Rabble-GrandSlam-Reise nach New York 2005

zurück zur Übersicht         Last updated: 29.04.2008

Nicole Vaidisova - alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank
Nadia Petrova - alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank
Nicole Vaidisova - Australian Open 2005
Nadia Petrova - Australian Open 2005
Nicole Vaidisova - Enormes Potential, ehrgeizig, aber stay cool!

 

Die 16-jährige Nicole Vaidisova hat die Voraussetzungen zur Nummer 1 der Welt. Ihr Spiel erinnert mich an das von Venus Williams kombiniert mit etwas Lindsay Davenport. Dazu sie ist extrem ehrgeizig.
Mit 14 Jahren hat sie die Orange Bowl (inoffizielle U18-WM) gewonnen und im letzten Jahr in ihrem erst dritten WTA-Turnier bereits den ersten Turniersieg errungen. Ihr Paradeschlag ist der Service, der ihr viele leichte Punkte ermöglicht. Ich habe mir jedes ihrer Einzel angesehen, um herauszufinden, wie stark sie wirklich ist.
Wirkte sie in Australien von etwas ungelenk, so hat sie dies im letzten halben Jahr verbessert. Das gibt ihr zusätzliche Power in ihren Schlägen.

 

1. Runde:   Nicole Vaidisova (26) - Kveta Peschke   6:3 6:1

Gegen eine Landsfrau antreten zu müssen, ist oft nicht so einfach. Und mit der um 14 Jahre erfahreneren Kveta Peschke stand Nicole Vaidisova eine nicht zu unterschätzende Gegnerin gegenüber. Peschke ist die Nummer 41 der Weltrangliste. Ihr gelang anfangs August als Teamleaderin von Ried Wollerau die erfolgreiche Verteidigung des Meistertitels im Schweizer Interclub. Für diesen Erfolg (und wohl auch für die Antrittsgage) hatte die 30-jährige Pragerin ihre Hartplatzvorbereitung in Übersee unterbrochen und spielte auf den Sandplätzen des LTC Winterthur.

Nach einer kurzen Angewöhnungsphase übernahm die gesetzte Vaidisova das Spieldiktat und setzte sich ab.

Im zweiten Satz zeigte Peschke, wie man gegen die mit 16 Jahren noch realtiv unerfahrene Newcomerin erfolgreich sein könnte. Dank den guten Netzangriffen sowie einigen eingestreuten Stoppbällen brachte sie Vaidisova etwas aus dem Konzept. Aber wirklich nur "etwas". Denn Vaidisova gewann auch den zweiten Satz klar.

Allerdings beginnt die 181cm grosse Vaidisova bedingt durch ihren ausgeprägten Ehrgeiz schnell zu hadern, wenn es nicht optimal läuft. So war es zu Beginn des Matches und dann auch Mitte des zweiten Satzes wie auf Bild 8 ersichtlich ist. Allgemein sucht sie sehr stark den Blickkontakt zu ihrem Betreuerstab wie auch nach dem verwandelten Matchball auf Bild 9. Ich sass genau einen Platz über ihrem Stiefvater und ihrem Trainer, deshalb fiel mir das mit dem Blickkontakt so extrem auf.

Vaidisovas beste Waffe ist ihr Aufschlag, der auf den Bildern 4-6 schön zu sehen ist. Die Tschechin ist ein Schützling von Nick Bolletieri, den man auf den Bildern 5 und 6 im Hintergrund im roten Shirt erkennen kann.

Nicole Vaidisova

 

2. Runde:   Nicole Vaidisova (26) - Jie Zheng   6:3 6:0

Im Spiel gegen die an Position 64 klassierte Chinesin zeigten sich parallelen zur Erstrundenpartie. Wieder brauchte Vaidisova einige Games, um ins Match zu finden. Danach lief alles problemlos.

Das Spiel von Zheng kam der Tschechin sicherlich entgegen, da die 26-jährige aus Cheng Du in der Provinz Si Chuan vor allem mit harten Grundlinienschlägen agieren wollte. Und bei diesem Spielstil kann Vaidisova ihren Druck natürlich voll ausspielen.

Den macht sie vor allem mit ihrer Vorhand. Zwar kann sie auch mit der Rückhand Gewinnschläge erzielen, doch spielt sie diese technisch etwas unsauber. Der Treffpunkt auf dem zweiten Bild passt zwar gerade noch so. Auf den Bildern der nächsten Runde sieht man das Defizit bei der Rückhand dann besser.

Die Pragerin wirkte von Beginn weg zufriedener und etwas weniger angespannt als noch vor zwei Tagen.

 

3. Runde:   Nicole Vaidisova (26) - Ivana Lisjak (Q)   6:1 7:6

Gemäss Auslosung wäre es in der dritten Runde zum Kräftemessen mit Svetlana Kuznetsova gekommen. Die russische Titelverteidigerin scheitere aber in der ersten Runde an Ekaterina Bychkova, welche ihrerseits in Runde zwei der Qualifikantin Ivana Lisjak unterlag.

Die 18-jährige Kroatin konnte im zweiten Satz überraschend besser mithalten und schaffte es bis in den Tie-Break. In diesem setzte sich Vaidisova jedoch klar mit 7:2 durch.

Der Grund für den ausgeglicheneren zweiten Durchgang lag aber vor allem in Nicole Vaidisova selbst. Während sich Ivana Lisjaks Quoten zwischen den beiden Sätzen (5 Winner zu 12 unerzwungen Fehlern in Satz 1, 4:15 in Satz 2) kaum veränderten, unterliefen der Tschechin im zweiten Satz weit mehr Fehler. Bei je 12 Winnern in beiden Sätzen lag die Fehlerzahl in Satz eins bei 4, im Zweiten bei 17!

Ein Grund für die hohe Fehleranzahl im zweiten Satz liegt darin, dass die 16-jährige ihr Spiel nicht ändern kann, wenn es nicht läuft. Sie hat ihren druckvollen Spielstil, darüber hinaus aber keine weiteren Varianten in petto. Mit ihrer Grösse sollte sie zum Beispiel in Zukunft mehr den Weg ans Netz suchen. Aber ich denke, das kommt mit der Erfahrung hinzu.

Kommen wir zur Vaidisova-Rückhand: Bild 1 ist ein ideales Beispiel dafür, wann und wo der Treffpunkt sein sollte. Bild 2 hingegen ist das pure Gegenteil. Wegen Vaidisovas Grösse sieht das Ganze dann etwas ungelenk aus. Trotzdem steckt aber selbst hinter diesen, nicht sauber getroffen Schlägen, eine unglaubliche Power.

 

2. Runde:   Nadia Petrova (9) - Aiko Nakamura   6:2 6:0

Nadia Petrova hat in diesem Jahr die Erwartungen durchaus erfüllt. Zwar fehlt ihr immer noch ein Turniersieg auf der WTA-Tour (!), jedoch können sich ihre Ergebnisse an den Grand Slam-Turnieren sehen lassen: 4. Runde in Australien, Halbfinale in Paris sowie das Viertelfinale in Wimbledon gab es im Jahr 2005 zu verzeichnen.

Das Match gegen die 163cm kleine Aiko Nakamura lässt sich zweiteilen: Beim Service der 178cm grossen Moskowiterin ging es jeweils relativ schnell zum Spielgewinn. Im Gegensatz dazu waren die Aufschlagspiele der 21-jährigen Japanerin Nakamura immer sehr umkämpft und meistens setzte sich dann Petrova durch.

 

4. Runde:   Nicole Vaidisova (26) - Nadia Petrova (9)   6:7 5:7

Es kam zum Duell zweier starken Aufschlägerinnen. Petrova servierte in diesem Match ihren härtesten Aufschlag mit 186 km/h, Vaidisova brachte es auf 183 km/h.

Es war die erfahrenere Russin, welche zu Beginn der Partie zu fehlerhaft spielte. Ausserdem unterliefen ihr im ersten Satz einige Doppelfehler. Dadurch konnte Vaidisova dank einem Break einen Blitzstart zum 3:0 hinlegen. Und diesen Vorsprung hielt sie auch bis zum 5:3. In dieser wichtigen Situation aber kassierte Vaidisova das Break und es kam in der Folge zum Tie-Break. Wiederum legte die Tschechin vor und führte 4:1 dank einem Minibreak. Nun war es aber die 23-jährige Petrova, welche in den wichtigen Situationen einen kühlen Kopf bewahrte. Ein Vorteil der Russin war sicherlich, dass gegen Ende des ersten Satzes wie auf Knopfdruck ihre ersten Aufschläge wie gewünscht kamen. Sie gewann sechs Punkte in Folge zum 7:4 im Tie-Break.
Nicole Vaidisova war genervt und warf nach dem Satzverlust ihr Racket in Richtung ihres Platzes, wie auf Bild 4 zu sehen ist.

Im zweiten Satz hatte ich trotz ausgeglichenem Spielstand immer das Gefühl, dass die an Nummer 9 gesetzte Moskowiterin die Sache im Griff hat. Es gab je ein Break und gegen Ende des Satzes spitzte sich die Situation dann natürlich zu.
Bei Nicole Vaidisova zeigte sich eine negative Auswirkung ihres Ehrgeizes. Wenn es nicht läuft, kritisiert sie an sich herum. Das ist soweit zwar in Ordnung, aber sie sollte ihrer Gegnerin auch einmal einen schönen Punkt zugestehen können. Selbst bei den schönsten Winnern ihrer Gegnerin suchte sie den Fehler bei sich, anstelle diesen Punkt einfach abzuhaken.
"Stay cool, Nicole", wie ich ihr mal auf den Platz rief. Da muss sie einfach ruhiger bleiben und sich auf den nächsten Punkt konzentrieren.

Es gibt neben dem übertriebenen Ehrgeiz noch einen zweiten Punkt, den die Pragerin unbedingt verbessern muss. Trotz ihres exzellenten Aufschlags gibt sie in wichtigen Situationen ihre Servicegames ab, so wie dies zum Beispiel im ersten Satz bei 5:3 der Fall war. Diese Nervenschwäche könnte sie in Zukunft vielleicht am Gewinn von Grand Slam-Turnieren hindern.
Denn auch im zweiten Satz
kassierte Vaidisova das entscheidende Break. Beim Stand von 5:6 konnte sie ihren Aufschlag nicht durchbringen.

Nun kam eine Szene, die nicht ins Profitennis gehört. Und die ist wieder auf den übertriebenen Ehrgeiz Vaidisovas zurückzuführen: Sie ist eine extrem schlechte Verliererin!
Nach dem verlorenem Matchball hat sie mit voller Wucht einen Ball etwa in die achte Reihe der Zuschauer hinaus geknallt. Sie kann von Glück sprechen, hat sie nur eine Mauer getroffen!
Danach haben wir die kleine Göre vom Platz gebuht. So etwas gehört sich nicht. Mit solchen Aktionen kann man sich viele Feinde schaffen.

 

Viertelfinale:   Nadia Petrova (9) - Maria Sharapova (1)   5:7 6:4 4:6

 

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