Miami 2013

zurück zur Übersicht         Last updated: 11.05.2013
US-Amerikanische Hoffnungen - Davis, Burdette, Keys, Kiick, Vandeweghe, McHale, Cornet, Bencic

 

Bei den Turnieren lassen sich immer auch Blicke auf den Nachwuchs des Veranstalterlandes werfen. Da sieht man über die Jahre hinweg viele Namen kommen und gehen, denn nur wenige von ihnen werden bleiben. An diesem Turnier hat sich Lauren Davis durch ihre knappen Matches, ihre aufopferungsvollen Auftritte und einer Portion Glück in den Fokus gerückt. Mit Belinda Bencic habe ich gleich auch den Schweizer Nachwuchs beobachtet.

Damen Einzel Qualifikation Damen Einzel Hauptfeld
 1. Runde Qualifikation  Final Qualifikation  1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde
 Mallory Burdette -
 Vesna Dolonc (18)
 7:6 6:4
 Mallory Burdette -
 Lauren Davis (3)
 6:7 6:4 6:4
 Madgalena Rybarikova -
 Mallory Burdette (Q)
 6:2 6:4
 
   Christina McHale -
 Anett Kontaveit (W)
 6:2 6:1
 Roberta Vinci (15) -
 Christina McHale
 6:7 6:1 6:3
 Roberta Vinci (15) -
 Carla Suarez Navarro (20)
 5:7 6:4 6:4
 Roberta Vinci (15) -
 Alize Cornet (32)
 2:6 6:4 6:4
 Jamie Hampton -
 Monica Niculescu
 6:4 6:3
 Carla Suarez Navarro (20) -
 Jamie Hampton
 5:7 7:5 7:6
 Carla Suarez Navarro (20) -
 bye
 .
 Alize Cornet (32) -
 bye
 .
 Alize Cornet (32) -
 Laura Robson
 5:7 7:5 6:1
 Alize Cornet (32) -
 Lauren Davis (L)
 2:6 6:3 6:2
 Allie Kiick (W) -
 Lara Arruabarrena (10)
 6:4 7:5
 Allie Kiick (W) -
 Vania King
 6:4 0:6 6:3
 Madison Keys (W) -
 Allie Kiick (Q)
 6:0 6:0
 Lauren Davis (L) -
 Madison Keys (W)
 6:1 5:7 7:6
 Lauren Davis (3) -
 Casey Dellacqua
 1:6 6:4 6:1
 Mallory Burdette -
 Lauren Davis (3)
 6:7 6:4 6:4
 Lauren Davis (L) -
 bye
 .
 Coco Vandeweghe (17) -
 Belinda Bencic (W)
 6:3 7:6
 Karolina Pliskova (7) -
 Coco Vandeweghe (17)
 6:2 6:3
 
 Alexa Glatch -
 Melanie Oudin (8)
 6:4 6:2
 
 Melinda Czink (15) -
 Julia Cohen
 6:4 6:1

Melanie OudinLauren DavisLauren DavisLauren DavisLauren DavisLauren DavisMallory Burdette
Mallory Burdette (WTA 104) - Lauren Davis (WTA 81)
Die beiden US-Amerikanerinnen duellierten sich in der zweiten und letzten Qualifikationsrunde mit grossem Kämpferherz. Dabei verlor die höher eingestufte 19-jährige Davis gegen die drei Jahre ältere Burdette, die sich dank diesem Sieg erstmals unter die ersten hundert Ränge der Weltrangliste spielte. In Indian Wells hatte Burdette bereits als Qualifikantin dank einem Sieg über Paszek die dritte Runde erreicht und nach dem Turnier von Miami sollte sie in Charleston ebenfalls als Qualifikantin dank einem Sieg über Lisicki bis in die dritte Runde vorstossen.
Im WTA-Profil von Davis steht: "Favorite surface is hardcourt ... favorite shot is backhand ... Junior accomplishments include winning Orange Bowl and Eddie Herr in 2010 ... favorite tournament is Miami ... Admires Nadal because they have similar games and he fights no matter what." Das kämpfen um jeden Preis führte bei der aufopferungsvoll kämpfenden Davis zu einem Nervenzusammenbruch wie ich das interpretierte. Sie kam heulend vom Platz und und hatte so einen Heulanfall, dass sie sich beinahe übergeben hätte. Nach minutenlanger Auszeit machte sie sich völlig erschöpft auf den Weg in die Garderobe (Bild 13).
Bild 3: Melanie Oudin.

Lauren Davis
Lauren Davis (WTA 81) - Madison Keys (WTA 76)
Ich war überrascht als ich die ausgeschiedene Davis am Donnerstag trainieren sah und fragte mich, ob sie vielleicht als Lucky Loser ins Hauptfeld nachgerückt war. War sie zu dem Zeitpunkt noch nicht, aber am nächsten Morgen dann! Als Ersatz für die kurzfristig abgesprungene Azarenka konnte sie im grossen Stadion spielen und deren Platz in der zweiten Runde einnehmen, da die an zwei gesetzte Weissrussin in der ersten Runde ein Freilos genossen hatte. Ausserdem traf Davis in der zweiten Runde so auf keine gesetzte Gegnerin. Sie spielte gegen die gerade 18 Jahre alt gewordene Keys. Sowohl Davis als auch Keys hatte ich vor etwas über zwei Jahren bereits an der Orange Bowl auf dieser Tennisanlage in Key Biscayne spielen sehen. Davis gewann damals die Einzelkonkurrenz und Keys die Doppelkonkurrenz.
Lucky Loser Davis beanspruchte ihr Glück gegen Keys wahrlich. Nach einem klaren ersten Satzgewinn konnte sie die Partie im zweiten Satz nicht nach Hause bringen. Im dritten Satz wehrte sie im Tie-Break nach einem 3:6 Matchbälle ab und gewann mit 9:7.

Alize Cornet
Alize Cornet (WTA 36) - Lauren Davis (WTA 81)
Die Bedingungen bei feuchten und etwas über 30 Grad am Sonntag waren herausfordernd. Dieses Match schaffte es sogar unter die diversen Sportmeldungen auf bluewin.ch, weil Cornet nach der Partie vor Erschöpfung im Rollstuhl weggefahren wurde. Das war mir entgangen. Allerdings war den Schreibern entgangen, dass auch Davis den halben Rückweg im Rollstuhl (Bild 12) hinter sich brachte. Bei ihr waren die Erschöpfung und vor allem auch die Hüftschmerzen der Grund.
Cornet ist eine richtige Drama Queen wie es beispielsweise auch an den US Open 2009 zu sehen gewesen war. Aber ich kann das der 23-jährigen aus Nizza irgendwie nicht übel nehmen, weil sie einfach so ist und ihre Schauspielqualitäten einfach etwas zu schlecht sind um sie nicht zu durchschauen. Einzig ihr ständiges Herummeckern an Linienentscheidungen nervt extrem.
Nach drei Dreisatzmatches in Qualifikation und Hauptfeld war die Kraft bei Davis im dritten Satz gegen Cornet entschwunden und ihre Hüfte wollte nicht mehr so richtig mitmachen. Der Rückhandslice schmerzte sie am wenigsten, doch auch dieser Schlag hatte an Biss verloren. Was Davis aber macht - egal ob erschöpft oder nicht - ist dass sie sich den Ball vor dem Aufschlag in allen möglichen Varianten Isner-like zwischen den Beinen hindurchspielt (Bild 3). Nur dass die ihre Beine bei einer Körpergrösse von 157cm um einiges kürzer ausfallen als diejenigen von 206cm-Mann Isner.
Nach dem Match hatte Davis wieder einen Heulanfall. Allerdings nicht mehr so stark wie nach der Partie gegen Burdette. Vermutlich hatte sie diesmal einfach zu wenig Kraft und zu grosse Schmerzen dafür. Ihr Trainer scheint sich die Enttäuschung und Entkräftung seines Schützlings nach den Niederlagen wohl mittlerweile bereits etwas gewohnt zu sein. Nach nicht ganz fünf Minuten schleppte sie sich dann langsam in Richtung Garderoben und wurde auf halbem Weg per Rollstuhl abgeholt (Bild 12).
Das war also das Turnier der Lauren Davis: Auf die Niederlage in der letzten Qualifikationsrunde folgte der unverhoffte Wiedereinstieg in die zweite Runde des Hauptfeldes als Lucky Loser und der Gewinn des Matches mitsamt 80 WTA-Punkten und 25'450 USD Preisgeld, gefolgt von der Drittrundenniederlage inklusive Verletzung. Wobei die 19-jährige eine Woche nach Miami in Monterrey bereits wieder antreten konnte.


Alize Cornet (WTA 36) - Laura Robson (WTA 43)
Nach den Regenunterbrechungen sassen die Spielerinnen auf Court 2 sogar im Dunkeln als ich bei 7:5 4:3 für Robson zu dieser Partie stiess. Nach dem Ende des zweiten Satzes fiel die Flutlichtanlage gleich nochmals aus. Der Matchverlauf hatte sich im dritten Satz deutlich zu Gunsten Cornets gedreht und Robsons Fehlerquote hatte sich stark erhöht. Vom Stadion her waren Interviews, Durchsagen und laute Musik zu hören. Lauras beste Freundin Genie Bouchard hatte dort gerade chancenlos gegen Maria Sharapova verloren. Beim Einspieler des aktuellen Hits der Swedish House Mafia versuchte ich es in der ausweglosen Situation mit einem "Don't you worry, don't you worry, Laura". Denn Laura war ja auch am SHM-Konzert am Ultra Music Festival gewesen. Auch die in Florida lebende britische Zuschauerin neben mir sang die Zeilen nach dem darauffolgenden Ballwechsel einmal vor. Aber jegliche Fanversuche halfen nicht mehr zum Sieg.

Lara Arruabarrena
Allie Kiick (WTA 426) - Lara Arruabarrena (WTA 71)
Lange musste Arruabarrena wie alle anderen am Montag warten (Bild 1) bis es nach der Regenpause weitergehen konnte. Ihre Gegnerin Kiick vertrieb sich die Zeit damit, in dem sie am Zaun des Spielerbereichs stand und mit ihrem Freunden plauderte, während ihre Augen immer wieder umherflippten. Als es weiterging, beging die in der Turnierwoche 21-jährig werdende Spanierin zu viele leichte Fehler, obwohl sie die erfahrenere Spielerin der beiden war. Die 17-jährige Kiick spielte mit viel Topspin in ihren Grundschlägen und viel Ki(i)ck in ihren Aufschlägen. Ich entschuldige mich an dieser Stelle für das Wortspiel. ;-) Bei 5:4 vergab Kiick einen Matchball durch einen Doppelfehler und musste das Break hinnehmen. Später gewann sie mit 7:5 aber war immer noch mehr angefressen als dass sie sich über ihren ersten Sieg in einem WTA Qualifikationsturnier gefreut hätte. Wenn sie Emotionen zeigt, dann am ehesten dass sie sauer auf sich selbst ist. Bild 4 stammt von ihrem Besuch des Matches zwischen Cornet und Davis.

Coco VandewegheBelinda BencicIgor Bencic, Belinda BencicCoco VandewegheCoco VandewegheBelinda Bencic, Coco VandewegheCoco Vandeweghe
Coco Vandeweghe (WTA 98) - Belinda Bencic (WTA 502)
Anfangs sah es nicht danach aus, als ob für die vor einer Woche 16 Jahre alt gewordene Schweizerin Bencic in diesem Spiel viel zu holen wäre. Ihre Gegnerin Vandeweghe ist eine kraftvolle Spielerin und Bencic fehlte die Kraft in den eigenen Grundschlägen. Die St. Gallerin ist eine Konterspielerin, die das Tempo aus den daherkommenden Bällen für ihre eigenen Schläge nutzt. Doch der viele Spin in den Schlägen Vandeweghes machte dieses Unterfangen schwierig. Positiv überraschen konnte Bencic mit drei starken Volleys in einem Angriff. Hier scheinen die technischen Grundlagen zu stimmen. Allerdings benötigt sie dazu auch die Schläge um auf diesem Niveau überhaupt angreifen zu können. In allen oben beschriebenen Eigenschaften ist die Handschrift von Melanie Molitor herauszulesen. Bei der Mutter von Martina Hingis hat Belinda Bencic ihr Handwerkszeug erlernt. Ansonsten mag ich solche Pauschalvergleiche nicht. Wenn sie einen entsprechenden Blick auflegt wie auf Bild 11 erinnert sie etwas an Azarenka.
Die Schlaghärte und auch die Defensive werden sich bei der 16-jährigen aufgrund der körperlichen Entwicklung noch weiter verbessern. In dieser Partie musste Bencic allerdings zu schnell in die Defensive gehen und hatte dort keine Mittel. Bei Aufschlag Vandeweghe blieb sie zumeist chancenlos. Die 21-jährige servierte fünfzehn Asse und acht Doppelfehler. Aber auch Bencics Statistik kann sich mit drei Assen und vier Doppelfehlern sehen lassen. Im zweiten Satz hatte Vandeweghe eine 3:0- und 4:1-Führung inne, aber liess sich beinahe abfangen. Trotz Asics-Ausrüstervertrag schien sie nicht genügend trainiert und Bencic erhielt die Chance auf eine Aufholjagd. Zu Vandeweghe Verteidigung muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass auch andere Spielerinnen wie Minella, Watson oder Kvitova an diesem Turnier körperliche Probleme hatten. Sie schnappte sich den Tie-Break im zweiten Satz doch noch und damit den Sieg.
Einige Zeit nach dem Match sah ich eine enttäuschte und weinende Bencic auf der Anlage vermutlich kurz vor dem Rückweg zum Hotel. Andere Juniorinnen hatte ihre Chancen gepackt und ihr Match am heutigen Tag gewonnen. Dennoch war das wohl etwas überreagiert. Leider habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich diese Tennisgeschichte zu einem Familie Bencic gegen die ganze Welt entwickeln könnte, obwohl es ja gar nie dazu kommen müsste. Aus Schweizer Sicht grenzen sie sich durch die Gespräche in slowakisch schon mal generell ab. Das müsste aber noch kein Hinderungsgrund sein. Die Tennisanalysen von Vater und Coach in Doppelfunktion haben mich irritiert. Nicht jeder Ball und jeder Punkt der verloren geht, ist dumm gespielt worden.
Es gilt auch schöne Punkte der Gegnerin anzuerkennen. Hin und wieder muss man auch einmal etwas riskieren können ohne Angst vor Fehlern und Versagen haben zu müssen.

Nachtrag April 2013: Vier Wochen nach ihrer Niederlage revanchierte sich Bencic beim ITF-Turnier am amerikanischen Dothan auf Sand mit einem 6:3 6:4 gegen Vandeweghe. Für die 16-jährige ist das der erste Karrieresieg über eine Top 100-Spielerin.

Christina McHaleChristina McHale
Christina McHale (WTA 55)
Eine beeindruckende Antwort gab die 20-jährige US-Amerikanerin bei ihrem Interviewtermin auf die Frage wie lange sie pro Tag trainiere. Wenn sie kein Turnier spielt, sind das vier Stunden Tennis pro Tag und eine Stunde Fitness pro Tag. Wenn sie ein Turnier spielt, dann sind es zwei Stunden Tennis pro Tag und eine halbe Stunde Fitness pro Tag.

Julia CohenJulia Cohen
Julia Cohen (WTA 128), Monica Niculescu (WTA 52), Carla Suarez Navarro (WTA 21)
Einige Schnappschüsse von den Trainingsplätzen.

 

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