Fed Cup Österreich - Australien

zurück zur Startseite         Last updated:

1. Runde der Weltgruppe II im Fed Cup 2007 vom 21./22. April 2007 in Dornbirn (AUT)

 

Da die Schweizerinnen in der Europa/Afrika-Zone in Bulgarien spielten, entschied ich mich eine Partie der Weltgruppe II in Dornbirn. Denn das Gute liegt so nah. Mit der beeindruckenden Tamira Paszek und den Australierinnen Samantha Stosur und Alicia Molik spielten gleich einige der Spielerinnen, die bei mir einen grossen Sympathiefaktor geniessen.

Es war eine ausgeglichene Begegnung zu erwarten. Die jungen Österreicherinnen mit dem Heimvorteil im Rücken. Die erfahreneren Australierinnen mit einem starken Doppel als möglichem entscheidendem Trumpf.

 

Österreich:
Sybille Bammer
Tamira Paszek
Yvonne Meusburger
Melanie Klaffner
Australien:
Samantha Stosur
Nicole Pratt
Alicia Molik
Rennae Stubbs

 

1:0   Tamira Paszek - Samantha Stosur   6:1 6:1

Tamira Paszek ist 16 Jahre jung und an Position 84 der Weltrangliste rangiert. Doch in ihrer Heimatstadt fegte sie die australische Nummer 1 und 28. der Weltrangliste kurzerhand vom Platz.

Das Timing ist das A und O bei der Österreicherin. Mal wird der Ball die Linie hinunter gedrescht, cross ins Eck versenkt oder mit einem gefühlvollen Winkelball cross auf Höhe der T-Linie gesetzt. Meistens mit ihrem Paradeschlag, der Rückhand.

Samantha Stosur wirkte zunehmend ratloser. Die 23-jährige blieb von der Grundlinie aus chancenlos, egal ob sie es mit Top Spin- oder Slice-Bällen versuchte. Und Möglichkeiten, um kontrolliert ans Netz vorzurücken, konnte sie sich keine erspielen.

Auch bei höher aufspringenden Top Spin-Bällen blieb die 165cm grosse Österreicherin stark. Der Ball wird genauso flach und hart gespielt wie zuvor. Der Treffpunkt liegt dabei einfach etwas höher und der Winkel wird etwas steiler nach unten gespielt. Das habe ich für mein Spiel auf Sand kopiert und ich darf sagen: Es funktioniert! ;-)

Der einzige wunde Punkt waren Paszeks zweite Aufschläge. Diese attackierte Stosur direkt mit dem Return, blieb aber zu unpräzis und fehlerhaft.

Am Heikelsten war jeweils das zweite Aufschlagsspiel Paszeks. Dort versagten ihre ersten Aufschläge und es wurde sofort kritisch. Sie überstand diese Phasen aber in beiden Sätzen unbeschadet und spielte den Satz danach ohne Gameverlust durch.

Ein wichtiger Schritt vorwärts ist die stark verbesserte Beinarbeit der 16-jährigen. Das hatte ich bisher als Manko bei ihr ausgemacht, war an diesem Wochenende über die Fortschritte diesbezüglich aber sehr erfreut. Und mit dem riesengrossen Selbstvertrauen, dass sie ausstrahlt, sollte es in Zukunft weiter aufwärts gehen.

 

 

2:0   Sybille Bammer - Alicia Molik   7:5 6:4

Alicia Molik bekam den Vorzug vor Nicole Pratt. Zwar hat die ehemalige Top 10-Spielerin das grössere Potential, ist mit Rang 59 in der Weltrangliste allerdings 14 Plätze hinter der 33-jährigen Pratt klassiert.

Die österreichische Nummer 1 lag schnell mit Break 0:3 hinten. Nun wechselte Bammer ihr Racket. Beim dritten Punkt in Folge zum 40:0 riss ihr bereits die Saite und erneut musste ein anderer Schläger her!? Auch am Sonntag während des Doppels riss ihr eine Saite. Da lässt sie bei der Bespannungshärte also nicht viel Marge übrig.

Nachdem Sybille Bammer bei eigenem Aufschlag zum 1:3 verkürzt hatte, folgte ein Break dem anderen. Lediglich zum 5:5 und 7:5 konnte Linzerin ihren Aufschlag durchbringen, womit sie Österreich den ersten Satz sicherte.

Es fiel auf, dass Bammer oft zwei Meter hinter der Grundlinie spielte. Bei langen Ballwechseln nahm sie die defensive Position ein.

Bei einem Racket gibt es verschiedene Angaben. Eine davon ist der "Swing Speed". Bei Alicia Moliks Racket steht unter dieser Angabe vermutlich Medium oder Slow, aber keinesfalls Fast. Es ist auffallend, welche lange und umfassende Schlagbewegung die Australierin ausführt. Vergleichbar vielleicht mit derjenigen von Amelie Mauresmo. Das Tempo wird hier eher mit der Kraft als mit der Schlaggeschwindigkeit erzeugt.

 

 

 

3:0   Sybille Bammer - Samantha Stosur   6:3 7:5

Wenn eine Fed Cup-Begegnung 3:0 verloren geht, hat die Nummer 1 des Teams beide Einzel verloren. Diese unrühmliche Bilanz hat Samantha Stosur vorzuweisen.

Bereits im ersten Game kassierte die Australierin ein Break. Die Anfangsphase blieb spannend bis Bammer ein klares Aufschlagspiel zum 3:1 durchbrachte. Unmittelbar danach unterliefen Stosur mehrere Doppelfehler und sie kassierte das Break zum 1:4. Wie am Vortag hatte Sybille Bammer Mühe, den Sack zuzumachen und das sechste Game zu erzielen.

Samantha Stosur hatte grosse Probleme bei den Returnspielen. Ihr eigener Aufschlag hingegen hielt sie in der Partie. Das war ein Pluspunkt gegenüber Samstag. Das einzige Break im zweiten Satz gelang Sybille Bammer, die Österreich damit den Sieg sicherte.

Die 26-jähirge Österreicherin versucht jeweils, sich zwischen den Ballwechseln zu konzentrieren. Sie tut dies mit geschlossenen Augen. Auch beim Seitenwechsel hält sie ihre Augen geschlossen (Bild 5). Vor und nach dem Seitenwechsel klatsche sie jeweils mit Team Captain Alfred Tesar ab (Bild 6).

Sogar Schiedsrichter Enriq Molina aus Spanien bekam etwas von der Feierlaune der Österreicherinnen ab (Bild 8).

 

 

4:0   Tamira Paszek - Alicia Molik   6:4 6:2

Es herrschte eine entspannte Stimmung (Bild 1), war das Kräftemessen doch bereits zu Gunsten des Heimteams entschieden. Doch das Match wurde von beiden Seiten mit vollem Einsatz geführt.

Tamira Paszek ging als Favoritin in die Begegnung, lag sie doch im direkten Vergleich mit 2:0 in Führung. Erst vor zwei Wochen in Miami hatte sie zuletzt gegen Molik siegen können.

Wenn die 182cm grosse und aufschlaggewaltige Molik präzise und hart servierte, hatte die 165cm grosse Paszek aufgrund der fehlenden Reichweite Mühe beim Return. Sobald der Aufschlag aber nicht exakt platziert war, war die Österreicherin sofort da. Aber oft konnte Paszek sogar die schwierigen Bälle dank "eingesprungenen" Returns noch brilliant retten (Bilder 4+5).

Der Sieg der 16-jährigen aus Dornbirner war ungefährdet. Das einzige Break kassierte sie bei 5:2 im ersten Satz.

Beim Aufschlag ist vielleicht noch Verbesserungspotential vorhanden. Auf Bild 2 steht Tamira Paszek für meinen Geschmack zu frontal zum Netz. An der Sprunghöhe hingegen gibt es nichts auszusetzen.

 

Tamira Paszek

 

4:1   Yvonne Meusburger / Melanie Klaffner - Samantha Stosur / Rennae Stubbs   4:6 3:6

Für das hoch favorisierte australierische Doppel war der Ehrenpunkt eigentlich nur eine Formsache. Für Samantha Stosur bot sich so die Möglichkeit, an diesem Wochenende doch noch zu einem Erfolgserlebnis zu kommen.

Doch es blieb ein verkorkstes Wochenende für Stosur. Zwar konnte der Sieg mit Mühe erzielt werden, aber das Stosur/Stubbs blieben weit unter ihren Möglichkeiten.

Yvonne Meusburger und Melanie Klaffner hingegen zeigten eine sehr ansprechende Leistung. Die um Rang 250 klassierte Meusburger und die im Doppelranking nicht geführte 16-jährige Klaffner hielten über weite Strecken mit den Australierinnen mit.

Die Österreicherinnen gingen in beiden Sätzen jeweils dank einem Break gegen die 55-fache Doppel-Turniersiegerin Rennae Stubbs mit 3:1 in Führung. Danach konnten die an Position 1 und 7 der Weltrangliste klassierten Stosur/Stubbs den Spiess aber jeweils zu ihren Gunsten drehen.

 

Einmal mehr zeigte sich, wie stark der Heimvorteil im Fed Cup und im Davis Cup wiegt. Oft habe ich mir nun Begegnungen angesehen, in denen die Gäste von der Papierform her leicht zu favorisieren gewesen wären. Meistens ging aber das Heimteam als Sieger vom Platz.

Im Juli spielen die Österreicherinnen erneut zu Hause. Um den Aufstieg in die Weltgruppe I messen sie sich mit Israel. Die Australierinnen geniessen im Kampf gegen den Abstieg in die Kontinentalzone Heimvorteil gegen die Ukraine.

 

zurück zur Startseite