ATP Queen's Club 2018, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 07.08.2018

ATP Queen's Club - Cilic-Djokovic, Peers/Kontinen-Murray/Soares


Queen's Club London
Das Turnier im Londoner Queens Club ist eines der ältesten Tennisturniere der Welt und wird seit dem Jahr 1890 an diesem Standort ausgetragen. Es ist gleichzeitig in der Rasensaison auch das wichtigste Vorbereitungsturnier auf Wimbledon, obwohl das zeitgleich ausgetragene und ebenfalls zur 500er-Kategorie zählende Turnier von Halle dank Dauergast Federer in den letzten Jahr an Ausstrahlung gewinnen konnte. Vier Spieler aus den Top 10 und insgesamt acht Spieler aus den Top 20 der Weltrangliste waren in diesem Jahr am Start.

Die Stimmung war mit eindeutig zu ruhig. Die Ticketpreise mit um die 150 £ im oberen Segment. Da denkt sich der betuchte Zuschauer dann gerne: Ich habe bereits so viel für die Eintrittskarten bezahlt, jetzt sollen andere für die Stimmung sorgen. Das Gelobe ich mir doch die Turniere in den kleineren Städten und Provinzen. Da kann ich eine ganze Woche Tennis schauen gehen für dieses Geld und dort ist erst noch mehr Enthusiasmus mit dabei. Aber ein Queens-Endspiel ist natürlich schon auch edel. Die Abwechslung macht es aus.

Die Siegerehrung der Matches im Rollstuhltennis wurde vor dem Start des Einzelfinals vorgenommen. Das Endspiel startete bereits eine halbe Stunde später als üblich und man nutzte alle Gelegenheiten, um noch die letzten Minuten zu gewinnen. Denn Englands Vorrundenspiel an der Fussball-WM hatte einige Minuten an Nachspielzeit. Auf der Tennisanlage selbst wurde aber kein Fussball gezeigt, nicht einmal Resultate. Da genzt sich das Tennis klar ab. Im Rollstuhltennis gewann der schwedische Wimbledonsieger Stefan Olsson gegen Stephane Houdet mit 6:4 6:1. Ich war überrascht, als der Franzose Houdet recht gut und selbstständig zur Siegerehrung schritt.


Marin Cilic (ATP 6) - Novak Djokovic (ATP 22)   5:7 7:6 6:3
Cilic hatte das Turnier im Jahr 2012 gewinnen können als David Nalbandian nach einem verlorenen Punkt aus vollem Lauf heraus mit dem Fuss in ein Holzbrett kickte an der Seite der Grundlinie. Nur hatte er nicht bedacht dass dahinter die Beine des Linienrichters waren und das Brett diesem eine blutende Wunde ins Schienbein riss. Der Argentinier wurde regelkonform disqualifiziert für dieses Vergehen. Im letzten Jahr unterlag Cilic gegen Feliciano Lopez mit 8:10 im Tie-Break des dritten Satzes. Das Glück hatte sich nach zwei anstrengenden Wochen auf die Seite von Lopez geschlagen, der in der Woche zuvor in Stuttgart das Finalspiel verloren hatte
Nun konnte Cilic nach der Finalniederlage vom letzten Jahr als Sieger vom Platz gehen. Im ersten Satz gegen Djokovic war er der bessere Spieler gewesen, aber verlor den Satz mit einem Rückhandball cross unter die Netzkante. Dieser Fehler unterlief dem 29-jährigen Kroaten einige Male. Demgegenüber brillierte er mit dem Rückhandball der Linie entlang mit fantastischen Gewinnschlägen. Dies ist klar sein besserer Schlag, aber zu einem longline Gewinnschlag lässt sich aus spieltaktischen Gründen in einem Ballwechsel nicht immer sofort ansetzen. Im zweiten Satz war Djokovic der bessere Spiel und kam bei Aufschlag Cilic zu einem Matchball. Im dritten Satz gelang Cilic der erste Aufschlagdurchbruch in der Begegnung. Djokovic hatte im ersten Satz ein Break bewerkstelligen können. So ganz ohne Break das Finalspiel zu gewinnen wäre aus meiner Sicht doch etwas unschön für einen Turniersieger.
Für Rasentennis gab es in dieser Partie sogar relativ viele und lange Ballwechsel zu sehen. Das lag daran, dass Djokovic das Spiel von Cilic sehr gut kennt und entschärfen kann. Seit dem ersten Aufeinandertreffen gegen den um ein Jahr jüngeren Cilic hatte Djokovic bis ins Jahr 2015 14 Siege in 14 Partien errungen. Erst beim 1000er-Turnier in Paris Ende 2016 hatte Cilic erstmals gewinnen können. Seither hatte es keine Begegnung mehr gegeben und dies war somit erst der zweite Sieg von Cilic über Djokovic. Vor allem wenn Cilic mit einem Vorhand cross mit gutem Tempo und Winkel punktet, dann steht Djokovic immer dort und kann mit seiner Vorhand dagegenhalten oder gar das Diktat im Punkt zurückgewinnen.


John Peers/Henri Kontinen (ATP Doppel 7/8) - Jamie Murray/Bruno Soares (ATP Doppel 13/14)   6:4 6:3
Peers/Kontinen konnten die Titelverteidiger Murray/Soares entthronen. Erstes Highlight war, dass wir unseren Sitzplatz in die erste Reihe nach unten verschoben. Von dort gefiel mir das Spiel nochmals deutlich besser. Zweites Highlight war, dass jeder Finalist im Einzel und im Doppel einen Geschenkkorb vom neuen Hauptsponsor Fever-Tree erhielt. Bei der Siegerehrung im Einzel hatte dies noch etwas Erstaunen und Raunen und etwas an Klatschen ausgelöst. Bei der Siegerehrung im Doppel waren die verbliebenen richtigen Tennisfans vorbereitet auf den Fever-Tree Geschenkkorb und quittierten die Ankündigung während der Siegerehrung mit grossem Applaus, Jubel und grenzenloser Begeisterung. Das war wirklich lustig und letztendlich genau das was sich ein Sponsor erhofft. Die Art dies zu Erreichen ist die Kunst daran!

 

 Einzel
 1. Runde  2. Runde  Viertelfinal  Halbfinal  Final
 Marin Cilic (1) -
 Fernando Verdasco
 6:3 6:4
 Marin Cilic (1) -
 Gilles Muller
 4:6 6:3 6:3
 Marin Cilic (1) -
 Sam Querrey (5)
 7:6 6:2
 Marin Cilic (1) -
 Nick Kyrgios
 7:6 7:6
 Marin Cilic (1) -
 Novak Djokovic (W)
 5:7 7:6 6:3
 Novak Djokovic (W) -
 John Millman (Q)
 6:2 6:1
 Novak Djokovic (W) -
 Grigor Dimitrov (2)
 6:4 6:1
 Novak Djokovic (W) -
 Adrian Mannarino
 7:5 6:1
 Novak Djokovic (W) -
 Jeremy Chardy
 7:6 6:4

 

 Doppel
 1. Runde  Viertelfinal  Halbfinal  Final
 Murray/Soares (4) -
 Martin/Mannarino
 4:6 7:6 10-8
 Murray/Soares (4) -
 Daniell/Koolhof (L)
 6:3 6:7 10-7
 Murray/Soares (4) -
 Pavic/Marach (1)
 6:3 6:7 10-7
 Peers/Kontinen (2) -
 Murray/Soares (4)
 
6:4 6:3
 Peers/Kontinen (2) -
 Nestor/Shapovalov (Q)
 6:3 7:5
 Peers/Kontinen (2) -
 M. Bryan/Sock
 6:3 6:4
 Peers/Kontinen (2) -
 N. Skupski/Edmund
 7:6 5:7 10-6

 

zurück zur Übersicht