszky die Möglichkeit hat, bei einem WTA Tier I-Turnier wie den Zurich Open anzutreten, dann sollte man sich auch entsprechend verhalten. Selbst wenn es nur die Qualifikation ist. Das mit den Füssen auf dem Stuhl war soweit ja noch amüsant. Dass sie beim herausgehen aber einfach an den wenigen jungen Fans vorbeigegangen wäre, war nicht die feine englische Art. Ich habe sofort ihren Namen gerufen und auf die Kids gezeigt. Sie hat dann auch brav Autogramme gegeben und die Sache war gegessen.

 

Einzel Halbfinale:   Katarina Srebotnik - Maria Sharapova (2)   6:7 2:6
(Mehr Infos gibt es im Bericht zu Maria Sharapova.)

Für Kata war die Halbfinalteilnahme nach dem verlorenen Finale von Cincinnati das beste Resultat im laufenden Jahr. Die 24. der Weltrangliste hatte in Zürich bereits Pierce, Dementieva und Kirilenko besiegt. Bereits im letzten Jahr hatte die Slowenin als Qualifikantin überrascht und in der zweiten Runde des Haupttableaus eine müde Amelie Mauresmo mit 6:2 6:0 vom Platz gefegt.

Die Vorbereitung zum Aufschlag sieht bei Maria Sharapova wie folgt aus: Erst hüpft sie ein bisschen auf und ab. Dann stellt sie sich an die Linie und fährt sich erst links und dann rechts durchs Haar. Anschliessend wird der Ball 2x auf den Boden geprellt. Erst jetzt beginnt die eigentliche Ausholphase zum Aufschlag. Dieser ist dann technisch sehr schön ausgeführt und auch sehr effizient. Ein guter Aufschlag auch in wichtigen Situationen ist einer der Gründe, warum sie ganz weit oben in der Weltrangliste steht. Das hat Maria Sharapova während der ganzen Woche in Zürich gezeigt. Wenn es wichtig wird, schlägt sie übrigens sehr oft nach aussen auf. Auch die meisten ihrer Asse gelangen ihr gegen Katarina Srebotnik dank dieser Variante.

Wie bereits die ganze Woche über blieb Maria Sharapova trotz den oft knappen Resultaten souverän. Ohne Aufschlagverlust ging es bis zum 4:4 im ersten Satz. Da schlug die in Nyagan geborene Sibirierin zu und breakte Srebotnik zu Null. Doch siehe da, die 25-jährige Slowenin schaffte das Re-Break ebenfalls zu Null. Das ist doch schon sehr aussergewöhnlich, selbst im Damentennis. Bei 6:5 hatte Katarina Srebotnik beim Return sogar einen Satzball, welchen sie aber nicht nutzen konnte. Der Tie-Break ging mit 7:3 an die Favoritin.

In Sachen Volley konnte Michael Joyce (Bild 13) seinem Schützling auf die schnelle keine Ratschläge geben. Zu schwach ist Sharapovas Flugballspiel und sie beging in diesem Halbfinale einige haarsträubende Fehler am Netz. Doch ansonsten scheinen die Ratschläge ihres Sparringpartners nicht so schlecht gewesen zu sein. Denn Maria Sharapova holte sich den zweiten Satz klar mit 6:2. Schnell lag sie mit 3:0 in Führung. Srebotnik verkürzte zwar noch auf 3:2, doch danach gab die Russin kein Game mehr ab.

 

 

Einzel Viertelfinale:   Katarina Srebotnik - Maria Kirilenko   6:3 6:2

Nach dem Sieg über Rückkehrerin Mary Pierce und dem wertvollen Sieg über die um die Teilnahme am WTA-Masters kämpfende Elena Dementieva stand das Turnierglück auf Seiten der in Dubai wohnenden Srebotnik. Sie traf Maria Kirilenko, die seit Längerem ausser Form ist.

Nach einer starken ersten Jahreshälfte und dem Sprung auf Weltranglistenposition 20 nach den French Open im Juni 2006 passte bei der 19-jährigen Russin nicht mehr viel zusammen. Ab diesem Zeitpunkt kassierte sie in 11 Turnieren 8 Erstrundenniederlagen und gewann während dieser Zeit gerade einmal 4 Matches. Da kamen die erste Runde gegen Wild Card-Spielerin Gagliardi und der Forfait-Sieg in der zweiten Runde gegen Golovin hier in Zürich gerade richtig.

Das Coaching am Ende des Satzes ist wirklich interessant und ich hoffe, dass es auf nächstes Jahr auf der gesamten WTA-Tour eingeführt wird. So erfuhr ich nämlich, dass Kirilenkos neuer Coach Nigel Sears (Bild 3) ist. Er war bis im März 2006 jahrelanger Coach von Daniela Hantuchova gewesen.

 

Einzel 1. Runde:   Maria Kirilenko - Emmanuelle Gagliardi (W)   6:4 7:6

Emmanuelle Gagliardi ist während des Jahres aus den Top 100 der Weltrangliste gepurzelt. Das ist insofern sehr unschön, da die 30-jährige Schweizerin nun nicht mehr direkt für die Grand Slam-Turniere qualifiziert ist. An den US Open tauchte die Westschweizerin zum ersten Mal nach 30 Grand Slam-Turnieren in Folge nicht mehr im Haupttableau auf.

Maria Kirilenko ist das Gesicht der Adidas-Kollektion von Designerin Stella McCartney. Das Outfit ist seit dem Saisonstart in Australien praktisch unverändert geblieben. Das einzige was sich von Dubai über Paris bis hin zum Auftritt hier in Zürich geändert hat, ist, dass der Ausschnitt einfach immer grösser wird. Da muss sich die gute Stella für das nächste Jahr endlich etwas neues Einfallen lassen.

 

 

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