Porsche Tennis Grand Prix 2010, Stuttgart

zurück zur Übersicht         Last updated: 16.05.2010

alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank zu: Justine Henin, Jelena Jankovic, Julia Görges, Gisela Dulko, Tsvetana Pironkova, Margalita Chakhnashvili
Viertelfinale 3. Tableauviertel - Justine Henin-Jelena Jankovic

 

Das war sonnenklar, dass Justine Henin früher oder später auf die Tour zurückkehren würde. Dafür ist sie eine zu ehrgeizige Spielerin und hat nichts Gleichwertiges ausserhalb des Tennisplatzes, dass sie davon abhalten könnte. Ihre Mutter starb, als sie 12 Jahre alt war. Danach zerstritt sie sich mit ihrem Vater und ihren Geschwistern. Familienersatz wurden Coach Carlos Rodriguez und Ehemann Pierre-Yves Hardenne. Es folgte die Scheidung. Später die Versöhnung mit ihrem Vater und ihren Geschwistern, nachdem ihr Bruder nach einem Autounfall ins Koma gefallen war. Dank dem neuen Familienglück hängte sie kurz darauf das Racket an den Nagel. Sie brauchte das Tennisspiel nicht mehr, um glücklich zu sein. Doch mit 26 Jahren Frührentnerin zu werden, ist eben auch nicht das Wahre. Nach eigenen Angaben hatte sie nach ihrem Rücktritt praktisch nie mehr einen Tennisschläger in der Hand gehabt. Hatte in dieser Zeit aber trotzdem eine Tennisakademie gegründet... Dies aber wohl eher in Zusammenarbeit mit Carlos Rodriguez. Federers Erfolg in Roland Garros inspirierte sie, den ihr bislang verwehrten Titelgewinn in Wimbledon anzuvisieren. Nach nur eineinhalb Jahren Abwesenheit kam sie bereits zurück. Dass sie dies auf absolutem Weltspitzenniveau tun würde, stand ausser Frage.

Einzel 3. Tableauviertel
 1. Runde  2. Runde  Viertelfinale  Halbfinale  Finale
 Yanina Wickmayer (8) -
 Francesca Schiavone
 6:3 6:3
 Justine Henin (W) -
 Yanina Wickmayer (8)
 6:3 7:5
 Justine Henin (W) -
 Jelena Jankovic (4)
 3:6 7:6 6:3
 Justine Henin (W) -
 Shahar Peer
 6:3 6:2
 Justine Henin (W) -
 Samantha Stosur (7, W)
 6:4 2:6 6:1
 Justine Henin (W) -
 Julia Görges (W)
 7:6 6:1
 Tsvetana Pironkova (Q) -
 Margalita Chakhnashvili (L)
 6:3 6:4
 Jelena Jankovic (4) -
 Tsvetana Pironkova (Q)
 6:2 6:2
 Jelena Jankovic (4) -
 Gisela Dulko
 6:2 6:2

 

Jelena JankovicJustine Henin
Justine Henin - Jelena Jankovic
Das beste Match des Turniers. In dieser Verfassung stellen beide Spielerinnen grosse Brocken dar, die auf dem Weg zu einem Sandtitelgewinn erst einmal aus dem Weg geräumt werden müssen. Was Henin nach nun doch bereits vier Turnieren ihres Comebacks noch fehlt, ist ein Turniersieg. Der würde ihr das letzte fehlende Quäntchen an Souveränität bringen. Im Brisbane-Finale mit 6:8 im Tie-Break des dritten Satzes gegen Clijsters verloren. Im Australian Open-Finale in drei Sätzen gegen S. Williams verloren. In der zweiten Runde von Indian Wells in drei Sätzen gegen Dulko verloren. In Miami erneut im Tie-Break des dritten Satzes mit 6:8 gegen Clijsters verloren. Das Siegerimage ist erst zu 99% zurück. Der Gewinn des 70 Minuten andauernden zweiten Satzes gegen eine starke Jankovic nach verlorenem ersten Satz ist aber ein weiterer Schritt dahin. Im Hinterkopf kam der 27-jährigen Wallonin sicherlich entgegen, dass sie gegen Jankovic in zuvor neun Begegnungen noch nie verloren hatte. Die letzte Partie lag aufgrund des temporären Henin-Rücktritts allerdings bereits zweieinhalb Jahre zurück. In Stuttgart klappte es dann schlussendlich ja auch mit dem ersten Turniersieg seit dem Comeback.
Erwähnenswert sind die 100% Punktgewinn beim zweiten Aufschlag von Jankovic im ersten Satz. 9 Punkte aus 9 Versuchen. Kombiniert mit 100% genutzten Breakchancen (1 von 1) und keiner zugelassenen Breakchance stellten diese den verdienten Gewinn des ersten Satzes sicher.

Julia GörgesJulia GörgesJustine Henin
Justine Henin - Julia Görges
Hart aufschlagen und mit jedem Schlag auf den Punktgewinn gehen. Diese risikoreiche Taktik konnte Görges lange erfolgreich durchhalten. Eine kritische Situation gab es zu Beginn der Partie in ihrem zweiten Aufschlagspiel zu überstehen, als sie sich zwei Doppelfehler leistete. Sie konnte ihren Service aber trotzdem halten. Überraschend kam die Deutsche bei 6:5 und 40:0 zu drei Satzbällen bei eigenem Aufschlag. Manchmal entscheiden wenige Punkte. Ab diesem Zeitpunkt und den ungenutzten Chancen spielte Henin das Match problemlos nach Hause.
Justine Henin hatte sich letzte Woche den kleinen Finger an der linken Hand gebrochen. Da die Rechtshänderin über eine einhändige Rückhand verfügt, sollte sich die Behinderung in Grenzen halten. Trotzdem war die 27-jährige am Wochenende im Fed Cup gegen Estland bei ihrem einzigen Einsatz gegen Kanepi als Verliererin vom Platz gegangen. Eine gewisse Unsicherheit über ihre Verfassung war also vorhanden.

Jelena JankovicGisela Dulko
Jelena Jankovic - Gisela Dulko
Nach ihrem bisher einzigen Grand Slam-Finale an den US Open 2008 und dem damit verbundenen Sprung an die Weltranglistenspitze erging es Jankovic wie so vielen, die sich ohne Grand Slam-Titel auf dem Tennisthron wiederfanden. Sie zerbrach am Druck und kam in den fünf Grand Slam-Turnieren seither nie mehr über die vierte Runde hinaus. In Stuttgart war deutlich zu sehen, dass die 25-jähirge Serbin ihr Timing zurückgewonnen hat. Der in Indian Wells vor etwas als einem Monat gewonnene Titel hat sie davor bewahrt, aus den Top 10 zu purzeln. Nun orientiert sie sich wohl wieder etwas nach oben. Dulko blieb auf ihrem Lieblingsbelag chancenlos. Da hatte sich die Viertelfinalistin vom Vorjahr sicherlich mehr erhofft.

Tsvetana PironkovaMargalita ChakhnashviliMargalita Chakhnashvili
Tsvetana Pironkova - Margalita Chakhnashvili
Die überstandene Qualifikation bringt 20 WTA-Punkte. Bei einem so gut besetzten Turnier wie in Stuttgart ist die Gefahr, in der ersten Runde im Hauptfeld auf eine hammerharte Gegnerin zu treffen, aber sehr gross. Ideal also, können Qualifikantin Pironkova und Lucky Looser Chakhnashvili gegeneinander um die nächsten 60 Punkte kämpfen. Doch die Georgierin vergab diese Möglichkeit fahrlässig. Zwar hielt sich die 27-jährige Nummer 207 der Weltrangliste oft die linke Schulter, aber generell wirkte das Spiel der Rechtshänderin kraftlos. Ausserdem tappte sie beim Aufschlag insgesamt dreimal voll mit Anlauf auf die Grundlinie und damit ins Fettnäpfchen und zum Fussfehler. Pironkova, auf 99 in der Welt rangiert, nutzte diese Chance gerne. Ihr gelang das identische Resultat wie 2009. Bereits im letzten Jahr hatte die 22-jährige Bulgarin die Qualifikation an Nummer 1 gesetzt überstanden und danach die zweite Runde im Hauptfeld erreicht.

 

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