Fed Cup Europa/Afrika-Zone I 2020

zurück zur Übersicht         Last updated: 29.02.2020

Vorschau

Fed Cup, Europa/Afrika-Zone I vom 5.-8. Februar 2020 (Event B) in Esch-sur-Alzette (LUX)

David Haggerty

Zum zweiten Mal wird die Europa/Afrika-Zone I auf zwei Austragungsorte aufgeteilt. Aufsteiger Luxemburg kommt im Nationalen Tenniszentrum in Esch an der Alzette zur zweiten Heimveranstaltung in Folge. Der zweite Veranstaltungsort ist Tallinn. Aktuell spielen nur 13 Mannschaften in der EA-Zone I. Das ist immer abhängig davon wie viele europäische Nationen sich in der Weltgruppe befinden. Nach Esch-sur-Alzette wurden sechs Mannschaften gelost inklusive Schweden.

Die Anreise ist für uns mit im Idealfall 4,5 Stunden Autofahrt nach Luxemburg natürlich viel kürzer und flexibler zu planen als die Reisedestinationen früherer Jahre jeweils im Februar mit Zielona Gora (POL), Tallinn (EST) oder Eilat (ISR). Abgesehen davon dass Tennis ein globaler Sport ist, haben wir als Fans nach dem Heimteam aus Luxemburg die kürzeste Anreise aller teilnehmenden Mannschaften. Die Reise fand arbeitsbedingt jeweils immer erst von Donnerstagnachmittag/-abend bis Sonntag statt und wir konnten den letzten Tag der Gruppenspiele am Freitag und die Endspiele am Samstag mitverfolgen. In diesem Jahr ergeben die zwei Dreiergruppen nur je eine Begegnung pro Vorrundentag. Diese werden auf zwei Plätzen jeweils ab dem späteren Nachmittag ausgetragen. So haben wir unsere Abfahrt auf den Mittag gelegt und können am Donnerstagabend ab 16 Uhr bereits die ersten Spiele miterleben, also einen Tag mehr. Leider bestreiten die Schwedinnen ihre Gruppenspiele am Mittwoch und am Freitag. Auch bei der Rückfahrt am Sonntag sind wir vom Zeitpunkt her flexibel und können es entspannt angehen.

Die Fed Cup-Reform wurde nur ein Jahr nach der Davis Cup-Reform nachgezogen. Was ich im Davis Cup kritisier(t)e, finde ich für den Fed Cup eine sinnvolle Entwicklung. Die besten 12 Nationen treffen sich für die nächsten drei Jahre jeweils im April im Budapest zum Finalturnier. Ich habe gehört dass der Veranstalter für diese Dauer 12 Millionen (EUR? USD?) locker gemacht hat. Wie bei der Version der Herren mit sechs Dreiergruppen hat das auch bei den Damen Dreiergruppen für die Vorrunde zur Folge, in diesem Fall vier Dreiergruppen. Das ist das einzige was mir nicht gefällt, denn eine Vorrunde in einer Dreiergruppe bringt rechnerisch, spannungstechnisch und fairnesstechnisch (bei je einem Sieg aller Nationen) Probleme mit sich. Immerhin benötigt man bei vier Gruppen nicht wie im Davis Cup bestklassierte Nationen die Nachrutschen für ein Viertelfinale, sondern hat die Halbfinals astrein besetzt. Die zwei Finalisten des Vorjahres sind gesetzt. Dazu eine Wild Card. Für 2020 ging diese mit Tschechien an die klar erfolgreichste Nation des vergangenen Jahrzehnts. Plus eine Wild Card für die Heimnation Ungarn (auch deshalb hat die EA-Zone I dieses Jahr weniger Teilnehmer).
Die restlichen acht Plätze werden in den Qualifiers an diesem Februar-Wochenende ausgespielt. Acht Begegnungen im bekannten Format mit Heimspiel. Die acht Siegerinnen dürfen im April nach Budapest an die Finals. Die Verliererinnen müssen im April gegen die acht Siegerinnen aus den Kontinentalzonen I antreten. Aus der Kontinentalzone I erhalten neu doppelt so viele Nationen wie früher die Gelegenheit für eine Begegnung im April, nämlich vier (statt zwei) aus der Europa/Afrika-Zone I und je zwei (statt eine) Nationen aus der Amerikas-Zone I und Asien/Ozeanien-Zone I. Die Siegerinnen vom April dürfen dann im nächsten Februar in den Qualifiers antreten und haben damit die Chance auf einen Platz an den Finals im April 2021. Die Verlierer spielen im kommenden Februar in der jeweiligen Kontinentalzone I. Insgesamt bedeutet das, dass pro Jahr 16 Begegnungen im bisherigen Heimspielformat (8 im Februar und 8 im April) ausgetragen werden, was sogar eine Begegnung mehr ist als bisher (8 im Februar, 6 im April, 1 im November). Für die Nationen um die Ränge 20-30 sind die Chancen dank der grösseren Anzahl Plätze für Zone I-Nationen auf die Play-Off-Partien im April neu sogar grösser geworden als vorher um ein Heimspiel zu ergattern und sich dem eigenen Publikum im Fed Cup präsentieren zu dürfen. Ausserdem ist es für das Publikum klarer um was es beim Heimspiel geht: Im Februar ist man bei einem Sieg an den Finals. Im April ist man bei einem Sieg in den Qualifiers im nächsten Februar. Bisher hatte man bei einem Sieg in der Weltgruppe II im Februar zum Beispiel die Chance im April um die Zugehörigkeit in der Weltgruppe I zu spielen. Zu wenige Nationen hatten wirklich die Chance auf den Titel, sondern massen sich einfach mit ähnlich starken Nationen. Das ist neu eine sehr gute Sache, gerade für die kleineren Nationen. Und auch die grösseren Nationen profitieren von der klaren Ausgangslage und einer grösseren Publizität dank dem Finalturnier. In der finalen Woche können noch zwölf Nationen den Titel erringen und nicht mehr nur zwei. In der Halle auf Sand eine Woche vor dem WTA-Turnier in Stuttgart in der Halle auf Sand ist es Mitte April ausserdem die von allen Spielerinnen gewünschte Unterlage nach der amerikanischen Hartplatzsaison und vor der anstehenden Freiluft-Sandplatzsaison in Europa.

Die Anzahl der Top 100-Spielerinnen in Esch-sur-Alzette ist überschaubar: Linette (POL, WTA 43), Swiatek (POL, 49), Zidansek (SLO, 76) und Stojanovic (SRB, 83).

Leider musste Rebecca Peterson (SWE, WTA 45) in der Woche vor dem Fed Cup absagen wegen Hüftproblemen. Von ihr wissen wir aus ihrem Gespräch mit Roland am ATP-Turnier in Stockholm im letzten Oktober, dass sie unglaublich gerne in Luxemburg gespielt hätte. Als weiteres von den Top 100 hat schon fast traditionell Hercog (SLO, 44) abgesagt.

 

Unter dem neuen Format mit doppelt so vielen "Turniersiegern" in den Zonen I als zuvor bedeutet das, dass in Esch-sur-Alzette zwei Mannschaften in die Play-Offs vom April aufsteigen! Zwei Aufsteiger aus sechs Teilnehmernation bietet doch eine sehr hohe Chance für die Teilnehmerländer. Das war bis anhin immer eine unglaublich hohe Hürde gewesen im alten Format, um sich überhaupt eine Chance auf die Weltgruppe und ein mögliches Heimspiel zu erkämpfen. Meine Einschätzung der Teamstärken:

Aufstiegskandidatinnen (2) in Esch-sur-Alzette:
- Polen (2): Die Jüngste (Swiatek, 18 Jahre) bringt in der polnischen Mannschaft bereits die grösste spielerische Klasse mit. In Roland Garros und jüngst an den Australian Open spielte sie sich bis in die 4. Runde vor. Dank ihrer stark klassierten Landsfrau Linette darf Swiatek auf der zweiten Position spielen, wodurch die Polinnen in diesem Format sehr gut aufgestellt sind, da sie zum Abschluss zudem auf ihre Doppelspezialistin Rosolska
(34 Jahre) bauen können.
- Slowenien: Die Sloweninnen sind seit wenigen Jahren mit Zidansek (22 Jahre) und Juvan (19 Jahren) im Anmarsch gepaart mit der erfahrenen Doppelspielerin Klepac. Mit Schweden hatten wir im Duell in den Jahren 2017 und 2018 jeweils das Nachsehen.
- Serbia (1): Seit dem Abstieg aus der Weltgruppe II im Jahr 2016 hat man in der Kontinentalzone immer oben mit gemischt. Mit Danilovic bringt für mich die Jüngste (19 Jahre, seit 2018 dabei) am meisten Feuer in die Mannschaft, ist auf der WTA/ITF aber noch nicht konstant genug.

Abstiegskandidatinnen (1) in Esch-sur-Alzette:
- Schweden: Ohne Peterson liegt der Druck auf Larsson, die 2019 in einer heftigen Formkrise steckte wie einst mit ebenfalls 31 Jahren Sofia Arvidsson. In der Qualifikation von Melbourne im Januar errang sie wie in der Qualifikation zu den US Open letzten August drei Matchgewinne in Folge. Letztmals war ihr dies zuvor im Juni 2018 gelungen. Mit Larsson als Nummer eins, Björklund als Nummer zwei und Doppelspielerin Lister sollte man Luxemburg und/oder die Türkei hinter sich lassen können.
- Luxemburg: Mit Minella (34 Jahre) und Molinaro (19 Jahre) konnten die Luxemburgerinnen vor Jahresfrist an gleicher Stätte den Aufstieg feiern.
- Türkei: Vor vier Jahren sind wir mit einem Larsson-losen Schweden gegen die Türkinnen aus dieser Liga abgestiegen. Doch die Türkinnen erlebten in 2019 eine durchzogene Saison im Profizirkus.

Die Gruppenauslosung für Esch-sur-Alzette:

 Topf  Gruppe A  Gruppe B
 1  Serbien (1)  Polen (2)
 2  Schweden  Türkei
 3  -  -
 4  Luxemburg  Slowenien

In den gruppenübergreifenden Partien am Samstag werden ein Aufstiegsplatz für die Play Offs zur Weltgruppe II, die Platzierungsrunde sowie ein Abstiegsplatz in die Europa/Afrika-Zone II ausgespielt.

 

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