Mercedes Cup 2009, Stuttgart

zurück zur Hauptseite         Last updated: 23.08.2017

Stuttgart 2009
18. Juni 2017

Stuttgart hat mit den Flaggschiffen der deutschen Industrie im Rücken und mit viel Geschäftssinn, Weitblick und Einsatz in den letzten Jahren gewinnbringende Veränderungen vollzogen. Die Damen und Porsche haben in der Halle seit 2009 von Hartplatz im Oktober auf Sand im April gewechselt. Die Herren und Mercedes haben unter freiem Himmel seit 2015 von Sand im Juli auf Rasen im Juni gewechselt. Man passt sich erfolgreich an in Stuttgart und sowohl bei den Damen als auch bei den Herren loben sämtliche Spieler die Organisation und das Turnier. Hier in Stuttgart nannte Lopez gar namentlich die Veranstalterfirma "Emotion". So etwas hört man an anderen Orten nicht. Dass der Rasen relativ gleichmässig abgenutzt ist zum Turnierende und nicht nur auf der Grundlinie ist ein Indiz dafür, dass vor allem die Rasenspezialisten diese kurze Saison voll ausnutzen wollen. In Wimbledon sind dann wieder alle Spieler mit dabei, auch die Grundlinienwusler, welche sich auf Rasen nicht wohl fühlen die Punkte nicht so kurz halten können. Neben den beiden Turnieren in Stuttgart gibt in Deutschland mit dem ATP-Turnier in München noch ein drittes Turnier, bei dem es ein Auto gewinnen gibt. In Bayern ist es ein BMW.

Die Spieler im Final banden dem Turnier ein Kränzchen, dass es vorher schon sehr gut gewesen sei aber dass es seit es auf Rasen stattfindet noch viel besser sei. Auch weil der Publikumszuspruch grösser sei als noch auf Sand. In dieser Turnierwoche hat man mit über 60'000 Zuschauern tatsächlich einen Turnierrekord aufgestellt. Das Spielerfeld ist natürlich viel besser besetzt in der Vorbereitung auf Wimbledon als früher quasi in der Sommerpause. Federer ist natürlich ein prachtvolles Zugpferd für die Veranstaltung und meiner Ecke und auch generell sassen viele Schweizer. Der Mercedes Cup machte auch im Schweizer Tennismagazin "Smash" Werbung für die Veranstaltung mit  Federer. Für mich als Zuschauer ist Herrentennis auf Rasen allerdings mitunter oft sehr monotones Eilzugstennis.


TC Weissenhof Stuttgart
Ich habe nicht durchgezählt und auch sonst keine genaue Information dazu gefunden, aber eine so hohe Anzahl an Rasenplätzen gegenüber den Sandplätzen ist schon ein grosser Einschnitt für den traditionsbehafteten TC Weissenhof, wenn man bedenkt dass sich der effektive Nutzen dieser Rasenplätze nur auf zehn Tage im Jahr reduziert und der Klubbetrieb in der restlichen Saison fast ausschliesslich auf den Sandplätzen stattfindet.

Lucas PouilleLucas PouilleLucas PouilleFeliciano LopezFeliciano LopezFeliciano LopezFeliciano LopezLucas PouilleLucas PouilleLucas PouilleFelix JähnFeliciano LopezFeliciano Lopez, Lucas PouilleLucas PouilleLucas PouilleFeliciano Lopez, Lucas PouilleFeliciano Lopez, Lucas Pouille
Lucas Pouille (ATP 16) - Feliciano Lopez (ATP 32)   4:6 7:6 6:4
Lopez ist der stärkere Rasenspieler, Pouille ist der stärkere Aufschläger. Das Spiel auf Rasen hat auch mit Erfahrung zu tun und über diese verfügt der Madrilene mit seinen 35 Jahren. Pouille hat mit seinen 23 Jahren nun aber auch schon einen Titel auf Rasen vorzuweisen. Es ist sein dritter ATP-Titel der Karriere. Die vorherigen Titel holte er sich innerhalb Jahresfrist in Metz in der Halle auf Hartplatz und in Budapest auf Sand. In Wimbledon im letzten Jahr schaffte er es auf Rasen gar in das Viertelfinal.
Im Final von Stuttgart servierte der Franzose 29 Asse. In der ersten Runde hätte er eigentlich ausscheiden "müssen". Sein Gegner Struff besass einen Matchball, welchen er hätte versenken müssen. Dieser Matchball wurde zu einem Flipperball am Netz und der Deutsche erzielte den Punkt und Matchgewinn tatsächlich nicht. So stand Pouille letztendlich als strahlender Turniersieger da mit einem grossen Scheck, einem brandneuen Mercedes - der erst in drei Monaten offiziell erhältlich ist - sowie 250 ATP-Punkten. Der Mercedes wurde übrigens von Markenbotschafter Felix Jaehn ins Stadion gefahren. Die Zeiten haben sich geändert bei Mercedes wenn heutzutage ein 22-jähriger DJ Markenbotschafter ist.
Lopez war 2001, 2003 (Halbfinal), 2004, 2007 (Halbfinal) und 2014 auf Sand in Stuttgart mit dabei und 2015, 2016 und 2017 (Final) auf Rasen. Trotz seiner grossen Erfahrung unterlief ihm ein Aussetzer im Spielverlauf, der ihn letztendlich den Sieg kostete. Lopez verhält sich auf dem Tennisplatz untypisch für einen Spanier immer sehr ruhig und fokussiert. Im dritten Satz verlor er allerdings einmal die Geduld. In der zweiten Reihe - gleich zwei Reihen vor mir - sass eine Frau, die Pouille während dem ganzen Match unterstützte. Lopez verlangte nach einem Aufschlag von Pouille das Hawk Eye. Der Ball von Pouille hatte die Linie gekratzt und die Dame jubelte lautstark. Lopez stand nur fünf Meter vor ihr, blickte nach rechts zu ihr und gab ein "schhhhhhhh" von sich. Das verfehlte seine Wirkung einerseits zwar nicht, denn in der Folge hielt sie sich zurück. Allerdings verlor Lopez ab diesem Zeitpunkt gleich einige Punkte in Folge. Pouille servierte von 30:30 mit vier gewonnen Punkten in Folge das Game nach Hause. Im folgenden Aufschlagspiel musste sich Lopez breaken lassen. Es war das einzige Break im dritten Satz und somit die Vorentscheidung!
Bei der Siegerehrung meinte Lopez, dass er miterlebt habe wie alle seine Freunde in der Vergangenheit das Turnier gewonnen hatten. In der Siegerliste finden sich denn auch die Namen der Spanier Nadal (3x), Ferrer, Montanes, Ferrero und Bautista Agut. Er attestierte dem Turnier auch, dass die Organisation immer noch besser werde. Auch von Seiten des Turniers fiel die Würdigung für Lopez sehr herzlich aus.
Eine ähnliche Geschichte hat der Spanier beim Rasenturnier im Londoner Queens Club geschrieben. Seit 2006 ist Lopez in jedem Jahr angetreten, stand 2010 im Halbfinal und 2014 im Final. In diesem Jahr holte er sich endlich den Titel bei diesem prestigeträchtigen Turnier und schlug dabei die Top 10-Spieler Cilic und Wawrinka sowie die Top 20-Spieler Dimitrov und Berdych. Und das gleich in der Woche nach der Finalniederlage von Stuttgart.

Jamie Murray, Bruno SoaresOliver Marach, Mate PavicMate PavicJamie Murray, Bruno SoaresJamie Murray, Bruno SoaresOliver Marach, Mate PavicJamie Murray, Bruno Soares, Oliver Marach, Mate PavicBruno SoaresOliver Marach, Mate PavicOliver Marach, Mate PavicBruno Soares, Jamie MurrayMate Pavic, Oliver Marach, Bruno Soares, Jamie MurrayJamie Murray, Bruno SoaresJamie Murray, Bruno Soares
Jamie Murray/Bruno Soares (ATP Doppel 6/7) - Mate Pavic/Oliver Marach (ATP Doppel 34/39)   6:7 7:5 10-5
Im ersten Satz kamen Murray/Soares beim Return zu drei Entscheidungspunkten, gleichbedeutend Breakbällen. Bei den ersten zwei Returns versuchte sich Murray, danach einmal Soares. Sie blieben ohne Erfolg. Im Tie-Break startete Murray schlecht indem er einen Aufschlag abgab. Das brachte die Favoriten aus dem Tritt und reichte für Pavic/Marach zum Satzgewinn.
Interessante Momente spielten sich im zweiten Satz ab. Marach beschimpfte einen Linienrichter. Dieser hatte beim ersten Aufschlag einen Fussfehler gegen den Österreicher gegeben. Den zweiten Aufschlag traf Marach daraufhin nicht und kassierte somit den Doppelfehler. "Du Sack" meinte er gleich danach zum Linienrichter. Doch weil der Linienrichter nicht beim Schiedsrichter petzte und es dieser nicht gehört hatte, blieb das Vergehen ungeahndet.
Bei 5:5 im zweiten Satz brach Marach ein. Der 36-jährige spielte ein grauenhaftes Aufschlagspiel und gab dieses zum 5:6 ab. Der zweite Satz war weg. Auch im Match-Tie-Break danach erholte er sich nicht mehr, obwohl er als einziger Spieler nach dem zweiten Satz vom Platz gegangen war und sich eine Pause gegönnt hatte. Trotz diesem Aussetzer des Grazers war es das bislang beste Resultat des Teams Pavic/Marach, das seit Miami diesen Jahres zusammen spielt. Das hob Marach an der Siegerehrung hervor.
Soares passte das Sofa beim Seitenwechsel nicht. Die Spieler sanken darauf ziemlich ein. Der Brasilianer behalf sich kurzum mit einem Gartenstuhl (Bild 16). Ich war etwas irritiert über so viel farbenfrohe Werbung bei einem Rasenturnier, weil die Werbung in England dezenter gehalten wird. In Wimbledon ist das klar, aber auch bei den weiteren Turnieren dort ist es nicht so ausgeprägt.

Nachtrag Juli 2017: Zum Höhepunkt der Rasensaison in Wimbledon vier Wochen nach Stuttgart können sich Pavic/Marach erneut als Finalisten feiern lassen.


Heimfahrt
Zu Hause ist es doch am Schönsten. :-) Bilder vom Seerhein und die Anfahrt auf Berg.

 

 Einzel
 1. Runde  2. Runde  Viertelfinale  Halbfinale  Finale
 Feliciano Lopez -
 Gilles Simon (7)
 6:3 6:3
 Feliciano Lopez -
 Jeremy Chardy
 6:3 3:6 6:2
 Feliciano Lopez -
 Tomas Berdych (3)
 6:7 6:3 6:4
 Feliciano Lopez -
 Mischa Zverev (6)
 6:7 7:6 7:5
 Lucas Pouille (4, W) -
 Feliciano Lopez
 4:6 7:6 6:4
 Lucas Pouille (4, W) -
 bye
 .
 Lucas Pouille (4, W) -
 Jan-Lennard Struff
 4:6 7:6 7:6
 Lucas Pouille (4, W) -
 Philipp Kohlschreiber
 6:4 2:6 6:3
 Lucas Pouille (4, W) -
 Benoit Paire
 6:1 7:6

 

 Doppel
 1. Runde  Viertelfinale  Halbfinale  Finale
 Pavic/Marach (4) -
 Begemann/Struff (W)
 7:6 6:7 10-6
 Pavic/Marach (4) -
 Monroe/Sitak
 6:4 7:6
 Pavic/Marach (4) -
 Bryan/Bryan (1)
 7:6 6:3
 J. Murray/Soares (2) -
 Pavic/Marach (4)
 6:7 7:5 10-5
 J. Murray/Soares (2) -
 Lindstedt/Huey
 w.o.
 J. Murray/Soares (2) -
 Baker/Mektic
 6:4 6:7 10-8
 J. Murray/Soares (2) -
 Matkowski/Mirnyi
 6:3 6:7 10-6

 

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