Wimbledon 2013, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 01.06.2017

77-jährige Wartezeit - Murray, Djokovic, Del Potro, Berdych, Ferrer

 

Das britische Publikum war bereit dafür Andy Murray zum ersten heimischen Titelgewinn im Herren Einzel seit 1936 zu unterstützen. In den Jahren zuvor war es das nicht vollumfänglich gewesen. Es ist erstaunlich wie stark sich die Sympathien im Olympischen Jahr 2012 - dem erfolgreichsten britischen Sportjahr aller Zeiten - erhöht haben. Noch beim Wimbledonfinal vor Jahresfrist hatte eine Mehrzahl den Schweizer Federer und nicht den Schotten Murray unterstützt. Neben dem Heldenstatus von Federer war man bei Murray noch nicht gewillt um uralte Geschichten wegzuwischen wie seine Aussage als 19-jähriger Emporkömmling, dass er bei der Fussballweltmeisterschaft 2006 alle Teams ausser England unterstützen würde.

Mit seinen Tränen nach dem verlorenen Wimbledonfinal gegen Federer begann die Wandlung aller. Vier Wochen später spielte er sich auf der Olympischen Erfolgswelle zur Goldmedaille. Wieder war es ein Finalspiel gegen Federer. Doch diesmal stand das Publikum mit den Union Jacks bereit. Weitere fünf Wochen später stand er an den US Open mit seinem ersten Grand Slam-Titel da. Das britische Publikum honorierte diese Erfolge mit dem dritten Rang bei der Wahl zur britischen Sportpersönlichkeit 2012. Nur der erste britische Tour de France-Sieger Bradley Wiggins, der neben dem gelben Trikot in Paris auch die goldene Olympiamedaille beim Einzelzeitfahren in London gewann und die zweitplatzierte Jessica Ennis, die Olympiasiegerin im Siebenkampf, klassierten sich vor ihm. 5000m und 10000m Olympiasieger Mo Farah rangierte sich gleich hinter Murray.

Doch wie würden sich diese Geschehnisse auf aktuelle Austragung des Grand Slam-Turniers von Wimbledon auswirken? Der BBC gelang ein Schachzug, der alle Emotionen des vergangenen Jahres neu erweckte und die ganze Insel hinter Murray versammelte. Am Vorabend des Turnierstarts strahlten sie die wunderbare Dokumentation "Andy Murray: The man behind the racket" aus. Inklusive dem Rückblick auf einen Amoklauf aus dem Jahr 1996 mit 17 Opfern an Murrays Schule in seiner Heimatstadt Dunblane, bei dem er in einem anderen Klassenzimmer ausharrte. Für mich war diese Dokumentation das letzte noch fehlende Puzzleteil zum langersehnten Wimbledontriumph.

Andy Murray
Andy Murray (ATP 2)
Mir wurde erst während des Turniers wieder bewusst wie vollgepackt diese Anlage von Wimbledon ist (Bild 4) und welches Privileg es ist nur schon die Eintrittskarten zu ergattern. Das wird sich mein Tenniszuschauerkollege Michael Stone auch gedacht haben, als er beim Finalspiel in der zweiten Reihe sass und das herrliche Bild 9 schiessen konnte. Da ich während meines Aufenthalts in London dieses Jahr nicht so erfolgreich war mit Centre Court-Tickets, sah ich Murray nicht live spielen. Während einer Regenpause am Freitag wurde Murrays Drittrundenmatch gegen Robredo unter dem geschlossenen Dach des Centre Courts aber auf die Aussenplätze wie Court 3 (Bild 6) oder natürlich der Aorangi Picnic Terrace (Bild 7) - dem gemeinhin als Henman Hill bekannten Hügel - übertragen.
Murray war in Roland Garros aufgrund einer Rückenverletzung nicht angetreten, die ihn in Rom zur Aufgabe gezwungen hatte. Da die Verletzung wohl nicht allzu gravierend war (immerhin genug gravierend, um ein Grand Slam-Turnier auszulassen), konnte sich der 26-jährige intensiver auf die kurze Rasensaison vorbereiten. Sein dritter Turniersieg im Londoner Queen's Club in der Woche nach den French Open unterstrich, dass Murray gut vorbereitet zu den Championships im All England Lawn Tennis Club antreten würde.

Fernando VerdascoErnests GulbisFernando Verdasco, Ernests Gulbis
Fernando Verdasco (ATP 54) - Ernests Gulbis (ATP 39)   6:2 6:4 6:4
Verdasco war gegen Gulbis unantastbar. Von seiner Bestplatzierung von Weltranglistenposition 7 ist der Madrilene weit entfernt, doch seine starken Leistungen brachten ihm die erstmalige Viertelfinalqualifikation in Wimbledon ein und beinahe den nächsten grossen Schocker des Turniers: In der Runde der letzten Acht führte er mit 2:0 Sätzen gegen den späteren Turniersieger Murray.
Der Lette Gulbis hatte im Februar mit einigen Aussagen auf sich aufmerksam gemacht. Nachdem er sich in Rotterdam erfreut über die liberalen niederländischen Drogengesetze zeigte, legte er nach seiner überstandenen Qualifikation zum ATP-Turnier in Delray Beach einen drauf:
"I was really getting pissed to see who's in the top 100. There are some guys who I don't know who they are. Some guys, I'm sorry, with respect — they can't play tennis." und ergänzte "I don't know how they got into the top 100. It's tough, but I think I'm much better than them and I just want to prove to myself by the rankings, also. It's a motivation.'' In Delray Beach spielte er sich mit dieser neu gewonnenen Motivation als Qualifikant gleich zum Turniersieg und zurück von Weltranglistenposition 109 auf 67. In der Folge hat er sich bis auf Rang 39 verbessert. Seine beste Klassierung datiert vom Februar 2011 mit Rang 21. Damals war er erst 22 Jahre alt.


Novak Djokovic (ATP 1) - Florian Mayer (ATP 34)   6:3 7:5 6:4
Der Erfolg von Federer im letzten Jahr und Murray in diesem Jahr hängt auch mit dem Ende der Unantastbarkeit von Djokovic und den verletzungsanfälligen Knien Nadals zusammen. Denn gegen Nadal hat Murray eine 5:13-Negativbilanz. Gegen Djokovic ist Murray seit Wimbledon mit 8:11 Siegen schon näher dran. Gegen Federer führt Murray gar mit 11:9.
Djokovic setzte von Dezember 2010 - als er Serbien zum ersten Davis Cup-Titel führte - bis zum Finaleinzug bei den French Open 2012 den Massstab im Herren Tennis. Er hatte seinen Fokus auf den Gewinn der French Open 2012 gelegt, um alle vier Grand Slam-Titel zur gleichen Zeit halten zu können. Seit den Australian Open 2011 hatte er nur die French Open 2011 nicht gewinnen können. Aber auch bei der Austragung 2012 scheiterte erneut. Er unterlag Nadal im Final. Seit diesem Moment ist die Lücke zwischen ihm als Weltranglistenerstem und seinen ersten Verfolgern wieder etwas kleiner geworden.

Juan Martin Del PotroAndreas SeppiJuan Martin Del PotroJuan Martin Del Potro
Juan Martin Del Potro (ATP 8) - Andreas Seppi (ATP 28)   6:4 7:6 6:3
Der Argentinier erhöht seine Gefährlichkeit auf Rasen Jahr für Jahr. Bei seinen ersten drei Wimbledon-Teilnahmen 2007 bis 2009 schied er bereits in der zweiten Runde aus. Die nächsten beiden Teilnahmen 2011 und 2012 waren mit der vierten Runde bereits verbessert. Bei den Olympischen Spielen 2012 an gleicher Stätte überraschte er mit der knappen 17:19 Halbfinalniederlage im dritten Satz gegen Federer und dem anschliessenden Gewinn der Bronzemedaille gegen Djokovic. In diesem Jahr schied er im Halbfinal gegen Djokovic aus.

Tomas BerdychTomas BerdychBernard TomicBernard TomicBernard TomicBernard TomicTomas BerdychTomas Berdych
Tomas Berdych (ATP 6) - Bernard Tomic (ATP 59)   7:6 6:7 6:4 6:4
Der tschechische Finalist von 2010 scheiterte im Viertelfinal recht deutlich an Djokovic. Gegen den erst 20-jährigen Tomic konnte sich der sieben Jahre ältere Berdych knapp in vier Sätzen durchsetzen. Zum zweiten Mal hat der Australier an einem Grand Slam-Turnier einen Top 10-Spieler besiegt. Vor zwei Jahren schlug er Söderling (ATP 5) in Wimbledon. Dieses Jahr gewann er gegen Gasquet (ATP 9).


David Ferrer (ATP 4) - Martin Alund (ATP 101)   6:1 4:6 7:5 6:2
Wenn Djokovic, Murray, Federer und Nadal nicht die ersten vier Positionen der Setzliste einnehmen, dann gehen die Diskussionen los. Vor allem da Nadal im laufenden Jahr das ATP Race anführt, aber in der ATP Entry List und der Berechnung der Setzliste für Wimbledon nur auf dem fünften Platz lag. Ferrer nimmt die vierte Position ein. Nach der überraschenden Erstrundenniederlage Nadals waren die Diskussionen allerdings schnell verstummt. Nichts desto trotz haben die Organisatoren konsequent gehandelt und Ferrer in seiner ersten Partie auf dem Centre Court angesetzt. In den weiteren Runden wurde er zweimal auf Court 1 und einmal auf Court 2 verbannt, ehe er seine Viertelfinalniederlage auf dem Centre Court einzog.


Grega Zemlja (ATP 55) - Grigor Dimitrov (ATP 31)   3:6 7:6 3:6 6:4 11:9
Bei meinem Abstecher am Donnerstag zurück in die Schweiz hatte ich mir am späteren Nachmittag dieses Match am Fernsehen angeschaut. Der BBC-Kommentator verstand die Tenniswelt nicht mehr, weil Sharapova-Freund Dimitrov dieses Match nicht schon lange gewonnen hatte. Zwei inkonsequent gespielte Sätze kosteten ihn die Sätze zwei und vier. Im fünften Satz ging es gar bis 8:9 bis die Partie wegen Dunkelheit unterbrochen wurde. Am Freitag hatten wir Tickets für Court 3 und freuten uns auf die Beendigung dieses Matches. Der Tag begann aber mit Nieselregen und wir warteten in Michaels Wohnung bis eine Wetterbesserung in Sicht war. Als wir uns auf den Weg machten, trafen wir genau bei Court 3 ein als Zemlja den Matchball verwertet hatte. Ganz schlechtes Timing unsererseits. Speziell weil ich argumentiert hatte, dass wir es auch ohne Taxi in der nötigen Zeit vom Bahnhof zur Anlage schaffen würden.

Frederik Nielsen, Grigor DimitrovJulien Benneteau, Nenad Zimonjic
Nenad Zimonjic/Julien Benneteau (ATP Doppel 18/33) - Frederik Nielsen/Grigor Dimitrov (ATP Doppel 17/93)   6:7 6:3 5:7 6:2 8:6
In Mitten der erfahrenen Doppelspieler Nielsen (29 Jahre), Benneteau (31 Jahre) und Zimonjic (37 Jahre) kann der 22-jährige Dimitrov noch einiges lernen. Gleichzeitig hat er als Nummer 26 der Einzelweltrangliste Stärken, die einem Nielsen und Zimonjic fehlen, da sie es nie bis unter die besten 150 Spieler der Einzelweltrangliste geschafft haben. Die Kombination aus einem Doppelspieler und einem Einzelspieler kann sehr vielversprechend sein, stellt aber meistens nur eine Allianz auf Zeit dar.

Jeremy ChardyRyan HarrisonRyan Harrison
Jeremy Chardy (ATP 25) - Ryan Harrison (ATP 97)   7:6 4:6 7:5 6:2
Der Wimbledonsieger der Junioren des Jahres 2005 ist mittlerweile 26 Jahre alt und bei einer Karrierebestklassierung von 25 angekommen. Bei den grossen Tennisnationen wie Frankreich oder den USA, die über eigene Grand Slam-Turniere verfügen, treten die Junioren dank Wild Cards bei den grossen Events bereits früh in Erscheinung. Eines dieser Talente ist auch der 21-jährige Harrison, der auf Juniorenebene die Halbfinals bei den Australian Open 2008 erreicht hat. Sein Grossvater spielte American Football, sein Vater ist Tennistrainer und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Christian versucht sich ebenfalls als Tennisprofi. Zusammen mit seinem Bruder hat Ryan letztes Jahr mit einer Wild Card ausgestattet in der Doppelkonkurrenz der US Open namhafte Teams wie Fyrstenberg/Matkowski, Ehrlich/Ram und Fleming/Hutchins ausgeschaltet und das Viertelfinale erreicht. Im letzten Jahr sammelte Harrison im Davis Cup gegen die Schweiz und Frankreich erste Erfahrungen. Momentan ist Harrison in der Einzelweltrangliste aber nur der siebtbeste Spieler der USA und er fiel in dieser Wertung nach Wimbledon sogar auf Rang 11 zurück und aus den Top 100 der Weltrangliste. Es ist für die Talente nicht leicht die grossen Erwartungen auch wirklich in eine grosse Tenniskarriere zu transferieren.


Alexandr Dolgopolov (ATP 24)
In diesem Jahr ist der Ukrainer noch nie über die dritte Runde eines Turniers hinausgekommen.

 

Herren Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde  Viertelfinal  Halbfinal  Final
 Novak Djokovic (1) -
 Florian Mayer
 6:3 7:5 6:4
 Novak Djokovic (1) -
 Bobby Reynolds (Q)
 7:6 6:3 6:1
 Novak Djokovic (1) -
 Jeremy Chardy (28)
 6:3 6:2 6:2
 Novak Djokovic (1) -
 Tommy Haas (13)
 6:1 6:4 7:6
 Novak Djokovic (1) -
 Tomas Berdych (7)
 7:6 6:4 6:3
 Novak Djokovic (1) -
 Juan Martin Del Potro (8)
 7:5 4:6 7:6 6:7 6:3
 Andy Murray (2) -
 Novak Djokovic (1)
 6:4 7:5 6:4
 Jeremy Chardy (28) -
 Ryan Harrison
 7:6 4:6 7:5 6:2
 Jeremy Chardy (28) -
 Jan-Lennard Struff (Q)
 6:4 6:1 6:3
 Bernard Tomic -
 Sam Querrey (21)
 7:6 7:6 3:6 2:6 6:3
 Bernard Tomic -
 James Blake
 6:3 6:4 7:5
 Bernard Tomic -
 Richard Gasquet (9)
 7:6 5:7 7:5 7:6
 Tomas Berdych (7) -
 Bernard Tomic
 7:6 6:7 6:4 6:4
 Tomas Berdych (7) -
 Martin Klizan
 6:3 6:4 6:4
 Tomas Berdych (7) -
 Daniel Brands
 7:6 6:4 6:2
 Tomas Berdych (7) -
 Kevin Anderson (27)
 3:6 6:3 6:4 7:5
 David Ferrer (4) -
 Martin Alund
 6:1 4:6 7:5 6:2
 David Ferrer (4) -
 Roberto Bautista Agut
 6:3 3:6 7:6 7:5
 David Ferrer (4) -
 Alexandr Dolgopolov (26)
 6:7 7:6 2:6 6:1 6:2
 David Ferrer (4) -
 Ivan Dodig
 6:7 7:6 6:1 6:1
 Juan Martin Del Potro (8) -
 David Ferrer (4)
 6:2 6:4 7:6
 Alexandr Dolgopolov (26) -
 Gastao Elias
 6:1 7:6 6:2
 Alexandr Dolgopolov (26) -
 Santiago Giraldo
 6:4 7:5 6:3
 Andreas Seppi (23) -
 Denis Istomin
 7:6 7:6 5:7 3:6 6:3
 Andreas Seppi (23) -
 Michael Llodra
 7:5 ret.
 Andreas Seppi (23) -
 Kei Nishikori (12)
 3:6 6:2 6:7 6:1 6:4
 Juan Martin Del Potro (8) -
 Andreas Seppi (23)
 6:4 7:6 6:3
 Grigor Dimitrov (29) -
 Simone Bolelli
 6:1 6:4 6:3
 Grega Zemlja -
 Grigor Dimitrov (29)
 3:6 7:6 3:6 6:4 11:9
 Juan Martin Del Potro (8) -
 Grega Zemlja
 7:5 7:6 6:0
 Grega Zemlja -
 Michael Russell
 6:7 6:4 6:4 6:1
 Juan Martin Del Potro (8) -
 Albert Ramos
 6:2 7:5 6:1
 Juan Martin Del Potro (8) -
 Jesse Levine
 6:2 7:6 6:3
 Ernests Gulbis -
 Edouard Roger-Vasselin
 7:6 6:4 7:5
 Ernests Gulbis -
 Jo-Wilfried Tsonga (6)
 3:6 6:3 6:3 ret.
 Fernando Verdasco -
 Ernests Gulbis
 6:2 6:4 6:4
 Fernando Verdasco -
 Kenny De Schepper
 6:4 6:4 6:4
 Andy Murray (2) -
 Fernando Verdasco
 4:6 3:6 6:1 6:4 7:5
 Andy Murray (2) -
 Jerzy Janowicz (24)
 6:7 6:4 6:4 6:3
 Fernando Verdasco -
 Xavier Malisse
 6:7 6:1 6:4 6:3
 Fernando Verdasco -
 Julien Benneteau (31)
 7:6 7:6 6:4
 Andy Murray (2) -
 Benjamin Becker
 6:4 6:3 6:2
 Andy Murray (2) -
 Yen-Hsun Lu
 6:3 6:3 7:5
 Andy Murray (2) -
 Tommy Robredo (32)
 6:2 6:4 7:5
 Andy Murray (2) -
 Mikhail Youzhny (20)
 6:4 7:6 6:1

 

Herren Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  Viertelfinal
 Nielsen/Dimitrov -
 Troicki/Tomic
 6:3 1:2 ret.
 Zimonjic/Benneteau (11) -
 Nielsen/Dimitrov
 6:7 6:3 5:7 6:2 8:6
 Zimonjic/Benneteau (11) -
 Qureshi/Rojer (5)
 3:6 4:6 7:6 7:6 6:3
 Paes/Stepanek (4) -
 Zimonjic/Benneteau (11)
 4:6 6:4 6:3 6:4
 Zimonjic/Benneteau (11) -
 Polasek/Lacko
 3:6 6:3 6:7 6:2 6:1

 

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