French Open 2010, Paris

zurück zur Übersicht         Last updated: 31.07.2010

alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank zu: Alexandr Dolgopolov, Fernando Gonzalez, Ivan Ljubicic, Mardy Fish, Andy Murray, Marcos Baghdatis
Unerwartungsgemäss - Dolgopolov-Gonzalez, Ljubicic-Fish, Murray-Baghdatis

 

Murray-Baghdatis hatte ich am Freitag mit meinem Lenglen-Ticket zum Hauptmatch erkoren. Gelangweilt und enttäuscht begab ich mich aber bald wieder auf die Aussenplätze, wo mit Ljubicic und Fish unverhofft ein unterhaltsamer Krimi zweier Nicht-Sandplatzspezialisten wartete. Bereits mein erstes Match am Freitag hatte eine Überraschung geboten. Ich hatte mir eine solche bei Dolgopolov-Gonzalez vorstellen können, jedoch nicht in dieser Deutlichkeit.

Herren Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde
 Andy Murray (4) -
 Richard Gasquet
 4:6 6:7 6:4 6:2 6:1
 Andy Murray (4) -
 Juan Ignacio Chela
 6:2 6:7 6:3 6:2
 Andy Murray (4) -
 Marcos Baghdatis (25)
 6:2 6:3 0:6 6:2
 Tomas Berdych (15) -
 Andy Murray (4)
 6:4 7:5 6:3
 Marcos Baghdatis (25) -
 Jesse Witten (Q)
 6:3 6:4 6:3
 Marcos Baghdatis (25) -
 Marcel Granollers
 4:6 6:1 7:5 6:2
 Alexandr Dolgopolov -
 Arnaud Clement
 3:6 7:6 3:6 6:3 6:3
 Alexandr Dolgopolov -
 Fernando Gonzalez (12)
 6:3 6:4 6:3
 Nicolas Almagro (19) -
 Alexandr Dolgopolov
 6:3 6:3 6:4
 
 Fernando Gonzalez (12) -
 Thiago Alves (Q)
 6:2 4:6 6:4 6:4
 Ivan Ljubicic (14) -
 Yen-Hsun Lu
 7:6 7:5 6:3
 Ivan Ljubicic (14) -
 Mardy Fish
 6:2 6:7 4:6 6:2 10:8
 Tomasz Bellucci (24) -
 Ivan Ljubicic (14)
 7:6 6:2 6:4
 
 Mardy Fish -
 Michael Berrer
 5:7 6:4 3:6 6:1 6:3

Fernando GonzalezAlexandr DolgopolovFernando GonzalezFernando GonzalezAlexandr Dolgopolov
Alexandr Dolgopolov - Fernando Gonzalez
Den Übernamen "Prinzessinnen" hatten beide Spieler von den bayrischen Zuschauern gleich hinter mir schnell abbekommen. Dolgopolov, weil er einen sehr weiblichen Touch hat und wohl auch vom anderen Ufer ist. Ich finde er gleicht seiner Landsfrau Kateryna Bondarenko extrem... Gonzalez, weil er erstens zu spät kam und sich dann auch noch sehr lange Zeit liess. Zweitens, weil er die Plastikhülle nicht selber vom Schläger entfernte (Bild 2). Drittens, weil er nach jedem Seitenwechsel mit seinem Aufschlag immer genervt zuwartete, bis alle Zuschauer ihre Plätze eingenommen hatten. Im Nachhinein kann man dieses divenähnliche Benehmen wohl damit erklären, dass sich Gonzalez bereits von Beginn weg irgendwie unwohl gefühlt hatte und einen schlichtweg schlechten Tag einzog.
Drei Sätze, dreimal ein fast identisches Resultat, drei frühe Breaks für Dolgopolov, aber trotzdem drei ganz unterschiedliche Akte. Im ersten Satz überraschte der Ukrainer mit einem starken Aufschlag, schnörkellosem Spiel und gefährlichen Stoppbällen mit starkem Rückwärtsdrall. Das eine Break reichte ihm zum Satzgewinn.
Im zweiten Satz wäre die Chance für Favorit Gonzalez da gewesen, den etwas ins Nachdenken gekommenen Aussenseiter abzufangen. Noch zu Beginn des Satzes war der Chilene durch die grosse Laufarbeit etwas flügellahm geworden. Er hatte das Break kassiert und liess sich mit Kältespray am Knie behandeln, welches ihn im Vorfeld von Roland Garros an einigen Turnierteilnahmen gehindert hatte. Noch eine Schmerztablette dazu und weiter ging es. Der 21-jährige Dolgopolov kassierte die Breaks zum 3:3 und 4:4, konnte aber jeweils unmittelbar danach gleich wieder vorlegen. Da liess sich Gonzalez zu schnell abtrocknen.
Im dritten Satz wurde es bei den Aufschlagspielen der Nummer 57 meistens eng, doch Dolgopolov konnte seinen Breakvorsprung wahren. Dank drei abgewehrten Breakchancen bei 4:3 behielt er definitiv die Oberhand. Bei den Returnspielen konnte er Gonzalez vor allem auf der Vorteilseite mit seinem Rückhandreturn cross auf die Höhe der T-Linie früh unter Druck setzen. Gefeiert hat er nach dem Sieg kaum. Nicht einmal ein Winken für die Zuschauer war drin.

Ivan LjubicicMardy FishMardy Fish
Ivan Ljubicic - Mardy Fish
Bei 5:4 im fünften Satz schafft man es normalerweise nie mehr auf die Zuschauerränge auf einem Court 7 in Roland Garros. Ich wusste gar nicht genau, wieviel es stand. Deshalb hatte ich es überhaupt erst versucht. Eh voilà! Für den 31-jährigen Ljubicic und den 28-jährigen Fish war es eigentlich nur ein langes Dreisatzmatch gewesen, da die ersten beiden Sätze am Vortag ausgetragen worden waren. Deshalb war auch das Niveau bis zum Ende hoch. Beide sind nicht das, was man als Sandplatzspezialisten bezeichnen würde. Fish hatte in seiner Karriere erst viermal in Roland Garros teilgenommen und dabei nur einen Matchgewinn verbucht. Ljubicic hatte in seinem erfolgreichsten Jahr 2006 selbst in Paris das Semifinale erreicht. Im laufenden Jahr hatte sich der ehemalige Weltranglistendritte mit einem Sieg in Indian Wells überraschend zurückgemeldet.
In einem unterhaltsamen Match konnten die starken Aufschläger auf ihre Servicegames bauen. Es gab aber durchaus viele lange Ballwechsel und die Returnspieler kamen immer wieder zu ihren Möglichkeiten. Der Kroate packte immer wieder Stoppbälle aus, mit denen er den Amerikaner aus der Reserve lockte.


Andy Murray - Marcos Baghdatis
Wo bleibt das Feuer bei einem Murray auf Sand? Der Schotte spielte reines Defensivtennis. Das funktioniert auf der langsamen Unterlage und zog auch einem widererstarkten Baghdatis bereits nach wenigen Games den Zahn. Doch ich als Zuschauer fand das stinklangweilig. Aber irgendwie war es doch verblüffend, wie stark ein Spieler je nach Unterlage seinen Spielstil wechseln kann.
Im Moment ist Australian Open-Finalist Murray etwas aus dem Spotlicht verschwunden, befindet sich aber durchaus wieder in starker Form. Das ist eine gefährliche Kombination für Wimbledon und die Hartplatzsaison, da ihm etwas weniger Druck als in den vergangenen Jahren entgegenkommen wird. Auf Sand scheint der ganz grosse Triumph für den 23-jährigen noch vergleichsweise weit entfernt.

 

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