Wimbledon 2011, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 15.12.2013

Die Favoritinnen - S. Williams, V. Williams, Sharapova, Bartoli, Li, Azarenka

 

In einem sehr ausgeglichenen Damenfeld, aber auf die Spezialitäten des Rasentennis und des bedeutendsten Turniers der Welt in Wimbledon ausgerichtet, sind die bisherigen Siegerinnen zu favorisieren. Mit Fragezeichen sind das die Williams-Schwestern mit der fünffachen Siegerin Serena Williams, die seit ihrem Titelgewinn 2010 fast ein Jahr lang kein Turnier mehr bestritten hat. Ebenso wie Serena hat Venus erst in der Woche vor Wimbledon in Eastbourne ihre Rückkehr in das Tennisgeschehen gegeben. Die vierfache Wimbledonsiegerin war seit den Australian Open ausgefallen. Anders hingegen zeigt sich der Formstand bei Maria Sharapova. Die Siegerin von 2004 spielt in diesem Jahr verletzungsfrei und hat wieder zur absoluten Weltspitze aufgeschlossen.

Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde  Viertelfinal  Halbfinal  Final
 Maria Sharapova (5) -
 Anna Chakvetadze
 6:2 6:1
 Maria Sharapova (5) -
 Laura Robson (W)
 7:6 6:3
 Maria Sharapova (5) -
 Klara Zakopalova
 6:2 6:3
 Maria Sharapova (5) -
 Shuai Peng (20)
 6:2 7:6
 Maria Sharapova (5) -
 Dominika Cibulkova (24)
 6:1 6:1
 Maria Sharapova (5) -
 Sabine Lisicki (W)
 6:4 6:3
 Petra Kvitova (8) -
 Maria Sharapova (5)
 6:3 6:4
 Na Li (3) -
 Alla Kudryavtseva
 6:3 6:3
 Sabine Lisicki (W) -
 Na Li (3)
 3:6 6:4 8:6
 Sabine Lisicki (W) -
 Misaki Doi (Q)
 6:4 6:2
 Sabine Lisicki (W) -
 Petra Cetkovska
 7:6 6:1
 Sabine Lisicki (W) -
 Marion Bartoli (9)
 6:4 6:7 6:1
 Sabine Lisicki (W) -
 Anastasija Sevastova
 6:1 6:1
 Marion Bartoli (9) -
 Kristyna Pliskova (Q)
 6:0 6:2
 Marion Bartoli (9) -
 Lourdes Dominguez Lino
 4:6 7:5 6:2
 Marion Bartoli (9) -
 Flavia Pennetta (21)
 5:7 6:4 9:7
 Marion Bartoli (9) -
 Serena Williams (7)
 6:3 7:6
 Serena Williams (7) -
 Aravane Rezai
 6:3 3:6 6:1
 Serena Williams (7) -
 Simona Halep
 3:6 6:2 6:1
 Serena Williams (7) -
 Maria Kirilenko (26)
 6:3 6:2
 Victoria Azarenka (4) -
 Magdalena Rybarikova
 6:4 3:2 ret.
 Victoria Azarenka (4) -
 Iveta Benesova
 6:0 6:3
 Victoria Azarenka (4) -
 Daniela Hantuchova (25)
 6:3 3:6 6:2
 Victoria Azarenka (4) -
 Nadia Petrova
 6:2 6:2
 Victoria Azarenka (4) -
 Tamira Paszek
 6:3 6:1
 Petra Kvitova (8) -
 Victoria Azarenka (4)
 6:1 3:6 6:2
 Daniela Hantuchova (25) -
 Vitalia Diatchenko (Q)
 4:6 7:6 6:3
 Daniela Hantuchova (25) -
 Marina Erakovic (Q)
 6:3 6:1
 Venus Williams (23) -
 Akgul Amanmuradova
 6:3 6:1
 Venus Williams (23) -
 Kimiko Date-Krumm
 6:7 6:3 8:6
 Venus Williams (23) -
 Maria Jose Martinez Sanchez
 6:0 6:2
 Tsvetana Pironkova (32) -
 Venus Williams (23)
 6:2 6:3
 Petra Kvitova (8) -
 Tsvetana Pironkova (32)
 6:3 6:7 6:2
 Kimiko Date-Krumm -
 Katie O'Brien (W)
 6:0 7:5


Serena Williams - Aravane Rezai
Dass Rezai stark servieren und draufhauen kann ist keine Neuigkeit. Doch auch ihr fehlt es in einer schwachen Saison an Konstanz. Sie hatte auch einen dieser ungeliebten Tennisväter an ihrer Seite, von dem sie sich in diesem Jahr abgekapselt hat. Das ist keine einfache Situation für die iranisch-stämmige Französin, deren Spiel auf Sand grundsätzlich noch etwas besser funktioniert als auf Rasen. Im zweiten Satz hatte Rezai aber alles getroffen.
Für Williams war es nach dem Dreisatzsieg über Pironkova und der Dreisatzniederlage gegen Zvonareva letzte Woche in Eastbourne erst die dritte Partie nach einer Tennisabsenz seit letztem Wimbledon. Ein durch eine Glasscherbe zerschnittener Fuss und eine Lungenembolie waren die Gründe für ihre Abwesenheit gewesen. Nach dem verlorenen zweiten Satz stellte sich die Frage, ob Williams die Fitness für einen dritten Satz haben würde. Die 29-jährige konnte sich beweisen und profitierte gleichzeitig von der höheren Fehlerquote ihrer Gegnerin.
Dass Publikum hatte sich klar auf die Seite der Aussenseiterin Rezai gestellt. Das fand ich aussergewöhnlich, denn irgendwie war Williams nach ihrer langen Absenz ja auch eine Aussenseiterin an diesem Turnier. Als Siegerin der letzten zwei Jahre hätte sie schon mehr Respekt und nicht bloss Schadenfreude verdient gehabt. Nach dem Sieg flossen bei ihr im Interview die Tränen. Sie habe ein Desasterjahr gehabt und sei so froh, in Wimbledon antreten zu können und hier ihr Match gewonnen zu haben. Bei ihr muss man immer abwägen, ob etwas gespielt ist oder nicht. Aber in diesem Fall nehme ich ihr die Gefühlsachterbahn ab. Das hob sie in der Gunst des Publikums natürlich wieder umgehend.


Venus Williams - Kimiko Date-Krumm
Die 40-jährige Date-Krumm hatte zwischen 1997 und 2007 eine Tennispause eingelegt. Seit ihrer Rückkehr hat sie bereits zwei Top 10-Spielerinnen geschlagen und das WTA-Turnier in Seoul 2009 gewonnen, womit sie die zweitälteste Turniersiegerin nach Billie Jean King ist. Auffallend bei ihr ist ihre sehr kurze Ausholbewegung. Dass die Japanerin auf konstant hohem Niveau spielen würde, war abzusehen. Es würde sich zeigen, ob Williams besser oder schlechter als dieses geforderte Level sein würde. Die US-Amerikanerin wurde tatsächlich hart getestet. Dass es das beste Match des Jahres bislang war, wie Lindsay Davenport in der Analyse bei der BBC sagte, würde ich nicht unterschreiben. Aber die knappe Partie bot viel Spannung. Wie bei Serena stellte sich die Frage, ob Venus genügend stark für drei Sätze sein würde. Auch sie war es.
Enttäuschend verlief letztendlich Williams' Ausscheiden in der vierten Runde gegen Pironkova. Gegen selbige Gegnerin war sie bereits im letzten Jahr im Viertelfinale mit dem identisch klaren Resultat von 2:6 3:6 sensationell unterlegen.


Maria Sharapova - Anna Chakvetadze
Vor Beginn der Saison traf Sharapova zwei wichtige Entscheidungen. Sie verpflichtete Thomas Högstedt als neuen Coach und beendete die lange Zusammenarbeit mit Michael Joyce. Ausserdem gab sie die Verlobung mit Sascha Vujacic bekannt. In Wimbledon war der Basketballer der Los Angeles Lakers in ihrer Box zu sehen und nicht mehr wie früher üblich ihr Vater Yuri. Eine verletzungsfreie Saison und die Halbfinalqualifikation in Roland Garros auf dem für sie schwierigen Sandbelag liessen sie zur Favoritin für Wimbledon aufsteigen. Gegen Chakvetadze untermauerte sie dies. Bei Chakvetadze stiess mir ins Auge, dass sie beim Return sehr breitbeinig dasteht (Bild 1). Selbst nach dem Spreizschritt. Ich wüsste nicht, ob ich aus dieser Position heraus schnell in eine Richtung regieren könnte.

Nachtrag September 2013: Ein Jahr nach ihrem letzten Turnier gab Chakvetadze im Alter von 24 Jahren ihren Rücktritt aufgrund von chronischen Rückenbeschwerden bekannt.


Maria Sharapova - Laura Robson
Es ist keine Neuigkeit, sie hat sich verbessert, aber dennoch sind die Doppelfehler von Sharapova weiterhin die Achillesferse der 24-jährigen Russin. Die Statistik der Asse/Doppelfehler sagt: 2/4 gegen Chakvetadze, 6/6 gegen Robson, 4/4 gegen Zakopalova, 2/4 gegen Peng, 5/1 gegen Cibulkova und katastrophale 2/13 gegen Lisicki sowie ungenügende 3/6 gegen Kvitova. Sowohl gegen Robson wie auch gegen Lisicki startete sie mit einem 0:3-Rückstand ins Match. Grand Slam-Turniere hat Sharapova in Wimbledon 2004, bei den US Open 2006 und den Australian Open 2008 gewonnen. Die Durststrecke hält also bereits dreieinhalb Jahre an.


Marion Bartoli - Kristyna Pliskova
Es ist schon unglaublich, wie Bartoli zwischen den Ballwechseln auf dem Platz herumhüpft. Sehr sehr ungewohnt. Üblich, aber dennoch gewöhnungsbedürftig sind die Tattoos der Spielerinnen. Nur die lackierten Fingernägel gibt es als Erkennungszeichen auf der Tour wohl noch mehr zu sehen als die Tattoos. Die letztjährige Juniorensiegerin Pliskova besitzt ebenfalls ein ganz Ausgeprägtes (Bild 3). Die 19-jährige Tschechin war chancenlos, schlug bei ihrem ersten Gamegewinn aber immerhin gleich drei Asse. Allerdings blieben das die Einzigen der Partie.
Abgesehen von diesem klaren Erfolg waren bei Bartoli Nerven wie Drahtseile gefragt. Im Eastbourne-Finale am Samstag vor Wimbledon setzte sie sich erst mit 7:5 im dritten Satz gegen Kvitova durch. In der zweiten Runde von Wimbledon lag sie nach verlorenem Startsatz im zweiten Satz mit 3:5 gegen Dominguez Lino zurück und wehrte drei Matchbälle erfolgreich ab. In der nächsten Runde gegen Pennetta drehte sie ein 3:5 im Schlusssatz in einen 9:7-Sieg. Danach folgte der knappe Zweisatzsieg über Titelverteidigerin Serena Williams, ehe sie im Viertelfinale in drei Sätzen an Lisicki scheiterte. Auch hier hatte Lisicki im zweiten Satz bei 5:4 zum Matchgewinn servieren können, doch die Französin rettete sich in einen dritten Satz.


Sabine Lisicki - Na Li
Als aktuelle French Open-Siegerin und zweimalige Viertelfinalistin in Wimbledon bei vier Teilnahmen gehörte auch Li zum Kreis der Favoritinnen. Von der Ästhetik her war ein grosser Unterschied zwischen den beiden Spielerinnen erkennbar. Li steht immer richtig zum Ball und spielt einen schönen Schlag. Lisicki hingegen steht oft schlecht zum Ball oder es sieht zumindest so aus. Trotzdem kann die 21-jährige Deutsche viel Druck erzeugen. Allerdings ist sie teilweise sehr inkonstant. Schneller als sie schlug im Damenfeld an diesem Turnier niemand auf. 124mph, also 200km/h, zeigte der Tacho bei ihrem schnellsten Aufschlag gegen Li an. Ihre Turnierstatistik bezüglich Assen/Doppelfehlern ist eindrücklich. Vor allem im langen Match gegen Li punktete sie mit ihrem Aufschlag. Ihr Daten waren 8/3 gegen Sevastova, 17/5 gegen Li, 2/3 gegen Doi, 8/0 gegen Cetkovska, 9/2 gegen Bartoli und 0/4 gegen Sharapova. Neben ihren harten Schlägen hat Lisicki den Stoppball im Repertoire, den sie häufig als gutes Mittel einsetzt. Langfristig denke ich, dass sie die gefährlichste Deutsche ist. Dahinter folgt Petkovic und dann mit Respektabstand Görges.
Das Selbstvertrauen des ersten Grand Slam-Titels hätte Li eigentlich durch diese Partie bringen sollen. Bei einer 5:3-Führung im dritten Satz hatte die 29-jährige Chinesin zwei Matchbälle bei Aufschlag Lisicki, die sie nicht nutzen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Li ihren Aufschlag erst zweimal abgeben müssen. Das war im zweiten Satz gewesen. Nun liess sie sich aber bei 5:4, bei 6:5 und bei 6:7 gleich dreimal in Folge breaken, wodurch ihr Schicksal besiegelt war.


Victoria Azarenka - Daniela Hantuchova
Die ersten sieben Games waren mit einer Spieldauer von 43 Minuten eine sehr zähe Angelegenheit. Später waren wieder einmal Regenblachen auf dem Centre Court zu sehen. Das ist ein seltenes Bild geworden, seit das Stadion über ein mobiles Dach verfügt. Aber Wimbledon soll weiter ein Freiluftturnier bleiben und so ist mit kurzen Verzögerungen bei einem unerwarteten Schauer zu rechnen, bis das Dach geschlossen ist.
Azarenka sieht von den Bewegungen her manchmal so ausser Position aus wie Venus Williams. Das ist auf den Bildern drei und vier sehr schön zu erkennen. Die Hauptsache ist, dass der Schläger am richtigen Ort ist und der Schwung korrekt stattfindet. Der Rest des Körpers muss "lediglich" dazu genutzt werden, um dies sicherzustellen. Damit generiert die Weissrussin viel Power. Die 21-jährige ist eigentlich mögenswert, da sie ausserhalb des Tennisplatzes immer recht cool und gut gelaunt wirkt. Auf dem Tennisplatz machen es einem das mühsame Schreien, die Macke, dass sie den Ball beharrlich nur immer von einem Ballkind nehmen will und das verbissene und exzessive Jubeln zum Schluss einer Partie aber fast unmöglich, sie ohne Einschränkungen zu mögen.

 

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