Suisse Open Gstaad 2007

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11. Juli 2007

Seit diesem Jahr bin ich ja Partizipant in Gstaad. Das heisst ich kriege in jedem Jahr vier Tickets zur Verfügung innerhalb der ersten Turniertage. Deshalb reiste ich also erstmals ins Berner Oberland, um mir "mein" Turnier anzusehen. "Dank" dem Regen am Vortag waren am Mittwoch alle vier topgesetzten Spieler im Einsatz.

 

1. Runde:   Stefan Koubek - Mikhail Youzhny (2)   6:4 6:3

Die Partien starten aufgrund erneuten Regens mit Verzögerungen. Gstaad ist trotz seines Termins im Juli bekannt für schlechtes Wetter. Das "Wimbledon der Alpen".

Bezüglich Organisation sah das auf dem Aussenplatz zu Beginn alles andere als professionell aus. Die beiden Spieler standen vor den Linienrichtern und Ballkindern auf dem Platz diskutieren, ob der Platz spielbar ist. Danach wurde der Platz sogar noch während dem Einspielen ausgebessert. Und als Platzwarte waren Jungs unterwegs anstelle von erfahrenen Helfern, wie das sonst üblich ist.
Auch bei den Linienrichtern wurde gespart. Die Linien links und rechts wurden nur von je einer Person überwacht, welche die Entscheidungen für beide Platzhälften zusammen fällte.

Stefan Koubek zeigte eine beherzte Leistung. Der 30-jährige Linkshänder nutzte die Gunst der Stunde. Er war motivierter, in der Gstaad-Woche ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Mikhail Youzhny fehlte es sicherlich nicht an der grundsätzlichen Einstellung, in Gstaad gutes Tennis spielen zu wollen. Aber das nasskalte Wetter liess ihn nicht auf Touren kommen. Da führt man in der Vorwoche in der 4. Runde von Wimbledon mit 2:0-Sätzen gegen Rafael Nadal und unterliegt letztendlich handicapiert durch Rückenschmerzen in fünf Sätzen. Und schwups steht man bereits auf einem Aussenplatz in Gstaad auf Sand gegen die Nummer 65 der Weltrangliste. Und das bei verletzungsförderndem Wetter. Keine einfach Angelegenheit.

 

2. Runde:   Stefan Koubek - Andreas Seppi   6:1 6:7 6:7

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1. Runde:   Richard Gasquet (3) - Ruben Ramirez Hidalgo   6:3 6:4

Der Hauptplatz ist sehr schön gelegen. Als Event haben die Organisatoren ihr Turnier gut positioniert. Im Gegensatz zu den Swiss Indoors in Basel und den Zurich Open ist das Spielerfeld zwar nicht exzellent besetzt. In Sachen Catering, VIP-Logen und mit seiner Position in Mitten des Ferienortes Gstaad zeigt das Turnier bezüglich dem "Drum herum" aber ein sehr ansprechendes Angebot. Diesbezüglich liegt es klar vor dem knapp dreimal höher dotierten Damenturnier in Zürich. Das Turnier in Basel kann ich zu wenig beurteilen.

Richard Gasquet kam als Titelverteidiger nach Gstaad. Nach seinem Halbfinale in der Vorwoche in Wimbledon fand er sich erstmals in den besten 10 der Weltrangliste wieder. Der 21-jährige bekundete keine Mühe gegen den Spanier Ruben Ramirez Hidalgo.

 

2. Runde:   Richard Gasquet (3) - Kristof Vliegen   6:3 6:4
Viertelfinale:   Richard Gasquet (3) - Igor Andreev   5:7 2:6

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Ruben Ramirez Hidalgo, Richard Gasquet

 

1. Runde:   Gael Monfils - Nikolay Davydenko (1)   3:6 6:4 7:5

Das am Vortag wegen Dunkelheit und Kälte abgebrochene Match wurde beim Stand von 5:5 im dritten Satz weitergeführt. Gael Monfils hatte am Dienstag bereits bei 5:4 zum Matchgewinn serviert. Damals versagten ihm aber die Nerven.

Nun setzte sich der 57. der Weltrangliste (mit aufsteigender Tendenz) aber durch. Der 20-jährige Franzose nahm dem topgesetzten Russen erneut den Aufschlag ab und servierte die Partie aus.

Beim Aufschlag "ruiniert" Monfils übrigens immer den Platz. Nach der Aufschlagbewegung landet er auf dem linken Fuss und schlägt dann mit dem nachgezogenen rechten Bein hart auf den Boden auf, um seinen Körper abzustoppen. Nach nur wenigen Aufschlägen waren bereits die Striche auf dem Boden zu sehen (Bild 3).

Die Franzosen waren mit vier Spielern im Viertelfinale die erfolgreichste Nation. Das an der Sprachgrenze liegende Gstaad ist für sie schon fast ein Heimspiel. Immerhin haben drei der vier Franzosen im Viertelfinale ihren (steuerlichen) Wohnsitz in der Schweiz. Monfils in Nyon, Gasquet in Neuenburg und Mathieu in Genf. Nur Gicquel lebt in Boulogne-Billancourt, also praktisch in Roland Garros.

Für die Russen holte Igor Andreev mit dem Halbfinale die Kohlen aus dem Feuer, nachdem mit Davydenko und Youzhny die beiden Ersten der Gesetztenliste bereits in der ersten Runde gescheitert waren.

Im Final siegte übrigens ebenfalls ein Franzose. Paul-Henri Mathieu bezwang den überraschenden Italiener Andreas Seppi in drei Sätzen.

 

2. Runde:   Gael Monfils - Jiri Vanek (Q)   6:1 6:4
Viertelfinale:   Gael Monfils - Paul-Henri Mathieu (5)   1:6 6:4 3:6

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1. Runde:   Martin Vassallo Arguello - Stanislas Wawrinka (7)   7:5 1:6 6:4

Ich habe schon viele Matches gesehen, aber das war nun wirklich alles andere als hochklassig. Und ausgerechnet diese Partie dauerte über lange drei Sätze...

Am Aufregendsten war die Position, die Vassallo Arguello auf (bzw. neben) dem Spielfeld einnahm. Er stand beim Return und während den Ballwechseln so weit hinter der Grundlinie, dass sich sogar die Linienrichter in Sicherheit bringen mussten (Bilder 1 und 2)! Es liegt aber auf der Hand, dass der 27-jährige Argentinier aus dieser Position keine Gewinnschläge anbringen kann. Das Spiel des Sandplatzspezialisten basiert darauf, die Bälle mit viel Spin zu spielen und lange Ballwechsel einzugehen.

Nach seiner Knieverletzung im Februar 2007 kehrte Stanislas Wawrinka anfangs Mai auf die ATP-Tour zurück. Seither hatte er acht von neun Partien verloren. Das fehlende Selbstvertrauen war dem 22-jährigen Romand klar anzusehen.

Vassallo Arguello machte das einzig Richtige und setzte Wawrinka zu Beginn mit einigen unverfrorenen Winnern unter Druck. Schon begann der Schweizer unter dem Druck zu wackeln und lag schnell mit 0:4 hinten. Dass aber auch der Argentinier nicht viel mehr als Top 100-Niveau aufweist, zeigte die Aufholjagd von Wawrinka. Nach fünf Games in Folge kam er zu zwei Satzbällen. Die Misere ging allerdings weiter. Wawrinka konnte diese nicht nutzen und verlor sogar den ersten Satz.

Im zweiten Satz zeigte Stanislas Wawrinka, dass er eigentlich der bessere der beiden Spieler ist. Im dritten Satz war die Partie erstmals ausgeglichen. Dem Schweizer unterliefen in der Endphase erneut zu viele Fehler. Vassallo Arguello zeigte für seine Möglichkeiten eine gute Partie und gewann deshalb verdient.

Aus meiner Sicht völlig überraschend qualifizierte sich Stanislas Wawrinka in der Woche nach Gstaad für das Finale in Stuttgart und scheiterte dort erst in zwei knappen Sätzen an Sandplatzkönig Rafael Nadal. Da hatte es wohl Klick gemacht im Kopf des Schweizers. Die erste Runde hatte er dank der Aufgabe von Canas sehr glücklich gewonnen. Die nächsten Runden gegen Cilic und Vanek waren Pflichtsiege. Die starken Leistungen gegen Chela im Halbfinale und Nadal im Finale waren dann aber doch sehr überraschend.

 

2. Runde:   Martin Vassallo Arguello - Nicolas Lapentti   6:4 3:6 6:4
Viertelfinale
:   Martin Vassallo Arguello - Andreas Seppi   4:6 0:6

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Martin Vassallo Arguello

 

2. Runde:   Radek Stepanek (Q) - Philipp Kohlschreiber (4)   7:5 6:3

Die letzte Partie war eine sehr attraktive. Vor allem Radek Stepanek hat ein sehr unterhaltsames Tennis. Der 28-jährige Tscheche ist zwar irgendwie ein schräger Typ, aber seine Spielweise ist sehr ansehnlich. Mich fasziniert jeweils immer, wenn ein Spieler die Returns sehr früh nimmt. So auch Radek Stepanek (Bild 4). Er suchte den Weg ans Netz und spielte dort einige gefühlvolle Volleys.

Die Partie war geprägt von den starken Aufschlägen der Kontrahenten. Folgerichtig steuerten die Beiden in Richtung eines Tie-Breaks. Kurz bevor dieser eintrat, gelang dem Verlobten von Martina Hingis aber ein Break, das den ersten Satz entschied.

Es zogen erneut Wolken am Himmel über Gstaad auf. Kurz nach Beginn des ersten Satzes musste die Partie unterbrochen werden. Wir nutzten die Gelegenheit, um uns auf den über dreistündigen Heimweg zu machen. Das hatten am Ende des ersten Satzes bereits viele andere Zuschauer getan. Deshalb sieht das Stadion auf Bild 7 ziemlich leer aus.

Auf dem Heimweg folgte dann wie bereits in der Vorwoche in Wimbledon der obligatorische Regenbogen (Bild 8). Auf diesem Bild ist auf der linken Seite unter dem Schloss übrigens auch die weisse Zeltstadt zu sehen, wo die Suisse Open Gstaad ausgetragen wurden.

Die Partie konnte nach dem Regen wieder aufgenommen werden und der Qualifikant Stepanek, der nach Verletzungen bis auf Rang 127 der Weltrangliste abgestürzt ist, holte sich auch den zweiten Satz.
Das Halbfinale in Gstaad hob den Tschechen bereits auf Weltranglistenposition 101. Und dank dem Turniersieg in der folgenden Woche auf Hartplatz in Los Angeles findet sich Stepanek bereits auf Rang 64 wieder.

 

1. Runde:   Philipp Kohlschreiber (4) - Jan Hernych   7:6 7:6
1. Rund
e:   Radek Stepanek (Q) - Marin Cilic (Q)   7:5 6:3
Viertelfinale
:   Radek Stepanek (Q) - Marc Gicquel (6)   6:3 6:3
Halbfinale:  
Radek Stepanek (Q) - Paul-Henri Mathieu (5)   3:6 4:6

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Radek Stepanek

 

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