Miami 2013

zurück zur Übersicht         Last updated: 08.08.2017
Doppelerfolg - Raymond/Robson, Kops-Jones/Spears, Giorgi, Oprandi, Safarova

 

Aufsehen erregte Robson in Miami nicht in der Einzelkonkurrenz sondern mit ihrer Finalteilnahme im Doppel. Aufgrund der kurzfristigen verletzungsbedingten Absage von Stosur hatte sich die 39-jährige Raymond - ihres Zeichens 79-fache Turniersiegerin im Doppel - nach einer neuen Partnerin umsehen müssen und es mit der zwanzig Jahre jüngeren Robson versucht. Nach dem Turnier vereinbarten sie, dass sie die grossen Turniere von Madrid und Rom zusammen spielen werden und anscheinend haben sie sich auch schon für Wimbledon verabredet.
Wobei Raymond in dieser Kombination auf Dauer vielleicht etwas der Spass am Doppel abhanden kommt, da Robson nach ihrem Aufschlag nicht ans Netz vorrückt und Raymond so nicht ihr volles taktisches Repertoire ausschöpfen kann. Aber Erfolg macht immer Spass. Für Robson hat die Einzelkarriere Priorität, aber eine Gelegenheit wie diese darf sie sich auch nicht entgehen lassen.

Damen Doppel
 1. Runde  2. Runde  Viertelfinal  Halbfinal  Final
 Tanasugarn/Malek (A) -
 Rosolska/Begu
 7:5 7:6
 Raymond/Robson (W) -
 Tanasugarn/Malek (A)
 4:6 6:1 10-8
 Raymond/Robson (W) -
 Makarova/Vesnina (4)
 6:3 7:5
 Raymond/Robson (W) -
 Vinci/Errani (1)
 6:1 6:2
 Petrova/Srebotnik (3) -
 Raymond/Robson (W)
 6:1 7:6
 Raymond/Robson (W) -
 Kops-Jones/Spears (6)
 7:5 6:2

Lisa RaymondRaquel Kops-JonesAbigail SpearsLisa Raymond, Laura Robson
Lisa Raymond/Laura Robson (WTA Doppel 11/278) - Raquel Kops-Jones/Abigail Spears (WTA Doppel 14/15)
Während des Matches Robson-Giorgi plauderten Raymond und die britische Fed Cup-Chefin Judy Murray kurz miteinander. Beim ersten Doppelauftritt von Raymond/Robson sass ich auf Court 6 gleich vor Rennae Stubbs und Judy Murray. Stubbs erzählte, dass Lisa sie gefragt hätte, ob sie mit Laura spielen soll. Daraufhin habe sie ihr geantwortet, dass sie es einfach probieren soll. Die zurückgetretene 60-fache Turniersiegerin Stubbs (33 Titel davon mit Raymond) analysierte, dass Laura im Doppel noch viel lernen müsse und dass ihr das in ihrer Entwicklung helfen werde. Gleichzeitig hob sie die Eigenschaften einer Linkshänderin wie Robson hervor und dass dies im Doppel neue Möglichkeiten eröffne. Anscheinend fehlen Raymond und Stubbs (ausser denen mit ihrer australischen Landsfrau Dellacqua) die Erfahrungen, eine Linkshänderin als Doppelpartnerin zu haben.
Judy Murray hörte in diesem Gespräch mit Stubbs meist zu, was aber auch eine Qualität ist. Ich habe mir das aus dem Verfolgen dieses Gesprächs zum Vorbild genommen.

Laura RobsonLisa Raymond, Laura Robson
Lisa Raymond/Laura Robson (WTA Doppel 11/278) - Tamarine Tanasugarn/Tatjana Malek (WTA Doppel 73/78)
Der Start der Partie war etwas kritisch, da vom grossen Stadion her nach dem Djokovic Match der Lärm von den Durchsagen des Platzsprechers und von der Musik auf Court 2 hinüberschwappte. Das war die selbe Atmosphäre in der Robson am Freitagabend den dritten Satz ihrer Einzelpartie gegen Cornet klar verloren hatte. Insgesamt gab es fünf Entscheidungspunkte gegen Raymond/Robson. Die ersten drei verwertete Malek mit einem Vorhandreturn zu drei Breaks. Ich konnte es nicht fassen, dass Raymond/Robson immer auf ihre Vorhand aufschlugen. Auch beim vierten Entscheidungspunkt hatten sie es getan, aber dort traf Malek den Vorhandreturn nur am Rahmen und schlug ihn ins Aus. Den fünften Versuch unternahm dann Tanasugarn und scheiterte.
Raymond spielte einige unglaubliche Volleys. Da kommt man schnell zum Schluss, dass Raymond alle Volleys spielen sollte. Aber das hilft dem Team auch nicht weiter. Robson begann auch am Netz zu punkten, selbst wenn sie die Volleys nie so unwiderstehlich spielte wie ihre US-amerikanische Doppelpartnerin.

 

Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde
 Lucie Safarova (17) -
 bye
 .
 Romina Oprandi -
 Lucie Safarova (17)
 7:6 4:6 7:6
 Dominika Cibulkova (13) -
 Romina Oprandi
 6:4 6:3
 
 Romina Oprandi -
 Arantxa Rus
 6:4 3:6 6:3
 Alize Cornet (32) -
 bye
 .
 Alize Cornet (32) -
 Laura Robson
 5:7 7:5 6:1
 Alize Cornet (32) -
 Lauren Davis (L)
 2:6 6:3 6:2
 Roberta Vinci (15) -
 Alize Cornet (32)
 2:6 6:4 6:4
 Laura Robson -
 Camila Giorgi
 6:2 4:6 6:3

Camila GiorgiCamila GiorgiCamila Giorgi
Laura Robson (WTA 43) - Camila Giorgi (WTA 85)
Das hatte ich so auch noch nie erlebt: Während des Aufwärmens schlug Giorgi so hart auf den Ball und verschlug jeden zweiten Ball, dass ein Einspielen gar nicht richtig möglich war. Robson liess sich davon aber nicht allzu sehr beeindrucken und hatte die Partie im Griff. Wobei sie ihren eigenen Aufschlag bereits dreimal abgegeben hatte, ehe Giorgi erstmals ihr Aufschlagspiel zum 6:2 2:2 aus Sicht der Britin halten konnte. Das Spielgeschehen wendete sich und Giorgi gewann den zweiten Satz. Die 21-jährige Italienerin schlug nun Gewinnschläge aus allen Lagen. Die gut erzogene Laura war unzufrieden und sagte tatsächlich "sake fucking shit".
Keiner der Linienrichter bemerkte die andauernden Fussfehler von Giorgi bei ihrem Aufschlag von der Vorteilseite. Was Schiedsrichterin Kerrylin Cramer dann aber bemerkte, war ein knapper Ball an der Grundlinie nach Robsons Return bei Breakball und 2:1 im dritten Satz. Der Linienrichter gab ihn aus, aber Cramer überstimmte ihn und liess den Punkt zu ungunsten Giorgis wiederholen. Robson gewann den Wiederholungspunkt und damit das Break. Für Giorgis Fans und vor allem für ihren Vater und Trainer Sergio gab es kein Halten mehr. Es herrschte nun Länderkampfstimmung. Robsons Doppelfehler wurde beklatscht und kurz darauf war das Rebreak zum 3:2 perfekt.
Bei 5:3 konnte Laura zum Match servieren, aber es ging unzählige Male über Einstand. Ich konnte mich in der ersten Reihe sitzend nicht mehr zurückhalten und gab Ratschläge von "move your feet" weil sie es vergessen hatte bis zu "like practice, just serve" nach zwei Doppelfehlern innert drei Aufschlägen. Das war vielleicht etwas unverschämt gewesen, aber immerhin traf sie die letzten vier ersten Aufschläge bis zum Matchende. Bereits während den letzten Punkten fielen Regentropfen und es war Donner zu hören. Zwei Minuten nach Robsons Sieg leerte es eine halbe Stunde lang wie aus Kübeln herunter inklusive Hagel. Das war also ein ziemliches Drama gewesen auf Court 2.


Alize Cornet (WTA 36) - Laura Robson (WTA 43)
Nach den Regenunterbrechungen sassen die Spielerinnen auf Court 2 sogar im Dunkeln als ich bei 7:5 4:3 für Robson zu dieser Partie stiess. Nach dem Ende des zweiten Satzes fiel die Flutlichtanlage gleich nochmals aus. Der Matchverlauf hatte sich im dritten Satz deutlich zu Gunsten Cornets gedreht und Robsons Fehlerquote hatte sich stark erhöht. Vom Stadion her waren Interviews, Durchsagen und laute Musik zu hören. Lauras beste Freundin Genie Bouchard hatte dort gerade chancenlos gegen Maria Sharapova verloren. Beim Einspieler des aktuellen Hits der Swedish House Mafia versuchte ich es in der ausweglosen Situation mit einem "Don't you worry, don't you worry, Laura". Denn Laura war ja auch am SHM-Konzert am Ultra Music Festival gewesen. Auch die in Florida lebende britische Zuschauerin neben mir sang die Zeilen nach dem darauffolgenden Ballwechsel. Aber jegliche Fanversuche halfen nicht mehr zum Sieg.

Arantxa RusRomina OprandiRomina OprandiRomina Oprandi
Romina Oprandi (WTA 59) - Arantxa Rus (WTA 75)
Bei beiden Matches von Oprandi sah ich jeweils nur die letzten Games. Das Unterhaltsame an ihr ist, dass sie immer so schön auf Schweizerdeutsch flucht. Da kann man dann auch mal eine Anfeuerung auf den Platz rufen um sie in ihrem Kampf zwischen dem Engelchen auf der einen Schulter und dem Teufelchen auf der anderen zu unterstützen.
Rus sass tags darauf bei der Niederlage ihrer Landsfrau Bertens gegen Li im Publikum (Bild 8).

Lucie Safarova
Romina Oprandi (WTA 59) - Lucie Safarova (WTA 19)
Nach dem Doppel von Raymond/Robson meinte Judy Murray zu Rennae Stubbs, dass sie noch schauen werde ob das Safarova-Match bereits beendet sei und machte sich auf den Weg zu Court 2. Murray sagte zwar Safarova-Match, meinte aber eigentlich Oprandi-Match. Denn die Schottin ist sporadisch auch in beratender Funktion für die Schweizerin tätig. Und schon ging es auf dem Platz wieder los: "Oh helfed mer doch äs bitz" meinte Romina. Sie hatte das eigentlich zu einem Linienrichter gesagt. Da dieser ihr aber nicht half, sprang ich etwas ein.

 

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