French Open 2012, Paris

zurück zur Übersicht         Last updated: 09.10.2012

Fed Cup Follow Up - Arvidsson, Larsson, Watson, Robson

 

Vor etwas mehr als zwei Monaten waren Roland und ich in Boras beim Fed Cup zwischen Schweden und Grossbritannien gewesen. Da sich bei diesem Kräftemessen zwei meiner Lieblingsteams gegenüberstanden, war es für uns nun naheliegend, die Matches der Spielerinnen auch in Paris mitzuverfolgen. Am Samstagabend hatten wir im Ausgang in Boras zum ersten Mal den Song Euphoria von Loreen gehört. Am Abend vor dem ersten Spieltag in Paris gewann dieser Beitrag Schwedens den Eurovision Song Contest. Auch das war zu einer Art Follow Up oder besser gesagt Round Up für uns geworden.

Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde
 Melanie Oudin (W) -
 Johanna Larsson
 6:3 6:3
 Sara Errani (21) -
 Melanie Oudin (W)
 6:2 6:3
 
 Anabel Medina Garrigues (29) -
 Laura Robson (L)
 6:2 6:1
 Anabel Medina Garrigues (29) -
 Irena Pavlovic (W)
 6:3 6:2
 Petra Martic -
 Anabel Medina Garrigues (29)
 6:2 6:1
 Angelique Kerber (10) -
 Petra Martic
 6:3 7:5
 Petra Martic -
 Michaella Krajicek
 6:2 7:5
 Petra Martic -
 Marion Bartoli (8)
 6:2 3:6 6:3
 Sofia Arvidsson -
 Roberta Vinci (17)
 6:2 4:6 6:3
 Yaroslava Shvedova (Q) -
 Sofia Arvidsson
 6:1 6:0
 
 Heather Watson (Q) -
 Elena Vesnina
 6:2 6:4
 Julia Görges (25) -
 Heather Watson (Q)
 6:3 6:4
 

Roberta VinciRoberta VinciRoberta VinciSofia Arvidsson
Sofia Arvidsson (WTA 54) - Roberta Vinci (WTA 19)
Trotz ihrer starken Form räumte ich Arvidsson gegen Vinci keine Gewinnchancen ein. Dabei hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal gewusst, dass die Italienerin alle bisherigen fünf Duelle ohne Satzverlust gewonnen hatte. Eine Auseinandersetzung auf Sand würde sie ohnehin bevorteilen. Vinci spielte ihre extremen Slicebälle und lieferte ihre Leistung ab. Was aber Arvidsson bot, das überraschte mich. Die Schwedin spielte für ihre Verhältnisse überragend in der Defensive. Sie erlief sogar die Stoppbälle. Das alles äusserte sich positiv in einer tiefen Fehlerquote. So verlief die diesjährige Sandplatzsaison der 28-jährigen aus Halmstad mit dem Halbfinale von Brüssel und dem ersten Matchgewinn in Roland Garros seit 2006 sehr zufriedenstellend. Nur 2005 und 2006 hatte sie in Paris bisher die zweite Runde erreicht.
Dass Vinci eine heisse Kandidatin auf gute Resultate bei den diesjährigen French Open gewesen wäre, zeigte sie im Doppel an der Seite von Sara Errani. Zusammen mit der Überraschungsfinalistin im Einzel gewann Vinci im Doppel ihren ersten Grand Slam-Titel. Im Doppel hatten Errani/Vinci in diesem Jahr bereits die Titel in Monterrey, Acapulco, Barcelona, Madrid und Rom gewonnen und waren im Finale der Australian Open gestanden.

Melanie OudinMelanie OudinJohanna Larsson
Melanie Oudin (WTA 269) - Johanna Larsson (WTA 80)
Es war unser erstes Match am Pfingstsonntag. Das Turnier wurde mit einer kleinen Luftshow eröffnet. Das wusste ich allerdings nicht, da ich am ersten Turniertag noch nie in Roland Garros gewesen war. So hatte ich meine Kamera erst zu spät zur Hand (Bilder 1-2). Nicht ganz bereit schien zu Beginn des Matches auch Oudin zu sein. Sie hatte ihre Schläge noch nicht justiert und agierte mit hoher Fehlerquote. Danach entfalteten ihre harten Grundschläge aber mehr und mehr ihre Wirkung. Larsson stellte ihr Spiel als Antwort darauf auf höhere Topspinbälle um. Das war gegen Oudin aber kein gutes Mittel, da die US-Amerikanerin dann genügend Zeit hat, um sich zu den Bällen hinzustellen. Der hohe Absprung der Bälle hindert sie nicht daran, diese früh zu attackieren. Besser war es also, wenn Larsson Oudin über den Platz jagte. Aber auch dort ist die 20-jährige eine Knacknuss. Es scheint so als spiele sie am Stärksten, wenn sie sich konsequent reinhängen muss und ihr Puls auf 180 ist. Die Vorhand aus dem Lauf heraus spielt Oudin extrem gefährlich. Auf der Rückhandseite hat sie einen starken Sliceball im Repertoire. So hat sie auf beiden Seiten eine konkurrenzfähige Verteidigung zu bieten.
Oudin ist eine Spielerinnen für die grossen Gelegenheiten und hat dies einmal mehr unter Beweis gestellt. Legendär ist ihr Lauf an den US Open 2009. Unter dem Jahr sind bei ihr aber Defizite vorhanden. Sei es im Training oder in der Motivation. Aus irgend einem Grund fehlt es ihr an Konstanz, um Woche für Woche Leistung zu zeigen. Nur noch auf Rang 269 klassiert bekam sie vom amerikanischen Tennisverband eine Wild Card für Roland Garros.
Larsson rutscht mehr und mehr in gefährliche Weltranglistenregionen ab. Je besser sie auf der WTA-Tour bekannt ist, desto mehr spielen die Gegnerinnen ihre Rückhand an. Da erkennt man schon anhand der Bilder 6-8 die nicht lupenreine Technik. Ein Rückhand Longline Gewinnschlag wäre wichtig für ihr Repertoire. Im letzten Jahr hatte sie in Roland Garros noch einen Erstrundensieg über Ivanovic feiern können. Dieses Jahr war sie durch Bauchmuskelprobleme etwas eingeschränkt gewesen. Nach dem Wegfall der Weltranglistenpunkte steht sie nach den French Open nur noch auf Rang 89. Spätestens mit dem Verschwinden der Punkte von der letztjährigen Finalteilnahme am Heimturnier in Bastad in der Woche nach Wimbledon droht der Fall aus den Top 100. Bis dahin bleibt aber noch ein guter Monat Zeit, um neue Resultate zu sammeln. Im schlimmsten Fall könnte aber bereits für die US Open der Gang in die Qualifikation drohen. Denn im Gegensatz zu einer Oudin, die von einer Wild Card der United States Tennis Association profitieren kann, verfügt der Svenska Tennisförbundet über keine Wild Cards für Grand Slam-Turniere...

Heather WatsonHeather WatsonHeather WatsonHeather WatsonElena VesninaHeather WatsonHeather Watson
Heather Watson (WTA 110) - Elena Vesnina (WTA 83)
So schwach hatte ich Vesnina noch nicht spielen sehen. Da fehlte jeglicher Biss. Eigentlich könnte die 25-jährige die Punkte am Netz vorne gut abschliessen. Aber soweit kam es gar nicht erst. Wollen wir Watson den Sieg aber nicht schlecht reden. Sie zeigte eine engagierte und starke Leistung. Die 20-jährige aus Guernsey spielte die Bälle sehr genau an Linien. Meist mit einer guten Länge. Eventuell wären hier kürzere Winkel sogar noch effektiver. Irritiert hat mich bei ihr, dass sie vor dem Aufschlag sehr schnell atmete. Ihr Bauch bewegt sich da sehr schnell auf und ab. Da müsste eigentlich mehr Ruhe hinein. Mit fünf Assen und 79% ersten Aufschlägen im Feld gibt es da für mich diesbezüglich aber gar nichts zu kritisieren an Watson. An ihrer Leidenschaft für das Tennis habe ich ebenfalls nicht im geringsten etwas auszusetzen. Sie freut sich immer und wirkt so unheimlich erleichtert, wenn sie einen wichtigen Sieg feiern kann.
Wie schon am Vortag bei Robson war auch bei Watsons Match auf Court 6 viel britische Tennisprominenz zugegen. Auf Bild 4 Fed Cup-Captain Judy Murray, Ivanovic-Coach Nigel Sears dessen Tochter Kim mit Judys Sohn Andy liiert ist und dann auch noch Anne Keothavong's Bruder und Mutter. Auf Bild 6 Jonathan Marray.

Laura Robson
Anabel Medina Garrigues (WTA 31) - Laura Robson (WTA 126)
Es war ein Rematch der letztjährigen US Open. Robson war damals chancenlos geblieben. Auf Sand kippte die Favoritenrolle noch mehr in Richtung Medina Garrigues. Denn Robson rutschte in Roland Garros erst als Lucky Looser ins Hauptfeld nach. Die 18-jährige Britin gestaltete die Aufschlagspiele ihrer elf Jahre älteren Gegnerin oft ausgeglichen. Ihr gelang aber im gesamten Match kein Break. 0 genutzte Breakbälle von Robson bei 4 Chancen stehen einer Erfolgsquote von 4 aus 5 bei Medina Garrigues gegenüber. Sobald Robson eine gute Phase hat und richtig aufdreht, dann ist ihr explosives Spiel extrem beeindruckend. Das war in dieser Partie allerdings nur in wenigen Games der Fall. Trotzdem reichte es Robson zu 21 Gewinnschlägen. Die 17 unerzwungen Fehler sind dabei natürlich viel zu hoch. Medina Garrigues, die nach einem Stolperer ihre Schuhe wechselte, kontrollierte das Spiel mit 14 Gewinnschlägen bei nur 5 unerzwungen Fehlern.

Michaella Krajicek
Petra Martic (WTA 50) - Michaella Krajicek (WTA 73)
Wir warteten auf das nächste Match und bekamen das hartumkämpfte Ende der Partie zwischen Martic und Krajicek mit. Die 21-jährige aus Split kam in Paris erstmals über die zweite Runde an einem Grand Slam-Turnier hinaus. Mit den Siegen über die Top 10-Spielerin und Vorjahreshalbfinalistin Bartoli und anschliessend über Medina Garrigues schaffte es Martic sogar bis in die vierte Runde.

 

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