Wimbledon 2011, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 08.07.2011

Rückkehrer - Gonzalez, Haas, Del Potro, Roddick

 

Mit Gonzalez, Haas und Del Potro fielen zuletzt gleich drei berühmte Spieler ein ganzes Jahr lang verletzungsbedingt aus.

Herren Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde  Viertelfinale
 Gilles Muller (W) -
 Tommy Haas
 7:6 7:6 3:6 6:3
 Gilles Muller (W) -
 Milos Raonic (31)
 2:3 ret.
 Rafael Nadal (1) -
 Gilles Muller (W)
 7:6 7:6 6:0
 Rafael Nadal (1) -
 Juan Martin Del Potro (24)
 7:6 3:6 7:6 6:4
 
 Juan Martin Del Potro (24) -
 Flavio Cipolla
 6:1 6:4 6:3
 Juan Martin Del Potro (24) -
 Olivier Rochus
 6:7 6:1 6:0 6:4
 Juan Martin Del Potro (24) -
 Gilles Simon (15)
 7:6 7:6 7:5
 Feliciano Lopez -
 Michael Berrer
 6:4 7:5 6:3
 Feliciano Lopez -
 Rainer Schüttler
 7:6 6:7 6:2 6:2
 Feliciano Lopez -
 Andy Roddick (8)
 7:6 7:6 6:4
 Feliciano Lopez -
 Lukasz Kubot (Q)
 3:6 6:7 7:6 7:5 7:5
 Andy Murray (4) -
 Feliciano Lopez
 6:3 6:4 6:4
 Victor Hanescu -
 Jaroslav Pospisil
 6:4 6:3 6:2
 Andy Roddick (8) -
 Victor Hanescu
 6:4 6:3 6:4
 Andy Roddick (8) -
 Andreas Beck (Q)
 6:4 7:6 6:3
 Fernando Gonzalez -
 Alexandr Dolgopolov (22)
 6:3 6:7 7:6 6:4
 Fernando Gonzalez -
 Rik De Voest (Q)
 6:4 6:4 6:4
 Jo-Wilfried Tsonga (12) -
 Fernando Gonzalez
 6:3 6:4 6:3
 


Fernando Gonzalez - Alexandr Dolgopolov
Ein Jahr lang musste Fernando Gonzalez pausieren. Nach der Niederlage im Mai 2010 gegen Dolgopolov in Roland Garros setzte ihn eine Knieverletzung ausser Gefecht. Im August brach er seinen Rückkehrversuch nach zwei Erstrundenniederlagen in New Haven und bei den US Open ab. Erst Ende April 2011 bestritt er in Belgrad wieder ein ATP-Turnier. Danach folgten im Mai zwei Challengerturniere in Prag und Bordeaux. In Roland Garros trat er nicht an. Nach den drei Turnieren auf Sand hat er für Wimbledon nun den Belag gewechselt. Der 30-jährige Chilene zeigte dabei eine starke Vorstellung.
Dolgopolov hat sich während der Abwesenheit Gonzalez' mit dem Viertelfinale an den Australian Open einen Namen gemacht. Dennoch blieb er für viele ein Unbekannter. Zwei Zuschauer gingen hinter mit vorbei und einer sagte: "
So many of these Eastern European players. Where is he from?". Da drehte sich der vor mir sitzende Australier Jack Reader (Bild 4) um, seines Zeichens Coach von Dolgopolov, und antwortete: "Ukraine. And we go for him.". Um übrigens die Gerüchte von meinen ersten Eindrücken aus der Welt zu räumen: Dolgopolov steht doch auf das weibliche Geschlecht. Denn ich glaube die gleich neben Reader sitzende Yana war seine Freundin.
Zwei Sätze lang bin ich gestanden, um diese Partie mitzuverfolgen. Dolgopolov zog einen schlechten Tag ein und machte viele Fehler. Die grossen Stars können auch an einem solchen Tag gewinnen. Insofern war es sehr interessant zu beobachten, ob der 22-jährige dies bewerkstelligen könnte. Konnte er nicht und Gonzalez gewann verdient. Auch wenn an diesem windigen Tag viele Bälle vom Rahmen seines Rackets in hohem Bogen bis auf die Nebenplätze folgen.


Gilles Muller - Tommy Haas
Tommy Haas hat seine lange Abwesenheit gut genutzt. Im Januar 2010 erhielt er die US-Bürgerschaft. Seit er mit 13 Jahren in die Bollettieri-Academy zog, lebt er in den Vereinigten Staaten. Im November 2010 kam Töchterchen Valentina zur Welt. Auf seinem öffentlichen Facebook-Account gibt es für alle Interessierten einige Familienfotos zu sehen. Die Hochzeit mit der Schauspielerin Sara Foster ist schon länger geplant, fand bislang aber noch nicht statt. Das alles klingt bei einem 33-jährigen doch sehr nach Rücktritt. Dagegen stemmt er sich allerdings. Ansonsten hätte er sich nach der langen Hüftverletzung seit Februar 2010 nicht mehr zurückgekämpft. Im Mai 2011 in Roland Garros gab er sein Comeback nach 15 Monaten Abwesenheit.
In Roland Garros, Halle und Wimbledon konnte er noch keinen Matchgewinn feiern. Gegen Ende der Partie gegen Muller schien er recht ruhig zu sein. Da haben wir schon ganz anderes von ihm erlebt. Haas führt in solchen Situationen schon mal sehr kritische Selbstgespräche. Doch momentan schätzt er seine Form wohl realistisch ein. Er wird froh sein, dass er überhaupt wieder dabei ist.


Juan Martin Del Potro
Der US Open-Sieger 2009 spielte im Jahr 2010 nur die Australian Open, musste sich danach am rechten Handgelenk operieren lassen und fiel den Rest der Saison aus. Den Ende September 2010 gestarteten Comebackversuch brach er nach zwei Erstrundenniederlagen in Bangkok und Tokio gleich wieder ab. Seit diesem Jahr ist er wieder zurück und dies dank den Turniersiegen in Delray Beach und Estoril eindrücklich. Bei den grossen Turnieren blieb der ganz grosse Coup bislang aus. Dennoch wird der 22-jährige Argentinier wohl das Saisonfinale der besten acht Spieler erreichen, wo er vor zwei Jahren überzeugte. In den Augen der Experten ist Del Potro der einzige Konkurrent, der mit Djokovic, Nadal, Federer und Murray mithalten kann und das elitäre Grüppchen zu einer Top 5 aufstockt.


Andy Roddick - Victor Hanescu
Kein Langzeitabwesender, sondern ein von steten Unterbrüchen geplagter Spieler ist Andy Roddick. Im Jahr 2009 war es das Knie. Im letzten Jahr ein glücklicherweise schnell abgeklungenes pfeiffersches Drüsenfieber und dieses Jahr die Schulter. Wobei Roddick mit 28 Jahren noch nicht zu den ganz alten Eisen gehört.
Im Match gegen Hanescu erfüllte sich das Klischee, dass der Aussenseiter nur bis zum entscheidenden Moment mithalten kann. Der Rumäne hatte im dritten Satz keinen Breakball gegen sich gehabt, bis er beim Stand von 4:5 aufschlagen musste und das Game, den Satz und das Match verlor. Roddick hielt seinen Aufschlag im gesamten Match und musste nur einen Breakball abwehren.


Feliciano Lopez - Andy Roddick
Ich weiss nicht, was die Zuschauer zu Roddick gesagt hatten als er den Platz verliess (Bild 5). Aber er drehte sich um (Bild 6) und warf sein Racket in die Zuschauer. Das brauchte er ja auch nicht mehr, denn er war gerade in der zweiten Runde in drei Sätzen ausgeschieden. Und das bei seinem Lieblingsturnier. Die bittere Pille noch nicht verdaut, fragte ihn ein Reporter in der Pressekonferenz betreffend Rücktritt und ob es nicht immer schwieriger wird, seinen Traum vom Wimbledonsieg zu verwirklichen. Roddick antwortete angesäuert, dass dem natürlich so sei und man vielleicht nicht immer das kriege was man wolle. Genau so wie der Fragesteller wohl auch nie seinen Traumjob erhalten werde.
Lopez gelangte an diesem Turnier zu ungewohnter Popularität, als Andy Murray in einem Fernsehinterview herausplapperte, dass ihn seine Mutter "Deliciano" statt Feliciano nennt. Gegen Roddick setzte sich der Serve und Volley spielende Spanier durch. In drei Sätzen schlug der Linkshänder 28 Asse und sein Gegner deren 23. Im Viertelfinale war für Lopez dann aber gegen genau diesen Andy Murray Schluss.

 

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