Wimbledon 2012, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 21.10.2012

Wie füreinander geschaffen - Paszek & Wimbledon, (Wozniacki)

 

Wimbledon und Tamira ist bereits seit ihrem Finaleinzug bei den Juniorinnen 2005 mit 14,5 Jahren eine Liebesgeschichte. Zum zweiten Mal erreichte sie dieses Jahr die Viertelfinals im All England Lawn Tennis Club. 2007 war sie bei ihrem ersten Antreten bei den Damen gleich in die vierte Runde vorgestossen. Mein erstes Match, das ich je in Wimbledon gesehen habe, war Paszek-Dementieva. Deshalb ist Tamira in Wimbledon auch für mich immer etwas ganz Spezielles. Neben den beiden Viertelfinals in Wimbledon 2012 und 2011 erreichte die 21-jährige an Grand Slam-Turnieren zweimal die 4. Runde. Einmal in Wimbledon und einmal an den US Open jeweils im Jahr 2007. Bei ihren weiteren sechzehn Grand Slam-Auftritten scheiterte sie viermal in der zweiten Runde und zwölf Mal in der ersten Runde.

Mit nur zwei Siegen und dreizehn Niederlagen in der laufenden Saison und ihrem neuen Trainer Andrei Pavel kam Tamira in der Woche vor Wimbledon nach Eastbourne. Dort schaltete sie im Halbfinale nach verlorenem ersten Satz und 0:4-Rückstand im Zweiten die Titelverteidigerin Bartoli aus. Im Finale schlug sie mit Kerber gleich die nächste Top 10-Spielerin. Dies nach 3:5-Rückstand im dritten Satz und Abwehr von fünf Matchbällen. Ihr dritter Titelgewinn auf der WTA-Tour nach Portoroz 2006 und Quebec City 2010 ist der mit Abstand Prestigeträchtigste. In Wimbledon ging es in der ersten Runde mit der nächsten Top 10-Spielerin Wozniacki gleich in selber Manier weiter, wie unten zu lesen ist. Endstation im Viertelfinale war wie im letzten Jahr Azarenka, wobei Paszek nach dem 3:6 1:6 im Vorjahr heuer mit 3:6 6:7 weit stärker dagegenhalten konnte.
Ich weiss nicht, wie weit es für die talentierte Österreicherin in ihrer Karriere wirklich gehen kann. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die erst 21-jährige irgendwann zurück auf Eastbourne und Wimbledon im Sommer 2012 blicken wird und diese als die schönsten drei Wochen ihrer Karriere bezeichnet. Und falls es noch besser werden sollte, dann lasse ich mich noch so gerne positiv überraschen.

Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde  Viertelfinal
 Christina McHale (28) -
 Johanna Konta (W)
 6:7 6:2 10:8
 Christina McHale (28) -
 Mathilde Johansson
 7:5 7:5
 Angelique Kerber (8) -
 Christina McHale (28)
 6:2 6:3
 
 Tamira Paszek -
 Caroline Wozniacki (7)
 5:7 7:6 6:4
 Tamira Paszek -
 Alize Cornet
 6:2 6:1
 Tamira Paszek -
 Yanina Wickmayer
 2:6 7:6 7:5
 Tamira Paszek -
 Roberta Vinci (21)
 6:2 6:2
 Victoria Azarenka (2) -
 Tamira Paszek
 6:3 7:6
 Alize Cornet -
 Nina Bratchikova
 6:0 7:6
 Yanina Wickmayer -
 Svetlana Kuznetsova (32)
 6:2 6:3
 Yanina Wickmayer -
 Galina Voskoboeva
 4:6 6:3 8:6


Tamira Paszek (WTA 37) - Caroline Wozniacki (WTA 7)
In diesem Jahr wurde das Dach auf dem Centre Court ausgiebig genutzt. Einerseits wegen dem Regen, andererseits aber auch aufgrund von Dunkelheit. Um 23 Uhr Ortszeit war jeweils definitiv Schluss. Das Match von Wozniacki und Paszek wurde zusätzlich zum normalen Tagesprogramm auf dem Centre Court angehängt und deshalb entschied der Veranstalter, hier das Dach nicht einzusetzen. Es konnte bis zum 2:2 gespielt werden und dann kam bereits der Regen und später die Dunkelheit. Am nächsten Tag wurde auf dem Centre Court weitergespielt, aber ich hatte kein Ticket mehr für selbigen. Da es draussen regnete und nun auf dem Centre Court das Dach zum Einsatz kam, verfolgte ich die Partie auf der Grossleinwand und später auf einem kleineren Bildschirm unter Dach.
4:5 und 15:40 lag Paszek im zweiten Satz zurück und wehrte zwei Matchbälle ab. Sehr präzis und vielleicht mit etwas Glück, aber sie wehrte sie ab. Sie fällt bei Matchball gegen sich nicht in eine abwartende Haltung zurück sondern nimmt ihr Schicksal in die eigenen Hände. Ansonsten wäre sie nicht in der Lage gewesen, innerhalb von wenigen Tagen mit dem Rücken zur Wand jeweils alles zu drehen und drei Top 10-Spielerinnen zu besiegen.

Tamira PaszekTamira PaszekAlize CornetAlize CornetAlize CornetAlize CornetTamira Paszek
Tamira Paszek (WTA 37) - Alize Cornet (WTA 60)
Gegen Cornet traf Paszek die Bälle unglaublich gut und war natürlich mit dem nötigen Selbstvertrauen ausgestattet. Aber mental und körperlich fürchtete ich doch eine aufkommende Müdigkeit für die unmittelbar anstehenden Spiele. Man sah ihr an, dass es da und dort zwickte. Etwas im Rücken und etwas in der linken Schulter. Das zusätzliche Antreten im Damen Doppel und im gemischten Doppel schaffte dem sicherlich keine Abhilfe. Um das Feuer weiter brennen zu lassen redete Pavel draussen unentwegt hinein und erinnerte Tamira vor allem immerzu an die Beinarbeit. Interessant fand ich auch den Ausspruch "Du wirst die 1", der hier einmal auf den Platz flog.
Cornet war schon etwas verzweifelt, dass sie so auf verlorenem Posten stand. Aber sie anerkannte den Lauf der Vorarlbergerin und sie gaben sich einen netten Handshake zum Abschluss der Partie.
Kurz nach Wimbledon wurde bekannt, dass
Amelie Mauresmo (Bild 8) das Amt des Captains des französischen Fed Cup-Teams von Nicolas Escude übernimmt.

Yanina WickmayerTamira PaszekTamira Paszek
Tamira Paszek (WTA 37) - Yanina Wickmayer (WTA 36)
Ich weiss zwar nicht, wie man mit solchen Ohrringen (Bild 2) Tennis spielen kann, aber die Belgierin scheint es nicht zu stören. Sie spielte von Beginn weg auf ihrem Level und konnte genügend Druck machen, um gegen Paszek zu punkten. Von der von mir befürchteten Müdigkeit bei Paszek war nichts zu sehen, doch sie hatte keinen guten Start ins Match. Aber sie hat in ihren letzten Partien so oft nach einem Satzverlust zurückgeschlagen, dass das schon fast als ganz normale Ausgangslage erschien. Es wurde jedoch sehr knapp. Den zweiten Satz gewann Paszek erst im Tie-Break. Im dritten Satz schlug Wickmayer bei 5:4 zum Satzgewinn auf. Wobei ich dort nicht sonderlich beunruhigt war, da in dieser Begegnung mehr gebreakt wurde, als dass der Aufschlag gehalten werden konnte. Bei 5:5 brachte Tamira dann ihren eigenen Aufschlag durch und holte somit den entscheidenden "Break of Return" gegen Wickmayer, um dies mal so auszudrücken. Aufschlagsverluste gab es vier im ersten Satz, sechs im zweiten Satz und sieben im dritten Satz. Also 17 bei insgesamt 32 Aufschlagspielen. Mit den starken Grundschlägen und Returnqualitäten der Spielerinnen ist dies aber durchaus erklärbar.

Christina McHale
Christina McHale (WTA 32) - Johanna Konta (WTA 212)
Wenn ein Spiel mit 10:8 im dritten Satz endet, dann kann man sich die letzten Games schon mal anschauen gehen. Von Konta hatte ich zuvor noch nie gehört. Die 21-jährige Britin mit einer Wild Card schlug sich sehr gut. Doch zum Schluss gab es bei ihr doch Tränen der Enttäuschung.

Damen Doppel
 1. Runde  2. Runde
 McHale/Paszek -
 Cornet/Parmentier
 6:4 6:3
 Errani/Vinci (2) -
 McHale/Paszek
 6:1 6:3


Christina McHale/Tamira Paszek (WTA 113/278) - Alize Cornet/Pauline Parmentier (WTA 84/121)
Lediglich ein Herrenmatch an Pause lag zwischen dem Einzelsieg von Paszek gegen Cornet auf Court 14 und dem Doppelsieg von Paszek gegen Cornet auf Court 14. Zweimal am selben Tag gegen die gleiche Gegnerin verlieren muss nun auch nicht unbedingt sein. Deshalb hatten die beiden wohl schon nach dem Einzel beim Handshake miteinander gewitzelt.
Im letzten Jahr hatten Paszek und McHale in Wimbledon gegeneinander gespielt und dabei wohl gegenseitig festgestellt, dass sie auf Rasen Stärken haben. In diesem Jahr traten sie gleich zusammen im Doppel an. Wobei Paszek im Damen Doppel noch nie Stricke zerrissen hat.

Mixed Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde
 Paszek/Knowle -
 Husarova/M. Lopez
 6:1 6:2
 Paszek/Knowle -
 Martic/Cerretani
 w.o.
 Görges/Nestor -
 Paszek/Knowle
 7:5 4:6 6:2

Tamira Paszek, Julian Knowle
Tamira Paszek/Julian Knowle (WTA/ATP 278/50) - Janette Husarova/Marc Lopez (WTA/ATP 62/16)
Für das Mixed Doppel
bei den Olympischen Spielen an gleicher Austragungsstätte wird Knowle nicht als Partner zur Verfügung stehen. Neben Paszek sind nur Melzer (Einzel und Doppel) und Peya (Doppel) nominiert. Ob Melzer mit dem gemischten Doppel gleich drei Konkurrenzen spielen wird oder das gemischte Doppel Peya überlässt, kann ich nicht beurteilen. Vermutlich spielt Melzer alles, da er auch bei Grand Slam-Turnieren oft alle drei Konkurrenzen spielt. Hier in Wimbledon trat er im Herren Doppel mit dem Deutschten Petzschner und im Mixed Doppel mit seiner tschechischen Freundin Benesova an.
Paszek musste um ihre Zulassung für London 2012 zittern, da sie zu wenige Fed Cup-Teilnahmen vorweisen konnte. Die International Tennis Federation berücksichtigte sie daher nicht. Sie und der österreichische Tennisverband konnten aber glaubhaft belegen, dass sie sich für den Teamwettbewerb zur Verfügung gestellt hatte, vom Verband aber nicht selektiert wurde. Im Ranking war sie bis vor zwei Jahren aufgrund von Rückenproblemen so tief gefallen, dass sie nicht mehr zu den besten vier Österreicherinnen gehörte, die für den Fed Cup aufgeboten wurden. Aufgrund dieser Information ergänzte die ITF Paszek auf der Liste der Olympioniken.
Wie so oft im Mixed Doppel werden im Anschluss die Handtücher als Souvenirs getauscht und mitgenommen. Die Männer packen die pinken Damenversionen ein, die Damen die violetten Handtücher der Herren. Von den anderen haben beide ja schon genügend.

Herren Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  Viertelfinal
 Mirnyi/Nestor (1) -
 Russell/Young
 4:6 6:0 6:2 6:1
 Bracciali/Knowle -
 Mirnyi/Nestor (1)
 
6:4 6:4 6:4
 Bracciali/Knowle -
 Schwank/Chela
 
7:5 7:5 6:1
 Lindstedt/Tecau (5) -
 Bracciali/Knowle
 
6:4 6:2 6:4
 Bracciali/Knowle -
 Ball/Bellucci
 7:5 7:6 6:3

Daniele Bracciali, Julian KnowleDaniele Bracciali, Julian KnowleMax Mirnyi, Daniel Nestor
Daniele Bracciali/Julian Knowle (ATP 24/50) - Max Mirnyi/Daniel Nestor (ATP 1/1)
Nach den Titelgewinnen 2008 und 2009 waren die letzten drei Jahre für Nestor in Wimbledon sehr enttäuschend. Zum dritten Mal in Folge konnte er nach der zweiten Runde nur noch das Handtuch zusammenfalten, in seiner Tennistasche verstauen und sich von allen Titelambitionen verabschieden. Bei der Niederlage, die ich nur in den letzten Zügen mitverfolgte, beging der Kanadier teilweise ungewohnt leichte Fehler. Bracciali konzentrierte sich vor dem letzten Game der Partie, in dem er während dem Seitenwechsel sein Griffband wechselte (Bild 2). Es geht doch nichts über Routinen, die ein Nervöswerden verhindern.

 

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