French Open 2010, Paris

zurück zur Übersicht         Last updated: 31.07.2010

alle Berichte aus der Rabble-Tennisdatenbank zu: Roger Federer, Rafael Nadal, Stanislas Wawrinka, Julian Reister, Lleyton Hewitt
Lange lebe der König - Roger Federer, Rafael Nadal

 

Doch wer ist denn nun der König? Der Rekord-Grand Slam-Sieger oder derjenige, der im Direktduell gegen den Besten aller Zeiten mit 14:7 in Führung liegt und ihm nun zum zweiten Mal die Weltranglistenführung weggeschnappt hat? - Sollen beide lang leben!

Herren Einzel
 1. Runde  2. Runde  3. Runde  4. Runde  Viertelfinale  Halbfinale  Finale
 Roger Federer (1) -
 Peter Luczak
 6:4 6:1 6:2
 Roger Federer (1) -
 Alejandro Falla
 7:6 6:2 6:4
 Roger Federer (1) -
 Julian Reister (Q)
 6:4 6:0 6:4
 Roger Federer (1) -
 Stanislas Wawrinka (20)
 6:3 7:6 6:2
 Robin Soderling (5) -
 Roger Federer (1)
 3:6 6:3 7:5 6:4
 
 Julian Reister (Q) -
 Feliciano Lopez (27)
 6:1 7:6 6:2
 Julian Reister (Q) -
 Olivier Rochus
 6:2 6:2 7:6
 Stanislas Wawrinka (20) -
 Jan Hajek
 6:1 6:3 6:3
 Stanislas Wawrinka (20) -
 Andreas Beck
 6:1 6:4 6:4
 Stanislas Wawrinka (20) -
 Fabio Fognini
 6:3 6:4 6:1
 Lleyton Hewitt (28) -
 Jeremy Chardy
 7:5 6:0 6:4
 Lleyton Hewitt (28) -
 Denis Istomin
 1:6 6:3 6:4 2:6 6:2
 Rafael Nadal (2) -
 Lleyton Hewitt (28)
 6:3 6:4 6:3
 Rafael Nadal (2) -
 Thomaz Bellucci (24)
 6:2 7:5 6:4
 Rafael Nadal (2) -
 Nicolas Almagro (19)
 7:6 7:6 6:4
 Rafael Nadal (2) -
 Jürgen Melzer (22)
 6:2 6:3 7:6
 Rafael Nadal (2) -
 Robin Soderling (5)
 6:4 6:2 6:4
 Rafael Nadal (2) -
 Gianni Mina (W)
 6:2 6:2 6:2
 Rafael Nadal (2) -
 Horacio Zeballos
 6:2 6:2 6:3


Roger Federer - Stanislas Wawrinka
Da würdige ich bei aller Internationalität, den Weltenbummlern und den vielen Superlativen im Tennisbusiness doch den Augenblick, wo sich zwei Schweizer auf dem vollbesetzten Center Court eines Grand Slam-Turniers gegenüberstehen und das Publikum die Laola-Welle zelebriert. Da muss man sich schon bewusst sein, dass dies ein spezieller und sehr seltener Augenblick ist.
Wawrinka kommt eine nachvollziehbare, aber dennoch undankbare Rolle zu. Die vielen Schweizer Fans stehen fast geschlossen hinter Federer. Durch die Federer-Mania kommt natürlich auch ein Wawrinka in den Genuss grosser Fanunterstützung während seiner Matches. Gegen Federer traut dem Waadtländer aber niemand zu, dass er nach einem Sieg auch das Turnier gewinnen könnte. Deshalb gehören die Unterstützungsrufe der Weltnummer 1. Eigentlich bitter, da Wawrinka derjenige ist, der bei den Davis Cup-Partien immer bereitsteht. Im Gegensatz zu Federer, dem die Fans in rot aber trotzdem zujubeln, wenn es hart auf hart kommt.
Wawrinka powerte mit seinen Aufschlägen und suchte öfters den Weg ans Netz. Federer spielte seine Stoppbälle, welche er erst im letzten Jahr in sein Repertoire aufgenommen hatte. Vorher vertrat er die Aussage, dass Stoppbälle Verlegenheitsschläge seien und man diese nur spiele, wenn einem sonst nichts Besseres in den Sinn kommt. Dieser Gedankenwandel brachte ihm immerhin den erhofften Triumph auf Sand. Seither muss er aber selbst aufpassen, dass er es mit den Stoppbällen nicht übertreibt.
Der 25-jährige Wawrinka startete schlecht ins Match. Anfangs des zweiten Satzes bekam er seine Chance, als Federer ein Horrorgame einzog und sich breaken liess. Doch der 28-jährige Basler schaffte kurz vor Satzende das Re-Break. Nach einem schwachen Tie-Break zertrümmerte Wawrinka sein Racket. Normalerweise buht einen das französische Publikum sofort erbarmungslos aus. Einerseits waren sie hier wohl aber von der Heftigkeit der Aktion geschockt und andererseits verstanden sie den Ärger über die verpasste Chance. Denn der Gewinn der zweiten Satzes wäre ein Muss gewesen, um die Partie ausgeglichen gestalten zu können. So dauerte es etwa zehn Sekunden und Wawrinka sass bereits auf seinem Stuhl, bis die Buhrufe aufkamen.
Söderling sei dank, kenne ich nun auch die Bedeutung der Flaggen auf der Südtribüne des Chatriers (Bild 8). Es waren immer Flaggen von Spieler/innen, die in der Weltrangliste oder auf der Setzliste weit vorne zu finden waren. Soviel wusste ich. Doch nun ging bei mir das Licht auf: Es sind die Flaggen der Vorjahresfinalisten. Von innen nach aussen. Federer Schweiz schlug Söderling Schweden. Kuznetsova Russland schlug Safina Russland.

Roger FedererJulian Reister
Roger Federer - Julian Reister
Gegen den Qualifikanten Reister wurde das Match des Titelverteidigers und Weltranglistenersten "nur" auf dem zweitgrössten Platz, dem Suzanne Lenglen, angesetzt. Während ich mich bei einseitigen Spielen mit klarer Favoritenrolle lieber auf den Aussenplätzen herumtreibe, sahen das die meisten Zuschauer ganz anders. Das Stadion war voll. Alle wollten Federer sehen. Reister zeigte vor der grossen Kulisse eine gute Leistung. Als Qualifikant hatte sich der 24-jährige Deutsche bei seinem Grand Slam-Debüt gleich bis in die dritte Runde gespielt.


Rafael Nadal - Lleyton Hewitt
Ein Déjà-vu respektive ein Evergreen sind für mich die Nadal-Hewitt-Matches, bei welchen der Spanier nach 1:4-Rückstand im direkten Vergleich mittlerweile mit 6:4 führt. An den Australian Open 2005 und den French Open 2006 habe ich dieses Match bereits gesehen. An den French Open 2009 hätte ich auch die Gelegenheit dazu gehabt, liess das Match aber aus. Nun war es wieder soweit. Über weite Strecken der Saison ist Hewitt jeweils wie von der Bildfläche verschwunden. Oft verletzungsbedingt. Bei den Grand Slams aber tritt er stets in guter Form an. So erspielte er sich auch an den US Open 2009 ein Aufeinandertreffen gegen Federer. Ein Viertelfinale in Wimbledon 2009 ist allerdings das beste Resultat des 29-jährigen Australiers seit dreieinhalb Jahren. Vielleicht auch deshalb, weil er aufgrund tiefer Setzlistenpositionen früh auf hochkarätige Gegner wie Federer oder Nadal trifft. Die Liste von Hewitts Bezwingern an den Grand Slam-Turnieren der letzten Jahre liest sich wie ein Who is Who der Tennisszene:

Jahr Austalian Open Roland Garros Wimbledon US Open
2010 Federer (3R) Nadal (3R)    
2009 Gonzalez (1R) Nadal (3R) Roddick (VF) Federer (3R)
2008 Djokovic (4R) Ferrer (3R) Federer (4R) -
2007 Gonzalez (3R) Nadal (4R) Djokovic (4R) Calleri (2R)
2006 Chela (2R) Nadal (4R) Baghdatis (VF) Roddick (VF)
2005 Safin (F) - Federer (HF) Federer (HF)
2004 Federer (4R) Gaudio (VF) Federer (VF) Federer (F)
... ... ... ... ...

Legende:   1R = 1. Runde,   2R = 2. Runde,   3R = 3. Runde,   4R = 4. Runde,   VF = Viertelfinale,   HF = Halbfinale,   F = Finale

 

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