WTA Luxemburg 2013

zurück zur Hauptseite         Last updated: 26.10.2015

18.-20. Oktober 2013

Seit einigen Jahren stehen Luxemburg wie auch Linz auf meiner Turnierliste in Fahrdistanz, die man bei passender Gelegenheit kurzfristig angehen könnte. In diesem Jahr passte mir das Teilnehmerfeld in Luxemburg so gut, dass ich einen Monat vor dem Turnier das Finalwochenende buchte.


Frauenfeld - Luxemburg
In Fahrdistanz heisst in diesem Fall genau viereinhalb Stunden von Frauenfeld nach Luxemburg via Basel. Von Luxemburg hatte ich im Internet einige Bilder der Altstadt gesehen. Bei der Fahrt zum Bahnhof wurde mir aber klar, dass es sich hier natürlich um eine Finanzmetropole handelt und das Bild von der verschlafenen Altstadt wohl etwas zu eintönig wäre.


Luxemburg
Das Petruss-Tal ist wohl ein Grund, warum es der kleine Staat Luxemburg bis in das dritte Jahrtausend geschafft hat. Noch heute stechen überall im Berg Schiessscharten hervor (Bild 5). Geographisch verfügt Luxemburg über eine sehr schwer einnehmbare Lage.


Ville Haute
Da sich der Kleinstaat erfolgreich behauptet hat, muss er auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Standortvorteile wie eine offensive Banken- und Steuergesetzgebung oder ein niedriger Benzinpreis sind uns hierzulande ja nicht gänzlich unbekannt. Die luxemburgische Sprache klingt sehr sympathisch dank ihren für Schweizer Ohren lustigen Ausdrücken (Bilder 7 und 8).
Wobei ich mich beim Gang durch die Einkaufsstrasse der Ville Haute gefragt habe, ob man auch zu viel Wohlstand haben kann. Da sind schon die Kinder in Designerkleider gehüllt, was doch sehr an Überfluss erinnert. Die Europastadt Luxemburg hat übrigens einen Ausländeranteil von 66%.


Ville Basse
Der Blick auf die Häuser im Petruss-Tal ist sehenswert.


Luxembourg Open - CK Sports Center Kockelscheuer
Da ich aufgrund der Platzwahl eine Wochenkarte kaufte (die war nur fünf Euro teurer als die Einzeltickets für Samstag und Sonntag und erst noch in Reihe 2 statt Reihe 17), reservierte ich das Hotel von Freitag bis Sonntag und behielt mir vor auch schon die Spiele am Freitag anzusehen. Leider konnte ich das arbeitstechnisch nicht einrichten. Alle vier Einzel und zwei Doppel am Freitag gingen über die volle Distanz von drei Sätzen. Speziell die Schlacht zwischen Vögele und Stephens (Bild 2) stellte ich mir intensiv vor, da die beiden erst vor drei Wochen in Tokio mit Siegerin Stephens und vor Wochenfrist im Viertelfinal von Linz mit Siegerin Vögele aufeinander getroffen waren. Da kennen sich beide und legen gleich ab dem ersten Ballwechsel voll los.
Die Nationalitäten der Halbfinalistinnen im Einzel mit Dänemark, zweimal Deutschland und der Schweiz sowie den Finalistinnen im Doppel mit Belgien, Liechtenstein, Deutschland und Frankreich kurbelten das Publikumsinteresse bei dem mit 235'000$ Preisgeld zur niedrigsten Stufe der WTA gehörenden Turnier an.

Yanina Wickmayer, Stephanie VogtStephanie Vogt, Yanina WickmayerStephanie Vogt, Yanina Wickmayer
Yanina Wickmayer/Stephanie Vogt (WTA Doppel 194/197) - Lisa Raymond/Polona Hercog (WTA Doppel 25/204)   0:1 ret.
Die ausgiebigen Kämpfe vom Vortag forderten am Samstag Ihre Opfer. Nach nur einem Game musste Hercog mit Schulterproblemen aufgeben. Zuvor hatten die klaren Favoritinnen Raymond/Hercog ein 40:0 bei Aufschlag Wickmayer noch gedreht. Am Freitag hatten sie mit 10:8 im Match-Tie-Break gewonnen. Raymond ereilt in diesem Jahr Verletzungspech. Die 40-jährige hat einen vorbildlichen Fitnessstand, aber die Rückzüge der 19-jährigen Robson (Roland Garros Rücken und Toronto Hand) und der 22-jährigen Hercog (Osaka Rücken und Luxemburg Schulter) bremsten sie aus. Seit ihrem ersten Titelgewinn 1993 hat Raymond im Doppel immer mindestens einen Turniersieg pro Jahr feiern können. Nach 20 Jahren geht diese Serie in 2013 nun zu Ende. Sie bleibt auf 79 Turniersiegen stehen und beendet das Jahr so tief klassiert wie ebenfalls seit 20 Jahren nicht mehr.
Nach nur sieben Minuten (inklusive langer Verletzungspause) war die Partie also bereits vorbei. Liechtensteins Vogt konnte die Freude über ihr erstes WTA-Finale bei ihrer erst zweiten Teilnahme in einem WTA-Hauptfeld im Doppel nicht verbergen (Bild 7). Ihren ersten Auftritt hatte sie in der letzten Woche bei der Erstrundenniederlage in Linz ebenfalls an der Seite von Wickmayer. Im Einzel stand die 23-jährige tatsächlich noch nie in einem WTA-Hauptfeld! Doch ihre Resultate auf der ITF Tour im Einzel waren in diesem Jahr mit Turniersiegen in Sutton (10’000$), Bath (15’000$), Biarritz (100’000$) und Podgorica (25’000$) recht vielversprechend.
Die Trainingseinheit anstelle des abgebrochenen Matches war sehr interessant mit anzusehen. Stephis Trainer Nick Carr brachte spannende Übungen mit. Seine Ratschläge zur Verbesserung des Griffs und der Ausführung des Rückhandslice bei Wickmayer nahm diese zwar auf. Kurze Zeit später diskutierte sie mit Vogt darüber und meinte zu ihr „For me the more options I have the worse I play“. Sie ist da also ziemlich resistent gegen Einflüsse von aussen. Mit knapp 24 Jahren kann sie sicherlich tun und lassen, was sie will. Beim finalen Aufschlagtraining war sich Carr nicht zu schade von der Vorteilsposition den Kickaufschlag nach aussen zu verlangen und sich dabei in Abschussposition zu begeben. Nachdem Wickmayer sein Bein erwischt hatte (Bild 9) liess sich Vogt nicht zweimal bitten und und servierte mit voller Wucht auf sein Hinterteil. Neben der Tatsache, dass man sich hier abschoss, kam noch hinzu dass der Trainer vor dem Match noch schnell eine rauchte (Bild 1). Dennoch machte er mir einen sehr guten Eindruck.

Annika BeckStefanie VögeleStefanie VögeleAnnika Beck
Annika Beck (WTA 57) - Stefanie Vögele (WTA 54)   7:5 1:0 ret.
Ein weiterer Effort stand beiden Spielerinnen bevor und der Siegerin winkte der erstmalige Finaleinzug bei einem WTA-Turnier. Beck hatte am Mittwoch und Freitag über drei Sätze gehen müssen. Vögele sogar in allen drei Matches am Dienstag, Donnerstag und Freitag. Bereits letzte Woche in Linz hatte die Schweizerin dreimal über drei Sätze gewonnen und scheiterte erst im Halbfinal an Ivanovic. So ging die Partie denn auch gleich mit hoher Intensität los. Ein Sprint um die Oberhand zu gewinnen, denn sonst geht es lange ausgeglichen und kräftezehrend daher. Das mit dem Sprint liess sich aber nicht so einfach umsetzten. In zwei Games, die jeweils zehn Minuten dauerten, legte Beck auf 3:1 vor und musste das 3:2 zulassen. 1h 14min dauerte der erste Satz, den die Bonnerin mit 7:5 für sich entscheiden konnte. Nach einer Verletzungspause, einem Verband am linken Oberschenkel bzw. an der Leiste und einem Punkt zur Wiederaufnahme des Matches gab Vögele anfangs des zweiten Satzes auf. Sie sah wohl keine Möglichkeit mehr, um das Match in einer zweistündigen aufreibenden Aufholjagd noch zu drehen. Mit Memphis gegen Erakovic, Charleston gegen Jankovic und Linz und Luxemburg in den letzten beiden Wochen hat Vögele in diesem Jahr vier Halbfinals erreicht, aber ihr erster Finaleinzug steht immer noch aus. Dank den jüngsten Erfolgen rangiert sie in der Woche nach Luxemburg neu auf Platz 44 der Weltrangliste und damit so gut wie nie zuvor.

Sabine LisickiSabine Lisicki
Caroline Wozniacki (WTA 9) - Sabine Lisicki (WTA 15)   6:4 6:4
Wozniacki ist in dieser Saison bei Grand Slam-Turnieren nie weiter gekommen als bis in die vierte Runde. Somit ist ihre Bilanz nur gerade besser als in ihrem Grand Slam-Debütjahr 2007. Dennoch hat sie es im Jahr 2013 in 22 Turnieren und mit der Finalteilnahme in Indian Wells bis auf Rang 9 der Weltrangliste gebracht. Das 23. Turnier der Saison in Luxemburg könnte Ihr nun noch zum obligaten WTA-Turniersieg verhelfen, von denen sie seit 2008 in jeder Saison mindestens einen feiern konnte. In den Jahren 2010 und 2011 waren es sogar jeweils Sechs an der Zahl gewesen.
Lisicki ist das pure Gegenteil von Wozniacki und ein Beispiel an Unkonstanz. Ein Grand Slam-Final in Wimbledon reicht ihr nicht aus, um die Top 10 der Weltrangliste zu knacken. Auch sie hat in diesem Jahr keinen Turniersieg feiern können. Das Aufwärmen in Luxemburg war vielversprechend. Sie wirkte Selbstbewusst und traf die Bälle mit einem guten Rhythmus. So legte sie denn auch im Match los. Doch noch beeindruckender war, wie Wozniacki gegen den Ansturm der Deutschen dagegenhalten konnte und die Bälle mit guter Geschwindigkeit zurückbrachte. Natürlich haut die Dänin nicht so drauf wie die Deutsche, aber sie hatte in diesem Spiel die Oberhand.


Luxemburg
Hier noch einige Bilder von meiner morgendlichen Joggingtour durch Luxemburg. Das Petruss-Tal ist ein ideales Naherholungsgebiet, da dieses dank seiner einschneidenden Lage autofrei ist. An diesem Wochenende fanden in Luxemburg auch Wahlen statt. Nach 18 Jahren könnte die Ära von Regierungschef Jean-Claude Juncker von der christlichen-sozialen Volkspartei (CSV), die seit 1979 ununterbrochen an der Match ist, zu Ende sein. Nach einer Geheimdienstaffäre hat die CSV einige Prozent eingebüsst, ist aber die stärkste Partei geblieben. Dennoch könnte nun eine Dreierkoalition der liberalen demokratischen Partei (DP), der Sozialdemokraten (LSAP) und der Grünen die Regierungsgeschäfte übernehmen.

Laura ThorpeLaura ThorpeKristina Barrois, Laura ThorpeKristina Barrois, Laura ThorpeYanina Wickmayer, Stephanie VogtYanina Wickmayer, Stephanie VogtYanina Wickmayer, Stephanie VogtYanina Wickmayer, Stephanie VogtStephanie Vogt, Yanina Wickmayer
Yanina Wickmayer/Stephanie Vogt (WTA Doppel 194/197) - Kristina Barrois/Laura Thorpe (WTA Doppel 85/100)   7:6 6:4
Für alle vier Spielerinnen ging es um den ersten WTA-Turniersieg im Doppel. Wobei Geburtstagskind Wickmayer in ihrer Karriere bereits dreimal im Einzel zu Ehren kam und die klar renommierteste Spielerin auf dem Platz war. Es ist ja nicht so, dass die unbekannteren Spielerinnen es weniger verdienen würden. Sie alle rackern sich Tag ein Tag aus ab. Dass es an der Athletik nicht fehlen würde, stach mir bei der 26-jährigen Thorpe auf Bild 2 ins Auge. Barrois/Thorpe hatten sich den Finaleinzug mit den Siegen über die gesetzten Paare Srebotnik/Petrova und Jurak/Voracova redlich verdient.
Die grosse Story ist aber sicherlich Vogt, die in dieser Woche ihr erstes Match in einem WTA-Hauptfeld gewinnen konnte und zum Ende der Woche die Trophäe in den Händen hielt. Die musste sie sich auch redlich verdienen. Denn zum Beginn des zweiten Satzes entschieden sich Wickmayer/Vogt dazu, dass Vogt (im Gegensatz zum ersten Satz) als Erste im Satz aufschlägt. Der Grund lag darin, dass als Erstes auf der Seite aufgeschlagen werden musste, auf der Vogt bereits im ersten Satz aufgeschlagen hatte. Bei 5:4 war es daher an ihr, den Turniersieg auszuservieren. Unter anderem durch einen weit ins Aus geflatterten Doppelfehler lagen sie mit 0:40 zurück. Die Nervosität war bei diesem Spielstand wieder dahin und mit einer gesteigerten Leistung und etwas Glück gewannen sie vier Punkte in Folge und damit das Match! Der Sieg katapultiert sie in der Doppelweltrangliste auf Rang 128, was sich bei den Hauptfeld-Cuts und bei der Auswahl von Doppelpartnerinnen positiv auswirken wird.

Annika BeckAnnika BeckAnnika BeckAnnika BeckCaroline WozniackiAnnika Beck, Caroline Wozniacki
Caroline Wozniacki (WTA 9) - Annika Beck (WTA 57)   6:2 6:2
Der Aufschlag war der Schwachpunkt bei der 170cm grossen Beck. Einzig zu Beginn des zweiten Satzes konnte sie ihren Service einmal halten. Mit zwei Breaks und einer 2:1 Führung war die 19-jährige gut in die Partie gestartet. Doch danach wurde Wozniacki ihrer Favoritenrolle gerecht. Die Dänin hatte sich wie bereits gestern gegen eine von den vielen Deutschen im Publikum stark aber sehr fair unterstützte Gegnerin durchgesetzt. Die guten Leistungen der deutschen Spielerinnen führten zu einer guten Stimmung und einem verstärkten Zuschaueraufmarsch im Grossherzogtum.


Luxemburg - Berg TG
Die Rückfahrt dauerte wieder genau viereinhalb Stunden. Diesmal aber via dem Schwarzwald.

 

Einzel
 1. Runde  2. Runde  Viertelfinal  Halbfinal  Final
 Caroline Wozniacki (1) -
 Mandy Minella (W)
 6:3 7:6
 Caroline Wozniacki (1) -
 Monica Niculescu
 6:3 6:2
 Caroline Wozniacki (1) -
 Bojana Jovanovski (8)
 6:3 3:6 6:3
 Caroline Wozniacki (1) -
 Sabine Lisicki (3)
 6:4 6:4
 Caroline Wozniacki (1) -
 Annika Beck
 6:2 6:2
 Sabine Lisicki (3) -
 Donna Vekic
 2:6 6:3 6:0
 Sabine Lisicki (3) -
 Tereza Smitkova (Q)
 6:4 6:0
 Sabine Lisicki (3) -
 Karin Knapp
 7:5 4:6 6:0
 Annika Beck -
 Tsvetana Pironkova
 6:2 6:2
 Annika Beck -
 Lucie Safarova (5)
 6:2 4:6 6:4
 Annika Beck -
 Katarzyna Piter (Q)
 6:3 6:7 7:6
 Annika Beck -
 Stefanie Vögele
 7:5 1:0 ret.
 Stefanie Vögele -
 Mona Barthel (6)
 1:6 6:4 7:6
 Stefanie Vögele -
 Karolina Pliskova
 6:1 3:6 6:3
 Stefanie Vögele -
 Sloane Stephens (2)
 6:3 3:6 6:2

Doppel
 1. Runde  Viertelfinal  Halbfinal  Final
 Barrois/Thorpe -
 Jurak/Voracova (4)
 6:7 6:4 10-7
 Barrois/Thorpe -
 Bogdan/Torro-Flor
 6:3 7:5
 Barrois/Thorpe -
 Srebotnik/Petrova (1)
 6:2 3:6 10-8
 Wickmayer/Vogt -
 Barrois/Thorpe
 7:6 6:4
 Wickmayer/Vogt -
 Niculescu/Dominguez Lino (3)
 6:3 4:6 12-10
 Wickmayer/Vogt -
 Dekmeijere/McHale
 7:6 4:6 10-3
 Wickmayer/Vogt -
 Raymond/Hercog
 0:1 ret.
 Raymond/Hercog -
 Hsieh/Hsieh
 6:2 6:7 10-7
 Raymond/Hercog -
 Mladenovic/Piter (2)
 7:6 6:7 10-8

 

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