Davis Cup AUS-SUI

zurück zur Startseite         Last updated: 30.01.2005

Halbfinale im Davis Cup 2003 in Melbourne (Aus)

Australien - Schweiz   3:1

 

Lleyton Hewitt - Michel Kratochvil   6:4 6:4 6:1

Lleyton Hewitt, Nummer 7 der Welt, gegen den Schweizer Michel Kratochvil, die Nummer 127. Klare Rollenverteilung. Allerdings hat Hewitt eine schwache Saison gespielt. Absturz von der ersten Weltranglistenposition und keine einzige Halbfinalteilnahme an einem Grand Slam Turnier in diesem Jahr. Der Davis Cup könnte ihm allerdings die Saison noch etwas retten und er ist immer topmotiviert.
Michel Kratochvil hat eine hartes Jahr mit Verletzungen hinter sich. Er hat sogar auf das US Open verzichtet, um sich so gut wie möglich beim Challengerturnier in Istanbul auf den Davis Cup Halbfinal vorzubereiten, in dem er dort Spielpraxis sammelt.
1. Satz: Um 7:00 Uhr MEZ hatte ich Abtreten ins lange Wochenende im Militär. Gleichzeitig war Beginn zum Davis Cup Halbfinal in Australien. Ich habe meinen Patriotismus walten lassen und die Hymne mitgesungen als Ansporn für die Schweizer Delegation in Melbourne. Hat aber anscheinend nichts gebracht. Break im ersten Aufschlagspiel gegen Kratochvil. Der Satz ging mit 4:6 verloren.

2. Satz: Wieder frühes Break gegen Kratochvil zum 1:2. Es gibt einige lange Rallies, die jeweils meistens Hewitt gewinnt. Er wirkt ziemlich souverän und hat das Spiel im Griff. Allerdings ist es vom Resultat her nicht so knapp, dass Kratochvil nicht eine Chance hätte, einen Satz zu gewinnen. Allerdings ist ein 0:2-Satzrückstand natürlich wohl nicht mehr aufzuholen.
3. Satz: Und dann ging es schnell. Mit 1:6 war der Satz weg. Hewitt mit zu viel Power und zu abgeklärt. Schlecht für die Moral, dass Kratochvil im letzten Satz völlig chancenlos war.
4. Satz: Dank dem Break zum Ende von Satz 3 haben die Schweizer weiterhin die Möglichkeit, mit ihrem Aufschlag jeweils ein Game vorlegen zu können. Die Australier müssen nachziehen, was einen psychologischen Nachteil darstellt.

 

Mark Philippoussis - Roger Federer   3:6 4:6 6:7

Mit dem Finalsieg in Wimbledon gegen Philippoussis vor drei Monaten verbindet Roger Federer den bisher grössten Erfolg in seiner Karriere. Na wenn das kein gutes Omen ist!
1. Satz: Super Start für Federer. Break und schnelle 3:0 Führung. Dann aber Re-Break und der Australier gleicht zum 3:3 aus. Federer kann kontern. Erneutes Break und Satzgewinn dank einem 6:3.
2. Satz: Federer schafft früh im Satz ein Break und kann dieses verteidigen. Bei 4:3 hatte Philippoussis einige Möglichkeiten, um auszugleichen. Dies konnte er aber nicht nutzen bzw wurden vom Schweizer zunichte gemacht.
3. Satz: Wieder ein frühes Break für die Schweiz. Doch dann gab Federer bei 3:2 zwei mal den Aufschlag ab und lag auf einmal 3:5 hinten! Ich weiss nicht, ob er es zu lahm oder sonst unkonzentriert wurde, weil er zu überlegen begann. Netzangriffe, welche nicht gut vorbereitet waren und unnötige Volleyfehler schlichen sich ein. Doch dann vergab Philippoussis seine Chance, als er zum Satzgewinn aufschlagen konnte. Wohl die Nerven, die versagten. Schliesslich wurde der Satz im Tie-Break entschieden, welches Federer souverän für sich entschied. Roger Federer hat nun die letzten 29 Sätze im Davis Cup Einzel alle gewonnen. Eine unglaubliche Serie!

 

Todd Woodbridge / Wayne Arthurs - Roger Federer / Marc Rosset   4:6 7:6 5:7 6:4 6:4

Die Australier treten mit einem exzellenten Doppel an. Todd Woodbridge ist zur Zeit die Nummer 7 der Doppelweltrangliste und hat im Doppel 8x Wimbledon, 3x US und Australian Open und 1x das French Open gewonnen. Er wurde 5x zusammen mit seinem mittlerweile zurückgetretenen Landsmann Mark Woodforde zum Doppel des Jahres gekührt und ist amtierender Wimbledon und US Open Sieger im Doppel zusammen mit Jonas Björkman aus Schweden.
Wayne Arthurs erreichte mit Landsman Paul Hanley in Roland Garros in diesem Jahr das Halbfinale im Doppel. Er ist die aktuelle Nummer 12 der Doppelweltrangliste.
Roger Federer hingegen ist die Nummer 31, Marc Rosset die Nummer 844 der Welt. Australien ist der Favorit, aber die Schweizer hoffen auf Ihre Chance.
1. Satz: Miserables 1. Aufschlagspiel von Wayne Arthurs. 2 Doppelfehler, je 1 Fehler bei Volley und Smash. Was war es? - Nervosität, Sonne, Wind? - Von allem wohl ein bisschen. Dank diesem Break im ersten Game sichern sich die Schweizer den Satz. Marc Rosset ist von den Schweizer Spielern für das Doppel die beste Wahl als Partner von Federer. Die beiden verstehen sich exzellent und ein guter Aufschläger hat es im Doppel um einiges leichter. Ausserdem besitzt er die Erfahrung und die Abgeklärtheit, die für ein Davis Cup Halbfinal nötig ist. Bei 5:4 eine brenzlige Situation. 15:40 bei Aufschlag Federer. Danach nochmals eine Breakchance für Australien. Die Schweizer können den Sack aber zumachen und Federer bringt den Aufschlag zum Satzgewinn durch.
2. Satz: Gleich zu Beginn des Satzes ein Aufschlagverlust von Marc Rosset. Im Gegenzug aber das Re-Break bei Aufschlag Woodbridge. Danach keine Breakchancen mehr bis zum 5:5. Dort liegen die Schweizer 0:40 bei Aufschlag Woodbridge vor. Die Australier gewinnen 5 Punkte in Folge und sichern sich das Game. Die verpasste Chance für die Schweiz. Im Tie-Break liegen die Schweizer dann mit 2:6 hinten, verkürzen auf 5:7, verlieren dann aber den Satz.
3. Satz: Keine Breaks, gegen Satzende wurden die Games aber umkämpfter. Pech für die Australier. Beim letzten Punkt zum 6:5 der Schweizer schoss Wayne Arthurs mit einem Return Todd Woodbridge ab. Er traf ihn voll am linken Ohr. Erstens tut das verdammt weh, zweitens ist doch auch noch der Gleichgewichtssinn und so weiter... Woodbridge musste danach gleich gegen den Satzverlust aufschlagen. Prompt verloren die Australier das Game zu Null. 2:1-Satzfürung für die Schweiz. Jetzt liegt alles drin!
4. Satz: Die Schweizer konnten dank dem Break zum Gewinn des 3. Satzes nun wieder mit dem Aufschlag vorlegen. Allerdings gab es den ersten Aufschlagsverlust von Federer zum 2:3. Federer hatte schon früher in seinen Aufschlagspielen Breakchancen gegen sich, konnte diese aber jeweils abwehren. Nicht so in Satz 4. Dieses Break reichte den Aussies zum Gewinn des Satzes. Es folgt nun der wohl entscheidende Satz der ganzen Davis Cup Begegnung.
5. Satz: Federer jeweils mit Mühe bei seinen Aufschlagspielen. Dann der Aufschlagsverlust zum 3:4 mit 2 Doppelfehlern im Game. Er wird sich darüber am meisten ärgen. Die ganze Last und Erwartungen der Schweiz ruht auf seinen Schulter. Da darf man auch mal Fehler machen. Leider reichte das für die Australier zum Gewinn des Doppel. Trotzdem bin ich mit der Leistung der Schweizer gegen dieses Weltklassedoppel sehr zufrieden. Hat halt nicht sollen sein. Denn auf diesem hohen Niveau bekommt man nicht viele Chancen, einen Fehler wieder wett zu machen.

 

Lleyton Hewitt - Roger Federer   5:7 2:6 7:6 7:5 6:1

1. Satz: Federer war sowas von motiviert und aufgeputscht für dieses Spiel!? Blitzstart zum 2:0, in dem er Hewitt die Bälle nur so um die Ohren schlug. Dann aber gleich das Re-Break zum 2:1. Das war dann wohl eine Übermotivation beim Schweizer. Zu viele Fehler. Auch im restlichen Satz noch zu viele Fehler beim Schweizer. Vom Spiel her sieht es aber sehr gut aus, da Hewitt kaum Winner gegen Federer schlagen kann. Mit einem Break zum Satzende konnte Federer dann das 7:5 realisieren und so den ersten Satz nach Hause bringen.
2. Satz: Jetzt ist das Spiel von Federer grossartig und als Schweizer ist es eine Freude, zuzuschauen. Federer konnte auch diesen Satz mit eigenem Aufschlag beginnen und vorlegen. Danne ein Break zum 4:2 und zum Satzende legte er gleich nochmals eines zu Null zum 6:2 drauf. Das heisst er legt auch im 3. Satz wieder vor. Und wenn das so weiter geht, schafft es die ehemalige Weltnummer 1 Lleyton Hewitt nicht einmal, in irgend einem Satz einmal mit einem Game vorne zu liegen! Was heute auffällt: Federer umläuft oft seine Rückhand und spielt Vorhand-Cross aus seiner Rückhandecke. Da hat er seine Taktik dem Power-Tennis von Hewitt angepasst. Der Schweizer macht im Spiel viel mehr Druck als sein Gegner, obwohl das eigentlich dessen Stärke wäre.
3. Satz: Es wäre so einfach gewesen!? Federer breakte Hewitt zum 5:3 und konnte zum Matchgewinn servieren. Dort gab's bei 30:30 eine knappe (richtige) Entscheidung zu Gunsten des Australiers, der prompt seine Chance nutzte. Im nächsten Aufschlagspiel von Hewitt war Federer etwa drei mal nur noch 2 Punkte vom Sieg entfernt. Ihm war aber die Nervosität anzumerken. Er spielte die Bälle nicht mehr mit der gleichen Konsequenz über das Netz. Hewitt hingegen pushte sich. Er hatte ja nichts mehr zu verlieren bei diesem Spielstand. So schaffte er den Satzgewinn im Tie-Break und es ist mit Spannung abzuwarten, wie sich der 4. Satz entwickeln wird.
4. Satz: Hewitt bestimmte jetzt das Spiel. Break zum 4:2 für den Australier. Bei 3:5 schafft es Federer aber tatsächlich nochmals wie aus heiterem Himmel, sich das Re-Break zu sichern. Er gleich mit Mühe auf 5:5 aus. Dann aber bei 5:6 trotzdem der Satzverlust. Es liegen leichte Vorteile bei Hewitt für den entscheidenden Satz. Seine Dominanz hat aber zu Ende des Satzes wieder stark abgenommen und Federer ist noch lange nicht geschlagen.
5. Satz: Federer lässt sich unnötig zum 1:3 breaken. Danach bringt Hewitt sein Aufschlagspiel souverän zu Null durch. Zu allem Übel dann nach langem hin und her dann gleich auch noch das Doppelbreak gegen Federer zum 1:5. Das wärs. Lleyton Hewitt pushte sich seit Ende von Satz 3 so sehr auf, dass er wie in einem Rausch spielte. Und Federer baute in gleichem Masse ab. Hewitt geniesst es förmlich, wenn er sich wie ein Gladiator feiern lassen kann. Und der Kampfgeist hat ihn diesmal wirklich zum Sieg geführt.

 

Australien steht verdient im Davis Cup Final. Mit zwei sehr starken Einzelspielern und einem Weltklassedoppel war der Unterschied gegenüber dem One-Man-Team der Schweiz, bestehend aus Roger Federer, einfach zu gross. Natürlich hat auch die Schweiz einen sehr guten Teamspirit, sonst wären sie nicht so weit gekommen. Aber Tatsache ist halt, dass sie nur einen einzigen Leistungsträger haben. Dafür einen mit Weltklasseformat. Aber auch der darf Fehler machen. Er kann mit 22 Jahren noch nicht die Souveränität haben und ausstrahlen, die zum Beispiel ein Pete Sampras jahrelang hatte. Oder schaut Euch Andre Agassi an. Der wäre heute keine solcher Superstar, hätte er nicht auch seine Tiefs gehabt und sich wieder bis ganz an die Spitze zurückgekämpft. Für Federer ist das kein Tief. Es zeigt nur, dass er noch nicht DER Beste ist. Aber der Weg stimmt ganz bestimmt.

Und Australien als Tennis- und allgemein als Sportnation mag ich diesen Sieg wirklich gönnen. Für mich gibt es (obwohl es das am wenigsten bedeutendste der 4 Grand Slam Turniere ist) keine schöneres Turnier als die Australian Open. Die Ambiance und die fairen Zuschauer mit wirklichem Tennissachverstand lassen die Stimmung sogar am TV rüberkommen. Oder schaut Euch Sydney 2000 an. Das war doch einfach grossartig, wie die Olympischen Spiele in Down Under abgelaufen sind.
Da sind einzig noch die Schweden, welche bei mir etwa gleich hohen Kredit geniessen, wie die Australier. Dieses Grüppchen von schwedischen Schlachtenbummlern, welche Ihre Tennishelden jeweils lautstark und sehr sehr einfallsreich unterstützen, das macht halt schon was her. Die Schweden und die Schweizer haben halt doch irgend etwas gemeinsam. Und wahrscheinlich auch die Australier. Obwohl es vom Land und der Mentalität riesige Unterschiede geben muss, gäbe es nicht so viele Schweizer, die sich in Australien wohlfühlen und dorthin ausgewandert sind, wenn die beiden Länder nicht zusammenpassen würden.

 

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