Russland-Reise 2007

zurück zur Übersicht         Last updated: 17.09.2007

Baikalsee   -   12./13. August 2007

 

Zug 6, Nowosibirsk-Irkutsk, 29h:
Der mongolische Zug war bei weitem nicht mehr so einladend wie zuvor die Russischen. Dank sauberen Laken, mit denen ich das Bett beziehen konnte, kam ein Hauch von Gemütlichkeit auf. Selbst russisch hätte mir hier nicht mehr weitergeholfen, da die Zugbegleiterin nur mongolisch sprach. Im Speisewagen wurde ich allerdings überrascht. In dem verrauchten und nicht sehr hergerichteten fahrenden Restaurant sprach die Bedienung englisch und es gab auch eine englische Speisekarte. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil auf einer 29-stündigen Reise. ;-) Einen Notvorrat hätte ich aber ohnehin dabei gehabt. Auch meine eigene Toilettenpapierrolle war von Nöten, da es im Zugs-WC keine gab.
Auf allen vier Zugsreisen hatte ich Platz #1 im jeweiligen Wagen. Das ist ein Vorteil, da man auf den ungeraden Plätzen in Fahrtrichtung sitzt. Auf der langen Fahrt von Nowosibirsk nach Irkutsk hatte ich Einzelabteil, da das zweite Bett neben mir frei blieb.
"Der Weg ist das Ziel" traf für meine Reise nicht zu. Die Zwischenstopps waren mein Ziel. Auf der Zugsreise gab es entweder Wiesen oder Wälder und meistens eine flache Landschaft zu sehen. Alle 1000 Kilometer kam eine Flussüberquerung als Highlight hinzu. Um Krasnojarsk präsentierte sich die Gegend hügeliger und interessanter. Während unseres Halts in Krasnojarsk sah ich das Bahnhofsgebäude "von hinten" und konnte mir sehr gut vorstellen, dass ich dieses irgendwann einmal auch noch von der anderen Seite her sehen werde.
In Irkutsk konnte ich dann auf meine gut organisierte Reise vertrauen. Mein Ticket war bis nach Ulan Bataar ausgestellt, ich musste aber bereits in Irkutsk aussteigen. Dort gab es gemäss Fahrplan zwei Bahnstationen. Gemäss meinem Reiseprogramm hätte ich die zweite Haltestation nehmen sollen. Beim ersten Halt in Irkutsk war dann aber bereits eine deutsche Reisegruppe ausgestiegen und plötzlich kam ein mongolischer Fahrgast und fragte mich auf englisch, ob ich in Irkutsk aussteigen müsse. Das tat ich dann auch und erfuhr im Nachhinein, dass meine Reiseleiterin bei der Zugbegleiterin nach mir gefragt hatte.

Zugsidylle dank sauberen Bettlaken. Der Jenissej in Krasnojarsk. Mit 4000 Kilometern ist er zwar nicht der längste, aber von der Wassermenge her mächtigste Strom Russlands. Der "fahrende Markt" mongolischer Verkäuferinnen hier während unseres 20-minütigen Stopps in Ilanskaja.

Listwijanka:
60 Kilometer entfernt von Irkutsk ist Listwijanka der nächstgelegene Ort am Baikelsee. Für den gemeinen Touristen stellt Listwijanka den Halt am Baikelsee dar. Wer einen längeren Aufenthalt am Baikalsee geniesst, für den geht es meistens zur Insel Olchon.
Listwijanka ist ein langgezogenes Dorf mit zwei Aussichtspunkten. Der eine Aussichtspunkt war das Observatorium. Nach 45-minütigem Aufstieg stand ich vor einem abgeschlossenen Gitter, durch das man aber hindurchsteigen konnte. Nach meinem ersten Foto hörte ich auf einmal einen bellenden Hund auf mich zustürmen und ich ergriff panikartig die Flucht. Glücklicherweise war er wohl angekettet gewesen. Ich hätte mir Schöneres vorstellen können, als Mutterseelen alleine auf einem Hügel irgendwo in Sibirien von einem bissigen Hund zerfleischt zu werden...
Der zweite Aussichtspunkt war in der Karte auch mit "View Point" beschrieben. Das war dann wohl der Offizielle und der, den ich empfehlen kann. Dies war das "Skigebiet" Listwijankas, deshalb führte eine Sesselbahn hinauf auf den Hügel.

Mein Zimmer in der Pension Baikal Chalet.  Vorsichtshalber wurde das Toilettenpapier gleich entfernt... ;-) Ausblick aus meinem Zimmer. Ausblick beim Observatorium. Listwijankas einzige Skipiste und Sesselbahn vom Aussichtspunkt aus.

Tourismus:
In den TV-Dokumentationen wird jeweils vor dem zunehmenden Tourismus am Baikalsee gewarnt. Diese Meinung kann ich aber nicht teilen. An diesem Sonntag tummelten sich zwar viele Russen in Listwijanka, aber von Massentourismus kann man beim besten Willen nicht sprechen. Listwijanka zieht sich über 5km der Küste entlang und hat nicht einmal ein Bus, der die Touristen von A nach B befördert.
Sieht man sich an, welch' alte und luftverpestende Lastwagen in Russland herumfahren, bietet der Tourismus durchaus auch Chancen. Er kann der Region eine zeitgemässe Infrastruktur und Wohlstand bringen. Und bei sinnvollen Auflagen durch die Behörden fördern neue Investitionen sogar den Umweltschutz.

Der Dunst gehört zu dieser Jahreszeit zum Baikalsee dazu. Er entsteht, weil die Lufttemperatur wärmer ist als das Wasser und sich dieses dadurch erwärmt. Auch ich war Baden im Baikalsee! Die Temperatur war erfrischend und das Wasser war sehr sauber und klar. Für eine Schiffsrundfahrt hat es mir aufgrund meiner "Wandertouren" leider nicht mehr gereicht.
Der Baikalsee strahlt im Winter wohl einen noch grösseren Reiz aus. Wenn der grösste Süsswassersee der Welt (748km lang und durchschnittlich 48 breit) von einer Eisschicht bedeckt ist, oder im Frühling, wenn das krachende Eis auftaut und zerbricht, so etwas gibt es bei uns nicht zu sehen!

Kulinarisches:
Auf dem Menüplan steht der Omul ganz oben. Diese Forellenart existiert nur im Baikalsee. Mittags bestellte ich mir Omul, abends Russischen Salat (z.B. mit Käse, Kartoffeln, Tomaten, Mayonnaise) mit gesalzenen Omul-Stückchen, alles untereinandergemischt, und als Hauptgericht SIG, einen weiteren Fisch. Zum Dessert ein Eis mit Piniennüssen und Honig. Nüsse kann man wohl ebenfalls als sibirische Spezialität bezeichnen. Daneben werden in Russland die Fleischgerichte (meistens Huhn) auch oft mit einer überbackenen Käseschicht serviert. Selbst der SIG war mit Käse überbacken. In Russland gibt es viele Kafes, in denen man auch essen kann. In Listwijanka zum Beispiel gibt es kaum Restaurant, sondern fast ausschliesslich Kafes.

Nicht alle Bewohner leben vom Tourismus. Der grössere Teil betreibt Fischfang. Dass nicht alle Häuser mit fliessendem Wasser ausgestattet sind, davon zeugen Brunnen in den Strassen. Hier ass ich zu Abend.

Freilichtmuseum Talzy:
Neben dem Museum für Seenkunde führte mich mein Reiseprogramm auch zu einem Freilichtmuseum mit Holzhäusern aus dem 17.-19. Jahrhundert. Beide Orte waren sehr interessant. Das Freilichtmuseum war mit demjenigen im Perm zu verlgeichen, aber natürlich viel grösser. Während in Perm einzelne Häuser standen, fand man hier ganze Dorfsilhouetten.

Kosakendorf (Reitervolk) Bauerndorf Burjatenhäuser (Halbnomaden)

 

zurück zur Übersicht