Rabble-GrandSlam-Reise nach New York 2005

zurück zur Übersicht         Last updated: 13.11.2005

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Roger Federer - Australian Open 2005
Roger Federer - Die Nummer 1-Position zementiert

 

Als Titelverteidiger und klarer Favorit kam der Gewinner des Wimbledon-Triple nach New York. Allerdings legte der anfangs August 24-jährig gewordene Schweizer nach Wimbledon eine sechswöchige Verletzungs- oder besser gesagt Schonungspause für seine Füsse ein. Lediglich ein einziges Vorbereitungsturnier in Cincinnati hatte Federer vor den US Open absolviert, dieses dafür gleich gewonnen.

Die Auftritte Federers am US Open wirkten vielleicht nicht immer so "übermenschlich", wie man sich das von ihm schon fast gewohnt ist. Dennoch reichte es letztendlich gegen durchwegs starke Gegner zu einer souveränen Titelverteidiger in New York. Und damit zementiert der Schweizer seine Position an der Weltranglistenspitze. Rafael Nadal lag dank dem French Open-Titel sowie acht weiteren Turniersiegen im Champions Race (der Wertung des laufenden Jahres) lange Zeit gleich auf mit Roger Federer.
Dank dem Wimbledon- und US Open-Titel hat Roger Federer die Nase aber wieder klarer vorne. Hält er seine Resultate weiterhin aufrecht, kann der Schweizer wohl bis zum Turnier in Wimbledon Ende Juni 2006 nicht mehr von der Position des Weltranglistenersten im Entry Ranking (der Wertung über die vergangen 52 Wochen hinweg) verdrängt werden.
Zum Ende des Jahres gilt es, den Masters Sieg zu verteidigen. Rafael Nadal kann dort erstmals mitspielen. An den Australian Open und den French Open hat Federer aber "nur" Halbfinalteilnahmen zu übertreffen. Zum Vergleich: Ein Grand Slam-Sieg gibt 1000 Punkte, ein Finale 500, ein Halbfinale 250, usw.

 

1. Runde:   Roger Federer (1) - Ivo Minar   6:1 6:1 6:1

Da machte ich mich bei 6:2 1:2 im Match Karatantcheva-Shaughnessy auf ins Arthur Ashe Stadium und da lag Roger Federer in der zeitgleich gestarteten Partie gegen den Tschechen Minar bereits schon mit 6:1 6:1 4:1 in Führung. Das nennt man dann wohl Eiltempo... In 61 Minuten (!) konnte der Schweizer die drei Sätze für sich entscheiden.
Den 21-jährigen aus Prag hatte er bereits in der zweiten Runde in Wimbledon in diesem Jahr problemlos besiegt, nachdem er sich anfangs des Jahres beim ersten Aufeinandertreffen in Dubai noch sehr schwer getan hatte.

Ziemlich enttäuscht war ich von meinem Platz im Arthur Ashe Stadium. Von ganz oben wird das Bild verzerrt, denn die Bälle fliegen nicht mehr geradeaus. Vom Spin gewinnen und verlieren sie extrem schnell an Höhe, was von weit oben herab schwer zu beobachten ist. Vor allem bei einem wie Roger Federer, der mit extremen Effets spielt.
Im weiteren Verlauf des Turniers war es dann aber nicht mehr so schlimm wie beim ersten Eindruck. Setzte man sich auf die Längsseite des Courts, konnte man das Spiel besser mitverfolgen. Ausserdem konnte man auch schon mal einige Sitzplatzreihen gut machen, wenn das Stadion nicht voll gefüllt war. 

 

2. Runde:   Roger Federer (1) - Fabrice Santoro   7:5 7:5 7:6

Das war nicht mehr der selbe Spielverlauf wie beim 6:1 6:1 6:2 in der ersten Runde der diesjährigen Australian Open. Denn Roger Federer bekundete nach einem eigentlich guten Start einiges an Mühe gegen den 32-jährigen Franzosen. Der Schweizer lag mit Break 5:2 vorne, ehe Santoro wieder bis auf 5:5 heran kam. Federer schaffte glücklicherweise jeweils das entscheidene Break zum 7:5 und konnte so in allen drei Sätzen mit seinem Service beginnen und jeweils vorlegen.

Der Spielstil Santoros ist sehr eigen. Er spielt auf beiden Seiten beidhändig. Ausserdem legt er extremen Spin und Slice in seine Bälle und agiert stark am Netz. Federer hatte Probleme mit seinem ersten Aufschlag und seinen Returns. Ausserdem griff ihm Santoro jeweils mit einem tiefen Slice auf die Rückhand Federers an, mit der ihn der 24-jährige fast nie erfolgreich passieren konnte.

Santoro zeigte ein sehr gutes Spiel dank einem starken Aufschlag, super Lobs, guten Returns und vor allem antizipierte er Federers Spiel sehr gut. Ein ebenso wichtiger Faktor war, dass Fabrice Santoro mit mehr Spielwitz agierte als der Weltranglistenerste.

Die guten Punkte aus dem schwachen Spiel des Schweizers waren, dass er in den Sätzen zwei und drei alle seine Aufschlagsspiele halten konnte sowie im Tie-Break des dritten Satzes wie auf Kommando extrem stark spielte. Schon in den ersten beiden Sätzen hatte er im entscheidenden Moment die Nase vorne, als er jeweils das Break zum Satzgewinn schaffte.

Ebenfalls nicht so richtig am Spiel erwärmen konnte sich die Box des Schweizers mit Mirka Vavrinec und Severin Lüthi (Bild 1), die sich einige Male die Haare rauften.
Beim Matchball gegen sich erhielt Fabrice Santoro (und natürlich auch Roger Federer) vom Publikum eine Standing Ovation (Bild 2).

 

3. Runde:   Roger Federer (1) - Olivier Rochus (27)   6:3 7:6 6:2

Der Belgier hatte einen guten Abend erwischt und spielte stark. Trotzdem waren die Aufschläge des 165cm kleinen Rochus’ jeweils nur zwischen 170-175 km/h schnell. Zwar waren sie gut platziert, dennoch hätte ein Roger Federer damit nie und nimmer solche Probleme beim Return haben dürfen.

Normalerweise kennt man Rochus als den Mann, der sich auf dem Platz die Seele aus dem Leib rennt. In diesem Match versuchte er aber die Punkte kurz zu halten und stürmte auch oft ans Netz. Denn der Belgier ist ein guter Doppelspieler (French Open-Sieger 2004) und weiss natürlich um die Stärke von Federers Vorhand, wenn er sich auf Grundlinienduelle einlassen würde. Wie Santoro in der Runde zuvor versuchte er Federer dank aggressivem Spiel in Bedrängnis bringen.

Im ersten Satz kam Federers einziges Break zum richtigen Zeitpunkt zum 5:3. Im zweiten Satz musste er sich gleich breaken lassen, holte sich aber gleich das Re-Break zum 1:2. Insgesamt hatte der Schweizer nur zwei Breakchancen gegen sich (beide im zweiten Satz). Doch im zweiten Satz musste er sich mindestens vier umkämpften Aufschlagspielen durchsetzen.

Im dritten Satz gelang dem Basler das vorentscheidende Break zum 3:1 und noch eines zum 6:2. Das er selbst noch kein so grosses Vertrauen in seine Grundschläge hat, beweist wohl auch die Tatsache, dass er in den Matches hier an den US Open öfter ans Netz ging (40x gegen Rochus, 67x gegen Santoro, 10x gegen Minar), als er dies bei seinen Siegen vor zwei Monaten in Wimbledon getan hatte.

 

 

4. Runde:   Roger Federer (1) - Nicolas Kiefer   6:4 6:7 6:3 6:4

Viertelfinale:   Roger Federer (1) - David Nalbandian (11)   6:2 6:4 6:1

Halbfinale:   Roger Federer (1) - Lleyton Hewitt (3)   6:3 7:6 4:6 6:3

Finale:   Roger Federer (1) - Andre Agassi (7)   6:3 2:6 7:6 6:1

Ein US Open-Finale gegen Andre Agassi zu spielen, ist wohl etwas vom Grössten, was man sich als Tennisspieler vorstellen kann. Und dieses dann auch noch in einem herausragenden Match zu gewinnen, den 23. Finalsieg in Folge zu erreichen, als erster Spieler in zwei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils Wimbledon und die US Open zu gewinnen, das setzt dem Ganzen natürlich noch die Krone auf!

 

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