Wimbledon 2008, London

zurück zur Übersicht         Last updated: 03.01.2017

alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank zu: Andy Murray, Laura Robson, Fabrice Santoro, Xavier Malisse, Tommy Haas, Guillermo Canas
Heimische Hoffnungen - Andy Murray

 

Herren Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde  Viertelfinale
 Tommy Haas -
 Guillermo Canas
 3:6 6:4 6:4 6:4
 Tommy Haas -
 Tommy Robredo (23)
 6:4 6:4 6:3
 Andy Murray (12) -
 Tommy Haas
 6:4 6:7 6:3 6:2
 Andy Murray (12) -
 Richard Gasquet (8)
 5:7 3:6 7:6 6:2 6:4
 Rafael Nadal (2) -
 Andy Murray (12)
 6:3 6:2 6:4
 Andy Murray (12) -
 Fabrice Santoro
 6:3 6:4 7:6
 Andy Murray (12) -
 Xavier Malisse (W)
 6:4 6:2 6:2


Andy Murray - Fabrice Santoro (Bilder 1-2)
Gegen Fabrice Santoro muss man beweisen, was man spielerisch alles so auf dem Kasten hat. Der 21-jährige Schotte tat dies mit einer sehr reifen Vorstellung. Taktisch wie spielerisch. Der 35-jährige Franzose baute seinen Rekord mit nun 64 Grand Slam-Teilnahmen erneut aus. In Wimbledon scheint er mit seiner "erst" 13. Teilnahme im Gegensatz zu Roland Garros (19), den US Open (16) sowie den Australian Open (16) aber noch fast ein Neuling zu sein. ;-)

Andy Murray - Xavier Malisse (Bilder 3-5)
Mit dem belgischen Halbfinalisten von 2002 bekundete der einzige Brite unter den besten 200 Spielern der Welt keine Mühe. Auch Xavier Malisse ist nur mehr auf Position 226 klassiert. Er startete dank einer Wild Card direkt im Hauptfeld.

Andy Murray - Tommy Haas (Bilder 6-9)
Tommy Haas spielte viel aggressiver und risikoreicher als gegen Canas. Sein Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" ging allerdings nur am Ende des zweiten Satzes auf, als er einen Breakrückstand noch wettmachen konnte.

Andy Murray - Richard Gasquet
Wäre das unglaubliche Finale zwischen Nadal und Federer nicht gewesen, dann hätten Andy Murray und Richard Gasquet den Titel für das beste Match eingeheimst. Leider war ich an diesem Montag bereits wieder zurück in der Schweiz und schaute mir das Match auf BBC am TV an. Dem Träger der britischen Wimbledon-Hoffnungen gelang mit einer unglaublichen Willensleistung das, worauf so viele Spieler hoffen, wenn sie auf dem schnellen Belag dem Spiel und dem Resultat hinterherlaufen. Ohne ein einziges Break erzielt zu haben lag Murray mit 0:2 nach Sätzen zurück und verlor dann auch noch seinen Aufschlag zum 4:5 im dritten Satz. Nun konnte der bislang während mehr als zwei Stunden ungebreakt gebliebene 22-jährige Gasquet zum Matchgewinn servieren. Jetzt oder nie war die Devise. Der kleine Funken Hoffnung, der normalerweise im Keim erstickt wird, loderte auf einmal zur grossen Flamme auf. Murray drehte die Partie gegen den um einen Platz besser klassierten Weltranglistenzehnten und hatte nun nur noch die Dämmerung als Gegner. Er hatte das Ruder herumgerissen und die Partie zum letztmöglichen Zeitpunkt gegen halb neun Uhr abends ohne Unterbrechung für sich entschieden.

Tommy HaasGuillermo CanasGuillermo Canas
Tommy Haas - Guillermo Canas
Von Guillermo Canas gewann ich den Eindruck, dass er auf dem Rasenbelag weder Probleme mit dem Abspringen des Balles noch mit seinen Bewegungen hatte. Er brachte beinahe alles zurück. Tommy Haas wusste, der er ans Netz vorstossen muss. Aber der Deutsche fühlte sich bei den Volleys unwohl, weil er zu viele Fehler beging. Canas seinerseits spielte starke Passierbälle und Lobs.
Die entscheidende Wendung nahm das Spiel bei 3:3 im zweiten Satz, als sich Canas am Netz in Sekundenbruchteilen in Position bringen musste, um einen vom Netz abgelenkten Ball doch noch vollieren zu können. Bei dieser Aktion (exakt auf Bild 6 festgelhalten!) verletzte er sich am linken Unterschenkel. Nun war es eine Verletzungs- wie auch Kopfsache beim 30-jährigen Argentinier. Er konnte sein physisch anspruchsvolles Spiel mit der aufwändigen Beinarbeit nicht aufrecht halten. Canas änderte seine Spielweise und verkürzte die Ballwechsel. Vor allem im dritten Satz war es eine sehr schwache Partie, in der Haas der Nutzniesser von Problemen Canas' war. Zum Ende des dritten Satzes begannen dann die Schmerzmittel zu wirken, die Willy erhalten hatte. Er steigerte sich wieder und Haas war nicht in der Lage, seine Kadenz zu erhöhen. Trotzdem brachte der 30-jährige Hamburger das Spiel nach Hause, obwohl man ihn nicht als verdienten Sieger betiteln kann. Woran er noch arbeiten muss, dass weiss er vermutlich selber. Im nächsten Training stehen bei ihm wohl Angriffsbälle und Volleys ganz oben auf der Liste.
Bei Willy sahen wir, was es so oft zu sehen gibt: Da lässt er sich während der Verletzungspause einen Verband anlegen, um ihn kurz darauf gleich wieder zu entfernen (Bild 8). Eine reine Kopfsache, weil man sich durch einen so engen Verband dann meistens schlichtweg zu eingeengt fühlt.

 

Juniorinnen Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  Viertelfinale  Halbfinale   Finale  
 Laura Robson -
 Alexa Guarachi (L)
 6:0 6:4
 Laura Robson -
 Melanie Oudin (1)
 6:1 6:3
 Laura Robson -
 Lesley Kerkhove
 7:6 7:5
 Laura Robson -
 Bojana Jovanovski (9)
 7:5 6:4
 Laura Robson -
 Romana Tabakova
 6:2 7:5
 Laura Robson -
 Noppawan Lertcheewakarn (3)
 6:3 3:6 6:1


Laura Robson
Eine grosse Story in England war der Junioren-Titelgewinn der 14,5-jährigen Laura Robson, die nur wenige Minuten vom All England Lawn Tennis & Croquet Club entfernt wohnt. Da kam man auch auf BBC nicht an ihr vorbei, wobei im englischen TV zugegebenermassen fast rund um die Uhr aus Wimbledon berichtet wird, inklusive Liveübertragungen von Doppelpartien und anderem. Robson stahl sogar Venus Williams, der Siegerin der Damenkonkurrenz, den Platz auf den Titelseiten der Tageszeitungen. Sie war selbst bei den Juniorinnen die jüngste Teilnehmerin gewesen. Seit Martina Hingis 1994 gab es nie mehr eine jüngere Wimbledonsiegerin als Laura.
Alle Finalisten im Einzel, ob Profis oder Junioren, werden am Sonntagabend zum Champions Dinner eingeladen. Auf die Frage, wen sie als Begleitung mitnehme, meinte sie, dass sie am liebsten mit Marat Safin dorthin gehen würde. Der Russe liess ihr vor ihrem Finalspiel durch seinen Agenten dann folgende unterschriebene Nachricht übergeben: "Sorry, I can't come to the Ball, but good luck for your final tomorrow." Wobei Laura anfügte, dass er mit 28 Jahren wohl ohnehin doch etwas zu alt für sie sei... In den letzten Jahren bekam die Siegerin der Juniorinnenkonkurrenz im nächsten Jahr jeweils eine Wild Card für das Haupttableau der Damen zugesprochen. Auf die Möglichkeit angesprochen, dass sie 2009 in der ersten Runde auf die Titelverteidigerin Venus Williams treffen könnte, meinte sie mit einem Lachen: "I'll take her down."

 

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