XXX Olympische Spiele 2012, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 05.09.2012

Tischtennis Damen Einzel Gold: Xiaoxia Li CHN Silber: Ning Ding CHN Bronze: Tianwei Feng SIN
Tischtennis Damen Team Gold: China Silber: Japan Bronze: Singapur

 

Die beiden Medaillenspiele im Tischtennis der Damen wurden unverhofft zu meiner eindrücklichsten Veranstaltung an diesen Olympischen Spielen nach dem Marathon. Die Stimmung war unwirklich, da die Athletinnen für ihre Konzentration vor und während der Punkte Ruhe benötigen. Die absolute Stille wurde jedoch je länger je mehr durchbrochen und immer mehr Anfeuerungsrufe durchdrangen lautstark die Arena.

Die Medaillenzeremonie war etwas ganz besonderes und ein schöner Abschluss meines ersten Olympiaaufenthalts. Das "Chariots of Fire" von Vangelis in der London 2012-Version begleitete diesen ehrenvollen Moment musikalisch. Aus asiatischer Sicht sind diese Spielerinnen Superstars und das war auch zu spüren. Die Mehrheit des Publikums waren Chinesen und diese sangen bei der Nationalhymne der Volksrepublik China natürlich alle voller Stolz mit.

FACT
SHEET


West Silvertown - ExCeL Exhibition Centre
Mit etwas Recherche lässt sich herausfinden, dass die thailändischen Fans (Bild 8) wohl auf dem Weg zum Gewichtheben der Herren waren, wo der 19-jährige Chatuphum Chinnawong in der Kategorie bis 77kg die Bronzemedaille letztendlich nur um ein einziges Kilogramm verpassen sollte. Die chinesischen Fans (Bild 9) strömten ganz klar zum Tischtennis.


Tischtennis - ExCeL North Arena 1
Ihr kennt sicherlich den Spruch: "Jeder Fünfte ist ein Chinese" und dann beginnt man zu zählen und zeigt mit dem Finger "1, 2, 3, 4, Chinese!" abzählend auf die Personen. Diese Einlage hätte man in der ExCeL North Arena 1 problemlos wahrheitsgetreu nachstellen können.

Tianwei Feng, Kasumi IshikawaTianwei Feng
Tianwei Feng SIN - Kasumi Ishikawa JPN   11:9 11:6 11:6 11:5
In der Vorrunde waren wohl ähnlich dem Fechten gleichzeitig Spiele auf mehreren Tischen ausgetragen worden. Im Tennistennis fand dies aber über mehrere Tage statt. Für die beiden Medaillenspiele konzentrierte sich die ganze Aufmerksamkeit auf den einen "Finaltisch". Ballkinder gibt es in dieser Sportart keine. Die Athletinnen mussten ihren Spielball jeweils selber auflesen. Coaching ist am Satzende erlaubt. Die Begegnungen wurden im Modus Best of 7 ausgetragen.
Im ersten Satz lag die Japanerin mit zwei Punkten vorne. Doch sie konnte diesen Satz nicht gewinnen und war danach im weiteren Spielverlauf chancenlos gegen Feng aus Singapur. Ishikawa warf den Ball beim Aufschlag extrem hoch auf (Bilder 4-5). Im Goldmedaillenmatch löste ein zu wenig hoher Ballwurf noch grosse Kontroversen aus.

Xiaoxia LiNing DingXiaoxia Li
Xiaoxia Li CHN - Ning Ding CHN   11:8 14:12 8:11 11:6 11:4
Die beiden Chinesinnen wurden ihrer Favoritenrolle gerecht und trafen sich im Goldmedaillenmatch. Die chinesischen Trainer nahmen ihre Plätze am Spielfeldrand nicht ein und verzichteten auf ein Beraten der Spielerinnen während der Satzwechsel. Aus Zuschauersicht war es ideal, dass die Spielerinnen wie schon in der Partie zuvor unterschiedliche Farben trugen. Denn der Frisur nach wären sie nicht so leicht zu unterscheiden gewesen... Ich mochte speziell das Design des gelben Drachens auf dem roten Shirt von Li.
Im Gegensatz zum Weltmeisterschaftsfinal vom letzten Jahr hatte diesmal Li die Oberhand. Ich war etwas irritiert, da Li den Ball beim Aufschlag immer etwas nach hinten warf. Einen fehlerhaften Aufschlag beging aber Ding, weil sie den Ball stets nur wenig hoch aufwarf und teilweise das Minimum von 16 Zentimeter verletzte. So wurde sie bei 3:6 im vierten Satz zum zweiten Mal mit einem Fehlerpunkt bestraft. Dann griff sie zum Handtuch um sich wieder zu sammeln. Nun gibt es im Tischtennis aber anscheinend eine Regel, dass man nur nach einer gewissen Anzahl von Punkten zum Handtuch greifen darf. Sechs sind es wohl. Na das wäre mal eine gute Regel für das Tennis! Ding beging somit jedenfalls gleich nochmals einen Regelverstoss und schon lag sie nach einem weiteren Fehlerpunkt mit 3:8 hinten. Das war wohl ein echter Skandal und das Publikum stellte sich hinter Ding. Die "tschaa joo Ding Ning"-Rufe halfen aber auch nichts mehr. Für mich waren die Fehlerpunkte mehr ein Ausdruck dafür, dass Ding am heutigen Tag der Aufgabe ohnehin nicht gewachsen gewesen wäre, denn Li war die bessere Spielerin in diesem Goldmatch und gewann verdient.

Ning Ding, Xiaoxia Li, Tianwei FengNing Ding, Xiaoxia Li, Tianwei Feng
Medaillenzeremonie
Die Spielerinnen und Spieler der Volksrepublik China blieben an diesem Olympischen Tischtennisturnier ausnahmslos unbesiegt. Im Damen Einzel und Herren Einzel durften nur je zwei Teilnehmer pro Land eingesetzt werden. China sicherte sich in beiden Kategorien Gold und Silber. Im Teamwettbewerb kam sowohl bei den Damen als auch bei den Herren weiteres Gold hinzu.
Das über sieben Hauptrunden gespielte Einzeltableau (mit der Qualifikationsrunde wären es sogar acht Runden) war abgestuft. Die acht höchstgesetzten Spielerinnen griffen erst in der dritten Runde - also der Runde der letzten 32 - ins Turniergeschehen ein. Die vier bestklassierten Spielerinnen der Welt kommen alle aus China. Somit durften zwei der besten vier Athletinnen der Welt gar nicht erst mitspielen. Somit ist Ding aus chinesischer Sicht als Silbermedaillengewinnerin natürlich die erste Verliererin. Ihr war die Enttäuschung deutlich anzusehen. Sie war wohl die niedergeschlagenste Olympionikin die ich in London zu Gesicht bekam. Symbolisch zeigt das Bild 7 das Ausmass ihrer Niederlage, als sie einen kurzen Blick auf die unerreichbare Einzelgoldmedaille warf.


ExCeL Exhibition Centre - Pontoon Dock
Mit dem majestätischen Lied "Chariots of Fire" von der Medaillenzeremonie im Ohr, dass an der Eröffnungsfeier noch von Mr. Bean geprägt worden war, machte ich mich auf den Weg zum nahegelegenen London City Airport. Nach den vielen neuen Eindrücken - vor allem der letzten beiden Tage - war ich sogar froh, dass ich für eine kurze Olympiapause von einer Woche nach Hause konnte. Zu Hause vor dem Fernseher erlebte ich mit, wie die Stimmung am mittleren Wochenende in eine wahre Euphorie umschlug. Die Briten vergoldeten ihre Träume mit Ennis, Farah und Rutherford in der Leichtathletik, Murray in Wimbledon, dem Segler Ainslie sowie beim Rudern und im Bahnradfahren. Die Schweiz jubelte über das Triathlongold von Nicola Spirig nach einem wahren Kraftakt und dem Zieleinlauf à la Hitchcock.


London City Airport - Zürich
Die Swiss-Flüge nach Zürich am 1. August und derjenige zurück nach London am 8. August waren nur zur Hälfte gefüllt. Wer nicht wegen den Olympischen Spielen nach London flog, der liess es während diesen zwei Wochen wohl ganz bleiben. Der Start ab dem Flughafen LCY über das ExCeL Exhibition Centre, die North Greenwich Arena (O2 Arena) und den Olympic Park (Bilder 1-3) hinweg gefiel mir unglaublich gut und rundete mein erstes Olympiaabenteuer erfolgreich ab. Über Schweizer Boden waren anschliessend die vielen Höhenfeuer und Feuerwerke zu beobachten und als wir am Flughafen in Zürich vom Flugzeug in den Bus umstiegen roch es intensivst nach Feuerwerk. So erlebte ich dieses Jahr den 1. August, der für die Schweizer Olympiadelegation mit dem angeschlagenen Cancellara im Einzelzeitfahren, den Fechtern Heinzer und Kauter sowie dem Fussballteam der Herren sehr ernüchternd verlaufen war.

 

Damen Einzel


Gold Medal Match:      Xiaoxia Li CHN - Ning Ding CHN        11:8 14:12 8:11 11:6 11:4

Bronze Medal Match:   Tianwei Feng SIN - Kasumi Ishikawa JPN   11:9 11:6 11:6 11:5

 

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