French Open 2009, Paris

zurück zur Übersicht         Last updated: 02.07.2009

alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank zu: Michelle Larcher De Brito, Polona Hercog, Viktoriya Kutuzova, Olivia Rogowska, Aravane Rezai, Jie Zheng, Kateryna Bondarenko
Geteilte Hoffnungen - Michelle Larcher De Brito, Polona Hercog   (Kutuzova, Rogowska, Rezai, Zheng)

 

Hier die portugiesische Schülerin von Nick Bollettieri, dessen IMG Bollettieri Academy einem Haifischbecken gleichkommt. Seit Agassi und Seles hebt er das Powertennis dank seinen Aushängeschildern von Generation zu Generation auf eine neue Stufe.
Da die slowenische Schülerin von Zoltan Kuharszky, welcher ein ganzheitliches und taktisches Spiel lehrt. In den letzten Jahren hatte der ungarisch-schweizerische Doppelbürger aufstrebende Talente wie Ivanovic und Szavay geformt.

Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde
 Polona Hercog (Q) -
 Alisa Kleybanova (23)
 6:2 4:6 6:1
 Aravane Rezai -
 Polona Hercog (Q)
 3:6 6:4 6:2
 Aravane Rezai -
 Michelle Larcher De Brito (Q)
 7:6 6:2
 Dinara Safina (1) -
 Aravane Rezai
 6:1 6:0
 Aravane Rezai -
 Ai Sugiyama
 6:3 6:2
 Michelle Larcher De Brito (Q) -
 Melanie South
 0:6 7:6 7:5
 Michelle Larcher De Brito (Q) -
 Jie Zheng (15)
 6:4 6:3
 Jie Zheng (15) -
 Stephanie Cohen-Aloro
 6:1 6:3
 Kateryna Bondarenko -
 Patty Schnyder (17)
 6:4 6:3
 Kateryna Bondarenko -
 Olivia Rogowska (W)
 4:6 7:5 7:5
 Agnieszka Radwanska (12) -
 Kateryna Bondarenko
 6:2 6:4
 
 Olivia Rogowska (W) -
 Maria Kirilenko
 6:4 6:4

Michelle Larcher De BritoMichelle Larcher De BritoJie ZhengJie ZhengJie Zheng
Michelle Larcher De Brito - Jie Zheng
Das wird die Monotonie des Damentennis, falls es die 16-jährige bis ganz nach oben schafft. Normalerweise stehe ich in solchen Matches auf der Seite der Jugend. Doch Larcher De Britos Spiel gefiel mit so sehr wie mein Hot Dog, den ich während des Match verspeiste. Der viel zu scharfe Senf drückte mir den Schweiss auf die Stirn und die Tränen in die Augen.
"Pamir auf!" heisst es, wenn Larcher de Brito im Einsatz steht (Bild 2). Wer am lautesten schreit, wird gehört und setzt sich durch. So lautet wohl die Devise an der Bollettierti Academy, wo kompromisslose Kämpfertypen gezüchtet werden. Die Portugiesin schreit lauter als eine Seles oder eine Sharapova. Hinzu kommen die vielen Anfeuerungsrufe, was mit der erstmaligen Grand Slam-Teilnahme und den Siegeschancen im Zweitrundenmatch allerdings gut zu verstehen ist. Ihre Technik gefiel mit nicht so sehr, da sie ihre Schläge nicht komplett ausschwingt.
Tragisch für eine Weltranglisten-15. und mit 26 Jahren erfahrene Spielerin wie Zheng ist es, dass sie ihr Spiel nicht cleverer auf das Tenniskücken ausrichten kann. Trotz eines WTA-Turniersieges 2006 in Estoril auf Sand war die Chinesin auf dieser Unterlage zu spielschwach, um Variationen einfliessen zu lassen. Vielmehr spielte sie ihre Schläge sogar noch flacher über das Netz, als es ihre Gegnerin tat.

Polona Hercog
Aravane Rezai - Polona Hercog
Sowohl spielerisch wie auch körperlich hat die 18-jährige und 182cm grosse Hercog alle Voraussetzungen die es braucht, um sehr weit nach oben zu kommen. So macht es Freude, einem jungen Talent zuzusehen. Sie hat starke Rückhand- und Vorhanddefensiv-Slicebälle sowie gute Volleys in ihrem Repertoire. Ein Manko hingegen könnte ihre weite Ausholbewegung sowohl bei der Vorhand (Bild 2) wie auch der Rückhand werden. Ihr fehlte es etwas an Tempo, um die Gewinnschläge unterzubringen.
Am Kindertag war es auf Court 1 nie ruhig. Ständige Bewegung und Lärm kombiniert mit frenetischem Patriotismus machten es an diesem Mittwoch zu einer schweren Aufgabe, gegen eine Französin anzutreten. In den Grundlinienduellen etwas zu defensiv positioniert, verpuffte die Qualifikantin weit hinter der Grundlinie (Bild 3) viele Kräfte. Mitte des zweiten Satzes begann ihre Energie langsam zu schwinden und auch ihr linker Oberschenkel meldete sich mit Ermüdungserscheinungen.


Aravane Rezai - Michelle Larcher De Brito
Diese Beiden werden keine Freundinnen mehr! Rezai, die in der Vorwoche in Strassbourg ihren ersten WTA-Turniersieg hatte feiern können, beklagte sich nach einigen Games sogar bei der Oberschiedsrichterin über das zu laute Schreien ihrer Gegnerin. Beim Einspielen war Larcher De Brito noch mucksmäuschenstill gewesen. Nach drei, vier Games hatte sie sich dann aber so richtig eingeschrieen. Von weit oben war es für mich nicht ganz so extrem gewesen wie zwei Tage zuvor in einer der vordersten Reihen auf Court 7. Ich hatte an diesen French Open den direkten Vergleich zwischen Sharapova, Azarenka und Larcher De Brito. Von weit weg ähneln sich die drei in ihrer Spielweise so sehr, dass sie glattweg als Schwestern durchgehen würden.
Nach Fehlern ihrer Gegnerin, selbst bei Doppelfehlern, rief Rezai ihr "Allez" auf die andere Seite des Platzes hinüber. Doppelfehler unterliefen Larcher De Brito in dieser Partie 12 Stück. Vor allem zu Beginn des Matches und in wichtigen Phasen hatte sie ihr Nervenkostüm nicht unter Kontrolle. Vor allem zum Ende des ersten Satzes, der in einem Tie-Break gipfelte, waren beide extrem emotional und ballten nach jedem Punkt die Faust. Ich will ja nicht unfreundlich oder unseriös sein. Aber die Beiden kamen mir wirklich so in Trance vor, als ob sie gleich einen Orgasmus erleben würden. Das nenne ich mal Einsatz.

Olivia Rogowska
Kateryna Bondarenko - Olivia Rogowska
Schwer einzuschätzen sind die Zukunftsaussichten der 17-jährigen Rogowska. Irgendwie dominierte der Eindruck, dass hier ein "Mädchen" spielte, eine Juniorin. Obwohl sie beispielsweise bereits ein Jahr älter ist als Larcher De Brito. Gefallen hat mir ihre mentale Ausgeglichenheit und das richtige Mass an Fokussiertheit. Ihr kam sicherlich entgegen, dass es stimmungsmässig auf Court 17 nicht zu heiss her ging. Bondarenko spielte uninspiriert. Selbst wenn sie eine Verletzung am Fuss hatte, da muss man mehr beissen. Eine taktisch geschickt gewählte Verletzungspause der Ukrainerin bei 5:4 im zweiten Satz stellte Rogowska vor eine schwierige Aufgabe. Doch die mit einer Wild Card angetretene Australierin zeigte beim anschliessenden Aufschlagspiel gegen den Satzverlust eine reife Leistung. Taktisch einwandfrei servierte sie gegen die angeschlagene Gegnerin nach aussen und jagte diese mit dem nächsten Ball dann sofort ins andere Eck. Einmal streute sie noch einen Ball gegen die Laufrichtung ein. Diese bestandene Prüfung bestätigt ihr Potential, auch wenn sie in diesem Match letztendlich unglücklich unterlag.

 

Damen Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  Viertelfinale
 Radwanska/Radwanska -
 Rezai/Kutuzova (W)

 6:2 6:1
 Radwanska/Radwanska -
 Chuang/Mirza (14)

 4:6 7:6 6:3
 Radwanska/Radwanska -
 Raymond/Peschke (2)

 6:2 6:3
 Hsieh/Peng (9) -
 Radwanska/Radwanska 

 2:6 6:4 7:5

Aravane RezaiViktoriya KutuzovaViktoriya KutuzovaViktoriya Kutuzova
Agnieszka Radwanska/Urszula Radwanska - Aravane Rezai/Vikotriya Kutuzova   (Bilder 1-3)
Alle Spielerinnen schienen etwas zu lachen zu haben (Bild 2), ausser Kutuzova. Das spiegelt auch etwas den Werdegang dieser Spielerinnen wieder. An den US Open 2005 war ich unglaublich beeindruckt gewesen von der Ukrainerin, die im November 2005 den 76. Rang in der Weltrangliste belegt hatte. An diese Position ist sie in den letzten Jahren aber nie mehr herangekommen und hat noch nie ein Jahr unter den Top 100 beendet. Der Durchbruch auf der WTA-Tour lässt also weiter auf sich warten und wird vielleicht nie mehr folgen, wenn er bis jetzt nicht eingetreten ist.

Viktoriya Kutuzova   (Bilder 4-7)
Das Jahr 2009 verlief bislang aber erfreulich für die immer noch erst 20-jährige Ukrainerin. Das Jahr begann mit den erfolgreichen Qualifikationen für die Australian Open, Dubai und Acapulco. Es folgten zwei erfolgreiche ITF-Turniere mit dem Halbfinale in Latina und dem Finale in Torhout. Die Highlights auf Sand waren die dritte Runde in Charleston, das Halbfinale von Strassbourg und nun die zweite Runde in Roland Garros. Die Bilder stammen vom Training vor der Zweitrundenpartie im Einzel am Donnerstag. Dank den guten Resultaten sollte die Top 100-Zugehörigkeit für nahezu ein Jahr lang gesichert sein, was gleichbedeutend mit der direkten Aufnahme ins die Hauptfelder der Grand Slam-Turniere ist. Die grosse Möglichkeit also, den Durchbruch doch noch zu schaffen.

 

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