Wimbledon 2011, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 07.09.2014

Team GB - Robson, Watson

 

Der Schotte Andy Murray ist der einzige britische Tennisspieler an der absoluten Weltspitze. Über ihn gibt es im Bericht zu den Top 4 mehr zu erfahren. Dahinter folgt im Herrentennis im Einzel weiterhin eine grosse Leere.
Bei den Damen verfügt Grossbritannien mit Baltacha, Watson, Keothavong und Robson über ein komplettes Fed Cup-Team mit Top 100-Potential. Das sollte sich innert kurzer Frist im Aufstieg in die Weltgruppe II niederschlagen. Vielleicht schon im nächsten Jahr. Vor allem die 19-jährige Watson (US Open-Juniorensiegerin 2009) und die 17-jährige Robson (Wimbledon-Juniorensiegerin 2008) stehen im tennisverrückten Königreich unter Beobachtung durch die Öffentlichkeit. Hauptsächlich natürlich während des heimischen Grand Slams in Wimbledon.
Über gute Doppelspieler verfügt Grossbritannien traditionell, wobei aktuell niemand in den Top 20 mitmischen kann. Mit sieben Herren in den Top 100 der Doppelweltrangliste ist in Wimbledon aber für einige heimische Beteiligung in den Teamevents gesorgt, was zusätzlich mit der Vergabe Wild Cards unterstützt wird.

Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde
 Laura Robson (W) -
 Angelique Kerber
 4:6 7:6 6:3
 Maria Sharapova (5) -
 Laura Robson (W)
 7:6 6:3


Laura Robson - Angelique Kerber
Das sah lange nach einer weiteren Enttäuschung in zwei Sätzen aus für Robson, bevor die Londonerin das Ruder kurz vor dem Ende des zweiten Satzes herumreissen konnte. Da will Laura oft einfach zu viel. Ihr Ziel sollte nicht sein, perfekt zu spielen, sondern einfach sehr gut zu spielen. Das bringt letztendlich mehr Erfolge und weniger Ärger.
Unterhaltsam ist ein Robson-Match meistens, da sie ihre Unzufriedenheit nach aussen hin mitteilt. Deshalb starte ich die Rubrik "Englisch mit Laura", die ihre ersten beiden Ausdrücke mit "that's so bad" aus Roland Garros 2009 und "dear" für einen Stoppball in 's-Hertogenbosch, der zwei Meter vor dem Netz landete, bereits kennt. Man muss sich das in einem recht quengligen Ton und mit relativ hoher, enttäuschter Stimme vorstellen. Gegen Kerber kam "Laura, move forward" hinzu, nachdem sie nicht richtig in einen Vorhandball gegangen war.
An den 53 Gewinnschlägen und 30 unerzwungenen Fehlern gegenüber den 29 Gewinnschlägen und 15 unerzwungenen Fehlern von Kerber im Duell der beiden Linkshänderinnen ist das Potential, aber auch die Anfälligkeit der 17-jährigen zu erkennen. Ihre beste Schläge sind die Vorhand die Linie hinunter sowie die Vorhand inside out. Sie weicht kaum von der Grundlinie zurück. Für mich als Linkshänder ist das beim Zuschauen natürlich fast, als würde ich selber spielen.


Maria Sharapova - Laura Robson
Das
wichtigste Tennisturnier der Welt in Kombination mit den sensationshungrigen englischen Medien trägt natürlich umgehend seine Früchte. Was antwortet man in einem Interview, wenn man nach den Chancen gegen Sharapova gefragt wird? Natürlich sagt man, dass man an seine Chance glaubt. Als grosse Schlagzeile klingt das für mich dann aber natürlich schnell nach Eigenüberschätzung. Vor allem wenn man gerade erst seinen allerersten Matchgewinn an einem Grand Slam-Turnier erzielen konnte. Mit einem Blitzstart von 3:0 und der letztendlich knappen Niederlage von 6:7 3:6 hat sich Robson gegen Sharapova aber mit einer erfreulichen Leistung aus der Affäre gezogen. Die Russin erwischte die junge britische Linkshänderin oft auf der Vorhandhandseite. Aber irgend eine Seite muss man ja abdecken beziehungsweise offen lassen.

Damen Doppel
 1. Runde  2. Runde
 Lefevre/Rodina (L) -
 Watson/Rae (W)
 6:4 6:4
 Cirstea/Morita -
 Lefevre/Rodina (L)
 7:5 6:3
 Govortsova/Kudryavtseva (16) -
 Keothavong/Robson (W)
 7:5 6:2
 Kerber/McHale (16) -
 Govortsova/Kudryavtseva (16)
 2:6 6:2 6:1


Olga Govortsova/Alla Kudryavtseva - Anne Keothavong/Laura Robson
Beim Aufwärmen die Gegnerin mit dem allerersten Aufschlag gleich abzuschiessen, habe ich erstens noch nie gesehen und bringt einem zweitens natürlich keine neuen Freunde. Keine neue Freundin von Robson (Bilder 1 und 4) ist daher Kudryavtseva. Die Russin, die vor drei Jahren Sharapova in der zweiten Runde von Wimbledon besiegen konnte, fand das nicht lustig. Teamkollegin Keothavong und die Zuschauer hingegen schon, versuchten das den Gegnerinnen aber natürlich nicht zu offensichtlich zu zeigen. Revanche nahm das gegnerische Team, als es im zweiten Satz wie am Schnürchen lief. Da passierten sie Robson oft am Netz und spielten sie hart an. Wobei nicht ganz klar ist, ob das als abschiessen, als dumm aussehen lassen oder einfach als ein die schwächere Spielerin anspielen bezeichnet werden sollte. Allgemein nutzen alle Spielerinnen die Waffe der Longlinepassierbälle häufig und erfolgreich.
Keothavong/Robson kamen sehr gut gelaunt auf den Platz. Doch nach der 5:2-Führung ist ihnen diese immer mehr vergangen. Bis auf je einen Aufschlaggewinn von Robson und Keothavong im zweiten Satz verloren sie zehn von zwölf Games. Daher gibt es einen weiteren Ausspruch für meine Rubrik "Englisch mit Laura", der da heisst: „Laura, it’s shocking“.


Sophie Lefevre/Evgeniya Rodina - Heather Watson/Jocelyn Rae
Wenn ein Team mit einer Wild Card auf ein Team trifft, dass nach verfehlter Qualifikation als Lucky Looser nachgerückt ist, dann gilt es seine Chancen zu nutzen. Das haben die Lucky Looser getan. Auf der Hand liegt, dass Lefevre mit ihren üppigen Massen eine reine Doppelspezialistin ist.

Mixed Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde
 Watson/Hutchins (W) -
 Stubbs/Melo
 6:7 6:3 8:6
 Srebotnik/Zimonjic (3) -
 Watson/Hutchins (W)
 6:4 6:4
 
 Rae/Fleming (W) -
 Parra Santonja/M. Lopez
 7:6 1:6 6:4
 Rae/Fleming (W) -
 Raymond/Norman (10)
 6:4 3:6 6:4
 Peer/Ehrlich -
 Rae/Fleming (W)
 6:4 7:5


Heather Watson/Ross Hutchins - Rennae Stubbs/Marcelo Melo
Im Einzel hatte Watson eine bittere Niederlage hinnehmen müssen. Behindert durch eine Verletzung am Schlagarm verlor sie in drei Sätzen gegen Mathilde Johansson. Weinend im anschliessenden Interview wurde sie getröstet, dass Fussballspieler Rio Ferdinand auf Twitter gerade "u
nfortunate to see Heather Watson lose today, she looks a real prospect. Talent + guts" geschrieben hatte. Watson antwortete schluchzend mit einem Lächeln, dass sie das sehr freue, da auch sie ein ManU-Fan sei. Nach der enttäuschenden Niederlage im Damen Doppel nur wenige Stunden zuvor konnte sie im Mixed doch noch ein Erfolgserlebnis feiern. Watson/Hutchins waren als Aussenseiter in diese Partie gegangen. Die Doppelspezialisten Stubbs und Melo waren danach entsprechend enttäuscht. Für das Publikum sind solche Matches immer eine wunderbare Angelegenheit. Es muss nicht immer Federer oder Nadal sein. Gib den Briten eine Wild Card und es wird ein stimmungsvolles Match. Hutchins zeigte auch im Herren Doppel an der Seite von Fleming starke Leistungen. Die beiden erreichten das Viertelfinale. Seit 1993 hatte das kein britisches Team mehr geschafft. Kein grosser Leistungsausweis also für das britische Tennis der vergangenen zwanzig Jahre.
Watson zeigte eine gute
Körpersprache, war immer bereit und beging in den wichtigen Phasen keine Doppelfehler. Wenn alle Spieler am Netz standen und Watson vollieren musste, spielte sie den Volley meistens genau auf den Gegner zurück. Hier wäre ein besseres Auge für die Lücke wünschenswert. Sie ist vielleicht auch etwas zu klein gewachsen. Ihr Profil auf der WTA-Tour sagt 1,70m. Aber ich schätze sie kleiner ein. Bei Robson steht auch 1,80m. Aber auf dem Bild neben mir ist sie kleiner als ich. Und ich bin definitiv 1,78m. Heisst also, dass auf den WTA-Profilen gelogen wird wie gedruckt.
Beliebt im Mixed Doppel scheint der Handtuchtausch zu sein. Die Herren haben bereits genügend der begehrten violett-grünen Handtücher, während die Damen die hellblau-pinken Ausgaben in und auswendig kennen. Deshalb wird im Mixed kurzum getauscht, damit man auch die andere Version mitgehen lassen kann.


Jocelyn Rae/Colin Fleming - Arantxa Parra Santonja/Marc Lopez
Im Mixed Doppel herrscht immer eine gute Stimmung innerhalb der Teams. Ich schaue mir diese Matches sehr gerne an, da oft gelacht wird. Auch wenn Sieg oder Niederlage hier weniger bedeutend sind als im Einzel, so verdienen doch einige Spieler ihr Geld hiermit. Vor allem die Doppelspezialisten sind motiviert und wissen, wie wichtig eine gute Stimmung im Team ist. An den olympischen Spielen im nächsten Jahr werden erstmals Medaillen im Mixed Doppel vergeben. Die grosse Bedeutung einer olympischen Medaille und die geringe Anzahl von 16 zugelassenen Teams werden dem olympischen Mixed Doppel aber ein anderes Gesicht geben.
Der Handtuchtausch (Bilder 10 und 11) fand auch hier statt.

 

zurück zur Übersicht