Women's World Floorball Championship 2011

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10. Dezember 2011

Women's World Floorball Championship vom 04.-11. Dezember 2011 in St. Gallen (SUI)

Ich bin wahrlich kein Unihockeyexperte. Aber wenn die Damen-WM in St. Gallen stattfindet, dann sollte man sich so etwas nicht entgehen lassen. 2500 Zuschauer haben im neuen Athletikzentrum Platz und die Halle war für den Knaller Schweiz-Schweden ausverkauft. Dieser fand am Halbfinalsamstag statt, für den ich Tickets hatte.

Von den 7 bisherigen Weltmeisterschaften (seit 1997 im Zweijahresrhythmus ausgetragen) sah der Medaillenspiegel vor St. Gallen wie folgt aus:
1. Schweden (4 Gold, 1 Silber, 2 Bronze), 2. Finnland (2, 3, 2), 3. Schweiz (1, 3, 1), 4. Norwegen (0, 0, 2).

Eine sehr dünne Leistungsbreite in der absoluten Weltspitze also. Auf dieses Jahr hin wurde die Teilnehmeranzahl von 10 auf 16 Teams aufgestockt. Mit den USA, Australien und Japan waren drei nicht europäische Länder mit dabei. Im Falle der beiden Letztgenannten waren es wohl eher Quotenplätze, die zugeteilt worden waren, damit die WM ihrem Namen auch gerecht wird. Eine EM gibt es übrigens nicht. Denn auch bei der WM waren die ersten acht Plätze von europäischen Mannschaften belegt. So eine Dominanz verhindert einer Sportart auf lange Sicht auch die Aufnahme zu den Olympischen Spielen. Mannschaftssportarten haben es dort ohnehin schwer, neu aufgenommen zu werden. Wenn sich nicht global verankert sind, sind sie chancenlos.

 

Women's World Floorball Championship 2011
 Spieltag  Viertelfinale  Halbfinale  Finale  .  1. Platzierungsrunde  2. Platzierungsrunde
 Gruppensieger A:
 Schweiz
 6 Punkte, 49:2 Tore
 Schweiz
 12:1
 Schweden
 11:2
 Schweden
 4:2
 (Halbfinale)
 .
 .
 Spiel um Platz 3:
 Tschechien - Schweiz
 3:2
 Gruppenzweiter B:
 Lettland
 4 Punkte, 19:11 Tore
 Platzungsspiele 5-8:
 Norwegen - Lettland
 4:3
 Spiel um Platz 5:
 Norwegen - Polen
 5:4 n.P.
 Gruppensieger D:
 Schweden
 6 Punkte, 68:1 Tore
 Schweden
 19:0
 Platzungsspiele 5-8:
 Polen - Dänemark
 4:1
 Rang 7: Lettland
 Rang 8: Dänemark
 . 
 Gruppenzweiter C:
 Norwegen
 4 Punkte, 12:5 Tore
 
 Gruppensieger B:
 Finnland
 6 Punkte, 26:2 Tore
 Finnland
 13:2
 Finnland
 6:0
 Platzungsspiele 9-12:
 USA - Slowakei
 6:3
 Spiel um Platz 9:
 USA - Russland
 4:2
 Gruppenzweiter A:
 Polen
 4 Punkte, 12:12 Tore
 Platzungsspiele 9-12:
 Russland - Deutschland
 7:6 n.V.
 Spiel um Platz 11:
 Deutschland - Slowakei
 4:3 n.V.
 Gruppensieger C:
 Tschechien
 6 Punkte, 30:4 Tore
 Tschechien
 5:1
 Platzungsspiele 13-16:
 Niederlande - Australien
 2:1 n.V.
 Spiel um Platz 13:
 Niederlande - Ungarn
 5:3
 Gruppenzweiter D:
 Dänemark
 4 Punkte, 14:22 Tore
 Platzungsspiele 13-16:
 Ungarn - Japan
 5:3
 Spiel um Platz 15:
 Australien - Japan
 5:2


Norwegen - Lettland 4:3
Am Samstag wurden nicht nur die Halbfinals, sondern auch die Spiele der Viertelfinalverliererinnen um Platz 5-8 ausgetragen. Norwegen gewann seine Partie gegen Lettland trotz eines 0:2-Rückstands. Bei jedem Tor der Norwegerinnen wurde Fairytale von Alexander Rybak gespielt. Das Siegerlied des Eurosong Contest 2009.


Polen - Dänemark 4:1
Beim Beobachten dieser Partie wurde klar, dass Norwegen-Lettland zuvor qualitativ hochstehender war. Je tiefer das Niveau, desto höher die Verletzungsgefahr. Das ist wie beim Grümpelturnier im Fussball. Denn Unihockey wird entgegen meiner Erwartung doch recht körperbetont gespielt. Man darf jemanden zwar nicht mit Schwung umnieten, aber wegdrücken darf man. Und wenn jemand den Stock zwischen die Füsse kriegt, herrscht absolute Stolper- und Umknickgefahr. Bei Anne Sofie Thaarup (Bilder 5-7) war es glücklicherweise nicht so schlimm wie zuerst befürchtet. Nach einigen minuten Behandlungszeit am lädierten Knie konnte sie weiterspielen.


Schweden - Schweiz 11:2
Das erste Halbfinale wirkte gegenüber den beiden zuvor gesehenen Platzierungsspielen fast wie eine andere Sportart. Intensität, Schnelligkeit und Kombinationen waren um Welten besser. Die Schwedinnen hoben sich mit ihrem militärischen Drill beim Aufwärmen ohnehin bereits von der Masse ab. Da wurde nicht einfach eingespielt wie bei allen anderen Teams, sondern das ganze Team spulte ohne Ball minutenlang im Akkord ihre Übungen ab. Das wirkte schon etwas befremdend. Der Erfolg sollte ihnen aber recht geben.
Die Schweizerinnen zelebrierten beim Einspielen sehr schön anzusehende Passstafetten über jeweils drei Station. Im Spiel zogen sie aber einen schlechten Tag ein und konnten die selbst gesteckten hohen Erwartungen eines erstmaligen Sieges über Schweden nicht erfüllen. Tiefpunkt war ein nicht verwandelter Penalty im letzten Drittel, bei dem Nötzli der Ball von der Kelle glitt.
Schweden verfügt nicht nur über eine starke Angriffslinie, sondern droht gleich bei allen drei eingesetzten Angriffslinien mit der höchsten Gefahrenstufe. Da war immer eine Teamkollegin anspielbar. Beim Corner waren sie das einzige Team, dass den Ball jeweils durch eine Spielerin nur leicht antippte und die Nächste dann übernahm. So bestand keine Gefahr eines Ballverlusts durch Zuspiel und Annahme.
Am Samstag erzielte die Linie mit Sara Kristoffersson , Josefina Eiremo und Emelie Lindström am meisten Tore. Elf mal erklang deshalb das Lied Popular von Eric Saade, das am diesjährigen Eurosong Contest den zweiten Platz belegt hatte. Lindström wurde auch zur erfolgreichsten Skorerin des gesamten Turniers. Amanda Larsson war neben Victoria Wikström eine der beiden grossgewachsenen Spielerinnen. Mir stach vor allem ihre Schnelligkeit ins Auge. Bei einem 60 Meter-Lauf würde ich gegen sie wohl ordentlich den Kürzeren ziehen.
Man beachte die Aufstellung nach dem Einmarsch. Erst kommt der Captain, dann die Torhüterinnen und danach sind alle Spielerinnen schön aufnummeriert.

Ins Allstarteam der WM wurden gewählt: Tor: Christianova CZE. Verteidigung: Wibron SWE, Likonen FIN. Sturm: Rüttimann SUI, Lindström SWE, Kristofferson SWE. MVP: Kristofferson SWE.

Im Dezember 2012 findet auch die Weltmeisterschaft der Herren in der Schweiz statt. Es wird in Zürich und Bern gespielt und für die Finalspiele soll sogar das Hallenstadion gefüllt werden.

 

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