US Open 2017, New York City

zurück zur Übersicht         Last updated: 04.09.2017

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SAMSTAG:


Karolina Pliskova (WTA 1) - Shuai Zhang (WTA 26)   3:6 7:5 6:4
Wie schon am Donnerstag war im ersten Match auf Ashe Pliskova wieder in Bedrängnis. Ich kam erneut später zur Anlage und hatte meinen Koffer beim Eingang abgegeben. Das ist auch so eine tolle Sache: Den gepackten Koffer für zehn US-Dollar deponieren und am Abend direkt vom Tennis zum Flughafen und mit dem spätesten Flug des Tages um 22:55 Uhr zurück nach Europa. Ich liebe diesen Zeitplan! So lag Pliskova bereits mit einem Satz zurück und 4:3 in Führung als ich genau zur heissesten Phase zum Match stiess. Denn die Tschechin liess sich zum 4:5 breaken. Zhang besass beim Versuch für das Match auszuservieren einen Matchball, den die Weltranglistenerste aber mit aggressivem Tennis abwehrte. Im Platzinterview nach dem Match sagte Pliskova zu dieser Szene, dass sie den ganzen Tag die Vorhand longline nicht getroffen habe und beim Matchball dann einfach gedacht habe "jetzt oder nie". Interviewerin Rennae Stubbs bestätigte ihr, dass es im gesamten zweiten Satz erst der dritte Vorhandgewinnschlag gewesen sei. Pliskova meinte weiter, dass sie gemerkt habe dass Zhang in der Phase etwas tight (nervös/verkrampft) geworden sei. Es schien mir wie bei Cilic am Vortag, der im dritten Satz Schwartzman zu viele Breaks zugestanden hatte und somit Möglichkeiten gegeben hatte um den Sack zuzumachen. Irgendwann ist es dann passiert. So war es für die 25-jährige auch unheimlich wichtig, dass sie zwei weitere Breakbälle von Zhang bei 5:5 abwehren konnte. Ein weiteres Break wäre wahrscheinlich das Break zu viel gewesen. Mit ihrer Spannweite gepaart mit einem guten Händchen zirkelt sie die Bälle oft mit der Eleganz einer Krake zu einem lupenreinen Gewinnschlag.
Platzinterviews höre ich mir kaum an, weil es meistens Einheitsbrei mit nichtssagenden Antworten ist. Pliskova ist aber eine die sagt wie es ist selbst die grosse Frage nach der Nummer 1 in der Welt nahm die Wendung wie sie auch der Realität entspricht. Stubbs formulierte es nett und fragte wie viel Selbstvertrauen sie mehr habe als Nummer 1 der Welt. Sie hätte auch fragen können wie viel mehr Druck sie habe als Nummer 1. Tat sie aber nicht. Die Vorjahresfinalistin jedoch beantwortete die Frage genau in diese Richtung: Im letzten Jahr sei es ganz anders gewesen. Damals sei sie ausserhalb der Top 10 gewesen und habe keinen Druck verspürt. Sie habe heute nicht gut gespielt, aber sie habe gewonnen.


Gabriela Dabrowski/Rohan Bopanna (WTA Doppel/ATP Doppel 19/17) - Heather Watson/Henri Kontinen (WTA Doppel/ATP Doppel 101/1)   6:4 4:6 13-11
Dabrowski hat als Doppelspielerin starke Fortschritte gemacht. Sie überzeugt auch in einem gemischten Doppel mit guten Aufschlägen, Returns und Interaktionen am Netz. Einzig bei ihrem Aufschlagspiel im zweiten Satz bei 3:3 und 30:30 wähnte sie sich wohl in einem Damen Doppel und nicht in einem gemischten Doppel. Sie war in einem Vorhand crosscourt Ballwechsel mit Kontinen und entschloss sich anzugreifen. Der Finne passierte sie kurzerhand problemlos eng cross. Beim Breakball war sie in der Rally mit Watson und spielte dann auf den am Netz stehenden Kontinen, der den Ball zum Punktgewinn abvollierte. Beide Bälle hätten gegen Frauen funktionieren können, aber nicht gegen die Nummer 1 der Doppelweltrangliste der Herren.
Watson macht sich gut in der Rolle der Kleinsten auf dem Platz gegen die Grossen. Sie mag diese Herausforderung, da sie damit auch im Einzel in ihrer ganzen Tenniskarriere zu kämpfen hat. Auch wenn am Netz auf sie gespielt wird, dann will sie - trotzdem sie die einzige nicht-Doppelspezialistin ist - diesen Ball unbedingt verwandeln. Der Lohn für diesen Willen war der Wimbledon-Titel im letzten Jahr und das Wimbledon-Endspiel in diesem Jahr zusammen mit Kontinen. Dabrowski und Bopanna ihrerseits sind amtierende Sieger von Roland Garros.


Elina Svitolina (WTA 4) - Shelby Rogers (WTA 62)   6:4 7:5
Die Weltranglistenpositionen zeigen es dass die 22-jährige Svitolina in ihrer tennistischen Entwicklung bereits weiter und somit konstanter ist als die 24-jährige Rogers. Denn Rogers kassierte bei 4:5 unverhofft das Break und weg war der Satz. Im zweiten Durchgang schlug sie mit 2:0 zurück, schweifte dann aber irgendwie ab und fand sich nach der Auszeit mit einer 2:5 Rücklage wieder. Dabei hätte sie einen sehr Übergang zum Netzspiel. 33 mal stand sie in dieser Begegnung am Netz und 20 mal davon hat sie den Punkt gewonnen. Sie kann mit ihren Grundlinienschlägen sehr druckvoll agieren und im Gegensatz zu vielen anderen Tennisspielerinnen am Netz vorne sogar überzeugend abschliessen.
In der zweiten Runde stellten Rogers und Gavrilova einen neuen Spieldauerrekord in einem Damen Einzel an den US Open auf. 3 Stunden und 33 Minuten dauerte die Partie. Bereits in der Vorwoche in New Haven hatte ein TV-Kommentator gewitzelt, dass sich die dortige Turniersiegerin Gavrilova habe vertraglich festschreiben lassen, dass sie immer mindestens über zwei Stunden spiele. Darunter geht bei ihr gar nichts.


Hao-Ching Chan/Shuai Zhang (WTA Doppel 12/90) - Caroline Dolehide/Kayla Day (WTA Doppel 179/184)   6:3 6:4
Auch auf Court 1 gab es ein Platzinterview mit den Siegerinnen und hier zeigte sich auf Zhang sehr ehrlich wie zuvor auch Pliskova auf dem Centre Court. Auf die Frage nach der knappen Niederlage nur Stunden zuvor gegen Pliskova antwortete die 28-jährige Chinesin, dass sie sich immer noch sehr schlecht fühle aufgrund der Niederlage.
Die amerikanischen U18 Wild Card-Spielerinnen bewältigten ihre Aufgabe furchtlos und ambitioniert.


Johanna Larsson/Kiki Bertens (WTA Doppel 27/28) - Nicole Gibbs/Julia Boserup (WTA Doppel 174/304)   1:1 suspended
Die ersten Regentropfen hatten bereits im vorangehenden Doppel eingesetzt. Nach nur zwei gespielten Games war es um den Samstag geschehen. Ich wartete noch eine halbe Stunde ab bis der Regen definitiv das Zepter übernommen hatte und machte mich auf den Weg zum Flughafen.
Beim Wetter lässt sich leider nicht viel ausrichten. Dafür meinte es der Tennisgott gut mit meinem Rückflug bei British Airways. Bereits vor drei Jahren hatte ich für ein Jahr lang Bronzestatus erreicht und so war es in diesem Jahr erneut. Beim Hinflug von Zürich aus hatte ich einen freien Platz neben mir. Beim Rückflug nach London wurde mir ein Platz im World Traveller Plus Bereich zugeteilt (obwohl ich Economy gebucht hatte) und ich hatte erst noch einen freien Sitzplatz neben mir. Nach den vollen sechs Stunden quasi durchgeschlafen zu haben fühlt sich im Vergleich mit anderen Überseeflügen an wie neugeboren zu sein. Beim Flug von London nach Zürich bliebt der Platz neben mir erneut leer. Danke BA!

FREITAG:


Nicole Gibbs/Julia Boserup (WTA Doppel 174/304) - Francesca Schiavone/Naomi Osaka (WTA Doppel 164/696)   6:3 6:2
Die Resultate im ersten Satz waren so, dass den Freitag mit etwas Verspätung zwischen Court 4 und 5 begann und mir gleich zwei Damen Doppel "gleichzeitig" ansah, was sehr gut machbar war.
"Du wurdest gewogen...du wurdest gemessen...und du wurdest für nicht gut genug befunden. In welcher Welt könntest du mich jemals schlagen? Solch einen Ort wird es niemals geben." Dies können wir zweifelsohne über Osaka sagen, denn im Doppel ist sie wahrlich kein Ritter aus Leiderschaft. Sie wurde von den Amerikanerinnen ins Visier genommen, denn Volleys traf sie keine. Das wirkte sich auch auf ihr restliches Spiel aus und sie beging viele schlimme Fehler. Das führte zur Taktik, dass beim Return von Schiavone auch Osaka hinten wartete und sobald sich die Gelegenheit ergab, Schiavone den Weg ans Netz suchte und Osaka hinten blieb. Üblicherweise wäre es beim Return vonn Schiavone ja so, dass Osaka bereits am Netz vorne wäre. Die Ausgangslage wollten die 37-jährige Italienerin und die 19-jährige Japanerin aufgrund der eigenen Schwäche aber unbedingt umgehen.


Kristina Mladenovic/Anastasia Pavlyuchenkova (WTA Doppel 8/55) - Beatriz Haddad Maia/Ana Konjuh (WTA Doppel 124/186)   5:7 6:3 6:0
Somit endete das Doppel auf Court 5 mit einem Sieg für Gibbs/Boserup schneller und ich widmete mich voll und ganz dem Doppel auf Court 4, wo sich Haddad Maia und Konjuh überraschenderweise den ersten Satz hatten schnappen können. Doch die Favoritinnen aus Frankreich und Russland drückten dem Spiel in der Folge ihren Stempel auf.
Von den vier Temperamenten die ein Mensch hat, scheint mir das Phlegmatische bei Konjuh zumindest für eine professionelle Tennisspielerin relativ stark ausgeprägt zu sein.
An den US Open werden die Bälle nicht gerollt, sondern geworfen. An den US Open gibt es auch keine Altersbeschränkung für die Ballkinder. So sieht man dann schon mal eine "Ballperson" mit Problemen an den Kniegelenken (Bild ?).


Diego Schwartzman (ATP 33) - Marin Cilic (ATP 7)   4:6 7:5 7:5 6:4
Unverhofft kommt er jeweils doch noch, dieser Tag an dem ich mehr Herren- als Damenmatches verfolge. Das tolle an den US Open ist, dass ich zu jedem Zeitpunkt auf jeden Platz gehen kann um ein Spiel zu verfolgen. Mit den Änderungen auf der Anlage ist die auf den sieben grössten Plätzen (Ashe, Armstrong, Grandstand, 17, 5, 7, 11, 12) möglich, da der Zutritt und die Zirkulation funktioniert. Früher hatte es auf den Courts 7 oder 11 zwar jeweils freie Sitzplätze, aber während den Seitenwechseln brachte man die Massen nicht genügend schnell in Bewegung um diese auch zu füllen und die langen Schlangen abzuarbeiten. Einzig die Plätze 10 und 13 werden in der Reihenfolge des Turniers noch noch vor 7, 11 und 12 gewertet, aber auf 10 und 13 ist die Kapazität irgendwann erschöpft und der Zutritt nicht mehr möglich.
Cilic lag nach 1:1 in den Sätzen im dritten Satz mit Break zurück. Also ab auf den Grandstand! Im dritten Satz gab es sieben Breaks! Jedesmal legte Schwartzman vor und dreimal konnte Cilic zurückschlagen. Dass gegen den durchschnittlich nur mit 160 km/h beim ersten Aufschlag und 121 km/h beim zweiten Aufschlag servierenden Argentinier Re-Breaks möglich waren, ist verständlich. Ausserdem scheint der 25-jährige aus Buenos Aires nicht gerade über das stärkste Nervenkostüm zu verfügen. Doch dass sich der diesjährige Wimbledonfinalist und US Open-Champion von 2014 so oft breaken liess ist unverständlich. Er war ein so grosser Favorit in dieser Partie gewesen wie der Grössenunterschied auf Bild ? zeigt.


Denis Shapovalov (ATP 69) - Kyle Edmund (ATP 42)   3:6 6:3 6:3 1:0 ret.
Nach der Cilic-Niederlage machte ich mich auf zu Shape-of-a-love und Edmund im Arthur Ashe Stadium. Dort liess sich der Brite soeben am Nacken behandeln. Wie Shapovalov im Platzinterview nach dem Sieg sagte, habe er Edmund bei einem zweiten Aufschlag vor Schmerzen stöhnen hören und dann nahm dieser auch die Verletzungspause. Ab diesem Zeitpunkt verlor Edmund noch drei Games in Folge ohne echte Gegenwehr leisten zu können und musste darum verständlicherweise aufgeben.


Karen Khachanov/Andrey Rublev (ATP Doppel 192/572) - Aisam-Ul-Haq Qureshi/Sam Groth (ATP Doppel 29/53)   6:4 6:4
Ich gebe es zu: Ich hätte den 19-jährigen Rublev besser im Einzel beim Sieg über Dimitrov in der zweiten Runde im Louis Armstrong Stadium geschaut als in einem Erstrundendoppel auf Platz 7. Doch besser im Doppel als gar nicht. Ich kam kurz vor knapp bei 4:3 im zweiten Satz zur Partie als die Russen gerade den Geschwindigkeitsrekordhalter im Aufschlag Groth gebreakt hatten. Beim nächsten Aufschlagspiel stellte sich Khachanov relativ dumm an. Bei zwei Spielbällen schlug er Doppelfehler. Doch der 21-jährige brachte das Game doch noch durch.


Sam Querrey (ATP 21) - Radu Albot (ATP 138)   4:6 6:2 6:4 6:4
Die Asse pro Satz zeigen auf, dass Querrey im Spielverlauf immer besser in seinen Spielrhythmus fand: 3, 3, 8 und 5 waren es in den vier Sätzen. 198 kalifornische Zentimeter trafen auf 175 moldawische Zentimeter. Dem 27-jährigen Qualifikanten aus Chisinau fehlten letztendlich bei eigenem Aufschlag und Grundlinienschlägen jeweils 10 km/h um gegen Querrey genügend Druck ausüben zu können. Immerhin gewannen er im ersten Satz einen Punkt inklusive Tweener (Bild ? in der Wiederholung).
Das war das einzige Herrenmatch in den sechs Tagen New York, welches ich von Anfang bis Ende mitverfolgt habe! Das hatte aber auch "soziale" Gründe. Erst sass ich bei Bob der jeweils einen reservierten Sitzplatz auf Armstrong hat. Danach als sich die Box füllte muss ich meinen Platz verschieben. Wir hatten uns aber für das einzige gemeinsame Abendessen in dieser Woche verabredet nach Ende der Partie.

DONNERSTAG:


Daria Kasatkina (WTA 38) - Christina McHale (WTA 63)   7:5 6:3
Da wollte ich mal nachschauen wie sich McHale nach ihrem gestrigen Erfolg weiter schlägt. Ausserdem hatte ich Kasatkina noch nie in einem Match auf Profiebene spielen sehen. Ich war überrascht dass sie relativ schmal dasteht und ihre Schläger- bzw. Armbewegung relativ eng wirkt. Ich hatte mir mehr Ausholbewegung vorgestellt für den Topspin. Das Match entwickelte sich verhalten und bei 4:3 im ersten Satz "musste" ich leider los, da im Arthur Ashe Stadium nach Spannung klang.


Karolina Pliskova (WTA 1) - Nicole Gibbs (WTA 127)   2:6 6:3 6:4
Der Druck auf Pliskova wird nicht geringer so lange das grosse Ausrufezeichen noch fehlt. Sie ist seit Juli die Weltranglistenerste. Sie hat aber erst einen grossen WTA-Titel gewonnen mit Cincinnati 2016. Gleich darauf erreichte sie das Endspiel der US Open 2016. Seither blieben solche Erfolge aber aus, obwohl sie bei fast allen Turnieren als (Mit-)Favoritin gehandelt wurde. Das Match gegen Gibbs war vergleichbar mit der Aufgabe die Babos tags zuvor an Sharapova stellte. Die Aussenseiterin spielte furchtlos auf, doch zur Halbzeit drehte die Begegnung in Richtung der Favoritin.


Hao-Ching Chan/Michael Venus (WTA Doppel/ATP Doppel 12/12) - Amanda Anisimova/Christian Harrison (WTA Doppel/ATP Doppel 890/-)   6:4 6:3
An den US Open vor
fünf Jahren hatte der damals 18-jährige Christian mit seinem um zwei Jahre älteren Bruder Ryan mit einer Wild Card ausgestattet überraschend die Viertelfinals im Herren Doppel erreicht. Sein Bruder Ryan hat an der Seite des heutigen Gegners Venus in diesem Jahr an den French Open ebenso überraschend den Titel im Herren Doppel gewinnen können. Harrison konnte auch hier mit einer Wild Card antreten und sollte der gerade 17-jährig gewordenen Anisimova einige Doppeltricks mit auf den Weg geben. Die junge US-Amerikanerin machte ihre Sache ganz gut. Wo auch immer ihre ethischen Wurzeln liegen, es könnte der Norden Russlands sein. Denn irgendwie erinnerten mich ihre Gesichtszüge etwas an Larsson aus dem Norden Schwedens.


Johanna Larsson/Kiki Bertens (WTA Doppel 27/28) - Olga Savchuk/Julia Görges (WTA Doppel 35/52)   6:2 6:2
Ich hätte mir mehr erwartet von einer formstarken Görges und der erfahrenen Savchuk, die im Doppel üblicherweise immer auf der Höhe der Aufgabe ist. Nach Toronto und Cincinnati war es das dritte Turnier für die Paarung.
Bertens war heute nicht mehr so verschnupft wie am Montag, dafür nun drei Tage später mit keuchendem Husten, aber durchaus guter Laune.
Die Gratulationen am Netz waren herzlich zwischen Görges und Larsson. Schliesslich haben sie zusammen in den letzten beiden Jahren mit dem Eckert Tennis Team Regensburg den Deutschen Meistertitel in der Tennis Bundesliga gewonnen. Mit in der Mannschaft waren in diesem Jahr auch Beck, Flipkens, Maria, Hogenkamp, Martincova, Lottner, Kerkhove, Rus und Krejcikova.


Roger Federer (ATP 3) - Mikhail Youzhny (ATP 101)   6:1 6:7 4:6 6:4 6:2
Gegen Ende des dritten Satzes war das Resultat genügend heiss, dass ich ins Arthur Ashe Stadium ging um Federer und Youzhny zu verfolgen. Beide waren vergleichbarem Niveau, da Federer die Unantastbarkeit fehlte. Youzhny bearbeitete Federers Rückhand und diesem unterliefen ungewohnte Fehler. Das erste Aufschlagspiel Youzhny's im vierten Satz war beunruhigend für Federer Fans. Das kann man nicht mehr Sabr nennen, was der Schweizer da veranstaltete. Das waren vielmehr Harakiri-Netzangriffe. War es ein physisches Problem? War es der Rücken, der in Montreal vor zweieinhalb Woche im Final zwickte? Zu diesem Zeitpunkt hätte ich ja gesagt. Doch danach besann sich Federer wieder auf längere Ballwechsel und dort war im körperlich nichts Augenscheinliches anzumerken. Federer behielt seine makellose Bilanz gegen den ein Jahr jüngeren Russen mit dem 17. Sieg in Folge. Er erwähnte im Platzinterview dass er gegen Youzhny bereits in der Juniorenkonkurrenz der US Open im Jahr 1998 gespielt hatte. Federer verlor damals im Final gegen Nalbandian.
Aber zwei Siege in zweimal fünf Sätzen ist sicherlich nicht nach Federers Plan. Normalerweise hat er mit dieser Anzahl gespielter Sätze bereits die dritte Runde gemeistert.


Agnieszka Radwanska (WTA 11) - Yulia Putintseva (WTA 50)   7:5 6:2
Ich wollte am Donnerstag nach dem Federer-Match eigentlich zurück zum Hotel, doch da sah ich das Resultat von 3:2 für Putintseva gegen Radwanska. Ich wollte wissen, ob Putintseva mit der Herausforderung Radwanska besser umgehen konnte als Martic tags zuvor. Nachdem ich mir den Rest der Begegnung angesehen habe, kann ich die Frage mit "Ja" beantworten. Es war ein deutlich besseres Spiel als am Mittwoch und Radwanska wurde heute dazu gezwungen ihre beste Leistung abzurufen. Die 28-jährige Polin spielte aus jeder bedrängnisvollen Lage einen Ball zurück bis an die Grundlinie. Selbst ging sie bevorzugterweise mit ihrem Rückhandslice weit an die Grundlinie in die Rückhandecke ihrer Gegnerin in den Angriff und war mit dieser starken Eröffnung in der Folge am Netz kaum zu bezwingen.
Putintseva liegt es lange Ballwechsel zu spielen, doch das Schachspiel gegen Radwanska kann einen zur Verzweiflung treiben. Dafür blieb sie relativ ruhig. Der Spielverlauf war für mich im Gegensatz zum gestrigen Spiel gegen Martic eher logisch. Das Spiel blieb zuerst so lange offen bis Radwanska ihre Gegnerin gebrochen hatte.
Bei 1:3 im zweiten Satz setzten bei der 22-jährigen im linken Bein Krampferscheinungen ein als sie sich bückte um einen neuen Schläger aus der Tasche zu nehmen. Sie setzte sich auf den Boden und hielt sich erst das Bein und fasste sich danach an die Taille respektive den Rücken. Clever gemacht, denn für Krämpfe gibt es keine Verletzungspause. Für einen auftretenden Schmerz im Rückenbereich aber schon. So kam die Physiotherapeutin und Putintseva liess sich an Rücken und Beinen manipulieren. Doch mit diesen zusätzlichen körperlichen Problemen war der Fokus und unbändige Wille auf den Sieg verloren gegangen.

MITTWOCH:


Tomas Berdych (ATP 18) - Ryan Harrison (ATP 45)   6:4 6:2 7:6
In den sechs Jahren zwischen 2010 und 2015 hat Berdych das Jahr jeweils als Nummer 6 oder Nummer 7 der Welt beendet. Ende letztes Jahr war es Platz 10 und mit 31 Jahren ist er momentan auf Rang 18 in der Weltrangliste abgerutscht. Im Gegensatz dazu schraubte Harrison seine Karrierebestklassierung im Juli auf ein neues Hoch. Das Match auf Court 5 versprach also durchaus eine Überraschung mit amerikanischer Beteiligung. Der 25-jährige legte denn auch gut los mit einer Breakführung und 3:0. Doch Berdych konnte die ungewohnt hohe Fehlerquote zu Beginn senken und hatte mit seinen langen flachen Schlägen seinen Gegner im Griff. Dem Tschechen gelang gleich das Doppelbreak zum 4:3. Harrison konnte dem nichts mehr entgegnen und brachte sein Spiel nicht mehr auf die Reihe. Nach einem frühen Break im zweiten Satz zu Gunsten Berdychs zog ich weiter, da diese Partie nicht die gewünschte Intensität hervorrufen konnte.
Da hatte ich die US Open am Sonntag für Ihre Bestrebungen zur Verbesserung der Anlage und den neuen Sinn fürs Auge gelobt. Die Bande auf Court 5, das kann nicht der Standard für ein Multimillionenturnier sein (Bild folgt). Es ist schon unglaublich wie man die Grand Slam-Turniere voneinander unterscheiden kann. Im All England Lawn Tennis and Croquet Club wäre so etwas bei deren Liebe zum Detail unmöglich.


Alexandr Dolgopolov (ATP 64) - Jan-Lennard Struff (ATP 49)   3:6 6:3 6:2 1:6 6:3
Bei diesem Match sass ein Zuschauer neben mir, der den Tag ebenfalls beim Berdych-Harrison Match begonnen hatte und enttäuscht hierhin wechselte. Wir beide waren bestens unterhalten mit dem was wir auf Court 16 ab dem vierten Satz zu sehen bekamen. Dolgopolov ist ein Shotmaker und neben vielen Höhepunkten gab es zugegebenermassen noch mehr Fehler und Aussetzer. Fünf Doppelfehler im vierten Satz und drei Doppelfehler im fünften Satz, zum Teil in wichtigen Situationen, das darf einem 27-jährigen wie Struff nicht passieren. Der ein Jahr ältere Dolgopolov hingegen schmiss nach Rückstand den vierten Satz weg, wobei das bei ihm durchaus zu Taktik gehört. Seine Resultate zeigen oft klare Sätze, die mal auf die eine und dann wieder auf die andere Seite gehen. So hält er auch die Spieldauer tief: Fünf Sätze in genau 2 Stunden 30 Minuten muss man erst einmal hinkriegen! So aufregend gut (und fehlerhaft) das Match war, der Gewinner dieser Partie kann jederzeit gegen einen konstanten Top 100-Spieler verlieren.
Die Aussage vom letzten Satz lasse ich stehen, füge aber gerne an dass es aber auch genau anders herum weitergehen kann. In der Retroperspektive lag ich richtig in der Aussage, dass das Dolgopolov-Match besser war als das Berdych-Match. Denn in der zweiten Runde warf Dolgopolov nach verlorenem ersten Satz Berdych in vier Sätzen aus der Einzelkonkurrenz.


Rebecca Peterson (WTA 196), Barbora Krejcikova (WTA 123)
Am Dienstag sass ich auf Court 8 nach dem Ende von Wickmayer-Tsurenko bereit für das Grand Slam-Debüt von Rebecca Peterson. Doch der Regen setzte ein und so war es schliesslich nicht Dienstag auf Court 8, sondern Mittwoch auf Court 16. Beides sind im übrigens diejenigen Plätze mit der geringsten Zuschauerkapazität, da entlang einer Seitenlinie eine Bande verläuft. Eingespielt hat sich Rebecca am Mittwoch auf Platz 5 mit Krejcikova, die ebenfalls Jahrgang 1995 ist. Krejcikova ist wie die bevorstehende Gegnerin Allertova eine Tschechin, wenn auch nicht mit den genau gleichen Spielanlagen.
Den Beobachtern gefiel die Vorhand von Peterson und der eine oder andere fragte, was das für eine Spielerin sei. Es ist klar, dass sie nach über einem halben Jahr Verletzungspause auch bei Tennisinteressierten noch kein Begriff ist. Die erfolgreiche Qualifikation an den US Open kam für mich sehr überraschend und ist ein sehr erfreulicher Wegweiser. Auch beim zweiten Turnier nach ihrer Rückkehr im Juni hatte sie sich beim 25'000$-ITF Turnier von Padova zum Turniersieg gekämpft.


Denisa Allertova (WTA 90) - Rebecca Peterson (WTA 196)   6:2 7:6
Mit einem Doppelfehler eröffnete Peterson ihre Grand Slam-Karriere. Nach zwei langen Ballwechseln lag sie mit 0:40 hinten. Es war wichtig, dass sie dieses Aufschlagspiel doch noch zum 1:0 halten konnte. Doch danach punktete sie erst mit dem Break zum 2:2 zum nächsten Mal. Allertova spielte stabil ihre Schläge druckvoll herunter. Umso mehr sie vorne lag, desto besser spielte. Rebecca hatte teilweise zwar eine unglaubliche Länge in ihren Schlägen, doch sie fand keinen Ansatz mehr und dann kommt es wie bei so vielen Spielerinnen jeweils zu diesem sich nicht gut anfühlenden eigenen Spiel mit leicht angezogener Handbremse. Sieben Games gingen weg zum 2:6 0:3.
Bei 1:4 im zweiten Satz löste sich endlich der Knoten und Rebecca konnte Vollgas geben. Sie drückte nun in den Punkten und bei Allertova begann das Nervenflattern. Es ist bezeichnend dass Peterson vier ihrer fünf Doppelfehler im ersten Satz beging und Allertova alle ihre vier Doppelfehler im zweiten Satz machte. Es war eigentlich schon zu spät um noch aufzuholen, aber das Gefühl in einem Grand Slam-Hauptfeld sein Tennis abrufen zu können, das dünkt mich fast noch wichtiger. Unverhofft spielte sich Rebecca in den Tie-Break es fehlt wirklich nicht viel. Bei 4:6 im Tie-Break und zwei Matchbällen gegen sich ein Wink des Schicksals? Allertova servierte durch die Mitte, Becca konnte nur noch den Schläger hinhalten, aber brachte den Ball nicht über das Netz. Doch der Linienrichter hatte "Fault" gerufen und der Stuhlschiedsrichter überstimmte ihn. Der Punkt wurde zum Glück für Peterson wiederholt, denn der Ball war wirklich drin gewesen. Den nächsten Return knallte Becca mit der Vorhand longline auf die Linie zum direkten Winner und es stand nur noch 5:6. Doch ein Ball ins Netz nach einem langen Ballwechsel beendete das Abenteuer US Open 2017 für sie.


Svetlana Kuznetsova (WTA 8) - Marketa Vondrousova (WTA 67)   4:6 6:4 7:6
Ich kam im dritten Satz zu diesem Match auf dem Grandstand und
Kuznetsova brachte das Match auf die physische Schiene. Ihr selber macht die Drecksarbeit nichts aus und sie liess ihre Gegnerin anrennen und anrennen, um dann selber im richtigen Momenten zu den Nadelstichen ansetzen zu können. Die Begegnung dauerte "nur" 2 Stunden und 31 Minuten, was für ein solches Match noch relativ kurz ist. Kuznetsova hält immerhin den Rekord für das längste Grand Slam-Match bei den Damen mit ihrer 14:16-Niederlage an den Australian Open 2011 gegen Schiavone nach 4 Stunden und 44 Minuten.
Die 18-jährige Vondrousova hat mich bei dieser Mammutaufgabe durch ihre abgeklärte Leistung überzeugt. Sie hat selbst hier einen Weg gefunden um mithalten zu können. Auch wenn die Niederlage nach drei ungenutzten Matchbällen bei 5:4 im dritten Satz natürlich sehr schmerzt. In den letzten fünf Minuten danach war ihr Energietank leer. Die erfahrene und physisch unglaublich starke US Open-Siegerin von 2004 hatte sie gebrochen.


Agnieszka Radwanska (WTA 11) - Petra Martic (WTA 85)   6:4 7:6
Es war eine grosse Enttäuschung zu sehen, dass Martic nach den Erfolgen in Paris und London nicht in der Lage war der Neutralisation ihres Spiels durch Radwanska zu entgehen. Normalerweise ist es die Kroatin, die etwas mehr Würze in ihre Spiel bringt als ihre Gegnerin. Doch die frisch verheiratete Radwanska hatte stets die Oberhand. In beiden Sätzen lag sie jeweils vorne, im zweiten Satz sogar mit 5:2. In verliess Court 5 infolge Aussichtslosigkeit des Unterfangens. Martic hat es danach zwar noch in den Tie-Break geschafft, aber bloss aufzuholen und dann doch zu verlieren ist in solch' einer Begegnung dann nur noch mehr Frust.


Maria Sharapova (WTA 146) - Timea Babos (WTA 59)   6:7 6:4 6:1
Es war nicht mehr die Night Session im schwarzen Glitzerkleid gegen die Weltranglistenzweite, sondern es war die Day Session mit Schutz und Tape an den Unterarmen und Ellbogen gegen Babos. Ein gewisses Überraschungspotential war vorhanden. Denn Babos kann bei niedriger Fehlerquote dank ihrer Schlaggeschwindigkeit mit allen mithalten. In der ersten Runde gegen Golubic hatte sie überraschend fehlerarm agiert. Den ersten Satz konnte sich die 24-jährige Ungarin schnappen und war im zweiten Satz mit nur einer genutzten Möglichkeit bei fünf Breakchancen sehr nahe dran gewesen.


Christina McHale (WTA 63) - Anastasia Pavlyuchenkova (WTA 21)   3:6 6:3 6:2
Diese Partie hatte ich nun wahrlich nicht auf meiner Liste gehabt. Denn in der letzten Woche war sie bereits in New Haven aufeinander getroffen und dort konnte McHale die Partie trotz eines veritablen Hitzeschlags bei Pavlyuchenkova nicht zu ihren Gunsten entscheiden. Dass sich die Russin dort hatte durchsetzen können, würde bei den in dieser Woche kühleren Temperaturen nun zu einem Durchmarsch werden für die 26-jährige Russin. Doch siehe da: Anfangs drittem Satz gesellte ich mich ungläubig auf Court 11 wo Christina McHale aus New Jersey die Dämonen der Vorwoche nun doch noch besiegen konnte!


Petra Kvitova (WTA 14) - Alize Cornet (WTA 46)   6:1 6:2
Die Rückkehr mit dem Turniersieg im Juni in Birmingham beim nur zweiten Turnier nach den Messerschnitten in ihre Hand war eine dieser Märchengeschichten. Der Einbrecher im Dezember des letzten Jahres, die Kämpferin Kvitova, die sich selbst hier zur Wehr setzte und Messerstiche und -schnitte in ihre Schlaghand abbekam und bis zu den Sehnen und Nerven waren alle fünf Finger betroffen. Von mindestens einem halben Jahr Pause bis "lebenslang" war die Rede, doch sie kehrte bereits genau nach einem halben Jahr an den French Open wieder zurück und siegte dort sogar in der ersten Runde. Cornet hatte keine Chance gegen die schnörkellose Kvitova. Die Französin unterlag so klar, dass sie sogar nicht einmal die Gelegenheit hatte um ihr Dramagetue so richtig zur Schau stellen zu können. Kvitova kommt in diesem Jahr sicherlich entgegen, dass es kälter und vor allem nicht schwül ist.


Kyle Edmund (ATP 42) - Steve Johnson (ATP 46)   7:5 6:2 7:6
Im temporären Louis Armstrong Stadium durfte ich zu später Stunde sogar auf den reservierten Sitzplätzen Platz nehmen. Edmund ist seit dem ersten Tag der einzige verbliebene Brite im Turnier. Er hat sich mit seinen 22 Jahren bereits gut entwickelt. Zu gut für Johnson an diesem Tag. Der zerteilte seinen Schläger nach dem verlorenen ersten Satz. Er hatte endlich das Rebreak zum 5:5 realisieren können, gab danach sein Aufschlagspiel aber zu Null ab.


Borna Coric (ATP 61) - Alexander Zverev (ATP 6)   3:6 7:5 7:6 7:6
Ich hatte die Anlage kurz vor 21 Uhr bereits verlassen und schaute mir über das US Open Free Wifi (es ist das erste Grand Slam-Turnier, wo ich Free Wifi benutzen kann und dies in der Hälfte der Fälle tatsächlich auch funktioniert!) noch den Spielplan für Donnerstag an. Dieser konnte mich gar nicht begeistern und plötzlich stellte ich fest, dass es kein Match für mich um 11 Uhr gab. Somit würde es einen sehr späten Start für mich geben. Gleichzeitig stellte ich im Ticketmaster-Zelt gleich noch mein Ticket für die Night Session vom Donnerstag online und auch dieses brachte ich wieder für 25 USD an den Mann. Ich hatte noch mein Night Session-Ticket für Mittwoch in der Tasche und mit diesem ging ich um 21 Uhr nochmals zurück auf die Anlage. Denn Cincinnati-Sieger Zverev lag mit 1:2-Satzrückstand gegen den talentierten und ebenfalls 20-jährigen Coric zurück. Ich weiss gar nicht wie sie die Fans auf dem Grandstand zurückhalten, wenn er bereits voll ist. Denn der obere Ring ist von vielen Seiten her offen. Es scheint, dass die Leute einfach so lange auf dem Rund stehen können bis so viele Reihen entstehen dass keine mehr etwas sieht. Das ist auch eine selbstregulierende Möglichkeit zur Zuschauerregulierung.
Coric spielte variabler als Zverev. Der Deutsche hingegen verfügt über den härteren Aufschlag und damit über einfachere 1-2-Kombinatonen nach dem Aufschlag zum schnellen Punktgewinn. Der Kroate suchte sogar etwas mehr den Weg ans Netz als sein Kontrahent.
Zverev hat die hohen Erwartungen an den Grand Slam-Turnieren noch überhaupt nicht erfüllen können. In diesem Jahr ist es lediglich die 3. Runde in Australien, die 1. Runde in Paris, die 4. Runde in Wimbledon und die 2. Runde in den USA. Besser war er zwar noch nie, aber das ist natürlich kein Vergleich mit den Turniersiegen an den 1000er-Turnieren in Rom und Cincinnati sowie den weiteren Titeln beim 500er in Washington und bei den 250ern in Montpellier und München, die er in diesem Jahr bereits erzielen konnte.
Das Ende war bitter für den an Nummer 3 gesetzten Zverev: Er besass im vierten Satz bei 6:5 und Aufschlag Coric bei 0:40 drei Matchbälle. Den zweiten Matchball wehrte Coric mit einem Ball ab, der - wie Hawk Eye zeigte - noch an der Linie gekratzt hatte. Coric gewann fünf Punkte in Folge zum 6:6. Danach hatte der Kroate das Momentum auf seiner Seite als es in den Tie-Break ging.


Denis Shapovalov (ATP 69) - Jo-Wilfried Tsonga (ATP 12)   6:4 6:4 7:6
Man darf die US Open durchaus dafür kritisieren, dass sie den Kanadier Shapovalov nicht mit einer Wild Card ausgestattet haben. Das wäre in Wimbledon nicht passiert, an allen anderen drei Grand Slam-Turnieren jedoch schon, da dort die Wild Cards strikt nach Länderregelung (6 für die Heimnation, je 1 für die "anderen" zwei Grand Slam-Nationen ausser Grossbritannien) vergeben werden. Shapovalov hat die Junioren-Doppelkonkurrenz der US Open in 2015 gewonnen. Nach seinem Juniorentitel im Einzel in Wimbledon 2016 beendete er seine Juniorenkarriere und trat somit nicht mehr zu den US Open 2016 an. Vor drei Wochen hat der 18-jährige (mit einer Wild Card) beim 1000er-Turnier im kanadischen Montreal Nadal besiegt und stand im Halbfinal. Seine Weltranglistenposition würde seither locker zur Aufnahme ins Hauptfeld der US Open reichen, tat es aber vor sechs Wochen beim Meldeschluss noch nicht. Nun gut, Shapovalov hat sich durch die Qualifikation gespielt und diese überstanden. Die nicht-Amerikanerin Sharapova beispielsweise hat wiederum eine Wild Card erhalten. Und eine Bouchard, die aber genau gar nichts trifft und die die US Open wegen ihres Sturzes im letzten Jahr sogar verklagt hat, die wurde am Mittwoch gegen die den allermeisten unbekannte Rodina sogar im Arthur Ashe Stadium angesetzt. Geld regiert die Welt, vor allem bei den US Open wenn es um die Marketingrechte und Einschaltquote geht.
Für eine gute Einschaltquote garantiert aber auch Shapovalov, wenn er so spielt wie gegen Tsonga. Ich sah mir den zweiten Satz an und überliess den in Tel Aviv geborenen und auf den Bahamas lebenden Kanadier (à propos Geld regiert die Welt) seinem Schicksal. Es war kurz vor 23 Uhr und es war definitiv Zeit um den Mittwoch zu beenden. Ich hatte die Anlage schliesslich bei Türöffnung um 9:30 Uhr betreten.

DIENSTAG:


Yanina Wickmayer (WTA 129) - Lesia Tsurenko (WTA 30)   6:3 6:1
Da war der Kuss zum Himmel von Wickmayer nach dem Sieg. Ihre Mutter starb vor knapp zwanzig Jahren an Krebs. Heute Dienstag war ihr Geburtstag.
Erneut ein Bericht aus der Krankenabteilung, wobei wir uns hier zum Glück nur mit kleineren Wehwehchen befassen müssen: Verschnupft waren beide. Dieses schniefende Nase hochziehen gab es aber nur bei Tsurenko im Zehnsekundentakt. Ihr ging es nicht gut. Kopfweh und leichter Schwindel kamen hinzu. Im zweiten Satz liess sie sich vom Doktor Medikamente geben. Bis zum Rest des Spiel blieben meine Sorgen um sie, da ihr wirklich anzusehen war dass sie um einen einigermassen klaren Kopf kämpfen musste. Sie schloss die Augen für einige Sekunden. Dann blinzelte sie wieder übermässig vor sich hin. Alles mit dem Ziel das Bewusstsein und die Konzentration aufrecht zu halten und die Müdigkeit zu unterdrücken.
Es machte schlichtweg keinen Sinn dieses Match zu Ende zu spielen. Doch die Ukrainerin ist keine die aufgibt. Irgendwie verstehe ich das ja. Die würde im Siebenkampf mehr Punkte abräumen als ich im Zehnkampf. Und ich würde beim Frauenfelder Waffenlauf auch nicht aufgeben, egal wie schlecht es mir geht. Mehr als verlieren kann man schliesslich nicht. Ich habe es dieses Jahr quasi als Premiere auch geschafft - ähnlich wie sie heute - eine Interclubpartie über zweieinhalb Stunden zu spielen und danach lag ich vier Tage lang krank im Bett. Aber bei ihr ging es keine zweieinhalb Stunden über drei Sätze, sondern es war vor allem im zweiten Satz Einbahntennis. Ihre Bank feuerte sie noch an und ich hoffte eigentlich nur, dass das alles schnell und gesund endet. Ich blieb nur noch bei diesem Match weil ich mir im Anschluss daran auf diesem Platz das Peterson-Match ansehen wollte.
Letztendlich hätten ihre Leute aber vielleicht sogar recht gehabt. Man kann es auslegen wie man will. Aber sie kannten den Wetterbericht eventuell besser als ich. Bereits im zweiten Satz gab es eine kurze Unterbrechung wegen zu vielen Regentropfen. Gleich nach Beendigung der Partie setzen der Regen stärker ein und an diesem Dienstag sollte bis zum Ende des Tages kein einziger Ball mehr gespielt werden auf den Aussenplätzen. Hätte Tsurenko also noch etwas durchgehalten, so hätte sie einen weiteren Tag Pause erhalten und am Mittwoch hätte die Welt vielleicht schon wieder ganz anders ausgesehen. Wer weiss es denn schon.


Naomi Osaka (WTA 45) - Angelique Kerber (WTA 6)   6:3 6:1
Die Misere der Angelique Kerber: Seit den US Open 2016 hat sie kein Turnier mehr gewonnen. Im Jahr 2017 hat sie keine Top 20-Spielerin besiegen können. Gegen eine sehr starke Osaka wurden ihr die Limiten erneut klar aufgezeigt. Guter Rat ist teuer bei der 29-jährigen, die nun aus den Top 10 fällt. Wobei es bei Muguruza ähnlich lief: Sie musste zuerst ein volles Jahr durchseuchen bis sie ihren Titel in Roland Garros verloren hatte und ab da war der Druck weg und sie startete wieder durch und gewann Wimbledon.
Fünfmal war ich in den vergangenen Jahren bereits an den US Open gewesen. 31 Tage insgesamt. Erst einen Tag davon hatte es dabei geregnet. Meistens setzte der Regen in der zweiten Turnierwoche ein und da war ich jeweils schon weg. Seit dem letzten Jahr gibt es ein schliessbares Dach über dem Arthur Ashe Stadium. Dies ist somit mein erster Besuch mit Dach und schon am zweiten Tag regnete es praktisch den ganzen Tag durch bei maximal um die zwanzig Grad Celsius. So kühl war es noch nie wie in dieser Woche bei maximalen 25 Grad Celsius.


Rafael Nadal (ATP 1) - Dusan Lajovic (ATP 85)   7:6 6:2 6:2
Er ist wieder die Nummer 1 der Weltrangliste. Zwar im Wettlauf mit Federer, aber Nadal hat sich die Weltranglistenspitze als Erster wieder schnappen können. Die beiden grossen Gegenspieler - der 31-jährige Spanier und der 36-jährie Schweizer - erheben sich in diesem Jahr definitiv in den Status einer lebenden Legende. Wenn sie dies denn nicht bereits zuvor schon gewesen waren!
Die US Open sind der schlechteste Belag für das Spiel von Nadal. Nun wurde auch noch unter geschlossenem Dach gespielt. In der Halle ist Nadal schwächer als draussen. Zwar hat auch er über die Jahre hinweg seinen Aufschlag verbessert und steht näher an der Grundlinie um die Punkte etwas zu verkürzen. Es gibt aber viele andere Spieler, welche von den klinischen Bedingungen unter einem geschlossenen Dach weit mehr profitieren als der Mallorquiner.
Nachdem Nadal nach Breakrückstand den ersten Satz doch noch drehen konnte, machte ich mich auf den Weg zurück ins Hotel nach Queens. Mittlerweile war klar, dass es den Rest des Tages durchregnen würde und die Spiele auf den Aussenplätzen wurden bereits um 16 Uhr komplett abgesagt. Ich nutzte die Gelegenheit um wichtigen Schlaf nachzuholen und etwas zu arbeiten. Nun bin ich physisch und arbeitstechnisch wieder voll auf der Höhe. Am Abend hatte ich geplant ans Lady Gaga-Konzert im Citi Field gleich neben den US Open zu gehen. Bei Dauerregen und kalten Temperaturen um die 15 Grad Celisus verzichtete ich aber darauf. Ich war nur mit T-Shirts nach New York gereist und habe mir gleich am Montag auf der Anlage immerhin ein Langarmshirt gekauft. Über Jacke oder Regenschutz verfüge ich aber nicht. Es hat ja schliesslich ein Dach über dem Arthur Ashe Stadium für den Fall der Fälle! Die Abendsession vom Dienstag beim Tennis hatte ich wegen den Lady Gaga-Gelüsten somit gar nie ins Auge gefasst. Es gelang mir sogar mein Ticket über Ticketmaster zu verkaufen. Ich hasse zwar diese Reseller, weil sie die Preise nur in die Höhe treiben und sich dabei selber eine goldene Nase verdienen. Doch hier machte ich es mir auch zu nutzen. Es blieben nur noch drei Stunden bis zur Night Session als ich das Ticket online schaltete, doch wenn Federer spielt gibt es immer Fans, die ihn sehen wollen. Face Value 35$ stellte ich das Ticket für 25$ ins Internet. Der Käufer musste 28$ zahlen inklusive Gebühren und es ging keine Stunde, da war meine Eintrittskarte verkauft! Somit verpasste ich den Fünfsatzsieg von Federer gegen Tiafoe, nehme nun aber ausgeruht das Mammutprogramm vom Mittwoch in Angriff mit nachzuholenden Begegnungen der ersten Runde und neuen Begegnungen der zweiten Runde. In New York und Melbourne hat es im Gegensatz zu Paris und London einerseits Flutlicht auf den Plätzen und andererseits keine Nachbarschaft auf die man Rücksicht nehmen müsste. Spielbeginn ist um 11 Uhr morgens und Mitternacht ist bei dem angesetzten Programm auf einigen Aussenplätzen kein Tabu.

MONTAG:


Steve Johnson (ATP 46) - Nicolas Almagro (ATP 92)   6:4 7:6 7:6
Beide Spieler standen an den French Open mit sehr emotionalen Geschichten im Rampenlicht. Almagro erlitt in seiner zweiten Runde eine Knieverletzung, war völlig aufgelöst hatte Bange wegen der Schwere der Verletzung. Er wurde von seinem Gegner Del Potro herzhaft getröstet. Der Argentinier weiss auf eigener Erfahrung nur zu gut was schwere Verletzungen bedeuten. Johnson stand damals nach seinem Fünfsatzsieg in der ersten Runde über Sugita weinend vor den Fernsehkameras und seine Untröstlichkeit und Emotionalität lag darin begründet, dass sein Vater und Tennismentor vor wenigen Woche mit erst 58 Jahren unverhofft verstorben war.
Auf dem Platz ist der 27-jährige Johnson ein Beisser und sowohl er als auch der fünf Jahre ältere Almagro sind mit ihrem physischen Spiel alte Hasen im Geschäft. So war der dritte Satz den ich mir ansah nicht reich an Höhepunkt. Es kam zum wohltuenden Erfolg für den US-Amerikaner bei seinem Heim-Grand Slam. Er weiss, dass alle wissen, was seine Geschichte ist. Er zeigte dass ihn die Unterstützung berührte.


Maria Sakkari (WTA 95) - Kiki Bertens (WTA 27)   6:3 6:4
Da war mindestens eine Erkältung mit auf dem Platz bei Bertens, wenn nicht sogar Fieber. Wir wären wohl nicht zum Arbeitsplatz erschienen und hätten uns zu Hause erst einmal auskuriert. Ausser wir hätten einen wichtigen geschäftlichen Termin gehabt. So einen wichtigen geschäftlichen Termin hatte Bertens mit der ersten Runde an einem der vier grössten Turniere des Jahres. Es ist dann schon erstaunlich wie diese Athleten ihren Körper unter der Anspannung voll beanspruchen können während den Punkten. Doch Sakkari hat nichts wegzunehmen vom Sieg. Sie zeigt auf dem Platz immer eine formidable Einstellung wie sie es als talentierte 16-jährige bereits beim Fed Cup 2012 in Israel getan hatte.


Julia Görges (WTA 33) - Annika Beck (WTA 140)   6:1 6:0
Die spielerisch beste Deutsche ist seit dem Frühsommer ganz klar die 28-jährige Görges. Sie ist die einzig formstarke Spielerin aus Deutschland. Kein Vergleich mit Kerber oder Petkovic. Kommt hinzu dass Siegemund seit dem Frühjahr mit einem Kreuzbandriss zum Zuschauen verdammt. Auch bei der 23-jährigen Beck läuft es miserabel. Von der europäischen Sandplatzsaison über Rasen bis auf die amerikanischen Hartplätze hat sie mit der heutigen Niederlage in den letzten drei Monaten nur einen Sieg bei acht Niederlagen vorzuweisen. Die blauen Kinesiotapes an beiden hinteren Fussgelenken die Achillessehne hoch könnten eine Erklärung dafür sein. Wenn eine 170cm grosse Spielerin wie Beck nicht die volle läuferische Physis abrufen kann, dann ist sie auf der WTA Tour verloren. Neben mir sass ein Deutscher, der zu seinem Sitznachbarn gegen Ende des zweiten Satzes meinte, dass er so eine Beerdigung noch selten gesehen habe. So blieb der Jubel bei Görges nach einer starken Leistung aus und versuchte am Netz mit Beck möglichst verständnisvoll umzugehen.


Diego Schwartzman (ATP 33) - Carlos Berlocq (ATP 95)   6:2 6:1 6:3
Als Vorbereitung auf der Spiel Larsson-Tomljanovic ging ich früh genug auf Court 11 und sah mir dort den dritten Satz im argentinischen Duell an. Der nur 170cm grosse Schwartzman hat ein toll mitanzusehendes Spiel.


Ajla Tomljanovic (WTA 232) - Johanna Larsson (WTA 66)   7:5 6:4
Diese Niederlage tut richtig weh. Äusserst selten habe ich Johanna so gut spielen sehen wie in dieser Partie. Auch wenn es eine grosse Herausforderung ist gegen eine druckvolle Spielerin wie Tomljanovic anzutreten, so kommt Larssons Rückhand bei hohem entgegenkommenden Tempo sogar besser. Egal ob selber mit Slice oder hart geschlagen. Generell tut sie sich gegen eine Hardhitterin natürlich schwer. Nüchtern betrachtet ist es die vier Niederlage in fünf Spielen in der amerikanischen Hartplatzsaison, allesamt gegen schlechter klassierte Gegnerinnen. Wobei die ehemalige Kroatin Tomljanovic seit den Australian Open 2016 für ein Jahr lang bis und mit den Australian Open 2017 aufgrund einer Schulterverletzung pausieren musste. Die Karrierebestplatzierung der jetzigen Australierin und Kyrgios-Freundin ist Rang 47, zwei Ränge schlechter als Johannas Bestplatzierung.
Mein Lieblingsplatz wie man an vielen Bildern der letzten Jahre erkennen kann, ist der Platz nach der Grundlinie auf der gegenüberliegenden des Schiedsrichters. Nicht nur ich habe diesen Lieblingsplatz, sondern auch die Trainer sitzen oft dort. Gleich neben mir waren einige Sitzplätze reserviert und ich war gespannt ob ich schwedische Unterstützung erhielt oder mit ins Wespennest setzen würde. Trainer und Angehörige von Tomljanovic setzten sich auf die Plätze und ich war quasi umzingelt. Wobei ich das noch gerne habe, weil ich als Fan dort sitzen kann, was man mit Akkreditierung nicht tun würde. Somit sass Trainer Mattias am linken Ende und ich am rechten Ende. Gegenüber auf der Haupttribüne waren auf der einen Seite drei schwedische Fans mit einem kleinen Fähnchen. Auf der anderen Seite eine vierköpfige schwedische Familie. Dazu sonst noch hier und da schwedische Unterstützung. Es war also sehr gut aufgeteilt und angerichtet. Die Verbindung und Unterstützung zwischen Bank und Platz war sehr natürlich.
Zum Start fuhr Larsson mit ihren Aufschlägen allerdings direkt in eine Einbahnstrasse. Tomljanovic returnierte ihr hart in die Füsse und Johanna konnte nicht schnell genug reagieren. 2:0 hiess es für die 24-jährige. Doch sie gab ihren Aufschlag umgehend zum 2:1 ab, womit nun auch Larsson im Spiel war. Beide Spielerinnen besassen in der Folge ihre Chancen auf Breaks. Diese sollten jedoch nur noch zum Satzende stattfinden. Tomljanovic ist eine Spielerin, die es liebt bei 5:4- oder 6:5-Vorsprung zu returnieren. Das bekam Larsson im ersten Satz bei 4:5 erstmals ab. Die 29-jährige Schweden lag 15:40 zurück und der Satz blieb nur offen, weil bei diesem Spielstand ein Returnwinner longline voll auf die Grundlinie klatschte, vom Linienrichter aber Aus gegeben wurde. Johanna rettete sich. Bei 5:6 aber der erneute Druck von Tomljanovic und sie schaffte das Break zum Satzgewinn.
Der verlorene erste Satz mit Aufschlagverlust zum Ende hiess, dass Tomljanovic auch im zweiten Satz wieder vorlegen könnte. Somit sollte ein Break her bevor die Australierin wieder mit 5:4 führen würde und zu einem Returnfeuerwerk ansetzen könnte. Das gelang nicht und ab 30:30 versorgte Ajla zwei Returngewinnschläge nacheinander ins Eck. Das war das unverhofft schnelle Ende.
Als ob die Niederlage alleine nicht genug schmerzen würde kommt erschwerend hinzu, dass die nächste Gegnerin nicht Konta sondern Krunic heisst. Die umtriebige Serbin ist zwar äusserst unangenehm zu spielen (hat an den US Open 2014 bereits Kvitova ausgeknockt), doch da hätte sich mit dem Ausscheiden der an Nummer 7 gesetzten Britin Konta nun eine Türe aufgetan.


Mischa Zverev (ATP 27) - Thai-Son Kwiatkowski (ATP 710)   7:6 4:6 4:6 7:5 6:3
Bereits während dem Spiel von Tomljanovic und Larsson auf Court 11 hörte ich, dass auf Court 12 hinter mir eine super Stimmung herrschte beim Spiel des mit einer Wild Card angetretenen 22-jährigen Kwiatkowski. Da der Aussenseiter die Begegnung sogar resultatmässig ausgeglichen gestalten konnte, ging ich nach dem Ende des Spiels auf Court 11 hinüber zu Court 12 und sah mir diese Begegnung ab dem vierten Satz an. Zverev war im vierten Satz bei seinen Volleys nicht überzeugend. Genau dies ist ja seine Stärke. Kwiatkowski realisierte ein Break, kassierte danach aber zu Null das Rebreak. Dies war wohl einer der Knackpunkte der Partie. Die Zuschauer links von mir diskutierten die ständigen Anfeuerungen und die Emotionalität von Kwiatkowski. Es waren klar der Meinung es sei zu viel, ich für mich sah das etwas entspannter. Es war das allererste Grand Slam-Match in seiner Karriere und irgendwie musste er mit der jugendlichen Energie und Anspannung umgehen. Da ist es manchmal besser diese raus zu lassen und das Heimpublikum zu involvieren und sich von dort neue Energie zu holen. Manchmal ist es mit dem Spielstil erkennen und den Tennisidolen nicht ganz so offensichtlich wie wenn diese Federer (bei Dimitrov), Williams (bei Stephens oder Osaka) oder Sharapova (bei Kontaveit) heissen. Plötzlich machte es Klick bei mir und der Spielstil und das Verhalten von Kwiatkowski erinnerte stark an Tsonga. Aufschlagbewegung, Vorhand, Rückhand, gewisser Drang ans Netz, aufbauschen nach gewonnenen Punkten und Brust raus wie ein Boxer. In diesem Fall wäre es dann nicht wie bei Tsonga der Muhammed Ali, sondern bei Thai-Son Kwiatkowski müsste es dann ja der Mike Tyson sein... In seiner Biografie auf der ATP Homepage steht bei Kwiatkowski als Tennisidol allerdings Somdev Devvarman. Kwiatkowski wehrte ich glaube es waren vier Matchbälle ab und nach einem abgewehrten Matchball liess er es sich nicht nehmen, noch ein paar Liegestützen auf den Platz zu legen. Verrückter Typ. :-)


Mirjana Lucic-Baroni (WTA 31) - Monica Puig (WTA 70)   6:4 6:7 7:6
Von Görges-Beck auf 12 über Schwartzman-Berlocq und Tomljanovic-Larsson auf 11 und Zverev-Kwiatkowski auf 12 zu Lucic-Baroni und Puig auf 11 tingelte ich zwischen den beiden Plätzen hin und her. Es handelt sich um relativ grosse Zuschauertribünen und somit werden auch relativ gute Matches dort angesetzt. Da sie zueinander liegen, sind sie jederzeit gegenseitig einsehbar. So sah ich während dem Zverev-Match, dass Puig mit 2:6 1:5 zurücklag und sich tatsächlich noch in einen dritten Satz retten konnte. Diesen schaute ich mir nach dem Ende des Herrenmatch auf Platz 12 an.
Es war erneut angerichtet puerto-ricanische Stimmung auf den Zuschauerplätzen. Teilweise zu emotional und Lucic-Baroni stand vor einer grossen Herausforderung, da die Unterstützung für sie verschwindend war. Ausserdem kann Puig die Begeisterung wecken, wenn sie ihre brachialen Schläge den trifft. Nur ist das bei ihr oft genug nicht der Fall und die einzige Woche in der sie das bis jetzt je konstant hingekriegt hat war die goldene Woche von Rio de Janeiro. Ansonsten - es bleibt dabei - habe ich Puig noch nie ein Match gewinnen sehen! Im Falle von New York war es das déjà-vu der Partie von 2014 gegen Petkovic ebenfalls auf Court 11, welche Puig ebenfalls mit 6:7 im dritten Satz verlor.
Für Lucic-Baroni war es ein Tanz auf Messers Schneide. Im zweiten Satz besass sie bei 5:4 und eigenem Aufschlag zwei Matchbälle. Im dritten Satz hatte sie bei 6:5 und 0:40 drei weitere Matchbälle. Sämtliche konnte Puig abwehren das löst bei der Gegnerin schon einen wahnsinnigen Druck aus. Denn auch die 35-jährige Kroatin verfügt über ein dominantes Spiel à la Puig. Doch musste sie ihrer Gegnerin das Feld überlassen, wenn diese alles traf. Die Herausforderung ist es natürlich für beide, dieses hammerharte und fehleranfällige Spiel mit genügender Sicherheit durchziehen zu können.
Lucic-Baroni deutete und wies nach dem 5:4 im dritten Satz ihrem Trainer an, dass er auf die andere Seite gehen sollte. Ihre beiden Trainer teilten sich auf. Einer ging auf die andere Seite hinüber. Sie wollte auch auf der Seite, auf der sie nun spielen musste, einen Verbündeten an der Seitenlinie haben bei so viel gegnerischer Unterstützung im Publikum.


Timea Babos (WTA 59) - Viktorija Golubic (WTA 104)   7:5 5:7 7:5
Ich war überrascht über die hohe Qualität der Spiele an diesem Montag. Es zeigt wie schwierig es tatsächlich ist einen Matchgewinn an einem Grand Slam-Turnier zu erzielen. Viki kann sich zwar eigentlich nichts vorwerfen, aber man Schluss muss man sich halt doch Vorwürfe machen, wenn man eine so wichtige Partie verloren hat. Man will ja schliesslich weiterkommen mit seinem Tennis. Die 24-jährige Zürcherin steht nach dieser Niederlage bei 6 Siegen und 19 Niederlagen in dieser Saison und ist aus den ersten 100 der Weltrangliste gefallen. Spielerisch und von der kämpferischen Einstellung her war der dritte Satz, den ich auf Court 15 verfolgen durfte, von beiden Spielerinnen herausragend. Somit war nach Tag 1 bereits keine Schweizerin mehr im Hauptfeld. Bacsinszky und Bencic sind beide verletzt. Bei den Herren spielen Federer und Laaksonen. Wawrinka ist ebenfalls verletzt.


Maria Sharapova (WTA 146) - Simona Halep (WTA 2)   6:4 4:6 6:3
Die Auslosung wollte es so, dass Halep als Nummer 2 der Welt auf die mit einer Wild Card ausgestattete Sharapova traf. Die Night Session der diesjährigen US Open wurde also mit einem Match eröffnet, dass genauso gut ein Endspiel hätte sein können. Ich bin mit solchen Ausdrücken üblicherweise vorsichtig, aber im Spielverlauf war ich erneut überrascht wie stark Sharapova auftreten kann bei so wenig Matchpraxis. Erst eine Sperre von einem Jahr und vier Monaten, danach drei Turniere in Stuttgart, Madrid und Rom im April und Mai. Es folgte die Oberschenkelverletzung und seither nur noch ein Match in Stanford vor vier Wochen, wo sie danach wegen Problemen am Arm absagen musste. Und dann zimmert sie der Halep die Returns ins Feld als gäbe es kein Morgen. Halep konnte im zweiten Satz nach einem 1:4-Rückstand zurückschlagen. Dennoch rollte Sharapova an diesem Abend unentwegt ihrem Ziel entgegen. Es ist natürlich viel Show mit dabei, aber ich denke man kann schon mal emotional werden im grössten Tennisstadion der Welt nach dem ersten Grand Slam-Matchgewinn seit 19 Monaten.

 

SONNTAG:

Es sind nur drei Jahre her seit meinem letzten Besuch, aber so viele Veränderungen hat es seit meinem ersten Besuch im Jahr 2005 noch nie gegeben. Momentan sind an allen Grand Slam-Turnieren grosse bauliche Veränderungen im Gang, die bis um das Jahr 2020 abgeschlossen sein werden. Ziel ist es überall mehr Platz zu schaffen, um eine bessere Zirkulation der Zuschauer zu ermöglichen, mehr Bars und Verkaufsstände und Sitzgelegenheiten zu schaffen und grössere Zuschauerkapazitäten an den Tennisplätzen selbst zu ermöglichen. Tatsächlich ist es möglich diese Dinge zu erreichen ohne dass ein Ziel das andere ausschliesst. In New York war ich zudem über die Blumen und die Plazas überrascht, dass die US Open bislang noch nie sehr viel für das Auge getan hatten, sondern mehr durch Grösse geprotzt hatten. Der der Bereich zwischen Grandstand und Court 7. Auf den Courts 13 bis 16 wurde an der einen Stirnseite anlalog den Plätzen 9 und 10 eine durchgehende Tribüne erstellt. Court 11 und neu auch 12 haben eine Tribüne, auf welcher der Platz für Ein- und Ausgänge sowie für Verkaufsstände integriert wurde im Gegensatz zu frü Ein weiterer wichtiger Punkt der Veränderungen ist der Bau von schliessbaren Dächern über den Stadien. Australien hat bereits deren Drei. Wimbledon und New York haben je Eines und sind beide mit dem Bau eines zweiten Daches beschäftigt.

Die Trainingszeiten und -plätze werden an den US Open seit wenigen Jahren veröffentlicht. Diese wurde sogar für den Sonntag vor Turnierbeginn getan und die Fans hatten freien Zutritt auf die Anlage. Ich ging von meinem Weg von Queens nach Manhattan somit kurz bei der Anlage vorbei, holte meine Will Call-Tickets ab und schaute hauptsächlich bei Johanna beim Training vorbei, um mit ihrem Trainer Mattias und ihr einen kurzen Schwatz zu halten. Während dem Grand Slam-Turnier bietet sich eine solche Gelegenheit kaum mehr.


Carina Witthöft (WTA 65), Johanna Larsson (WTA 66)
Der letzte Trainingstag vor einem Grand Slam-Turnier besteht zu einem grossen Teil daraus, dass Punkte gegen eine vergleichbare Gegnerin gespielt werden sollen. Larsson hatte sich mit Witthöft als Sparringpartnerin verabredet, deren aggressives Tennis mit Erstrundengegnerin Tomljanovic vergleichbar ist. Die Deutsche ihrerseits tritt gegen Sevastova an, deren Topspin-Vorhand mit derjenigen von Larsson vergleichbar ist. Ansonsten hat die Lettin mit ihrem Rückhandslice und Tempowechseln noch mehr Variabilität zu bieten als Larsson.
Zu Beginn fand Larsson keinen Rhythmus und Witthöft holte sich ein Game nach dem anderen. Nach einem fast schon verlorenen Satz stabilisierte sich Larsson auf dem Service und ihr gelang zum Schluss gar ein Break. Witthöft schien etwas an Intensität verloren zu haben nach dem (zu) einfachen Start. Die Resultate von Larsson im August waren schwach. In Toronto, Cincinnati und New Haven verlor sie jeweils in der Qualifikation mit nur einem Sieg bei drei Niederlagen, allesamt gegen schlechter klassierte Spielerinnen. Das fehlende Vertrauen in die Schläge und in die richtige Schlagwahl war zu Beginn des heutigen Trainingsmatches zu spüren.


Gilles Muller (ATP 23), Vasek Pospisil (ATP 78)
...


Steve Johnson (ATP 46), Tommy Paul (ATP 159)
Die Spieler benutzen natürlich auch die Gelegenheit um auf demjenigen Platz zu trainieren, auf dem sie ihr nächste Begegnung bestreiten werden. So trainierte Johnson am Sonntag auf dem Grandstand.


Dominic Thiem (ATP 8), Kevin Anderson (ATP 32)
Eine Scharte ist ausgewetzt: Der 31-jährige Anderson ist seit geraumer Zeit der bestklassierte Spieler, der es noch nie in einen meiner Berichte geschafft hat. Ich habe ihm auf Court 5 etwas beim Aufschlagen zugesehen. Viel mehr Interesse und Emotionen konnte er bei mir leider auch live nicht wecken. Nicht einmal Davis Cup spielt er (ist nur in den Jahren 2008 und 2011 angetreten), so dass der Südafrikaner auch dadurch bei mir Goodwill keinen wecken kann.
Von der ganzen Misere der Spieler hinter Nadal und Federer profitiert ein Dominic Thiem. Dank einer starken Sandplatzsaison befindet er sich auf Rang 4 im ATP Race 2017 hinter Zverev. Es bleibt abzuwarten wie diese beiden jungen Spieler mit dem Status einer solchen Weltranglistenposition umgehen werden und was sie spielerisch zeigen können, wenn die arrivierten Djokovic (Schulter), Murray (Hüfte) und Wawrinka (Knie) wieder zurückschlagen möchten.


Naomi Osaka (WTA 45), Qiang Wang (WTA 56), Petra Martic (WTA 85), Viktorija Golubic (WTA 104)
Ich habe es noch kurz nachgeschaut, obwohl es offensichtlich ist: Gemäss Biografie auf der WTA Homepage ist Serena Williams das Tennisidol von Osaka. Das sieht man ihren Bewegungen auf dem Platz an, vor allem wie sie sich als Vorbereitung zum Return stellt und sich dabei bewegt.


Jelena Ostapenko (WTA 12), Carla Suarez Navarro (WTA 35), Juan Martin Del Potro (ATP 28), David Ferrer (ATP 25), Garbine Muguruza (WTA 3)
Auf der gegenüberliegenden Seite der Plätze 4 bis 6 können die Trainingsplätze P1 bis P5 überschaut werden.
Ich fragte mich warum Ostapenko im Damen Doppel mit Bouchard antritt. Ich hoffte dass es der Lettin hierbei nicht auch etwa um ihre "Marke" geht wie es in Bouchards Äusserungen vielfach der Fall ist, wenn sie über sich selbst als "Marke" spricht. Es kam zum Erstrundenaus im Doppel, obwohl die 20-jährige Lettin in diesem Jahr mit ihren ersten Turniersiegen in St. Petersburg mit Doppelspezialistin Rosolska und in Stuttgart mit Doppelspezialistin Atawo bewiesen hätte, dass sie auch Doppel spielen kann. Bei ihrer Niederlage im Einzel gegen Kasatkina sah ich allerdings was Ostapenko mit Bouchard gemeinsam hatte: Sie verhielt sich beim Handshake am Netz unsportlich und hielt Kasatkina nur ganz kurz die Hand hin und drehte sich bereits weg. Da muss die junge French Open-Siegerin noch viel lernen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Herren Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde  Viertelfinal
 Andy Murray (1) -
 Alexander Bublik (L)
 6:1 6:4 6:2
 Andy Murray (1) -
 Dustin Brown
 6:3 6:2 6:2
 Andy Murray (1) -
 Fabio Fognini (28)
 6:2 4:6 6:1 7:5
 Andy Murray (1) -
 Benoit Paire
 7:6 6:4 6:4
 Sam Querrey (24) -
 Andy Murray (1)
 6:3 4:6 7:6 6:1 6:1
 Fabio Fognini (28) -
 Dmitry Tursunov
 6:1 6:3 6:3
 Fabio Fognini (28) -
 Jiri Vesely
 7:6 6:4 6:2
 Rafael Nadal (4) -
 John Millman
 6:1 6:3 6:2
 Rafael Nadal (4) -
 Donald Young
 6:4 6:2 7:5
 Rafael Nadal (4) -
 Karen Khachanov (30)
 6:1 6:4 7:6
 Gilles Muller (16) -
 Rafael Nadal (4)
 6:3 6:4 3:6 4:6 15:13
 
 Karen Khachanov (30) -
 Andrey Kuznetsov
 7:6 2:6 6:3 1:6 6:2
 Karen Khachanov (30) -
 Thiago Monteiro
 3:6 7:6 7:6 7:5

 

 Damen Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde
 Victoria Azarenka -
 Catherine Bellis
 3:6 6:2 6:1
 Victoria Azarenka -
 Elena Vesnina (15)
 6:3 6:3
 Victoria Azarenka -
 Heather Watson (W)
 3:6 6:1 6:4
 Simona Halep (2) -
 Victoria Azarenka
 7:6 6:2
 Heather Watson (W) -
 Maryna Zanevska
 6:1 7:6
 Heather Watson (W) -
 Anastasija Sevastova (18)
 6:0 6:4

 

 Herren Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde
 Thompson/Kokkinakis -
 
Tecau/Rojer (9)
 7:6 7:6 7:6
 Demoliner/Daniell -
 Thompson/Kokkinakis
 6:4 7:6 6:4
 Skupski/Skupski (W) -
 Demoliner/Daniell
 7:6 5:7 7:6 6:4
 Demoliner/Daniell -
 Bury/Behar (L)
 6:4 6:3 5:7 6:4
 Klaasen/Ram (7) -
 Verdasco/
Copil
 6:3 6:4 6:4
 Klaasen/Ram (7) -
 Raja/Sharan
 6:3 6:4 4:6 6:7 10:8
 Klaasen/Ram (7) -
 Vasilevski/Podlipnik-Castillo
 6:4 7:6 6:3
 Raja/Sharan -
 
Sousa/Edmund
 7:6 3:6 6:4 7:6
 Lindstedt/Groth -
 
Molteni/Duran
 6:7 6:2 6:2 6:3
 Lindstedt/Groth -
 J. Murray/Soares (3)
 4:6 6:3 4:6 7:5 7:5
 Mektic/Skugor -
 Lindstedt/Groth
 6:7 7:6 7:5 7:5
 J. Murray/Soares (3) -
 
Jebavy/Vesely
 7:6 6:2 6:4

 

 Gemischtes Doppel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  Viertelfinal  Halbfinal  Final
 Watson/Kontinen -
 Azarenka/Zimonjic
 6:3 6:4
 Watson/Kontinen -
 Grönefeld/Qureshi (13)
 6:1 6:3
 Watson/Kontinen -
 Mirza/Dodig (4)
 7:6 6:4
 Watson/Kontinen -
 Dabrowski/Bopanna (10)
 6:7 6:4 7:5
 Watson/Kontinen -
 Vesnina/Soares (2)
 6:4 6:7 6:3
 Hingis/J. Murray (1) -
 Watson/Kontinen
 6:4 6:4
 Melichar/Begemann -
 Robson/Inglot (W)
 6:3 6:4
 Melichar/Begemann -
 Dellacqua/Ram (6)
 1:6 6:3 15-13
 Melichar/Begemann -
 Klepac/Nestor (11)
 6:3 6:7 7:5
 Vesnina/Soares (2) -
 Melichar/Begemann
 7:5 6:4

 

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