Wimbledon 2011, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 10.01.2016

Junge Wilde - Tomic, Raonic, Dimitrov, Harrison, Stebe, Gulbis

 

In Wimbledon machte eine nachrückende Tennisgeneration mit Tomic 18, Raonic 20, Dimitrov 20, Harrison 19 und Stebe 20 erstmals auf breiter Front an einem Grand Slam-Turnier auf sich aufmerksam. Da verliert einer wie Gulbis mit seinen 22 Jahren den Titel eines "Jungen Wilden" zwangsläufig.

Herren Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde  Viertelfinal  Halbfinal
 Milos Raonic (31) -
 Marc Gicquel (L)
 6:3 7:6 6:3
 Gilles Muller (W) -
 Milos Raonic (31)
 2:3 ret.
 
 Ryan Harrison (L) -
 Ivan Dodig
 7:6 6:0 7:5
 David Ferrer (7) -
 Ryan Harrison (L)
 6:7 6:1 4:6 6:3 6:2
 
 Grigor Dimitrov -
 Cedrik-Marcel Stebe (Q)
 7:5 7:5 7:6
 Jo-Wilfried Tsonga (12) -
 Grigor Dimitrov
 6:7 6:4 6:4 7:6
 Jo-Wilfried Tsonga (12) -
 Fernando Gonzalez
 6:3 6:4 6:3
 Jo-Wilfried Tsonga (12) -
 David Ferrer (7)
 6:3 6:4 7:6
 Jo-Wilfried Tsonga (12) -
 Roger Federer (3)
 3:6 6:7 6:4 6:4 6:4
 Novak Djokovic (2) -
 Jo-Wilfried Tsonga (12)
 
7:6 6:2 6:7 6:3
 Jo-Wilfried Tsonga (12) -
 Go Soeda (L)
 6:3 7:6 6:2
 Robin Söderling (5) -
 Philipp Petzschner
 6:4 6:4 2:6 7:6
 Robin Söderling (5) -
 Lleyton Hewitt
 6:7 3:6 7:5 6:4 6:4
 Bernard Tomic (Q) -
 Robin Söderling (5)
 6:1 6:4 7:5
 Bernard Tomic (Q) -
 Xavier Malisse
 6:1 7:5 6:4
 Novak Djokovic (2) -
 Bernard Tomic (Q)
 6:2 3:6 6:3 7:5
 Lleyton Hewitt -
 James Blake
 6:1 7:6 6:7 6:3
 Bernard Tomic (Q) -
 Nikolay Davydenko (29)
 7:5 6:3 7:5
 Bernard Tomic (Q) -
 Igor Andreev
 4:6 5:7 6:3 6:4 6:1
 Dmitry Tursunov -
 Ernests Gulbis
 6:3 3:6 7:6 7:6
 Jürgen Melzer (11) -
 Dmitry Tursunov
 6:3 2:6 7:6 7:6
 


Bernard Tomic - Nikolay Davydenko
Bei den Junioren stand Tomic an der Weltranglistenspitze in der Kategorie U12, U14, U16 und U18. Ins Hauptfeld von Wimbledon spielte er sich über die Qualifikation. Gegen den gesetzten Davydenko war er gemäss Wettquoten sogar der Favorit. Diesem Anspruch wurde Tomic gerecht. Bei den Aufschlagspielen des 18-jährigen war der Ball nie lange im Spiel. Bis zum 5:5 war das Spiel ausgeglichen. Dann gelangen dem Australier gleich zwei Breaks in Folge, was Davydenko gleich den ersten und den zweiten Satz kostete. Der Russe fühlte sich sichtlich unwohl auf dem Rasen. Das machte sich sogar in Doppelfehlern bemerkbar. Deren sechs unterliefen dem Russen im gesamten Match. Im zehnten Versuch war es die sechste Erstrundenniederlage für Davydenko in Wimbledon. Nur einmal hatte er die vierte Runde erreicht und nur ein weiteres Mal die dritte Runde.
Australien war an diesem Wimbledon die unterklassierteste Nation im Herrentennis. Die gefährlichen Hewitt als Nummer 130 und Tomic als Nummer 158 der Weltrangliste waren ihre stärksten Vertreter. Daneben stand nur noch Qualifikant Matosevic als Nummer 150 im Hauptfeld.


Robin Söderling - Lleyton Hewitt
Seit seinem Titelgewinn sind zwar bereits neun Jahre vergangen. Aber Hewitt ist neben Federer und Nadal der einzige aktive Spieler, der Wimbledon gewinnen konnte. Gegen Söderling holte er sich den Tie-Break der ersten Satzes etwas überraschend. Danach war er aber der bessere Spieler, bis er im dritten Satz erstmals gebreakt wurde. Das zweite Break der Partie für Hewitt gelang ihm im fünften Satz. Hier kann man ihm einzig vorwerfen, dass er dieses gleich wieder hergegeben hat. Das wäre seine Chance gewesen, die sich ihm doch recht überraschend geboten hatte. Hewitts knappe Niederlage ebnete aber etwas den Weg für seinen Landsmann Tomic, der Söderling zwei Tage später besiegen konnte.
Vor allem in den wichtigen Phasen der Partie nagelten sich beide Spieler gegenseitig auf der Rückhand fest. Das sieht man auch dem Platz an, der generell an der Grundlinie auf der Rückhandseite der Rechtshänder am schnellsten abgenutzt ist. Söderling schlug wie gewohnt stark auf. Sein schnellster Aufschlag war 220km/h schnell und ihm gelangen 28 Asse. Auch Hewitt gelangen 15 Asse. Allerdings war sein schnellster Aufschlag nur 195km/h schnell. Vor allem beim Tempo des zweiten Aufschlags wird es für ihn jeweils kritisch. Im Durchschnitt servierte er diese mit 150km/h.

Nachtrag Dezember 2015: Nach Wimbledon spielte Söderling in seiner Karriere noch ein einziges Turnier: Sein Heimturnier in Bastad Mitte Juli 2011, das er zum zweiten Mal gewinnen konnte. Es war bereits sein vierter Turniersieg der Saison. Insgesamt erzielte er 10 ATP-Turniersiege. Der grösste davon war das 1000er-Turnier von Paris-Bercy. Berühmt machten ihn aber seine zwei Finalteilnahmen beim Grand Slam-Turnier in Paris. In Roland Garros 2009 beendete er Nadals Ungeschlagenheit in Paris und ermöglichte Federer die Komplettierung des Karriere-Grand Slams. In Roland Garros 2010 besiegte er Federer, der nur noch dieses eine Match hätte gewinnen müssen, um seine Anzahl Wochen als Nummer 1 der Welt von 285 Wochen zu verlängern und Rekordhalter Sampras mit 286 Wochen abzulösen. Das gelang dem Schweizer bis in den Sommer 2012 nicht mehr, als er dann aber doch noch 17 Wochen obendrauf legen konnte. Ausserdem stoppte er mit diesem Sieg Federers Grand Slam-Rekordserie von 23 Halbfinalteilnahmen in Folge. Das pfeiffersche Drüsenfieber setzte Söderling seit dem Sommer 2011 ausser Gefecht. Er liebäugelte stets mit der Wiederaufnahme des Trainings und einer Rückkehr auf die ATP World Tour. Seit 2012 hat der Schwede eine Tochter. Seit 2014 ist er Turnierdirektor des ATP-Turniers in Stockholm. Ende 2015 hat der 31-jährige nun offiziell seinen Rücktritt bekanntgegeben und jegliche Spekulationen und seine eigenen Hoffnungen beendet.


Milos Raonic - Marc Gicquel
Da er im letzten Jahr in Wimbledon noch nicht dabei war, ist der Weltranglisten-26. Raonic auf der "rasenbereinigten" Setzliste nur an Position 31 gesetzt. Nichts desto trotz ist klar, dass der 1,96m grosse Kanadier als starker Aufschläger ein Spiel hat, dass für Wimbledon sehr geeignet ist. Die Partie gegen den Lucky Looser Gicquel, der erst ganz kurzfristig für Fognini nachrückte, begann Raonic gleich mit drei Assen in Folge. Insgesamt schlug er in drei Sätzen 25 Asse.
Zu Beginn seines zweiten Matches gegen Muller rutschte er leider aus und unglücklich beinahe in den Spagat, worauf er sein Wimbledon-Abenteuer verletzungsbedingt aufgeben musste.


Grigor Dimitrov - Cedrik-Marcel Stebe
Der Name Stebe ist noch recht unbekannt. Doch ich mag die Schläge des Deutschen, die ohne grossen Spin versetzt sind. Auch bei Netzangriffen wirkt das bei ihm sehr abgeklärt. In dieser Rasensaison konnte er mit den überraschenden Qualifikationen für die Hauptfelder in Halle und Wimbledon erstmals auf der Profitour auf sich aufmerksam machen. Der beeindruckendste Schlag in Dimitrovs Spiel ist seine gewaltige Top Spin-Vorhand.


Jo-Wilfried Tsonga - Grigor Dimitrov
Auf Court 1 habe ich normalerweise keinen Zugang. Das Ende dieser Partie konnte ich mir aber dank einem Tickettausch anschauen. Es war ein kurioser vierter Satz. Tsonga lag 1:3 zurück und sah dann bei 5:3 bereits wie der sichere Sieger aus. Er konnte sich letztendlich aber erst mit 10:8 im Tie-Break durchsetzen. Vorbildlich beim Franzosen war, dass er sich auch nach Punktverlusten positiv mit der Faust in Richtung seiner Bank anfeuerte und nicht lamentierte. Er stösst oft ans Netz vor, wobei die Erfolgsquote im vierten Satz mit 16 aus 26 (62%) nicht überzeugend war. Im gesamten Match lag sie bei 71%. Grund dafür waren die starken Passierbälle des Bulgaren oder teilweise auch etwas ungestüme Vorstösse von Tsonga. Zum Ende der Partie gab es ausgehend von Tsonga sehr sportliche Gesten der Akteure, die sich nach hartem Kampf beide feiern liessen.


Ryan Harrison - Ivan Dodig
Wie schnell sich die Tenniswelt doch ändern kann. Am Samstag vor Wimbledon stand Dodig noch im Finale von 's-Hertogenbosch. Gleichentags unterlag Harrison in der letzten Qualifikationsrunde zu Wimbledon gegen Stebe. Der US-Amerikaner tickte danach aus und zertrümmerte seinen Schläger ausgiebigst unter den Worten "fuck everything". Dabei schaut der 19-jährige Harrison doch wie ein braver Schuljunge aus. Dass er aus sich herausgehen kann zeigte er aber auch beim Siegesjubel über Dodig. Als Lucky Looser doch noch ins Hauptfeld gerückt, besiegte er den Kroaten in drei Sätzen. Um auf Rasen wirklich einzuschlagen klebte mir Harrison aber zu sehr an der Grundlinie. Das kann aber auch damit zu tun gehabt haben, dass es sich um die letzten Punkte des Matches handelte. Da verlässt einen dann doch oft der Mut für einen Netzvorstoss. Dodig hingegen zeigte mit einer Angriffslust das pure Gegenteil davon.


Dmitry Tursunov - Ernests Gulbis
Fila liess Tursunov mit einer Trainerjacke im Retrostil antreten (Bild 1). In dieser hatte Becker im Jahr 1989 seinen dritten Wimbledonsieg gefeiert.
Gulbis schien im letzten Frühjahr seine Vorschusslorbeeren endlich bestätigen zu können. In Rom hatte er Federer bezwungen und war danach im Halbfinale erst in drei Sätzen an Nadal gescheitert. Als höchste Klassierung trug ihn das bis auf Position 21. Mittlerweile steht er aber wieder auf Platz 74 und muss sich vielleicht bald von der nächsten Generation überholen lassen.

 

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