Wimbledon 2015, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 08.08.2017

Schweden - Ymer, Larsson, Ymer, Martic

Aus schwedischer Sicht macht der Aufstieg von Elias Ymer Freude. Der Teenager überstand im dritten Versuch zum dritten Mal erfolgreich Qualifikation zu einem Grand Slam-Turnier. Das Zusammenspiel von Larsson mit Martic im Doppel stellte für mich durchaus eine frohe Kunde dar.

Ivo KarlovicIvo KarlovicElias YmerElias YmerIvo KarlovicIvo Karlovic
Ivo Karlovic (ATP 25) - Elias Ymer (ATP 133)   6:7 6:2 6:4 7:6
Wie ruhig kann man bleiben, wenn man 42 Asse reingezimmert bekommt und im gesamten Match nur einen einzigen (ungenutzten) Breakball hat? Ymer blieb für seine 19 Jahre verhältnismässig ruhig, weil er wusste dass das eine Voraussetzung ist um mithalten zu können. Es ist wohl das einzige Match, bei dem Ymer als Returnspieler bei einem Doppelfehler die Faust ballen durfte. Im vierten Satz kam er so dank gleich Zweien in Folge zu einer 0:30-Führung, bei der er sich wie nach Gewinnschlägen anfeuerte. Aber Karlovic korrigierte die Situation mit seinen nächsten Aufschlägen. Nach diesem Match weiss Ymer, dass er den langen Mann aus Kroatien bezwingen kann, wenn nicht auf Rasen gespielt wird. Denn hier waren dessen Aufschläge heute einfach zu effektiv und er gab einem sogar das Gefühl mit Marge zu servieren. Wobei Karlovics Resultate auf Rasen grundsätzlich nicht viel stärker sind als auf anderen Belägen. Der Ball springt tiefer ab und so muss auch er deutlich häufiger in die Knie als sonst. Dem 36-jähigen 211cm-Mann gelangen seinerseits drei Breaks. Denn in den Ballwechseln versuchte Ymer den tiefen Slice von Karlovics Rückhand auf seine eigene Rückhand zu vermeiden. So spielte er dem Zagreber des Öfteren auf die Vorhand und dort nimmt dieser sofort das Glück in die eigene Hand und versucht druckvolle Gewinnschläge anzubringen.
Karlovic ist übrigens der einzige Spieler der ATP Tour dem ich auf Twitter folge. Ich mag seinen Humor.

Elias YmerElias YmerBoy WesterhofMikael YmerMikael Ymer
Elias Ymer (ATP 133) - Boy Westerhof (ATP 273)   7:6 7:5   (Qualifikation)
Bis zum allerletzten Game der Partie verlief das Match ohne Breaks. Ganz zu Beginn hatte Ymer etwas mit der stark unterschnittenen Rückhand und der harten Vorhand und Aufschlag von Westerhof zu kämpfen. Nach einer Viertelstunde war aber der Schwede, der mit seiner Athletik durchaus für längere Ballwechsel geschaffen ist, jeweils einen Hauch im Vorteil.

Christina McHaleChristina McHaleChristina McHaleJohanna LarssonJohanna Larsson
Christina McHale (WTA 64) - Johanna Larsson (WTA 73)   6:3 6:2
Da wäre mehr drin gelegen für Larsson bei der fünften Niederlage im fünften Versuch in Wimbledon. Denn McHale hat kein ausgesprochenes Rasentennis mit flachen, harten Schlägen zu bieten, sondern spielt ähnlich wie Larsson lieber längere Ballwechsel und gibt einiges an Topspin in ihre Schläge. Eine Möglichkeit also um in die Ballwechsel zu finden. Doch Larsson tut sich mit dem Timing auf Rasen, dem tieferen Absprung der Bälle und ihrer eigenen Position weit hinter der Grundlinie einfach ungemein schwer. Die Schwedin musste ihr Spiel über eine starke Serviceleistung aufbauen. War der Ball im Spiel oder musste sie retournieren, so standen die Voraussetzungen schlecht. Eine fehlerfreie Darbietung beim Aufschlag konnte sie nicht aufrechterhalten und als sie bei 2:2 im zweiten Satz das Break kassierte, da war das ganze Unbehagen und der Frust über die Unterlage wieder da.

Nicola Slater, Tara MooreTara MooreJohanna Larsson, Petra MarticPetra MarticJohanna Larsson
Johanna Larsson/Petra Martic (WTA Doppel 67/106) - Nicola Slater/Tara Moore (WTA Doppel 202/274)   5:7 6:4 6:2   (Qualifikation)
In diesem Fall ist es gut, dass es Qualifikationsmatches für Larsson/Martic gibt, um das Zusammenspiel zu verbessern. In der Hauptrunde in Wimbledon hätten sie eine Niederlage kassiert. Doch gegen die beiden Britinnen mit Wild Card, die ein gutes Doppel spielten, konnten die Schwedin und die Kroatin in die Partie finden und diese noch drehen. Den ersten Satz spielten sie praktisch ohne Interaktion am Netz und verloren diesen auch. Auch die Returns von Larsson verfehlten ihr Ziel reihenweise. Ab dem zweiten Satz trat die Spielerin am Netz aggressiver auf. Der Klassiker war Johannas Aufschlag von der Vorteilseite mit Kick nach aussen, bei dem die im Björn Borg-Outfit spielende Tara Moore (Bild 3) jeweils fast in meinem Stuhl landete. Deren Return knipste Martic am Netz vorne an in der Folge immer ab.
Die Paarungen im Doppel erinnern mich an eine Seifenoper, bei der alte Bande bestehen bleiben. Auslöser war wohl Kiki Bertens, die das Grand Slam-Turnier auf Larssons schwächster Unterlage Rasen nicht mit ihr bestreitet, sondern mit Rasenspezialistin Riske. Auf der anderen Seite haben wir Vogt und Martic, die in Stuttgart stark spielten. Petra wünschte Stephi heute viel Glück vor dem Einzel, Stephi verfolgte das Doppel von Larsson/Martic und gratulierte danach. Die beiden hätten sicherlich zusammengespielt, aber ihr gemeinsames Ranking war zu tief, um überhaupt in der Qualifikation startberechtigt zu sein. Larsson hat dank dem Viertelfinal an den Australian Open mit Bertens eine gute Klassierung, so dass es für Martic und sie sogar beinahe direkt ins Hauptfeld gereicht hätte. Mit der Kroatin hat Johanna eine starke Partnerin erhalten. Vogt wiederum tat sich mit Doi zusammen, deren Einzelklassierung zusammen mit ihrer Doppelklassierung für die Qualifikation ausreichte. Für die Aufnahme in ein Doppelturnier wird pro Spielerin die bessere Klassierung aus Einzel oder Doppel verwendet und für das Team addiert. Die Setzliste wird danach anhand der kumulierten Doppelklassierungen ermittelt.

Johanna LarssonPetra MarticAnna-Lena FriedsamAnna-Lena FriedsamPetra Martic, Johanna LarssonJohanna LarssonPetra Martic, Johanna LarssonAnna Smith, Jocelyn Rae
Johanna Larsson/Petra Martic (WTA Doppel 67/106) - Annika Beck/Anna-Lena Friedsam (WTA Doppel 160/301)   6:4 6:2   (Qualifikation)
Anna Smith (WTA Doppel 74), Jocelyn Rae (WTA Doppel 74)
Johannas Coach Mattias Arvidsson und ich waren uns nicht einig nach dem Match. Wir stimmten überein, dass Johanna und Petra deutlich besser zusammengefunden und sich stark gesteigert hatten. Wir waren uns nicht über die Stärke der Gegnerinnen einig. Ich sagte, dass die Gegnerinnen heute schwächer waren als gestern, was er klar verneinte. Ich sah das Spiel so, dass Beck und Friedsam zwar vor dem Punkt taktische Varianten diskutierten, aber einfach nicht die Power in ihren Schlägen hatten um dies gefährlich umzusetzen. Und Anni war am Netz vorne nun auch nicht gerade ein Volleymonster. Ganz im Gegensatz zum Vortag wo Slater und Moore genau wussten was sie taten. Moore gab richtig Saures auf ihrer Vorhand und beide übten am Netz vorne viel Druck aus, was die Gegnerinnen sofort Zeit kostet und deren Plus ungemütlich in die Höhe treibt. Zum heutigen Tag kam Johannas gute Freundin Anna Smith und die am Vortag geschlagenen Nicola Slater gesellte an der Seitenlinie gar noch hinzu.

Petra Martic, Johanna LarssonPetra Martic, Johanna LarssonPetra Martic, Johanna LarssonCara Black, Lisa Raymond
Cara Black/Lisa Raymond (WTA Doppel 9/65) - Johanna Larsson/Petra Martic (WTA Doppel 68/106)   5:7 6:3 7:5
Erst verlor Johanna ihren Aufschlag bei 1:3 und bald lagen Larsson/Martic gar mit dem Doppelbreak 1:5 hinten. Etwas glücklich kamen sie zum Re-Break gegen Black und konnten ihre Gegnerinnen mit einem gefühlten kombinierten Alter von 120 Jahren in der Folge überpowern. Gleich sechs Games in Folge wurden schwedisch-kroatisch und somit auch der erste Satz mit 7:5. Die 120 Jahre sind natürlich etwas übertrieben. Doch mit ihren 36 Jahren und 60 WTA-Titeln von Black und den 41 Jahren und 79 WTA-Titeln von Raymond bekamen es Larsson/Martic mit sehr erfahrenen und erfolgreichen - allerdings ungesetzten - Gegnerinnen zu tun. Der heissteste Tag in der Geschichte von Wimbledon unterstützte das Unterfangen des Überpowerns der Gegnerinnen zusätzlich.
Black/Raymond gewannen den zweiten Satz und starteten auch im dritten Satz mit dem Break zur 2:0 Führung. Ab 3:4 aus Sicht von Larsson/Martic begann die heisse und mitreissende Schlussphase. In einem Rückschlagspiel, in dem Martic dreimal in Folge auf der Vorteilseite auf die am Netz stehende Raymond returnierte und dreimal punktete, erzielten sie den 4:4-Ausgleich. Martics Aufschlagspiel war nun lange umkämpft und nach einigen Spielbällen standen Larsson/Martic einem Breakball gegenüber. Der Punkt schien bereits verloren als Raymond zum Smash ansetzte. Im Wegdrehen erwischte die am Netz stehende Larsson den Ball mit ihrem Rahmen und punktete mit einem unglaublichen Rückwärts-Rahmen-Smash-Volley-Return. Zwei Punkte später kassierten sie dennoch das Break. Raymond konnte nun zum Match servieren, doch Larsson/Martic kamen zu einem 15:40 und glichen via Einstand zum 5:5 aus. Das nächste Break gegen Larsson war eines zu viel. Denn Black servierte danach zum 7:5 aus.

Mikael YmerMikael YmerChan-Yeong OhChan-Yeong Oh
Mikael Ymer (U18 12) - Chan-Yeong Oh (U18 31)   6:4 6:3
Mikael ist zweieinhalb Jahre jünger als sein Bruder Elias. Im Endspiel der Juniorenkonkurrenz von Wimbledon musste er sich einem ähnlichen Kaliber beugen wie sein Bruder im Hauptfeld. Elias war dem 211cm-Hühnen Karlovic (der früher 208cm im ATP-Profil stehen hatte) unterlegen und Mikael musste sich dem 17-jährigen 208cm-Hühnen Reilly Opelka aus den USA geschlagen geben.

 

 Herren Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde
 Ivo Karlovic (23) -
 Elias Ymer (Q)
 6:7 6:2 6:4 7:6
 Ivo Karlovic (23) -
 Alexandr Dolgopolov
 5:7 6:3 6:4 6:7 13:11
 Ivo Karlovic (23) -
 Jo-Wilfried Tsonga (13)
 7:6 4:6 7:6 7:6
 Andy Murray (3) -
 Ivo Karlovic (23)
 7:6 6:4 5:7 6:4

 

 Herren Einzel Qualifikation
 1. Runde  2. Runde  Finalrunde
 Boy Westerhof -
 Guilherme Clezar
 7:5 6:4
 Elias Ymer (25) -
 Boy Westerhof
 7:6 7:5
 Elias Ymer (25) -
 Guido Pella (3)
 6:1 7:6 6:7 7:6
 Elias Ymer (25) -
 Thomas Fabbiano
 4:6 6:3 6:4

 

 Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde
 Christina McHale -
 Johanna Larsson
 6:3 6:2
 Sabine Lisicki (18) -
 Christina McHale
 2:6 7:5 6:1

 

 Damen Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  Viertelfinal
 Black/Raymond -
 Larsson/Martic (Q)
 5:7 6:3 7:5
 Black/Raymond -
 Muguruza/Suarez Navarro (6)
 6:3 6:1
 Black/Raymond -
 Kudryavtseva/Pavlyuchenkova (11)
 2:6 6:3 6:4
 Makarova/Vesnina (2) -
 Black/Raymond
 6:3 4:6 8:6

 

 Damen Doppel Qualifikation
 1. Runde  Finalrunde
 Larsson/Martic (2) -
 Slater/Moore (W)
 5:7 6:4 6:2
 Larsson/Martic (2) -
 Beck/Friedsam
 6:4 6:2
 Beck/Friedsam -
 Krejcikova/Peer (7)
 6:2 6:3

 

 Junioren
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  Viertelfinal  Halbfinal  Final
 Mikael Ymer (12, W) -
 Chan-Yeong Oh
 6:4 6:3
 Mikael Ymer (12, W) -
 Nathan Ponwith
 6:3 6:1
 Mikael Ymer (12, W) -
 Marcelo Tomas Barrios Vera (6)
 6:3 6:2
 Mikael Ymer (12, W) -
 Alvaro Lopez San Martin
 7:5 7:6
 Mikael Ymer (12, W) -
 Patrik Niklas-Salminen
 7:6 6:3
 Reilly Opelka -
 Mikael Ymer (12, W)
 7:6 6:4

 

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