Rabble-GrandSlam-Reise nach Paris 2006

zurück zur Übersicht         Last updated: 28.04.2008

alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank zu: Rafael Nadal, Roger Federer, Kevin Kim, Lleyton Hewitt, Dominik Hrbaty, Mario Ancic
Rafael Nadal - US Open 2005
Roger Federer - US Open 2005
Zwei Wochen lang warten auf den Traumfinal - Rafael Nadal, Roger Federer

 

2. Runde:   Rafael Nadal (2) - Kevin Kim (L)   6:2 6:1 6:4

Die erfolgreiche Titelverteidigung und dadurch auch den Sandplatzrekord dank den Siegen 54 bis 60 in Folge ausbauen, das waren die Ziele von Rafael Nadal. Der "Ex-Teenager" aus Manacor feierte im Verlauf des Turniers, um exakt zu sein am 3. Juni, seinen 20. Geburtstag.

Kevin Kim, der eigentlich eine offensive Spielweise mit Serve & Volley bevorzugt, schlug sich in den Grundlinienduellen für seine Verhältnisse sehr gut. Vor allem beging er relativ wenig Fehler, was dem Spiel einen guten Rhythmus gab.

Natürlich war diese Begegnung des Titelverteidigers gegen den Lucky Looser lediglich der problemlose Schritt 2 von 7 für Rafael Nadal.

 

 

3. Runde:   Lleyton Hewitt (14) - Dominik Hrbaty (22)   7:6 6:2 6:2

Lleyton Hewitts grosser Traum ist ein Sieg an den Australian Open. Was für Federer Wimbeldon, für Nadal die French Open, das ist für den 25-jährigen aus Adelaide das Grand Slam-Turnier Down Under. Die US Open sowie Wimbledon hat er bereits gewonnen. Ebenso stand er bereits auf der Position 1 der Weltrangliste und gewann den Davis Cup.

Seit einiger Zeit, gehandicapt durch einige Verletzungen und ein wenig abgelenkt vom grossen Weltenbummlertum durch seine Frau Bec und sein Töchterchen Mia Rebecca, konzentriert er sich vor allem auf Grossereignisse. Wichtige Titelgewinne, dafür setzt er seine Energie ein. Als Lohn dafür stand er 2005 im Finale der Australian Open sowie in den Halbfinals von Wimbledon und den US Open.

Gegen Dominik Hrbaty bekundete Lleyton Hewitt keine Mühe und setzte sich gegen den gesetzten Slowaken in drei Sätzen durch.

Der Schnappschuss auf Bild 4 gelang mir übrigens tags darauf beim Training Hrbatys. Es ist nicht etwa so, dass meine Kamera einen so unglaublich guten Zoom hätte. Nein, Hrbaty stand einfach wirklich nur noch einen einzigen Meter vor meiner Linse!

 

Dominik Hrbaty

 

4. Runde:   Rafael Nadal (2) - Lleyton Hewitt (14)   6:2 5:7 6:4 6:2

Gegen einen ehemaligen Weltranglistenersten zu spielen, kann immer einige Gefahren in sich bergen. Wenn so einer einen guten Tag erwischt, dann könnte es sogar für den Sandplatzdominator, der Rafael Nadal unbestritten ist, unangenehm werden.

Auf dem Papier war der Spanier natürlich der klare Favorit und wurde seiner Rolle auch gerecht. Aber im zweiten Satz blitzte einmal die Gefahr auf: Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit gewesen, bis der Titelverteidiger nach gewonnenem ersten Satz auch im zweiten in Führung gehen würde. Ihm gelang dann auch das erste Break und er führte für die Partie schon beinahe vorentscheidend mit 4:3. Doch handkehrum gelang Hewitt das Break. Der Australier legte sogar ein weiteres nach und stibitzte völlig unerwartet den zweiten Satz zum zwischenzeitlichen Ausgleich.

Den dritten Satz entscheid das einzige Break zu Gunsten von Nadal. Danach war das Schiff wieder völlig auf Kurs gebracht und segelte zum erwarteten Sieg.

 

1. Runde:   Rafael Nadal (2) - Robin Soderling   6:2 7:5 6:1
3. Runde:   Rafael Nadal (2) - Paul-Henri Mathieu (29)   5:7 6:4 6:4 6:4
Viertelfinale:   Rafael Nadal (2) - Novak Djokovic   6:4 6:4 ret.

Halbfinale:   Rafael Nadal (2) - Ivan Ljubicic (4)   6:4 6:2 7:6

 

Viertelfinale:   Roger Federer (1) - Mario Ancic (12)   6:4 6:3 6:4

Roland Garros und der Davis Cup. Mit diesen beiden Titeln könnte Roger Federer sein unglaublich Palmares komplettieren. Im letzten und in diesem Jahr hätte er sein Ziel in Paris auch schon lange erreichte gehabt, wäre da nicht noch Rafael Nadal gewesen. Ich meine, auch Andy Roddick könnte bereits zweifacher Wimbledon-Champion sein, würde ihm nicht Federer vor der Sonne stehen.

Mario Ancic ist der letzte Spieler, der den Schweizer auf Rasen schlagen konnte. Als 18-jähriger besiegte er im Jahre 2002 Federer in der ersten Runde von Wimbledon. Auch seinen einzigen Turniersieg feierte der Kroate auf Rasen. Nämlich im letzten Jahr im niederländischen 's-Hertogenbosch.

In Paris wird aber natürlich auf Sand und nicht etwa auf Rasen gespielt, was dem auf dem starken Aufschlag basierenden Spiel Ancics etwas mehr schadet als demjenigen von Federer.

Zu Beginn der Partie kam Ancic zu frühen Breakbällen. Insgesamt waren es vier im ersten Satz, welche er allerdings nicht verwerten konnte. Federer hatte Mühe beim Return. Man kann die Punkte des Kroaten natürlich als Servicewinner bezeichnen. Ich fand aber, dass viele Punkte davon auch gerade so gut als Returnfehler des Schweizers hätten gewertet werden können. Mitte des Satzes drehten die Vorteile auf die Seite des Schweizers. Er nutzte seinen insgesamt siebten Breakball zum 6:4.

Unnötig gab der Weltranglistenerste das Auftaktgame im zweiten Satz ab. Er hatte bei eigenem Auschlag 40:30 geführt und einen Smash mit Blick gegen die grelle Sonne verschlagen. Ancic spielte nun offensiver. Der 22-jährige aus Split schlug den erfolgreichen Weg ans Netz ein. Das konnte er aber nur tun, weil der Schweizer in dieser Phase etwas passiv agierte.

Das 0:2 0:40 im zweiten Satz war dann ein Weckruf für Roger Federer. Dank fünf Punkten in Folge hielt er sein Aufschlagspiel und glich kurz darauf zum 3:3 aus. Ancic kam in den wichtigen Situation weiterhin ans Netz. Hatte er Breakbälle gegen sich, spielte er oft Serve & Volley. Am Netz erspielte sich Federer 18 von 24 Punkten (75%). Beim Kroaten waren es 25 von 40 Punkten (63%). Der aktuelle Inhaber der Grand Slam-Titel von Wimbledon, den US Open sowie den Australian Open blieb konzentriert brachte den Sieg in drei Sätzen nach Hause.

 

1. Runde:   Roger Federer (1) - Diego Hartfield (Q)   7:5 7:6 6:2
2. Runde:   Roger Federer (1) - Alejandro Falla (L)   6:1 6:4 6:3
3. Runde:   Roger Federer (1) - Nicolas Massu (32)   6:1 6:2 6:7 7:5
4. Runde:   Roger Federer (1) - Tomas Berdych (20)   6:3 6:2 6:3
Halbfinale:   Roger Federer (1) - David Nalbandian (3)   3:6 6:4 5:2 ret.

 

Nachdem sowieso alle zwei Wochen lang auf den Final zwischen Roger Federer und Rafael Nadal gewartet hatten, erhielten die Tennisfans, was sie sich erhofft hatten. Hier das Finale, wie ich es im Live-Ticker beschrieben hatte:

Finale:   Rafael Nadal (2) - Roger Federer (1)   1:6 6:1 6:4 7:6
Es ist alles gesagt. Das Final der Superlative zwischen Roger Federer (SUI, ATP 1, Setzliste 1) und Rafael Nadal (ESP, 2, 2) kann beginnen. Die erste Titelverteidigung ist am Schwersten. Was für Roger Federer Wimbledon, das ist Roland Garros für Rafael Nadal. Deshalb denke ich, kann diese Partie durchaus mit der Titelverteidigung von Federer gegen Roddick in Wimbledon im Jahr 2004 verglichen werden, die sehr mühevoll vonstatten ging.
Satz 1: 6:1 für Roger Federer! Nach einem 15:40 im ersten Aufschlagspiel fand Roger Federer sehr gut ins Match und holte die ersten fünf Games gegen einen nervösen Rafael Nadal. Der 20-jährige Spanier hatte seine Chancen. Fünf Breakbälle liess er ungenutzt. Federer tut gut daran, oft Richtungswechsel vorzunehmen, jetzt da die Ballwechsel länger werden. Denn Nadal hat besser ins Spiel gefunden und hat seine Vorteile in den langen Ballwechseln. Ein Kennzahlenvergleich zum ersten Satz: Schnellster Aufschlag: Nadal 178 km/h, Federer 207 km/h.
Satz 2: Ein 40:0 vergeben und schon ist Nadal dank dem 0:2 im Match. Noch ein weiteres Break zum 1:5 für den Spanier und der Satz ist mit 1:6 verloren. Nadal spielte noch nicht exzellent, aber Federer muss sich nun unbedingt wieder steigern. 16:2 unerzwungene Fehler beim Schweizer gegenüber dem Titelverteidiger. Seit Freitag vor einer Woche herrschte ununterbrochen schönes Wetter in Paris. Der Court ist schnell, das sollte Federer eigentlich entgegenkommen. So wie das Spiel bis jetzt lief, hätte die Partie auch durchaus auf einem Hartplatz aussehen können.
Satz 3: Eiskalt gilt es zu sein. Da hat Federer bei 2:1 und 0:40 drei Breakbälle, später noch einen vierten, und Nadal gleicht trotzdem zum 2:2 aus. Und prompt schnappt sich der 20-jährige im nächsten Aufschlagspiel Federers die 3:2-Führung. Anders als im ersten Satz erhält der Schweizer keine einfachen Punkte mehr. Dieses eine Break im dritten Satz ist bereits die Entscheidung zum 6:4 für Nadal. Stoppbälle sind auf beiden Seiten das falsche Mittel. Die beiden kennen einander zu gut und erahnen diese Spielvariante jeweils. Mit je 11 Gewinnschlägen hat sich das Niveau der Partie nun stark gesteigert. Aber 13:4 unerzwungene Fehler zu Ungunsten von Federer sprechen immer noch eine deutliche Sprache.
Satz 4: Als ob ein 1:2-Satzrückstand nicht schon genug wäre, lässt sich Roger Federer im Auftaktgame des vierten Satzes seinen Aufschlag abnehmen. Bei 0:2 0:30 kann sich der Schweizer retten und findet in den vierten Satz. Bei eigenem Aufschlag packt Federer nun seine Asse aus. Deren 4 hat er bislang in diesem Durchgang serviert. Aber was zwingend her muss, ist ein Break.
5:4, Nadal serviert zum Sieg: Punktgewinn Federer 0:15. Zwei mit dem Rahmen verschlagene Rückhandbälle von Federer 30:15. Netzroller Federer 30:30. Unglaubliche Laufarbeit Federer 30:40. Vorhand Inside Out von Nadal verschlagen 5:5! Das war der erste Breakball seit Beginn des dritten Satzes und das erste Break seit Ende des ersten Satzes für den Schweizer!
Der Tie-Break geht mit 7:4 an Rafael Nadal. Verdient.
Für Roger Federer war von den Kommentatoren, Dani Minder und Heinz Günthardt, oft der Begriff "der beste Tennisspieler der Welt" verwendet worden. Wenn der Beste gegen den Zweibesten aber vier von vier Partien in diesem Jahr verloren hat, muss man das sicher auf lange Frist arg in Frage stellen. In der Weltrangliste baut Federer seinen Vorsprung noch ein bisschen aus, da er im letzten Jahr "nur" im Halbfinal gestanden war. Nun kann aber die Jagd von Rafael Nadal auf den Tennisthron beginnen bis zu Beginn der nächsten Sandplatzsaison. Denn der gerade 20 Jahre alt gewordene Spanier wird sein Spiel noch weiter verbessern.
Und in gewisser Hinsicht hatte diese Partie wirklich Parallelen zum Wimbledonfinal Federer-Roddick von 2004.

 

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