Wimbledon 2008, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 31.05.2014

alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank zu: Nicole Vaidisova, Samantha Stosur, Casey Dellacqua, Ioana Raluca Olaru, Patty Schnyder, Alicia Molik
Aus(-tralien) gegen Vaidisova - Nicole Vaidisova, Samantha Stosur, Casey Dellacqua

 

Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde  Viertelfinale
 Casey Dellacqua -
 Patty Schnyder (12)
 6:4 3:6 6:1
 Casey Dellacqua -
 Pauline Parmentier
 1:6 6:2 6:3
 Nicole Vaidisova (18) -
 Casey Dellacqua
 6:2 6:4
 Nicole Vaidisova (18) -
 Anna Chakvetadze (8)
 4:6 7:6 6:3
 Jie Zheng (W) -
 Nicole Vaidisova (18)
 6:2 5:7 6:1
 Pauline Parmentier -
 Akgul Amanmuradova
 7:5 6:4
 Samantha Stosur (W) -
 Ioana Raluca Olaru
 6:2 6:2
 Nicole Vaidisova (18) -
 Samantha Stosur (W)
 6:2 0:6 6:4
 Nicole Vaidisova (18) -
 Zuzana Ondraskova (Q)
 6:2 6:2

Samantha StosurSamantha StosurIoana Raluca OlaruNicole VaidisovaNicole VaidisovaSamantha Stosur
Samantha Stosur - Ioana Raluca Olaru (Bilder 1-7)
Es war ein Startmatch am Montag in Wimbledon, deshalb sah der Rasen auch noch überall so schön grün aus. Wer Probleme mit der Unterlage hat, das stellte sich bereits beim Einschlagen heraus. Jeder zweite Schlag der Rumänin Olaru geriet zu weit, weil sie jeweils zu spät am Ball war. Auch bei den Volleys waren die Unterschiede offensichtlich: Stosur, ehemalige Weltranglistenerste im Doppel, hält ihren Körper angespannt und spielt die Flugbälle praktisch nur aus dem Unterarm, während Ralu jeweils den ganzen Arm einsetzte. Dennoch wusste auch die Rumänin, dass sie den Weg ans Netz suchen musste. So gewann sie dann auch ihr erstes Game, als sie erstmals zaghafte Serve & Volley-Versuche an den Tag legte oder zumindest dem zweiten Ball ans Netz nachging. Sehr kurios war, dass Olaru einen schweren tiefen Volley (Bild 6) schön cross hineinlegte und punktete, jedoch kurz darauf einen weitaus einfacheren Ball (Bild 7) aus guter Position mit einem Drive Volley verschlug. Stosur stellte sich gut auf die Angriffsversuche der Nummer 140 der Weltrangliste ein und legte ihr jeweils gefühlvolle Bälle in die Füsse, die ohne die notwendige Technik nur sehr schwer zu vollieren sind. Das Unbehagen auf dem ungewohnten Grün machte sich bei Olaru allein schon dadurch bemerkbar, dass sie beim Prellen vor dem Aufschlag oft den Ball verlor, weil er nicht so hoch aufsprang wie auf anderen Belägen!? Zu ihrer Verteidigung muss man aber sagen, dass dies auch weitaus arrivierteren Spieler/innen passierte.
Beide Spielerinnen waren lange Zeit verletzt gewesen und sind in der Weltrangliste zurückgefallen. Während Olaru noch nicht in den Rhythmus zurückgefunden hat, war die mit einer Wild Card ausgestattete Stosur bereits wieder mit guten Leistungen auf die Tour zurückgekehrt. Die 24-jährige aus Gold Coast bestimmte das Spiel sowohl mit ihrem Aufschlag wie auch mit dem Return. Olaru konnte nur reagieren. Dank ihrem starken Aufschlag trumpfte Stosur mit Serve & Volley auf. Wobei sie die ungenügende Quote von nur 54% ersten Aufschlägen im ersten Satz dann auch das erste Break kostete. Aber auch Ralu war mit 46% weit weg von jenen Bereichen, die man als "gut" oder nur schon "genügend" betiteln könnte. Nach dem 5:1 im ersten Satz konnte Stosur ihr Niveau nicht ganz halten und ihre Fehlerzahl erhöhte sich. Dennoch kam sie zu einem ungefährdeten Sieg.

Nicole Vaidisova - Samantha Stosur (Bilder 8-11)
In einer engen Partie gegen Vaidisova kam für Stosur in der zweiten Runde dann aber das Aus.

Casey DellacquaPatty SchnyderAlicia Molik
Casey Dellacqua - Patty Schnyder (Bilder 1-3)
Es wäre eine Revanche angestanden für die überraschende Niederlage, die Patty Schnyder in Januar an den Australian Open gegen die ungesetzte Casey Dellacqua eingezogen hatte. Doch die Voraussetzungen dafür sprachen nicht unbedingt für die 29-jährige Schweizerin, wenn wir davon ausgehen, dass ihre Form mit derjenigen vom Januar vergleichbar ist und Dellacqua seither vielleicht nochmals einen kleinen Schritt vorwärts gemacht hat. Der Rasen als Unterlage kam der 23-jährigen Australierin zudem entgegen, wenn man weiss, dass sich Schnyder darauf noch nie richtig wohlgefühlt hatte.
Es war ein Duell zweier Linkshänderinnen, wobei man Dellacqua taktisch schon beinahe als Rechtshänderin betrachten kann. Ihre Rückhand ist nämlich stärker als die Vorhand. Im Startsatz kippte das Momentum von Dellacqua zu Schnyder und wieder zurück zur Australierin, die den Durchgang gewinnen konnte. Im zweiten Satz konnte Schnyder mit 4:0 vorlegen, wobei Dellacqua in dieser Phase einen Durchhänger hatte. Danach erhöhte die 165cm grosse Spielerin aus Perth ihre Kadenz aber wieder. Sie bestimmte das Spiel und war Drücker. Patty Schnyder kann auf Rasen nur reagieren. Sie benötigt Zeit für ihre Ausholbewegung, hat die Bälle auf Rasen dann aber bereits in den Füssen und ist viel zu spät dran. Die Baslerin brachte den Vorsprung im zweiten Satz zwar über die Runden, konnte im dritten Satz aber nicht mehr dagegenhalten.

Nicole Vaidisova - Casey Dellacqua (Bilder 4-6)
Nicole Vaidisova setzte in Wimbledon zum Befreiungsschlag an, nachdem sie von Mitte März bis anfangs Juni an fünf Turnieren (von Indian Wells bis zu den French Open) jeweils Erstrundenniederlagen gegen Spielerinnen auf den Weltranglistenpositionen 48 bis 83 hatte einstecken müssen. Sie durchläuft im Moment eine Abnabelungsphase von ihrem gewohnten Umfeld, die viele junge Spielerinnen in diesem Alter durchmachen. Die 19-jährige Tschechin arbeitet nicht mehr mit ihrem Coach und Stiefvater Ales Kodat zusammen. Hingegen sorgt das Liebesleben des Teenagers für Aufsehen: Bis vor kurzem war sie mit dem 27-jährigen Jürgen Melzer zusammen. Aktuell ist sie mit dem 29-jährigen Radek Stepanek liiert.
In Anbetracht der Voraussetzungen war ich überrascht von Vaidisova. Sie spielte besser, als ich das erwartet hatte. Ausserdem hat die Tschechin Stoppbälle in ihrem Repertoire. Ich erinnere mich nicht daran, diesen Schlag zuvor von ihr gesehen zu haben. Was mir auffiel, ist, dass sie beim Aufschlag von der Einstandseite sehr nah der Mittellinie steht (Bild 4). Solche Dinge fallen auch deshalb auf, weil die meistbenutzten Stellen auf dem Gras ihre Spuren hinterlassen. Casey Dellacqua spielte nicht auf dem Niveau wie in der Partie gegen Schnyder. Folglich war sie auch nicht in der Lage, eine gut spielende Nicole Vaidisova bezwingen zu können.

Alicia Molik (Bild 7)
Im Gegensatz zu Samantha Stosur wurde Alicia Molik, die 118. der Weltrangliste, vom Veranstalter nicht mit einer Wild Card bedacht. Die ehemalige Weltranglistenachte musste in die Qualifikation, wo sie gleich in der ersten Runde an Tatiana Poutchek scheiterte. Der Schnappschuss von der 27-jährigen Australierin gelang mir während der Regenpause beim Spiel Vaidisova-Dellacqua, welches auch Molik besucht hatte.

 

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