Rabble-GrandSlam-Reise nach Melbourne 2005

zurück zur Übersicht         Last updated: 29.04.2008

Roger Federer - Australian Open 2005: myFavourites
Roger Federer - Der Klassenprimus

 

Obwohl er seinen Titel nicht verteidigen konnte, Roger Federer ist und bleibt der Klassenprimus. Jeder den ich gehört hatte, fragte sich, wer den Schweizer wohl überhaupt bezwingen könne.
Und sein Spiel ist beeindruckend. Am TV wirkt es für mich ja ehrlich gesagt öfters langweilig, weil es einfach zu dominant ist. Aber wenn man da in der ersten Reihe der Rod Laver Arena auf der Seite sitzt, dann sieht man erst, wie unglaublich stark und vielseitig sein Spiel wirklich ist.
Er spielt die Bälle mit so einem Top-Spin, dass habe ich vorher noch nie gesehen, noch nie! Die Spanier, die Südamerikaner, das sind die Meister des Top-Spins, aber das ist nichts gegen einen Roger Federer. Und ein Blake, ein Roddick, ein Baghdatis, das sind die Leute, welche extrem hart auf eine Vorhand drauf gehen und den höchsten Speed aller haben. Aber auch da hält die Nummer 1 der Weltrangliste mit. Er ist der einzige, der Spin und Speed miteinander so vereint, beides in Perfektion.
Dazu die Rückhand, der Slice, der exzellente Aufschlag, seine Netzgriffe, die Volleys, der Backhand-Smash, die Beinarbeit. Da gibt es nichts, wo er Defizite hätte.
Und er ist ein ideales Motiv. Bei den Spielen der Männern hatte ich so meine Probleme, gute Fotos zu schiessen. Es ging zu schnell, oft nur ein Aufschlag oder ein kurzer Ballwechsel. Aber bei Roger kannst Du einfach abdrücken und es gibt immer ein gutes Bild, weil sein Spiel so dynamisch ist. Man sollte solche Worte nicht zu oft verwenden, aber hier ist Genialität mit im Spiel.
Zum Verhängnis wurde ihm wohl seine ungewöhnlich hohe Fehlerquote, vor allem auf der Rückhand, das ganze Turnier hindurch. Aber mit ein bisschen Glück hätte ihn auch hier niemand von seinem fünften Grand Slam-Triumph abhalten können. Aber da war halt ein Marat Safin im Halbfinale, meiner Meinung nach der einzige Spieler, der Federer zur Zeit schlagen kann, der das Quäntchen Glück auf seiner Seite hatte.

 

Roger Federer

1. Runde:   Roger Federer (1) - Fabrice Santoro   6:1 6:1 6:2

Mein erstes Spiel, dass ich in Melbourne gesehen habe. Vom Flughafen via Hostel direkt in die Rod Laver Arena. Den ersten Satz habe ich verpasst, weil Roger Federer im Eilzugtempo los legte. Ich bekam einen bereits völlig entnervten Fabrice Santoro zu Gesicht. Der Franzose hatte den ersten Satz in nur 17 Minuten abgeben müssen. Und dabei hat der Franzose nicht mal schlecht gespielt. Es waren ihm lediglich zwei unerzwungene Fehler unterlaufen, eigentlich ein glänzender Wert.

Das erste Game im zweiten Satz dauerte dann etwa 10 Minuten. Mehr als die Hälfte des ganzen ersten Satzes. Aber auch im weiteren Verlauf blieb der 32-jährige Franzose chancenlos.
Fabrice Santoro ist ein exzellenter Doppelspieler. Der Wahlgenfer hat die letzten beiden Austragungen der Australian Open im Herren Doppel zusammen mit seinem Landsmann Michael Llodra gewonnen. Und auch im Match gegen Federer waren seine Netzangriffe sehenswert. Allerdings blieb ihm auch hier meistens nur die Rolle des Verteidigens, dies tat er aber akrobatisch. Aber auch hier war ihm Federer überlegen. Der Schweizer blieb in 39 von 51 Netzangriffen erfolgreich. Sein gegenüber erreichte lediglich eine Quote von 14 aus 35.

Insgesamt ein souveräner Auftritt des Titelverteidigers. In etwas mehr als eineinhalb Stunden war der Einzug in die nächste Runde geschafft und die Federer-Show bereits wieder vorbei.
Zu den Bildern: Bild 1, mein Lieblingsbild von Federer, die einhändige Rückhand mit anschliessender Flugeinlage. Bild 9, Freundin Mirka Vavrinec war wie immer mit dabei.

 

4. Runde:   Roger Federer (1) - Marcos Baghdatis (Q)   6:2 6:2 7:6

Der 19-jährige Zypriote ist ein Versprechen für die Zukunft. Die Nummer 1 der Junioren des Jahres 2003 hat wohl eine der härtesten Vorhandschläge auf der Tour. Er hatte die Gesetzten Ljubicic und Robredo aus dem Turnier geworfen. Sein Markenzeichen: Vor jedem Aufschlag spielt sich Baghdatis den Ball von hinten zwischen den Beinen durch. Roger Federer macht das ja auch sporadisch.

Zu Beginn wirkte Federers Spiel etwas unsicher, ungewohnte Fehler bei Service und Rückhand. Im zweiten Satz hatte er dann keine Mühe mehr. Auch im dritten spielte der Schweizer gut, doch Baghdatis kämpfte und hielt dank einigen sensationellen Lucky Shots bis in den Tie-Break mit. Diesen konnte der Schweizer für sich entscheiden, der auf mich nie den Eindruck gemacht hat, als könnte er diesen dritten Satz verlieren.

 

Viertelfinale:   Roger Federer (1) - Andre Agassi (8)   6:3 6:4 6:4
(Mehr Infos zu dieser Partie gibt es im Bericht zu Andre Ag
assi.)

Die grosse Affiche: Der Titelverteidiger und Weltranglistenerste Roger Federer trifft auf den vierfachen Australian Open-Champion Andre Agassi.

Das es auch für den derzeit überlegenen Roger Federer ein spezieller Moment ist, den grossen Andre Agassi zu schlagen, dass erkennt man an seinem Siegesjubel auf Bild 3. Ich persönlich bezweifle, ob wir Andre Agassi nochmals in Australien wieder sehen werden. Aber beim 34-jährigen aus Las Vegas sollte man glücklicherweise niemals nie sagen.

Leider dauerte das Match nur etwas länger als eineinhalb Stunden, da der Schweizer bei eigenem Aufschlag einfach zu dominant war. Andre Agassi, der beste Returnspieler der Welt, kam im gesamten Match zu lediglich vier Breakchancen, die Federer allerdings alle zu Nichte machen konnte. Dem Schweizer seinerseits gelang jeweils früh im Satz ein Servicedurchbruch, was ihn zu einem relativ ungefährdeten Sieg verhalf. 22 Asse servierte Roger Federer in seinen 15 Aufschlagspielen, eine sehr starke Quote.

Nach dem Match gab es eine interessante Aussage von Federer im Interview. Er sagte, dass man sehen konnte, wer der bessere Spieler von der Grundlinie sei. Nämlich Agassi. Glücklicherweise habe er selbst sehr stark serviert. - Ich persönlich würde sagen, auf der Grundlinie geht das Duell zwischen den beiden etwa unentschieden aus.

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