Rabble-GrandSlam-Reise nach New York 2005

zurück zur Übersicht         Last updated: 29.04.2008

Maria Kirilenko - alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank
Gisela Dulko - alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank
Maria Kirilenko - Australian Open 2005
Gisela Dulko - Australian Open 2005
Maria Kirilenko - La belle qui rit macht Fortschritte

 

Mein Urteil über das Spiel der Top 100-Athletin Maria Kirilenko am Australian Open war "solide, aber nichts Besonderes". Zum Glück ist im Laufe des Jahres der erhoffte Leistungssprung eingetreten. Die 18-jährige Moskowiterin konnte sich unter die besten 50 der Welt vorarbeiten. Und an den US Open sah ich auch warum: Ich war begeistert vom verbesserten Spiel der Maria Kirilenko. Konsequent vorgetragene Netzangriffe sowie der neu ins Repertoire aufgenomme Rückhand-Slice bringen eine bunte Mischung ins Damentennis, welche man leider bei all dem Powertennis zu oft vermissen mag.

 

Damen Einzel 1. Runde:   Maria Kirilenko - Laura Pous Tio   6:2 6:3

In einem reinen Grundlinienduell hätte Maria Kirilenko gegen die Nummer 77 der Welt wohl einen harten Kampf vor sich gehabt. Denn mit ihren Grundlinienschlägen kann die Russin nur wenig leichte Punkte gewinnen.

Doch mit viel Spielwitz konnte sie das Match gegen die 20-jährige Spanierin bestimmen. Auf Bild 2 ist Kirilenko nach einem der vielen erfolgreich abgeschlossenen Netzangriffe zu sehen. Da war sogar offensives Serve & Volley-Spiel von ihr zu sehen!
Mit dem Rückhand-Slice hat sie neu zusätzlich eine defensive Waffe. Es gibt sehr viele Spielerinnen, welche bei langen Ballwechseln mit einem Tempowechsel grosse Mühe bekunden.

Vom Auftritt her war das eine konzentrierte Darbietung der 18-jährigen Russin. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich auch vom Outfit her gezielt im "graue Maus"-Look zeigt, um sich wirklich auf ihr Spiel fokussiert zeigen zu können. Denn Maria Kirilenko hätte nun wirklich das Zeug zum (leider mittelmässigen) Glamour-Girl. Aber da hat sie sich glücklicherweise noch weit höhere sportliche Ziele gesetzt.

Und als Juniorinnen-US Open-Siegerin von 2002 als damals 15-jährige darf sie sich diese Ziele durchaus stecken. Auch wenn sie mit ihren 173cm nicht die allerbesten Voraussetzungen mitbringt. Ich rechne damit, dass die Top 25 für sie eine schwer zu überwindende Hürde sein werden.

 

Damen Einzel 2. Runde:   Maria Kirilenko - Venus Williams (10)   1:6 3:6
(Mehr Infos zu dieser Partie gibt es im Bericht zu Venus Williams.)

Was gegen eine Laura Pous Tio als spielerischer Vorteil genutzt werden kann, wird gegen die amtierende Wimbledon-Siegerin Venus Williams zum Bumerang.

Wie soll Maria Kirilenko Netzangriffe erfolgreich abschliessen können, wenn sie nicht über die Grundlinien- und Angriffsbälle verfügt, die ihr ein Aufrücken ans Netz ermöglichen? Zu oft sah sich die Russin wie auf Bild 2 weit hinter die Grundlinie zurückgedrängt.

Ausserdem machte ihr ihr Rückhand-Slice Probleme. Er darf auf keinen Fall zu kurz gespielt werden, da ihr Williams sonst die Bälle um die Ohren haut. Wie immer war es etwas windig im Arthur Ashe Stadium. Und deshalb segelten die langen Slicebälle oft weit über die Linie hinweg ins Aus.

Trotzdem zeigte sich Kirilenko mit 17 unerzwungenen Fehlern konstant gegenüber den 25 von Williams produzierten Fehlern. Im Gegensatz zu Kirilenko gelangen der US Open-Gewinnerin von 2000 und 2001 aber insgesamt 24 Winner. Die Moskowiterin kam lediglich auf deren 4.

 

Damen Einzel 2. Runde:   Gisela Dulko (27) - Yoon Jeong Cho   4:6 3:6

Maria Kirilenkos Doppelpartnerin an diesem Turnier will der richtige Durchbruch einfach nicht gelingen. Sie ist zwar erst 20-jährig und kann sich durchaus noch verbessern, aber irgendwie fehlt mir bei ihr der letzte Biss. Die Niederlage gegen die um 50 Weltranglistenplätze schlechter klassiertere Cho verlängert eine Negativbilanz von Dulko: In den letzten fünf Grand Slam-Turnieren ist sie jedesmal bereits in der zweiten Runde gescheitert!

Argentiniens Herrentennis floriert, bei den Damen sieht es weniger gut aus. Ich hätte Gisela Dulko noch vor einem Jahr als veritable Nachfolgerin von Gabriela Sabatini gesehen. Doch der 170cm grossen Argentinierin aus Buenos Aires fehlt (wie übrigens auch Kirilenko) immer noch ein Titelgewinn auf der WTA-Tour im Einzel. Ihr Spiel ist oft zu wenig zwingend, habe ich das Gefühl.

 

Damen Doppel 1. Runde:   Maria Kirilenko/Gisela Dulko (16) - Iveta Benesova/Yulia Beygelzimer   6:4 6:7 6:1

Warum schaut man sich ein Damen Doppel mit Maria und Gisela an? - Okay, ich geb's ja zu...

Aber immerhin sind die Russin und die Argentinierin an Position 16 gesetzt worden. Ich habe mir einige Ballwechsel gegen Ende des zweiten Satzes angesehen. Da war das Spiel sehr umkämpft. Eigentlich unnötigerweise mussten Kirilenko/Dulko in den dritten Satz, den sie dann aber klar gewinnen konnten.

 

Damen Doppel 2. Runde:   Maria Kirilenko/Gisela Dulko (16) - Denisa Chladkova/Virginie Razzano   6:2 3:6 6:4

Wie schon in der ersten Runde war es wieder eine sehr umkämpfte Partie. Es waren vor allem extrem lange und ausgeglichene Games, die ich zu sehen bekam, als ich im dritten Satz dazu gesellte.

Und wie bereits tags zuvor war es die zwei Jahre jüngere Maria Kirilenko, die im Doppel den Lead übernahm. Sie ist mit Position 30 in der Doppelweltrangliste auch einige Plätze besser klassiert als Gisela Dulko.

Die Russin wirkte taktisch versierter und deshalb kamen die nötigen Inputs bezüglich der Aufstellung wohl auch meistens von ihr. Und auch wenn es am Netz so richtig zur Sache ging, war es Kirilenko, welche die Bälle schön abvolliert hat. Der Volley der Argentinierin ist nicht so stark und sie punktete deshalb nicht so oft am Netz wie ihre Doppelpartnerin.

Was man dem Spiel von Kirilenko/Dulko zu Gut halten muss, ist die offensive Ausrichtung. Die beiden suchten den Weg ans Netz und das ist die Art, wie man Doppel spielen sollte.
Ich habe ja immer noch ein kleines Trauma vom "Standtennis", mit dem Myskina/Zvonareva an den Australian Open tatsächlich den Einzug in die Halbfinals geschafft hatten.

Gisela Dulko, Maria Kirilenko

 

Damen Doppel 3. Runde:   Maria Kirilenko/Gisela Dulko (16) - Virginia Ruano Pasqual/Conchita Martinez (3)   4:6 6:4 6:2

So mühevoll der Weg für Kirilenko/Dulko in den ersten beiden Runden war, die Dreisatzniederlage gegen die beiden Spanierinnen ist ein ordentliches Resultat. Virginia Ruano Pasqual, die Nummer 1 der Doppelweltrangliste, musste sich aufgrund der Verletzung ihrer Standardpartnerin Paola Suarez eine neue Doppelpartnerin suchen. Ihre Fed Cup-Teamkollegin Conchita Martinez ersetzte die Argentinierin. Schlecht für Kirilenko/Dulko wirkt lediglich, dass sie wiederum den ersten Satz gewinnen, dann den Sack im zweiten Durchgang aber einfach nicht zu machen konnten.

 

zurück zur Übersicht