US Open 2011, New York City

zurück zur Übersicht          Last updated: 17.09.2011

Hitting Session - Eric Butorac / Jean-Julien Rojer

 

Das ist wohl eine Gelegenheit, die man nur einmal im Leben nutzt. Ich habe mir eine einstündige Hitting Session an den US Open ersteigert. Zugegebenermassen nicht billig. Aber der historisch tiefe Dollarkurs von 80 Rappen nahm mir etwas die Furcht vor dem hohen Gebot.


Mit einer Akkreditierung ausgerüstet gibt es einige Annehmlichkeiten. Mit dem Batch verläuft eine Sicherheitskontrolle sehr viel entspannter. Selbst Tennisrackets kann man problemlos auf die Anlage nehmen. Auch meine Tasche durfte ich draussen am Depot für Rucksäcke und Koffern gratis abgeben und musste keine fünf Dollar zahlen. "You've got a credential, you don't have to pay", hatte mich die Dame darauf hingewiesen. Ausserdem konnten wir die Anlage vor der eigentlichen Türöffnung betreten. So reservierten für unsere Kameraden, die draussen schon eine Stunde lang am Anstehen waren schon mal die besten Plätze auf dem Grandstand. Unsere Akkreditierungen waren zwei Tage gültig.


Die Hitting Session fand am Donnerstag in der ersten Woche der US Open von 7-8 Uhr statt. Jetzt weiss ich definitiv, dass um diese Zeit bei einem Grand Slam-Turnier noch nicht viel los ist. Die Spieler trainieren erst ab etwa 9 Uhr. Vielleicht ist das in Roland Garros oder Wimbledon etwas anders, da dort ohne Fluchtlicht gespielt wird und sich der Zeitplan so etwas nach vorne verschiebt.


In der Auktion war gestanden, dass es eine Hitting Session mit einem Main Draw-Spieler der US Open sein würde. Das liess natürlich Spekulationen offen. Letztendlich hatte ich das Vergnügen mit dem Doppelteam Eric Butorac ("Booty") und Jean-Julien Rojer ("Jules"). Dass sie ihren Trainer Ryan Dussault dabei hatten, war praktisch. So konnten wir zum Schluss noch ein Doppel spielen. Meine Hitting Session wäre für zwei Personen gewesen, aber ich stand alleine auf dem Platz. Als zweite Person hatte aber meinen guten Tennisfreund und "Nichtspieler" Michael aus London mitgenommen.


Erst schlugen wir lange Bälle. Meine Rückhand mochten sie. Bei der Vorhand bewege ich den Körper zu früh nach vorne und ziehe erst dann den Schläger nach. Stimmt. Versuche ich ab jetzt zu ändern.
Weiter ging es mit Volleys. Wenn ich schon die Möglichkeit habe, mit zwei Doppelprofis zu trainieren! Volleys weit vor dem Körper treffen, heisst der Ratschlag. Dann tritt beim Rückhandvolley auch das Problem mit der fehlenden Kraft weniger auf. Weit nach vorne ans Netz aufrücken geht in Ordnung, auch wenn ich Ihnen gesagt habe, dass mich meine Kollegen immer überloben, weil sie das wissen.
Dann war ich rechts auf der Grundlinie in meiner Rückhandecke und musste versuchen, die beiden am Netz zu passieren. Das klappte anfangs gar nicht, da die Jungs wirklich alles abdecken. Mit der Zeit unterliefen dann aber auch ihnen einige Fehler.
Zum Abschluss ein Doppel. Ich habe wirklich gut gespielt. Keine Nervosität oder so. Ich konnte die Gelegenheit wirklich geniessen. Das Spiel auf Hartplatz passt mir ohnehin. Nur Sand passt nicht zu meinem Spiel. Je ein Tie Break mit Eric und eines mit Jules. Einen Service habe ich von der Einstandseite her voll durch die Mitte aufs Kreuz serviert. Aber der Ball kam problemlos zurück. :-)


Zum Schluss hätte ich noch danach fragen sollen, dass sie einige Aufschläge voll servieren sollen. Ging letztendlich vergessen, aber was soll's. Der Herr mit dem Rücken zu uns auf Bild 5 im blauen Shirt ist übrigens Jim Courier, der neben uns Bälle schlug. Unser Gruppenbild (Bild 7) zeigt von links nach rechts Ryan Dussault, Eric Butorac, Michael Stone, Urs Stutz und Jean-Julien Rojer.

Herren Doppel
 1. Runde  2. Runde
 Rojer/Butorac (8) -
 Tursunov/Dimitrov
 6:7 6:2 6:0
 Stakhovsky/Youzhny -
 Rojer/Butorac (8)
 6:3 1:6 7:5


Jean-Julien Rojer, Eric Butorac
Nachdem meine Stunde vorbei war, starteten Butorac/Rojer ihr Training. Nach einer Stunde auf dem Court 9 wechselten sie dann auf den Court 3 und trainierten dort gleich weiter. Bei Doppelspielern ist die Intensität und die Dauer der Matches geringer als im Einzel und somit können sie wohl vermehrt ins Training investieren. Bei den kurzen Ballwechseln kriegt man weniger Rhythmus. Da müssen die eigenen Schläge sitzen.
Es war Ehrensache, dass wir uns das nächste Match anschauen gehen würden. Doch irgendwie hat es sich dann leider nicht ergeben. Rojer/Butorac kamen als siebtbestes Doppelteam des laufenden Jahres an die US Open. Das Halbfinale der Australian Open hat ihnen viele Punkte eingebracht. Damit haben die beiden 30-jährigen, was für Doppelspieler noch nicht sehr alt ist, zum ersten Mal die ATP World Tour Finals der besten acht im Visier. Durch die frühe Niederlage in Flushing Meadows sind der Mann von den niederländischen Antillen und der US-Amerikaner nun aber auf Platz 9 abgerutscht. Vor ihnen liegen acht stärker einzuschätzende und erfahrene Doppelteams. Ich hoffe trotzdem, dass wir sie in London wiedersehen.

 

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