Wimbledon 2012, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 21.10.2012

Doppelmatches - Knowle/Bracciali-Nestor/Mirnyi, Guccione/Hewitt-Zimonjic/Peya, Melzer/Petzschner, Qureshi/Rojer

 

Nur in Wimbledon wird das Herren Doppel über drei Gewinnsätze ausgetragen. Bei allen anderen Grand Slam-Turnieren reichen mittlerweile zwei Gewinnsätze zum Sieg. Auf der ATP-Tour wird seit einigen Jahren sogar mit der No Deuce-Regel und anstelle des dritten Satzes mit einem Championship-Tie Break operiert. Trotzdem erwischt es einige der nominell besten Doppel der Welt in Wimbledon immer wieder früh. Auf Rasen ist es schwer, den Aufschlag zu durchbrechen. Aber man hätte ja genügend Zeit, um die Angelegenheit in einem Best of Five-Match zu richten.
In London schaue ich mir viele Herren Doppel an. Auf den Aussenplätzen hat es zwar nicht immer freie Plätze, aber beim Doppel ist die Chance dazu weit grösser. Da kann man sich bei einem spannenden Match auch mal im dritten oder vierten Satz hinzustellen. So etwas wäre im Herren Einzel unmöglich. Notfalls kann man das Spiel auf vielen Aussenplätzen stehend verfolgen. Das tue ich dann oft.

Herren Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  Viertelfinal  Halbfinal  Final
 Mirnyi/Nestor (1) -
 Russell/Young
 4:6 6:0 6:2 6:1
 Bracciali/Knowle -
 Mirnyi/Nestor (1)
 
6:4 6:4 6:4
 Bracciali/Knowle -
 Schwank/Chela
 
7:5 7:5 6:1
 Lindstedt/Tecau (5) -
 Bracciali/Knowle
 
6:4 6:2 6:4
 Lindstedt/Tecau (5) -
 Petzschner/Melzer (10)
 
6:4 6:7 6:4 6:3
 Marray/Nielsen (W) -
 Lindstedt/Tecau (5)
 4:6 6:4 7:6 6:7 6:3
 Bracciali/Knowle -
 Ball/Bellucci
 7:5 7:6 6:3
 Lindstedt/Tecau (5) -
 Mertinak/Dlouhy
 
7:6 7:6 7:6
 Lindstedt/Tecau (5) -
 Ratiwatana/Ratiwatana (L)
 
6:2 7:6 7:6
 Lindstedt/Tecau (5) -
 Rochus/Darcis
 
6:4 7:5 7:6
 Ratiwatana/Ratiwatana (L) -
 Stakhovsky/Tursunov
 
6:7 6:3 3:6 6:3 6:4
 Melo/Dodig (15) -
 Kerr/Fisher
 
6:7 6:4 6:4 6:3
 Melo/Dodig (15) -
 Emmrich/Kohlmann
 
6:3 7:6 6:3
 Melo/Dodig (15) -
 Paes/Stepanek (4)
 
4:6 6:3 6:4 6:7 8:6
 Petzschner/Melzer (10) -
 Melo/Dodig (15)
 7
:5 6:2 3:6 6:3
 Petzschner/Melzer (10) -
 Berlocq/L. Mayer
 4:6 7
:6 3:6 6:3 6:4
 Petzschner/Melzer (10) -
 Waske/Lu
 6
:3 6:4 6:7 6:2
 Petzschner/Melzer (10) -
 Elgin/Istomin
 6:4 6
:4 5:7 6:7 16:14
 Qureshi/Rojer (8) -
 Goodall/Ward (W)
 7:6 6:2 6:4
 Qureshi/Rojer (8) -
 Reynolds/Van der Merwe (Q)
 6:3 6:7 6:4 6:4
 Marray/Nielsen (W) -
 Qureshi/Rojer (8)
 7:6 7:6 6:7 5:7 7:5
 Marray/Nielsen (W) -
 Cerretani/Roger-Vasselin
 7:6 7:6 6:7 2:6 6:2
 Marray/Nielsen (W) -
 Bryan/Bryan (2)
 6:4 7:6 6:7 7:6
 Moser/Karlovic -
 Ebden/Harrison
 3:6 6:3 6:4 7:6
 Marray/Nielsen (W) -
 Moser/Karlovic
 6:3 6:3 6:2
 Brunström/Marx -
 Matkowski/Fyrstenberg (3)
 6:4 6:2 6:7 7:6
 Marrero/Seppi -
 Brunström/Marx
 7:6 6:4 7:5
 Cerretani/Roger-Vasselin -
 Marrero/Seppi
 6:4 6:4 3:6 6:7 6:4
 Guccione/Hewitt (W) -
 Zimonjic/Peya (6)
 7:6 7:6 3:6 7:6
 Guccione/Hewitt (W) -
 Becker/Stebe
 6:4 5:7 4:6 6:2 9:7
 Lipsky/R. Ram -
 Guccione/Hewitt (W)
 6:4 3:6 6:4 6:4
 Bryan/Bryan (2) -
 Lipsky/R. Ram
 5:7 6:3 5:7 6:4 6:4
 Marach/Brown -
 Polasek/Cermak (11)
 6:2 6:2 1:6 2:6 7:5
 Lipsky/R. Ram -
 Marach/Brown
 7:5 4:6 4:6 6:3 6:4
 Bryan/Bryan (2) -
 Haase/Nieminen
 6:3 6:2 6:4
 Bryan/Bryan (2) -
 Skupski/Delgado (W)
 7:6 6:0 6:2
 Bryan/Bryan (2) -
 Llodra/Clement
 7:6 6:4 3:6 4:6 6:2

Robert Lindstedt, Horia TecauSanchai Ratiwatana, Sonchat RatiwatanaRobert Lindstedt, Horia TecauSonchat Ratiwatana, Sanchai Ratiwatana
Robert Lindstedt/Horia Tecau (ATP 10/11) - Sanchai Ratiwatana/Sonchat Ratiwatana (ATP 87/88)
In den beiden Matches, in denen ich Lindstedt sah, wirkte er immer etwas grimmig. Nach dem Viersatzsieg über die Ratiwatanas schüttelte er den Kopf. Die Ambitionen sind mittlerweile natürlich angestiegen. Schon zum dritten Mal in Folge standen Lindstedt/Tecau dieses Jahr im Wimbledonfinale. Leider verloren sie zum dritten Mal in Folge. In ihrem Halbfinal hatten sie mit Petzschner/Melzer die Sieger von 2010 besiegt. Im anderen Halbfinale warfen Marray/Nielsen mit den Bryans die Sieger von 2011 aus dem Turnier. Nach dem Aus ihrer letzten beiden Finalgegner konnten Lindstedt/Tecau die neue Chance aber doch nicht nutzen. Der 35-jährige muss somit weiter auf seinen ersten Grand Slam-Titel warten. Sein rumänischer Doppelpartner ist erst 27-jährig und ihm bleibt somit noch mehr Zeit.

Daniele Bracciali, Julian KnowleDaniele Bracciali, Julian KnowleMax Mirnyi, Daniel Nestor
Daniele Bracciali/Julian Knowle (ATP 24/50) - Max Mirnyi/Daniel Nestor (ATP 1/1)
Nach den Titelgewinnen 2008 und 2009 waren die letzten drei Jahre für Nestor in Wimbledon sehr enttäuschend. Zum dritten Mal in Folge konnte er nach der zweiten Runde nur noch das Handtuch zusammenfalten (Bilder 7-8), in seiner Tennistasche verstauen und sich von allen Titelambitionen verabschieden. Bei der Niederlage, die ich nur in den letzten Zügen mitverfolgte, beging der Kanadier teilweise ungewohnt leichte Fehler. Bracciali konzentrierte sich vor dem letzten Game der Partie, in dem er während dem Seitenwechsel sein Griffband wechselte (Bild 2). Es geht doch nichts über Routinen, die ein Nervöswerden verhindern.


Chris Guccione/Lleyton Hewitt (ATP 150/450) - Nenad Zimonjic/Alexander Peya (ATP 6/20)
Wenn ich Lleyton Hewitt auf Rasen spielen sehe, dann wirkt er noch viel bissiger als auf allen anderen Belägen. Bei ihm, bei Venus Williams und bei Tamira Paszek habe ich diesen untrüglichen Eindruck, dass sie alle auf Rasen ihr klar bestes Tennis zeigen. Der oft durch langwierige Verletzungen wie zum Beispiel an der Hüfte geplagte 31-jährige Australier hat je zweimal die Frech Open und die US Open verpasst. Bei seinem Heimturnier in Australien sowie in Wimbledon hat er aber nie gefehlt. Da hat der Wimbledonsieger von 2002 in der langfristigen Planung klare Prioritäten gesetzt. Mittlerweile hat er seine eigene Bekleidungslinie "Cmon", wie auf seinem Leibchen zu lesen ist.
Als Vorbereitung auf die Olympischen Spiele spannte er mit seinem Landsmann Guccione zusammen. Wenn sich gute Einzelspieler im Doppel einschalten, dann kann es für die Doppelprofis gefährlich werden. Hewitt retournierte auf der Vorteilseite sehr stark. Das ist nicht die Stärke von Guccione. Das heisst der 2.01m grosse Guccione musste jeweils mindestens einen Returnpunkt gewinnen, damit das Team eine Chance auf das Break hatte. Bis auf den vierten Satz gab es in jedem Durchgang mindestens je ein Break von beiden Teams.
Die Zusammenarbeit von Nenad Zimonjic und Michael Llodra scheint aufgrund von Erfolglosigkeit eingestellt worden zu sein oder wird nicht mehr lange überdauern. Mit Daniel Nestor gewann Zimonjic in den Jahren 2008 bis 2010 in jedem Jahr einen Grand Slam-Titel. Mit Llodra erreichte er 2011 zwei Halbfinals und in diesem Jahr in einer Saison mit vielen Niederlagen nur das Viertelfinale in Roland Garros. Vielleicht erfolgte die Trennung kurzfristig wegen dem Olympischen Tennisturnier. Aber ich kann mir ein Fortbestehen des Teams über 2012 hinaus bei der aktuellen Ausgangslage nicht vorstellen. Llodra trat in Wimbledon mit Arnaud Clement an. Clement hat nach seiner Einzelniederlage in der Qualifikation seinen Rücktritt bekanntgegeben und wird neuer Coach des französischen Davis Cup-Teams. Im Doppel spielte er zwar mit Llodra, wurde aber für die Olympischen Spiele nicht nominiert. Dieser Schachzug ist für das ehemalige Erfolgsdoppel (Wimbledon-Sieg 2007) also nicht aufgegangen. Zimonjic spielte in Wimbledon mit dem Österreicher Peya, der zum zweiten Mal in Folge Edelhelfer war. In Roland Garros durfte er bereits mit Leander Paes antreten, da dessen regulärer Partner Stepanek verletzt gewesen war. Beide grossen Gelegenheiten endeten aber sehr enttäuschend mit einer Zweitrundenniederlage in Paris und einer Erstrundenniederlage in Wimbledon. Bei Zimonjic und Peya sah man, dass die Abläufe einiges an Eingewöhnungszeit erfordern. Hätten sie sich durch die schwere Aufgabe Guccione/Hewitt durchmogeln können, wäre für sie danach mit dem Fortlauf des Turniers vielleicht einiges möglich gewesen.

Jonathan Marray
Jonathan Marray (ATP 76), Philipp Petzschner/Jürgen Melzer (ATP 17/18), Mike Bryan (ATP 3), Marcelo Melo (ATP 29), Dustin Brown (ATP 51)
Im Jahr 1936 konnte letztmals ein Brite im Herren Doppel gewinnen. Dieser 76 Jahre alte Rekord wurde in diesem Jahr von Marray gesprengt, der sich mit seinem dänischen Partner Frederik Nieselen mit einer Wild Card ausgerüstet bis zum Titel durchspielte. Vier ihrer sechs Partien gingen über die volle Distanz. Im Halbfinal hatten sie mit den Bryans die Titelverteidiger aus dem Weg geräumt.
Petzschner/Melzer haben Wimbledon 2010 gewonnen sowie die US Open 2011. In diesem Jahr scheiterten sie im Halbfinale an den nun dreimaligen Finalisten Lindstedt/Tecau. In der vierten Runde gewann das deutsch-österreichische Doppel gegen Melo und seinen wie es aussieht neuen Teamkollegen Ivan Dodig.

Philipp Marx, Johan BrunströmMarcin Matkowski, Mariusz FyrstenbergJohan Brunström
Johan Brunström/Philipp Marx (ATP 66/73) - Marcin Matkowski/Mariusz Fyrstenberg (ATP 8/9)
Wer die Entwicklung der besten Teams im Doppel mitverfolgt, der sieht wie sich viele Spieler konstant an der Spitze behaupten. Die Teamzusammensetzungen wechseln bei Bedarf von Jahr zu Jahr, aber die Spieler an der Spitze bleiben. Matkowski/Fyrstenberg sind auf der ATP-Tour schon von Beginn an gemeinsam als Team aufgetreten und haben sich kontinuierlich verbessert. Seit fünf Jahren fahren sie an die ATP World Tour Finals der besten acht Teams des Jahres und schaffen die Qualifikation von Jahr zu Jahr. Trotz der frühen Niederlage in Wimbledon belegen sie im Race to London den fünften Platz und ihnen fehlen nur noch etwa 500 ATP-Punkte zur Marke, mit der man sich in den letzten Jahren jeweils die Teilnahme sichern konnte.
Beim Service hatten alle Spieler einen ordentlichen Bums drauf. Fyrstenberg servierte bei 2:4 im Tie-Break des vierten Satzes aber einen fatalen Doppelfehler. Brunström und Marx hatten in der Woche vor Wimbledon in 's-Hertogenbosch gespielt. Davon zeugen ihre blauen Schuhbändel, die das Unicef Open jeweils an alle Spieler verteilt. Das schwedisch-deutsche Team hatte in den Niederlanden das Halbfinale erreicht und die blauen Schnürsenkel als kleinen Farbtupfer gleich anbehalten.

Jean-Julien RojerAisam-Ul-Haq Qureshi, Jean-Julien Rojer
Aisam-Ul-Haq Qureshi/Jean-Julien Rojer (ATP 12/21) - Josh Goodall/James Ward (ATP 420/580)
Wenn wir mal davon ausgehen, dass sich der besser klassierte Spieler einen Partner aussuchen kann, dann hatte sich Bhupathi auf diese Saison hin seinen Landsmann Bopanna geschnappt. Bhupathis ex-Partner Paes hat daraufhin im Januar mit Stepanek die Australian Open gewonnen, steht aber für Olympia ohne valablen indischen Partner da. Er tritt mit Vardhan an. Bopannas ehemaliger Partner Qureshi bildet mit Rojer ein Team. An der Seite des Pakistani scheint der Niederländer aus Curacao etwas mehr aus sich herauszugehen als früher an der Seite von Butorac. Butorac spielte in dieser Saison zusammen mit Soares, wobei diese Zusammenarbeit nach Roland Garros wohl beendet wurde.

Ryan HarrisonFrank Moser
Frank Moser/Ivo Karlovic (ATP 58/128) - Matthew Ebden/Ryan Harrison (ATP 57/90)
Von diesem Match habe ich keinen einzigen Ballwechsel gesehen. Wir hatten das Einspielen mitverfolgt und prompt mit dessen Ende kam der Regen. Ganz zum Ende des Tie-Breaks im vierten Satz stellte ich mich in die Schlange und sah nicht einmal den Matchball. Doch ich knipste mit meiner Kamera einige Male durch die Menschenmenge hindurch.
Der 35-jährige Deutsche Moser und der 33-jährige Kroate Karlovic haben gegen die Bryan-Zwillinge eine hervorragende Ausbeute. An den US Open 2011 haben Moser/Karlovic erst zum zweiten Mal zusammengespielt und in der ersten Runde gleich einen Schocksieg über die Titelverteidiger Bryan/Bryan gefeiert. Nach den zwei Turnieren in 2011 spielen die beiden in der laufenden Saison bereits zum siebten Mal zusammen. Dabei waren sie im Viertelfinale von Delray Beach im Februar 2012 erneut auf die Bryans getroffen. Auch in Florida gewannen die Aussenseiter!

Mixed Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  Viertelfinal  Halbfinal
 Paszek/Knowle -
 Husarova/M. Lopez
 6:1 6:2
 Paszek/Knowle -
 Martic/Cerretani
 w.o.
 Görges/Nestor -
 Paszek/Knowle
 7:5 4:6 6:2
 
 Azarenka/Mirnyi -
 Arvidsson/Lindstedt
 7:6 6:4
 Azarenka/Mirnyi -
 Errani/Fognini (13)
 6:3 6:2
 Vesnina/Paes (4) -
 Azarenka/Mirnyi
 7:6 6:3
 
 Errani/Fognini (13) -
 bye
 .
 Robson/Inglot (W) -
 Grandin/Lipsky
 7:6 6:4
 Robson/Inglot (W) -
 Benesova/Melzer (12)
 6:3 3:6 6:1
 Hsieh/Fleming -
 Robson/Inglot (W)
 7:6 7:6
 Srebotnik/Zimonjic (3) -
 Hsieh/Fleming
 7:6 6:3
 Raymond/M. Bryan (2) -
 Srebotnik/Zimonjic (3)
 6:3 6:4
 Benesova/Melzer (12) -
 bye
 .
 Watson/Hutchins (W) -
 Hantuchova/Polasek
 6:4 6:3
 Srebotnik/Zimonjic (3) -
 Watson/Hutchins (W)
 5:7 6:4 6:4
 Srebotnik/Zimonjic (3) -
 South/Skupski (W)
 6:4 6:7 9:7
 Srebotnik/Zimonjic (3) -
 bye
 .

Sofia Arvidsson, Robert LindstedtMax Mirnyi, Victoria Azarenka
Victoria Azarenka/Max Mirnyi (WTA/ATP 55/1) - Sofia Arvidsson/Robert Lindstedt (WTA/ATP 110/10)
Arvidsson wirkte zu Beginn etwas unsicher, da sie die nominell schwächste Spielerin auf dem Feld war. Ich bin mir auch nicht sicher, wann sie zum letzten Mal im Mixed angetreten ist. Das könnte durchaus schon lange her sein. Mit zunehmender Spieldauer erkannte sie aber schnell, dass sie sich nicht verstecken muss. Der ehrgeizige Lindstedt machte sich manchmal zu viel Druck und spielte etwas zu kompliziert. Seine Rückhandreturns auf der Einstandseite verfingen sich öfters im Netz. Zwischen den Ballwechseln nahm er Arvidsson schon mal hoch, wohl damit sie nicht zu viel überlegen solle. Das leichte Schupsen oder Herunterziehen des Visors ist aber gewöhnungsbedürftig. Im Tie-Break des zweiten Satzes musste Arvidsson einen Matchball bei Aufschlag Mirnyi abwehren und schaffte dies. Die Kurzentscheidung war nun so richtig lanciert. Vier Satzbälle konnte das schwedische Team nicht nutzen und unterlag schliesslich mit 11:13.

Sara ErraniVictoria AzarenkaVictoria AzarenkaMax Mirnyi
Victoria Azarenka/Max Mirnyi (WTA/ATP 55/1) - Sara Errani/Fabio Fognini (WTA/ATP 3/41)
Seit dem lustlosen Abschenken seiner Partie an den US Open steht Fognini bei mir weit unten auf der Beliebtheisskala. Leider verteidigte er diesen negativen Platz schon geradezu vorbildlich. Fognini redete und redete, aber er war mit Abstand der schlechteste Spieler auf dem Platz. Errani weiss schon wie man Doppel spielen muss. Immerhin hat sie zusammen mit Roberta Vinci gerade die French Open gewonnen. Fognini aber spielte bei ihrem Aufschlag eine Harakiri-Taktik vorne am Netz. So überhastet kann man nicht punkten. Gegenüber Mirnyi, dem 35-jährigen Weltranglistenersten und sechsfachen Grand Slam-Sieger im Doppel, zieht er ohnehin den Kürzeren.
Für die Weissrussen ist es ein Glückfall, dass sie mit Mirnyi und Azarenka über zwei absolute Weltklassespieler verfügen. Sie haben im Mixed zusammen die US Open 2007 gewonnen und werden natürlich auch bei den Olympischen Spielen zusammen antreten. Dort werden sie dann hoch gesetzt sein, da je Spieler die bessere Rangierung aus Einzel oder Doppel berücksichtigt wird. Bei den Grand Slam-Turnieren ist es anders. Dort wird nur aufgrund der Doppelweltrangliste gesetzt und da war das weissrussische Team aufgrund der fehlenden Punkte von Azarenka ungesetzt. Diese fühlte sich im Verlauf des Matches am Netz zunehmend unwohl, denn sie schien sich an der Seite von Mirnyi für ihre leichten Volleyfehler zu schämen.

Tamira Paszek, Julian Knowle
Tamira Paszek/Julian Knowle (WTA/ATP 278/50) - Janette Husarova/Marc Lopez (WTA/ATP 62/16)
Für das Mixed Doppel
bei den Olympischen Spielen an gleicher Austragungsstätte wird Knowle nicht als Partner zur Verfügung stehen. Neben Paszek sind nur Melzer (Einzel und Doppel) und Peya (Doppel) nominiert. Ob Melzer mit dem gemischten Doppel gleich drei Konkurrenzen spielen wird oder das gemischte Doppel Peya überlässt, kann ich nicht beurteilen. Vermutlich spielt Melzer alles, da er auch bei Grand Slam-Turnieren oft alle drei Konkurrenzen spielt. Hier in Wimbledon trat er im Herren Doppel mit dem Deutschten Petzschner und im Mixed Doppel mit seiner tschechischen Freundin Benesova an.
Paszek musste um ihre Zulassung für London 2012 zittern, da sie zu wenige Fed Cup-Teilnahmen vorweisen konnte. Die International Tennis Federation berücksichtigte sie daher nicht. Sie und der österreichische Tennisverband konnten aber glaubhaft belegen, dass sie sich für den Teamwettbewerb zur Verfügung gestellt hatte, vom Verband aber nicht selektiert wurde. Im Ranking war sie bis vor zwei Jahren aufgrund von Rückenproblemen so tief gefallen, dass sie nicht mehr zu den besten vier Österreicherinnen gehörte, die für den Fed Cup aufgeboten wurden. Aufgrund dieser Information ergänzte die ITF Paszek auf der Liste der Olympioniken.
Wie so oft im Mixed Doppel werden im Anschluss die Handtücher als Souvenirs getauscht und mitgenommen. Die Männer packen die pinken Damenversionen ein, die Damen die violetten Handtücher der Herren. Von den anderen haben beide ja schon genügend.

Ross HutchinsNenad Zimonjic
Katarina Srebotnik/Nenad Zimonjic (WTA/ATP 6/6) - Heather Watson/Ross Hutchins (WTA/ATP 114/28)
Auf Court 14 waren zu Beginn des Matches schlicht zu viele Schaulustige (Bilder 1-2) und so zog es mich weiter. Als es aber in einen dritten Satz ging, zeigte ich Ausdauer und ergatterte mir nach und nach eine bessere Sicht. Ich übernahm dann gleich die Cheerleaderrolle für Team GB, da die übrigen Zuschauer nur klatschten und sich nicht zu mehr getrauten. Doch die Briten lagen mit Break zurück und mussten sich noch etwas reinhängen. Das taten sie natürlich auch und kamen bei 2:4 und Aufschlag Srebotnik zu unzähligen Breakchancen, die sie aber nicht nutzen konnten. Bei 3:5 und Aufschlag Zimonjic war es eigentlich um ein Vielfaches schwerer, da der Aufschlag des Mannes normalerweise ungleich härter zu durchbrechen ist. Doch selbst hier kamen Watson/Hutchins zu einem 0:40 und drei Breakchancen. Wieder reichte es ihnen aber nicht zum Break. So verloren sie den dritten Satz mit keiner genutzten Breakchance aus neun Möglichkeiten.

Dominic Inglot, Laura RobsonJürgen Melzer, Iveta BenesovaJürgen Melzer
Laura Robson/Dominic Inglot (WTA/ATP 295/85) - Iveta Benesova/Jürgen Melzer (WTA/ATP 23/18)
Jeder Zuschauer der die Anlage verlässt, wird gebeten sein Ticket scannen zu lassen. So können die Sitzplätze für gemeinnützige Zwecke ab 17 Uhr für fünf Pfund nochmals verkauft werden. Innerhalb der Anlage bildeten sich vor dem Tickethäuschen lange Schlangen, denn Murray spielte auf dem Centre Court. Auch die Williams’ im Doppel auf Court 2 wollten viele sehen. Nur Mixed Doppel auf Court 1 interessierte niemanden. Niemanden? - Naja, mich schon! Für fünf Pfund erhielt ich vom Stewart mit Worten „you will enjoy this seat“ das Ticket für einen Sitzplatz in Reihe 1! Was für ein Abschluss am Samstagabend. Denn das war mein letztes Match vor der Heimreise.
Mit Melzer, Benesova und Robson standen drei Linkshänder auf dem Platz. Der Österreicher und die Tschechin sind die Titelverteidiger in dieser Konkurrenz. Auf ihrem Weg zum Wimbledonsieg im letzten Jahr wurden sie gleich auch zum Paar. Melzer ist nach seinen Beziehungen mit Myskina, Vaidisova, Cibulkova und der Schwimmerin Jukic auf der Tennistour einschlägig bekannt. Im Gegensatz zur ersten Runde schwächelte Inglot diesmal bei seinem Aufschlag. Im ersten Satz servierte er bei 5:3 und 30:0 gleich drei Doppelfehler in Folge. Trotzdem konnte er sich das Game und somit den Satz noch sichern. Im zweiten Satz musste der den Aufschlag abgeben, was letztendlich den Satzverlust bedeutete. Im dritten Satz war es dann aber Melzer, der gleich zweimal gebreakt wurde.

Nachtrag September 2012: Jürgen Melzer und Iveta Benesova haben geheiratet.

 

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