Wimbledon 2013, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 08.08.2017

Lieblinge - Paszek, Robson, Arvidsson, Larsson

 

Schwedische Erfolge von meinen Lieblingen sind in Wimbledon selten. Vielmehr sind britische Glanztaten oder solche der Vorarlbergerin Paszek zu erwarten. Doch die Viertelfinalistin der letzten beiden Jahre aus Österreich zieht eine üble Saison ein und das manifestierte sich leider auch in Wimbledon. Court 6 war der Schauplatz der bitteren Erstrundenniederlagen von Paszek und Larsson im Einzel und Larsson/Arvidsson im Doppel.

Alexandra CadantuAlexandra CadantuTamira PaszekTamira Paszek
Alexandra Cadantu (WTA 87) - Tamira Paszek (WTA 57)   6:2 7:5
Cadantu hatte einen guten Tag erwischt, war schnell auf den Beinen, spielte hart und fehlerfrei. Das ist das Niveau, auf dem jede Top 100-Spielerin in guter Form spielen kann. Gegen eine Paszek in Wimbledon reicht diese Leistung unter normalen Verhältnissen nie zum Sieg. Doch Tamira hatte bislang eine schlechte Saison und gewann in diesem Jahr erst zwei Matches gegen Vögele bei den Australian Open und gegen Keothavong beim ITF 75’000$ auf Rasen in Nottingham. Als Weltranglistennummer 29 eine Woche vor Wimbledon kam sie auf die Setzliste. Der wegfallende Vorjahressieg in Eastbourne liess sie zu Beginn der Championships auf Rang 57 fallen und die aus der Wertung fallenden Punkte vom Viertelfinale in Wimbledon vom letzten Jahr werfen sie zurück auf Platz 114 was sie sogar die direkte Teilnahme an den US Open kosten kann. Im WTA Race, der Rangliste des Jahres 2013, ist Paszek nicht auf den ersten 200 Plätzen zu finden. In Wimbledon trat sie in der Bekleidung von Eleven by Venus an. Ein Grund dafür könnte sein, weil Venus in Wimbledon fünfmal den Titel im Einzel gewonnen hat. Ein wahrscheinlicherer ist wohl, dass momentan ein Bekleidungssponsor fehlt.
Tamira hatte einen schlechten Start in die Partie, verlor die ersten beiden Games und rannte dem Break hinterher. Das Spiel begann langsam zu drehen, doch bei 2:3 konnte sie den Ausgleich nicht realisieren und musste in einem umkämpften Spiel das 2:4 hinnehmen, was ihrer rumänischen Gegnerin den Weg zum Satzgewinn ebnete. Im zweiten Satz legte Tamira mit 3:0 los, doch der Spielstand drehte in ein 3:3, 4:3 und 4:6. Immer mehr war der Dornbirnerin anzusehen, dass die Oberschenkelverletzung, die sie in Eastbourne zur Aufgabe gezwungen hatte, ihr Schmerzen bereitete. Wäre es nicht an ihrem Lieblingsturnier gewesen und hätte sie nicht die Unterstützung des Publikums gehabt, wäre sie im zweiten Satz wohl sang- und klanglos untergegangen. Aber das ist Wimbledon und hier beisst man auf die Zähne. Es gibt keine Entschuldigungen. Das tat sie auch, aber mit dem verlorenen Matchball kam die ganze Enttäuschung hoch und Tamira verliess den Platz so schnell sie konnte.
Die Karriere von Paszek kann man an ihren Wimbledonresultaten ausmachen. 2007, 2011 und 2012 waren die guten Jahre. Selbst wenn da mittlerweile schon vier harte Jahre mit dabei sind. Das Gute ist, dass Tamira erst 22 Jahre alt ist.

Christina McHaleTamira Paszek, Christina McHaleEkaterina MakarovaTamira Paszek, Christina McHale
Ekaterina Makarova/Elena Vesnina (WTA Doppel 5/6) - Tamira Paszek/Christina McHale (WTA Doppel 98/191)   7:6 6:1
Talent für das Doppelspiel hatte Tamira noch nie. Seit einem Jahr spielt sie häufiger im Doppel. Gerade auch seit ihrer letzten Verletzung hatte sie sich seit Mai bei jedem Turnier für die Doppelkonkurrenz eingeschrieben um Spielpraxis zu sammeln. Ihre Bilanz auf der WTA-Tour ist mit 23 Siegen bei 43 Niederlagen aber sehr ernüchternd. In Wimbledon kamen ein Sieg und eine Niederlage dazu. So wie auf Bild 10 sollte man sich nicht passieren lassen, auch wenn der erste Volley ansehnlich war.


Laura Robson (WTA 38) - Maria Kirilenko (WTA 10)   6:3 6:4,   Laura Robson (WTA 38) - Marina Erakovic (WTA 71)   1:6 7:5 6:3
Erfolgreicher war Laura Robson, die nach den US Open (Siege über Clijsters und Li) zum zweiten Mal die vierte Runde eines Grand Slam-Turniers erreichte. Den Grundstein dazu legte sie mit dem Überqueren der hohen Starthürde in Person der Weltranglistenzehnten Kirilenko. Dabei legte die 19-jährige Londonerin in den zwei Sätzen unglaubliche statistische Werte hin: 31 Gewinnschläge und 17 unerzwungene Fehler für Robson stehen den fast teilnahmslosen 8 Gewinnschlägen und 4 unerzwungenen Fehlern der besserklassierten Russin gegenüber.
Anne Keothavong war am Mittwoch bei der BBC im TV-Studio in Wimbledon. Die knapp 30-jährige Britin mit laotischen Wurzeln gab einen Monat nach diesem Wimbledon ihr Karriereende bekannt. Ein Turniersieg auf der WTA Tour blieb ihr verwehrt. Auf der ITF Tour konnte sie aber immerhin zwanzig Turniersiege im Einzel und deren acht im Doppel feiern. Der Grund warum sie es in den Bericht von Robson schafft, ist weil die Beiden im Vorfeld öfters zusammen trainiert hatten. Ich kann mir lebhaft vorstellen wie sich diese Spielpausen zugetragen haben von denen Keothavong berichtete. Sie plauderte aus dem Nähkästchen, dass Laura ihr bei jedem Seitenwechsel voller Freude erzählt habe, wie sehr sie das Spiel auf Rasen liebt. "I just love the grass", habe sie ihr immer und immer wieder gesagt und Anne meinte dann mit der Zeit ja, ich weiss Laura.

Kaia KanepiKaia KanepiKaia KanepiLaura RobsonLaura RobsonLaura Robson
Kaia Kanepi (WTA 46) - Laura Robson (WTA 38)   7:6 7:5
Die Unbekümmertheit war in der vierten Runde der Nervosität gewichen. Das war Robson deutlich anzumerken. Noch mehr als sie das Match gewinnt, hoffte ich, dass sie sich wohlfühlt auf dem Platz. Der Rest kommt dann von alleine. Beide Spielerinnen servierten neun Asse, doch diejenigen von Kanepi schienen immer zur richtigen Zeit zu kommen. Auch sonst spielten beide Damen ein ähnliches Tennis. Ein Tennis, dass einen in Wimbledon weit bringen kann.


Janette Husarova/Filip Polasek (WTA Doppel/ATP Doppel 50/38) - Laura Robson/Colin Fleming (WTA Doppel/ATP Doppel 105/32)   6:7 6:2 6:4
Nur kurze Zeit nach dem verlorenen Einzel stand für Robson Ablenkung und Schaulaufen im Mixed Doppel auf Court 14 auf dem Programm. Die knappe Niederlage in der ersten Runde zeigt, dass ein Andy Murray zumindest durch eigene Landsleute nicht zu ersetzen ist. Mit ihm hatte sie bei den Olympischen Spielen im letzten Jahr die Silbermedaille gewonnen.

Mirjana Lucic-BaroniMirjana Lucic-BaroniMirjana Lucic-BaroniSofia ArvidssonSofia ArvidssonSofia Arvidsson
Mirjana Lucic-Baroni (WTA 96) - Sofia Arvidsson (WTA 83)   6:1 6:4
Von Beginn weg war abzusehen, dass Arvidsson gegen die Halbfinalistin von 1999 den Kürzeren ziehen wird. Die 31-jährige Kroatin, die sieben Jahre lang auf der grossen Tennisbühne absent war und erst seit 2010 wieder an Grand Slam-Turnieren mitspielen kann, haute der Schwedin die Bälle vom ersten Punkt an um die Ohren. Lucic-Baroni war einst eine dieser jungen talentierten Mädchen mit einem dieser berüchtigten Tennisväter gewesen. An den Australian Open 1998 hatte sie als 15-jährige an der Seite der 17-jährigen Martina Hingis die Doppelkonkurrenz der Damen gewonnen. Bei der Wimbledon-Ausgabe 2013 zog sie Arvidsson angefangen mit ihrem starken Aufschlag und sechs Assen den Zahn. 33 Gewinnschläge und 25 unerzwungene Fehler wurden bei Lucic-Baroni notiert. Arvidsson war mit 7 Gewinnschlägen und 10 unerzwungene Fehlern nur Mitspielerin. Im WTA Race belegt sie nur Rang 158 und benötigt dringend Punkte. In der Weltrangliste profitiert die 29-jährige aus Halmstad von einer starken zweiten Saisonhälfte im letzten Jahr. Bleibt zu hoffen, dass sie auf Hartplatz auch in diesem Jahr wieder genügend punktet.

Ekaterina MakarovaEkaterina MakarovaJohanna LarssonJohanna LarssonEkaterina Makarova
Ekaterina Makarova (WTA 27) - Johanna Larsson (WTA 63)   6:3 6:3
Anders als bei Arvidsson wäre für Larsson mehr drin gelegen. Ihre Gegnerin Makarova spielte zwar gut, aber trotz besserer Klassierung lange nicht so durchschlagskräftig wie Lucic-Baroni. Larsson ist aber zu sehr von ihrem eigenen Aufschlag abhängig. Wenn der nicht kommt, dann ist das Aufschlagspiel in Gefahr. Ein Break im ersten Satz und eines im zweiten Satz genügten bereits. Ganz zum Ende der Partie hat sie ihren Service dann noch ein drittes Mal abgegeben. Als Zuschauerin war Anna Smith (Bild 11) mit dabei, die in Wimbledon meistens bei Johannas Spielen vorbeischaut. Diesmal begleitet von Tara Moore.

Galina Voskoboeva, Kristina MladenovicKristina MladenovicJohanna Larsson, Sofia ArvidssonJohanna LarssonJohanna LarssonSofia Arvidsson
Kristina Mladenovic/Galina Voskoboeva (WTA Doppel 14/30) - Johanna Larsson/Sofia Arvidsson (WTA Doppel 170/171)   6:2 6:0
Abgesehen vom Finale in Memphis sind die Doppelresultate von Larsson/Arvidsson innert Jahresfrist ernüchternd. Das Turnier in Tennesse war Sofias erfolgreichster Stopp auf der WTA Tour. Leider ist die Veranstaltung 2013 zum letzten Mal ausgetragen worden. Die Turnierrechte wurden an Rio de Janeiro verkauft. Arvidsson hat das Turnier in Memphis im Einzel 2006 und 2012 gewonnen. Es sind ihre einzigen Turniersiege auf der WTA Tour. Dazu stand sie 2010 im Finalspiel im Einzel und 2013 im Doppel. Nach Memphis taucht in ihrem Palmares der Name des Turniers von Quebec City als zweiterfolgreichstes Turnier auf. Dort war sie 2005 im Einzelfinal gestanden. Andere Endspiele im Einzel neben den beiden in der Halle ausgetragenen Hartplatzevents von Memphis oder Quebec City hat sie nie erreicht. Ihren einzigen Doppeltitel feierte sie 2010 in Quebec City und bereits 2009 war sie dort im Doppelfinal gestanden. Das Turnier im französischsprachigen Teil Kanadas besteht fort. Doch wegen des Termins in der Woche gleich nach den US Open fristet es ein Mauerblümchendasein.
Das Endspiel von Memphis hatten die Schwedinnen gegen Mladenovic/Voskoboeva verloren. Vor allem bei der 20-jährigen Französin ist grosses Potential zu erkennen. Im Damen Doppel hat sie innert Jahresfrist die Titel beim hochdotierten Turnier von Montreal mit Jans-Ignacik, in Quebec City mit Malek, in Memphis mit Voskoboeva, in Charleston mit Safarova und in Oeiras mit Hao-Ching Chan gewonnen. Alles also mit Doppelpartnerinnen ohne dem ganz grossem Renommee. Im Mixed Doppel hatte sie mit Nestor zuletzt einen grossen Namen an ihrer Seite. Die Finalqualifikation in Roland Garros und ihr erster Grand Slam-Titel in Wimbledon waren die Früchte dieser Zusammenarbeit. Bei Mladenovic, die regelmässig auf den Listen der Spielerinnen mit den härtesten Aufschlägen zu finden ist (mit genau 200 km/h auf Rang 8 der ewigen Rangliste), ist es spielerisch momentan noch eine Frage der Konstanz. Sowohl in physischer wie auch in mentaler Hinsicht. Sie ist auf dem Weg nach oben in den Ranglisten und bei der Beinarbeit kann sich die 184cm grosse Französin sicherlich weiter verbessern. Die an Position 10 gesetzten Favoritinnen stellen ihre Doppelqualitäten unter Beweis. Am Netz waren sie eine Wand und konnten die Punkte mit ihren Volleys abschliessen. Das ist eine Fähigkeit, die Larsson und Arvidsson abgeht. Das Resultat fiel zu deutlich aus, aber die Begegnung war eine klare Angelegenheit.

Eugenie BouchardKyle EdmundEugenie BouchardSofia Arvidsson
Sofia Arvidsson/Frederik Nielsen (WTA Doppel/ATP Doppel 171/17) - Eugenie Bouchard/Kyle Edmund (WTA Doppel/ATP Doppel 188/-)   7:5 6:4
Die Wild Card für den 18-jährgen Edmund und die 19-jährige Bouchard durch die Veranstalter hatte durchaus seine Berechtigung. Die Kanadierin hatte im letzten Jahr die Juniorinnenkonkurrenz im Einzel und vor zwei Jahren diejenige im Doppel gewonnen. Überrascht hat mich aber vor allem der Brite, der jüngst das Juniorendoppel der French Open und der US Open gewonnen hat. Er servierte hart und zimmerte sein Vorhand ins gegnerische Feld. Nach einem starken Beginn wurden die Jungspunde aber etwas in die Schranken verwiesen.
Nielsen schliesst nach seinem Aufschlag konsequent ans Netz auf. Das erhöhte den Druck auf Arvidsson, da die Gegner in der Folge zumeist auf sie spielten. Sie wich am Netz oft einen Meter zurück wenn Nielsen nach vorne kam. Doch beide Spieler sollten im Doppel wenn immer möglich auf gleicher Höhe positioniert sein. Durch das Zurückweichen öffnete sie Lücken, welche die Gegner ausnutzten. Mit der Zeit korrigierte sie diesen Fehler und wich wenn, dann nur noch wenige Zentimeter zurück.

Galina Voskoboeva
Eugenie Bouchard (WTA 66) - Galina Voskoboeva (WTA 88)   5:7 7:6 6:4
Bouchard zeigt wie man mit vielen guten Resultaten an kleineren Turnieren in der Weltrangliste nach oben klettert. Die 19-jährige hatte bis Wimbledon noch nie eine Top 40-Spielerin geschlagen. Mit der Weltranglistenzwölften Ivanovic legte sie in der zweiten Runde am Mittwoch, dem Tag der so viele Überraschungen bot, ihren persönlichen Leistungsausweis ab. Auf Bild 4 ist eine amüsante aber etwas irritierende Bilderstory mit Sania Mirza zu beobachten.

 

Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde
 Alexandra Cadantu -
 Tamira Paszek (28)
 6:2 7:5
 Kimiko Date-Krumm -
 Alexandra Cadantu
 6:4 7:5
 
 Laura Robson -
 Maria Kirilenko (10)
 6:3 6:4
 Laura Robson -
 Mariana Duque-Marino
 6:4 6:1
 Laura Robson -
 Marina Erakovic
 1:6 7:5 6:3
 Kaia Kanepi -
 Laura Robson
 7:6 7:5
 Ekaterina Makarova (25) -
 Johanna Larsson
 6:3 6:3
 Ekaterina Makarova (25) -
 Garbine Muguruza
 6:2 6:7 6:4
 Petra Kvitova (8) -
 Ekaterina Makarova (25)
 6:3 2:6 6:3
 Petra Kvitova (8) -
 Carla Suarez Navarro (19)
 7:6 6:3
 Mirjana Lucic-Baroni -
 Sofia Arvidsson
 6:1 6:4
 Carla Suarez Navarro (19) -
 Mirjana Lucic-Baroni
 1:6 6:3 6:3
 Carla Suarez Navarro (19) -
 Eugenie Bouchard
 7:5 6:2
 Eugenie Bouchard -
 Galina Voskoboeva (Q)
 5:7 7:6 6:4
 Eugenie Bouchard -
 Ana Ivanovic (12)
 6:3 6:3

 

Damen Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde
 Huber/Mirza (6) -
 Voracova/Zakopalova
 6:3 3:6 6:1
 Huber/Mirza (6) -
 Pennetta/Petkovic
 7:6 3:6 6:2
 Aoyama/Scheepers -
 Huber/Mirza (6)
 6:2 3:6 6:2
 Makarova/Vesnina (4) -
 Ka. Pliskova/Torro-Flor
 6:2 6:1
 Makarova/Vesnina (4) -
 Paszek/McHale
 7:6 6:1
 Lucic-Baroni/Jankovic -
 Makarova/Vesnina (4)
 6:3 6:2
 Paszek/McHale -
 Date-Krumm/Parra Santonja
 7:6 2:6 6:3
 Mladenovic/Voskoboeva (10) -
 Larsson/Arvidsson
 6:2 6:0
 Jurak/Tanasugarn -
 Mladenovic/Voskoboeva (10) 
 1:6 7:6 6:4
 

 

Mixed Doppel
 1. Runde  2. Runde
 Husarova/Polasek -
 Robson/Fleming
 6:7 6:2 6:4
 Raymond/Soares (1) -
 Husarova/Polasek
 6:2 6:3
 Arvidsson/Nielsen -
 Bouchard/Edmund (W)
 7:5 6:4
 Erakovic/Dodig (16) -
 Arvidsson/Nielsen
 3:6 6:3 6:4

 

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