French Open 2009, Paris

zurück zur Übersicht         Last updated: 02.07.2009

alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank zu: Agnes Szavay, Venus Williams, Serena Williams, Lucie Safarova, Maria Jose Martinez Sanchez
Erfolgsrezept Spielfreude - Agnes Szavay   (V. Williams, S. Williams)

 

Gut gelaunt und voller Spielfreude trat Agnes Szavay in Paris auf. Nach ihrem Match gegen Vesnina kam mir plötzlich der Gedanke, sie könnte frisch verliebt sein. Denn genau so agierte und gestikulierte sie. Nun, ich weiss es natürlich nicht. Vielleicht bezieht sich diese Liebe auch "nur" auf das Sandplatztennis. In dieser Verfassung jedenfalls besiegte sie die Weltranglistendritte Venus Williams. Im ersten Satz sogar mit 6:0.

Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde  Viertelfinale
 Venus Williams (3) -
 Bethanie Mattek-Sands
 6:1 4:6 6:2
 Venus Williams (3) -
 Lucie Safarova
 6:7 6:2 7:5
 Agnes Szavay (29) -
 Venus Williams (3)
 6:0 6:4
 Dominika Cibulkova (20) -
 Agnes Szavay (29)
 6:2 6:4
 
 Lucie Safarova -
 Sabine Lisicki
 6:2 1:6 6:1
 Agnes Szavay (29) -
 Corinna Dentoni (Q)
 6:3 6:4
 Agnes Szavay (29) -
 Elena Vesnina
 6:2 6:0
 Maria Jose Martinez Sanchez -
 Shuai Peng (31)
 1:6 6:2 6:4
 Maria Jose Martinez Sanchez -
 Viktoriya Kutuzova
 3:6 6:3 6:3
 Serena Williams (2) -
 Maria Jose Martinez Sanchez
 4:6 6:3 6:4
 Serena Williams (2) -
 Aleksandra Wozniak
 6:1 6:2
 Svetlana Kuznetsova (7) -
 Serena Williams (2)
 7:6 5:7 7:5
 Serena Williams (2) -
 Klara Zakopalova
 6:3 6:7 6:4
 Serena Williams (2) -
 Virginia Ruano Pasqual
 6:2 6:0

Damen Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde
 Dulko/Szavay -
 Camerin/Chakvetadze

 6:3 6:4
 Williams/Williams (5) -
 Dulko/Szavay

 2:6 6:1 6:2
 Petrova/Mattek-Sands -
 Williams/Williams (5)

 7:6 5:7 7:6
 Williams/Williams (5) -
 Hradecka/Hlavackova (W)

 6:1 3:6 6:3

Agnes SzavayAgnes SzavayElena VesninaElena VesninaElena VesninaAgnes Szavay
Agnes Szavay - Elena Vesnina
Eine Tennisspielerin, die ganz "normal" ist, diese Agnes Szavay. Ein bisschen Mimik hier, ein wenig Lockerheit dort. Natürliche Gestik und etwas Coolness anstelle von extremer Verbissenheit. Wobei dieses "sich nach aussen hin mitzuteilen" zu Beginn des Matches in der Häufigkeit zu viel war. Es war wohl auch ein Zeichen für ihre Verunsicherung, die sich mit Fortschreiten des (erfolgreichen) Spielverlaufs bald legte. Denn das verbraucht auch unnötige Energie und Konzentration. Viele Angehörige der 20-jährigen Ungarin sassen im Publikum, so dass sie sich grosser Unterstützung sicher sein konnte. Der Sieg gegen Vesnina war in seiner Deutlichkeit doch etwas überraschend.

Gisela DulkoSerena Williams
Serena Williams/Venus Williams - Gisela Dulko/Agnes Szavay
Erst zwei Stunden war es seit dem Sieg von Szavay über V. Williams her. Die Ungarin war sehr fröhlich und zusammen mit ihrer Doppelpartnerin wurde im ersten Satz eigentlich durchwegs gelächelt (Bilder 1 und 3), was ihnen ab dem zweiten Satz allerdings mehr und mehr verging. Sämtliche der wenigen Revancheversuche im ersten Satz, bei denen Venus direkt auf die am Netz stehende Szavay draufhielt, konterte Agi exzellent. Das war heute ihr Tag.
Mit der Zeit legten sich die ungewöhnlich haarsträubenden Volleyfehler, welche die Williams' offenbarten. So vermochten die Schwestern, die zusammen im Doppel bereits acht Grand Slam-Titel (bei nur 18 Teilnahmen) gewannen, die Partie zu drehen. In Roland Garros hatten sie sich bei ihrer bisher einzigen Teilnahme im Jahr 1999 den Turniersieg erspielt. Ein Schlüssel im Match gegen Dulko/Szavay waren die Aufschlagspiele der Argentinierin. Wie schon in der Einzelpartie nur Stunden zuvor auf dem selben Platz gegen Cibulkova wurde Dulko zum Verhängnis, dass sie mit ihren Schlägen nicht genügend Druck ausüben kann.

Dominika Cibulkova
Dominika Cibulkova - Agnes Szavay
Szavay in Wimbledon 2008 und Cibulkova an den Australian Open 2009 hatten bislang je eine vierte Runde an einem Grand Slam-Turnier erreicht. Die Siegerin dieses Viertrundenspiels hatte tableautechnisch sogar gute Aussichten auf eine Halbfinalteilnahme. Dieser Druck war vor allem für Szavay zu gross, die nach dem Sieg über Williams leicht favorisiert in diese Partie ging. Da war es dann mit der Spielfreude auch nicht mehr weit her. Schnell lag sie mit 0:4 zurück und verlor den ersten Satz mit 2:6. Im ersten Satz schlugen beide Spielerinnen nur zwei mickrige Winner bei 9 unerzwungenen Fehlern der Slowakin und 23 (!) der Ungarin.
Ende des ersten Satzes bis zur 2:0-Führung im zweiten Satz fand Szavay einen Weg, Rückhandduelle gegen Cibulkova spielen zu können. Denn mit ihrem Mix aus Top Spin-, Slice- und harten Schlägen hat Agi dort Vorteile. Ein gutes Mittel gegen Cibulkova sind oder wären auch hoch abspringende Bälle, da die Slowakin nur 161cm gross ist. Mit fünf Games in Folge zum 5:2 nahm Cibulkova das Heft aber wieder in die Hand. Auch die Zahlen vom zweiten Satz sind durchzogen: Cibulkova wies 6 Winner zu 13 unforced Errors auf. Szavay 7 gegenüber 21.
Einzig beim Abschliessen des Matches offenbarte Cibulkova Schwächen. Schon gegen Dulko hatte sie mit der Führung im Rücken begonnen, haarsträubende Doppelfehler zu servieren. Auch gegen Szavay waren es zwei in Folge. Ein ungenutzter Matchball bei 5:2, ein weiterer beim Returnspiel bei 5:3. Bei 5:4 und 40:15 boten sich dann zwei weitere Möglichkeiten. Hier zeigte sich ihre Angst vor dem Netz. Sie war am Netz und wich wieder zurück, verlor den Punkt. Den vierten Matchball verwertete sie dann aber im Duell der 20-jährigen.


Venus Williams - Lucie Safarova   (Bilder 1-3)
Dieses Match war eine Weiterführung, nachdem es am Vorabend bei einbrechender Dunkelheit nur zur Beendigung des ersten Satzes gereicht hatte. Und der ging mit 7:6 an die Aussenseiterin Safarova. Gleich im ersten Game nach Wiederaufnahme wurde die Tschechin gebreakt und Williams zog davon. Es war ein komische Situation. Denn Safarova hätte heute den Sieg bislang nicht verdient gehabt, war dank dem Satzgewinn vom Vortag aber immer noch voll im Rennen.
Im dritten Satz bei 3:3 wurde das Match dann aber so richtig lanciert. Bislang ohne Breaks in diesem Durchgang kam Williams nach einem Doppelfehler Safarovas zu einem Breakball. Die Freundin von Venus' Vater Richard (Bild 3) jubelte nach diesem Doppelfehler laut. Ich kann Euch sagen, dass kam gar nicht gut an beim Publikum, welches dieses Verhalten mit einer Buhorgie quittierte. Safarova konnte diesen Breakball abwehren und kam ihrerseits bei 5:4 zum ersten Breakball im dritten Satz. Diesen Matchball konnte sie aber nicht verwerten und verlor die umkämpfte Partie anschliessend ohne einen weiteren Spielgewinn. Da hatte Williams im wichtigen Moment nochmals zulegen können. So wie es sich für eine Spielerin mit Weltklasseformat gehört. Allerdings ist sie auf der Sandunterlage keine herausragende Spielerin, sondern "nur" eine sehr gute Tennisspielerin.

Serena Williams - Maria Jose Martinez Sanchez   (Bilder 4-7)
Eine spanische Linkshänderin mit einem starken Aufschlag, die häufig und vor allem bei wichtigen Punkten Serve and Volley spielt. Das ist die 26-jährige Martinez Sanchez. Nach gewonnenem ersten Satz kam Martinez Sanchez bei 2:2 im zweiten Satz erneut zu Breakbällen, welche sie allerdings nicht nutzen konnte. Im folgenden Game trat Richards Freundin lautstark in Aktion, was zum ersten Break im gesamten Match gegen Martinez Sanchez führte und Williams den Weg zum Sieg ebnete. Die gute Dame hat wirklich Potential, sich zur unbeliebtesten Person im Tenniszirkus zu mausern. Was für eine Familienidylle auf Bild 6: Mutter Oracene mit Hut links unten, Venus rechts unten und Vater Richard (schnell auf der Toilette) mit Freundin mit dem pinken Oberteil auf den Knien rechts oben. Was mag die stille Beobachterin Oracene, Begleiterin von Serena, wohl über den neuen "Tennisfan" denken. Vater Richard begleitet grundsätzlich eher Venus bei deren Partien.
Martinez Sanchez zeigte zwei Schwächen: Ihre Stoppbälle funktionierten nicht. Denn in einem Match gegen eine Weltranglistenzweite gibt es keine leichten Punkte zu gewinnen. Ausserdem passiert sie immer longline, was mit der Zeit leicht zu durchschauen ist.

 

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